Beobachtungsplanung, Horizont frei definierbar

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas RTJoe
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

RTJoe

Aktives Mitglied
Hallo,

da dies mein erster Beitrag hier im Forum ist, möchte ich mich zunächst einmal vorstellen: Ich heiße Joachim, wohne in der Nähe von Stuttgart und bin Astro-Einsteiger.

Da ich trotz stark eingeschränktem Sichtfeld gerne vom Balkon aus beobachte, suche ich Software zur Beobachtungsplanung, welche dieses Sichtfeld berücksichtigen kann. Sie sollte also eine frei definierbare (unregelmäßige) Horizontlinie unterstützen (oder eigentlich nur ein Sichtfenster).

Bisher habe ich so etwas nur in SkyTools gefunden, zumindest sieht das Tutorial zur Funktion "Obstructed Horizon" sehr vielversprechend aus. Leider gibt es davon keine Trial-Version.

Gibt es noch weitere Software mit dieser Funktionalität oder hat jemand SkyTools im Einsatz und kann mir mehr dazu berichten?

Tschüss,
Joachim

 
Hallo Joachim,

erst einmal herzlich willkommen im Forum.

Ich kenne zwei Programme, mit denen man einen eigenen Horizont definieren kann: Cartes du Ciel und xephem. Ich habe die Funktion aber noch nie benutzt, also bitte nicht fragen wie das geht.

CS
Klaus
 
Hallo Klaus,

vielen Dank für die Info.

Mit Cartes du Ciel habe ich schon experimentiert. Durch Verstellen der Uhrzeit kann man damit für einen bestimmten Zeitpunkt herausbekommen, was gerade im Sichtfeld liegt. Praktischer wäre es natürlich, sich eine Liste der sichtbaren Objekte für einen Zeitraum suchen zu können und die Sichtbarkeitszeiten angezeigt zu bekommen.

Außerdem wäre es für mich nützlich, wenn man für bestimmte Bereiche des Horizonts eine Horizonthöhe >90 angeben könnte (da hier auch Teile des Zenitbereichs verdeckt sind). Mich würde interessieren, ob SkyTools das kann; CdC scheint alle Horizonthöhen bei 90 Grad zu kappen.

Tschüss,
Joachim
 
Hallo Joachim,

ich kenne SkyTools3 und seinen "Obstructed horizon". Da kann man einen Horizont definieren, aber korioserweise wurde er nicht in den Himmelsansichten angezeigt. Deswegen muss ich auch anzweifeln, ob er korrekt in den Berechnungen berücksichtigt wird.

Nun bin ich selbst Autor eines Beobachtungsplaners mit dem Namen "Eye&Telescope". In der derzeit verfügbaren Version 3.1.2 gibt es dort keinen solchen individuellen Horizont. Das wollte ich eigentlich schon mit Version 1.0 haben, weil es meiner Meinung nach sehr wichtig und eigentlich unverzichtbar ist - sonst bleiben alle zeitlichen Empfehlungen der Planungswerkzeuge reine Theorie.

Erfreulicherweise ist es mir im Verlauf der letzten 12 Monate gelungen, eine solche "Horizontfunktion" zu realisieren. Hier kann man sehen, wie das aussieht.

Sie wird mit dem nächsten Update von Eye&Telescope (Version 3.2) hoffentlich noch vor Jahresende zur Verfügung stehen. Neben der grafischen Darstellung wird das Horizontprofil bei den Berechnungen berücksichtigt. Besonderes Highlight ist dabei die Optimierung eines Beobachtungsplans: für eine Menge von Objekten wird eine Reihenfolge so bestimmt, dass der "Höhenverlsut" gegenüber dem besten Beobachtungszeitpunkt jeden Objektes insgesamt minimiert wird. Klingt abstrakt, ich weiß. Es wird aber hoffentlich verständlich wenn man an diese Situation denkt: Du willst 15 Objekte beobachten, die alle Richtung Westen stehen und mit Eintritt der Dunkelheit am höchsten stehen. Gleichzeitig geht aber nicht, wir brauchen eine Reihenfolge. Eye&Telescope kann sie finden und berücksichtigt dabei nicht nur den Horizont, sondern auch die Tatsache, dass hoch stehende Objekte weniger "leiden" wenn man sie z.B. 10 Grad tiefer stehend beobachtet als die bereits sehr tief stehenden Objekte. Es wird also beachtet, dass die Horizontkriecher auch möglichst zuerst an die Reihe kommen. Solchermaßen optimierte Beobachtungsüpläne sind natürlich keine starre Vorgabe, aber sie können oft helfen, solche Konfliktsituationen sinnvoll aufzulösen. Der Algorithmus ist dabei so schnell, dass man das sogar spontan vor Ort auf dem Notebook lösen kann, 30 Sekunden bis eine Minute Rechenzeit bei ca. 30 Objekten im Plan sind dafür i.A. ausreichend.

Neu in 3.2 sind auch die Planeten in Karten und Planung. In Verbindung mit dem Horizont werden dann die Sichtbarkeiten der Planeten gefunden, auch ausgehend von einem bestimmten Zeitpunkt bis es das nächste Mal klappen kann. Weil dabei die Helligkeit des Himmels berücksichtigt wird, erhält man sogar praktisch brauchbare Sichtbarkeitsprognosen für Planeten in der Dämmerung (Merkur!), inklusive Horizont. Was will man mehr?

Vor einer Veröffentlichung des Updates muss ich die Dokumentation aktualisieren und dabei auch die vielen anderen Neuerungen in 3.2 berücksichtigen. Weil ich derzeit zeitlich sehr knapp dran bin kann ich noch keinen verlässlichen Termin nennen. Getrödelt wird aber nicht, keine Sorge.

Wie immer wird das Update für Bestandskunden kostenlos sein.

Vergleich SkyTools3 mit Eye&Telescope: was ich als Programmautor dazu sage, kann nicht objektiv sein. Ich kann lediglich dazu raten, sich nicht von der in einigen Bereichen größeren Funktionsfülle von SkyTools3 blenden zu lassen! E&T setzt auf Bedienungsfreundlichkeit und klare Konzepte. Es ist sehr schnell, bietet viele Möglichkeiten zum Datenaustausch und zur Zusammenarbeit mit anderer Software, kann als einziges Planungsprogramm als portable Installation auf einem USB Stick verwendet werden und passt sich sogar automatisch an die 1024*600 Auflösung der Netbooks an. "Portabel UND netbooktauglich" kann sonst keiner! Last but not least ist es günstiger als SkyTools3 und auch ohne kostenpflichtiges Zusatzmodul echtzeitfähig.

Viele Grüße,
Tom
 
Moin Joachim!

> CdC scheint alle Horizonthöhen bei 90 Grad zu kappen.

Was ja auch Sinn macht: Wenn Dir Objekte im Alt-Az-Moduns angezeigt werden, dann ist eben definitionsgemäß bei +90° (= Zenit) Schluß. Die Objekte, die scheinbar "über Kopf" stehen, haben nur einen anderen Azimut, aber wieder eine Höhe von unter 90°. Eigentlich logisch, nicht?!
 
I have a dream.....

Könnte es vielleicht "irgendwann" einmal eine Software geben, bei der ich den Horizont "einfach" einfügen kann???? Also, ich fotografiere von meinem Beobachtungsplatz aus den Horizont und füge diese Bilder in das Planetariumsprogramm ein, passe noch die Maßstäbe an und fertig :).
Ach ja, träum......

gruß
michael
 
Hallihallo,

vielen Dank für die Antworten! :)

Zitat von Thomas_Pfleger:
ich kenne SkyTools3 und seinen "Obstructed horizon". Da kann man einen Horizont definieren, aber korioserweise wurde er nicht in den Himmelsansichten angezeigt. Deswegen muss ich auch anzweifeln, ob er korrekt in den Berechnungen berücksichtigt wird.
Laut dem Changelog von SkyTools wurde in v3.0d folgender Fehler repariert: "The Rise/Transit/Set columns in the observing list were still being computed using the obstructed horizon when the obstructed horizon was disabled." Daraus habe ich geschlossen, dass der Horizont wohl in die Berechnung eingeht.

Zitat von Thomas_Pfleger:
Erfreulicherweise ist es mir im Verlauf der letzten 12 Monate gelungen, eine solche "Horizontfunktion" zu realisieren.
...
Sie wird mit dem nächsten Update von Eye&Telescope (Version 3.2) hoffentlich noch vor Jahresende zur Verfügung stehen.
Die neue Version klingt sehr vielversprechend. Mit dieser Info ist E&T auf meiner "Beobachtungsliste" von Platz 2 neben SkyTools gleichauf auf Platz 1 gerutscht. Wie wird denn in E&T der Horizont konfiguriert werden (siehe Erläuterung unten)?

Zitat von Thomas_Pfleger:
Keine Sorge, da fallen uns sicher noch ausreichend Wünsche für mehrere Programmversionen ein... ;)

Zitat von winnie:
> CdC scheint alle Horizonthöhen bei 90 Grad zu kappen.

Was ja auch Sinn macht: Wenn Dir Objekte im Alt-Az-Moduns angezeigt werden, dann ist eben definitionsgemäß bei +90° (= Zenit) Schluß. Die Objekte, die scheinbar "über Kopf" stehen, haben nur einen anderen Azimut, aber wieder eine Höhe von unter 90°. Eigentlich logisch, nicht?!
Jein... ;) Das Problem ist nicht ganz einfach zu beschreiben.

In CdC kann ich für jede Blickrichtung die Höhe des Horizonts angeben. Wenn ich also genau in Richtung Süden blicke und dort wegen eines Gebäudes mein freies Gesichtsfeld erst ab 12 Grad Höhe beginnt, gebe ich für die Richtung 180 (=Süden) den Wert 12 ein. Soweit funktioniert das auch.

Jetzt ragt aber über mir noch ein Vordach oder ein Baum ins Gesichtsfeld, darum kann ich in Richtung Süden nicht ab 12 Grad Höhe bis zum Zenit schwenken sondern es ist z.B. schon bei 75 Grad Schluss. Versuchsweise habe ich in CdC deshalb für Richtung Norden (0 Grad) den Horizont auf 105 Grad konfiguriert, was aber nicht funktioniert. Ich bräuchte also entweder die Definition eines Sichtbarkeitsbereichs mit unterer und oberer Grenze <=90 Grad oder die Definition einer einzelnen Horizontlinie mit Höhe >90 Grad.

Tschüss,
Joachim
 
Hallo Michael,

es braucht durchaus Zeit, ein gutes Panorama aufzunehmen, zu stitchen und dann freizustellen - also kenntlich zu machen, wo der Horizont aufhört und der Himmel anfängt.

TheSky 6 und TheSkyX können (wie auch Stellarium. aber da habe ich das nicht selbst ausprobiert) ein solches freigestelltes Horizontbild einpassen. Man muss dann das Azimut und die Höhe des Horizonts noch anpassen.

Mir war diese "Lösung" viel zu umständlich und zu technisch. Ich wollte es ohne besondere Hilfsmittel und ohne dass ein Anwender erst lernen muss, wie man Panoramen freistellt und transparent macht.

Also: warum orientiert man sich nicht einfach an den Sternen? So gibt es im nächsten E&T ein neues Kartenfenster, das aussieht und funktioniert wie eine Drehbare Sternkarte. Man stellt Zeit und Ort aktuell ein. Dann den Horizont editieren: Punkt für Punkt klickt man den Horizont hinein. Wenn man z.B. ringsherum eine Abschattung von 10 Grad hätte würde dafür ein einziger Punkt reichen, der Horizont wird automatisch komplettiert. Wenn etwas daneben gegangen ist, gibt es eine Undo-Funktion. Die einzelnen Punkte lassen sich per Tastatur bequem und präzise verschieben. Ich habe das für einige Orte schon so gemacht und es funktioniert sehr schön. Ohne Hilfsmittel, für jede(n) verständlich und vor allem schneller als mit Kamera und BV! Einziger Nachteil: es muss dunkel sein. Horizonte können in Textdateien gespeichert und von dort geladen werden. So reicht es an einer Sternwarte z.B., dass sich einmal jemand die kleine Mühe macht, den Horizont zu bestimmen. Andere Beobachter können ihn dann einfach importieren.

Wenn später z.B. Sträucher gestutzt wurden oder jemand ein neues Haus gebaut hat, ist das ruckzuck im Horizont korrigiert. Ohne eine neue Panoramaaufnahme. Keep it simple!

Gruß,
Tom
 
Hi Joachim!

Zitat von RTJoe:
Jein... ;) Das Problem ist nicht ganz einfach zu beschreiben.

In CdC kann ich für jede Blickrichtung die Höhe des Horizonts angeben. Wenn ich also genau in Richtung Süden blicke und dort wegen eines Gebäudes mein freies Gesichtsfeld erst ab 12 Grad Höhe beginnt, gebe ich für die Richtung 180 (=Süden) den Wert 12 ein. Soweit funktioniert das auch.

Jetzt ragt aber über mir noch ein Vordach oder ein Baum ins Gesichtsfeld, darum kann ich in Richtung Süden nicht ab 12 Grad Höhe bis zum Zenit schwenken sondern es ist z.B. schon bei 75 Grad Schluss. Versuchsweise habe ich in CdC deshalb für Richtung Norden (0 Grad) den Horizont auf 105 Grad konfiguriert, was aber nicht funktioniert. Ich bräuchte also entweder die Definition eines Sichtbarkeitsbereichs mit unterer und oberer Grenze <=90 Grad oder die Definition einer einzelnen Horizontlinie mit Höhe >90 Grad.

Tschüss,
Joachim

Ich denke, ich hab's schon verstanden: es gibt nicht nur einen unteren Horizont, sondern auch einen oberen (für den Dachüberstand der Terrasse oder des Balkons obendrüber). Obwohl es toll wäre, das auch noch eingebaut zu haben, musste ich aus Zeitgründen darauf verzichten. Es ist aber eine sinnvolle Option für die Zeit nach 3.2.

Weitere Ideen: nach 3.2 schalte ich drei Gänge runter und muss meine Zeit dann für andere Themen nutzen. Es wird weitergehen, aber nicht besonders schnell. Schon oft geschrieben: mein Anspruch ist nicht, dass E&T die eierlegende Wollmichsau wird. Erweiterungen müssen sich sinnvoll und für den Anwender verständlich und komfortabel einfügen lassen. Wenn es zu kompliziert oder zu unübersichtlich zu werden droht, lasse ich es lieber. Aus diesem Grund habe ich manche Idee wieder verworfen und (selten, aber es ist passiert) sogar schon fertig entwickelte kleinere Sachen wieder ausgebaut. Schaut euch manches (die meisten!) Astroprogramm an: hoffnungslos überfrachtet. E&T ist schon jetzt so umfassend und mächtig dass die Mehrheit der Anwender sowieso nicht ausschöpfen was das Programm bietet. Ich habe z.B. noch nie Feedback zu einem einmaligen Feature bekommen - zum automatischen Ausdruck von Aufsuchkarten für einen ganzen Beobachtungsplan. Kann weltweit kein anderes Programm. Das ist der Grund dafür, dass gar nicht erst jemand danach sucht...

Gruß,
Tom
 
Hallo Tom,

Hatte dieses Problem mal bei einem Berechnungsprogramm für Solaranlagen, es waren zB die Tagbögen zu ermitteln unter Einfluss der Horizontüberhöhung.
Wie rechnest du das?
Bei "mathematischen" Horizont ist alles klar, Sonne rechnet man dann für die Höhe -50' = -0.833° und feddich :)
Azimut ist dann auch ermittelbar.
Wenn jetzt aber wie fast immer Gelände vorhanden ist, ist mir die Berechnung schleierhaft. Man hat zwar - sofern der Horizont rundum bekannt ist - für jeden Azimut die entsprechende Höhe gegeben, nur weiß ich den Auf-/Unrergangsazimut aber nicht im Voraus, bzw. wo der Tagbogen des Objektes den (erhöhten) Horizont schneidet.
» Grafik (Beispiel Sonne)

Noch dazu können ja Auf-/Untergänge ja auch "schleifend" sein, wenn das Gelände gerade zufällig ähnlich der Ekliptikneigung (Sonne) ist.
» Großmugl

cs,
harald

--

 
Hallo Harald,

stell' Dir einen Horizont vor, der wie die Zinnen einer Burgmauer aussieht. Ein Objekt guckt immer mal wieder durch und wird dann verdeckt. Was soll in so einer Situation der Aufgang sein?

Pragmatischer Ansatz: ich rechne in kleinen Zeitschritten und beginne mit dem mathematischen Aufgang (also Nullhorizont). Wenn nun zweimal nacheinander das Objekt über dem Horizont stand, dann gilt dies als Aufgang. Symmetrisch dazu findet man den Untergang -> die letzten beiden Schritte, bei denen das Objekt über dem Horizont steht. Diese Idee ist vom Abtasttheorem nach Shannon inspiriert.

Nun kannst Du Dir überlegen, welche Genauigkeit (also welchen Zeitschritt) Du möchtest. E&T nimmt 5 Minuten Schrittweite (also mindestens zehn Minuten Sichtbarkeit). Man könnte den Wert einstellbar machen, aber ich habe darauf verzichtet. Wenn man nicht genug Zeit hat um ein Objekt in einer Baulücke o.ä. zu beobachten, dann gilt es eben als mit diesem Horizont nicht sichtbar. Darüber kann man streiten, muss es aber nicht ;-)

Selbstverständlich ist dieser Ansatz nicht "offiziell". Um irgendwie weiterzukommen, musste ich aber eine Definition treffen und mich dran halten. Wie Du schön illustriert hast, gibt es ja manchmal mehrere Sonnenuntergänge, gerade in den Bergen.

Man könnte das Problem auch so definieren, dass man eine minimale Sichtbarkeitsdauer fordert, damit "eine Burgzinne gilt". Es hängt halt davon ab, was Du haben willst.

Um es schnell zu kriegen, verwende ich zur Positionsberechnung beweglicher Körper (Sonne, Mond, Planeten) nicht die genauen Reihenentwicklungen, sondern Approximationen der Koordinaten durch Tschebyscheff-Polynome (steht im Montenbruck / Pfleger). Der Horizont ist im Azimut diskret, kann also nur Werte mit ganzen Gradzahlen enthalten. Im Allgemeinen werden weniger als 360 Punkte definiert, also wird einmalig zu Beginn interpoliert und die Werte in einem Array abgelegt. Dann muss man die benachbarten Azimutwerte (und die dazu interpolierten Höhen des Horizonts) nicht suchen, sondern holt sie per Index aus dem Array. Die Bestimmung ob über dem Horizont oder drunter ist auch optimiert. Insgesamt ist das Verfahren extrem flott. Wenn E&T z.B. nach einer künftigen Planetensichtbarkeit mit einem realisitsch komplexen Horizont (ca. 20 Punkte) sucht, dann geht das für den maximalen Suchzeitraum von etwa 2 Jahren (synodische Periode von Mars) in wenigen Sekunden. Sowas wie die nächste Merkursichtbarkeit geht auf einem üblichen Rechner fast unmerklich schnell.

Was verflixt komplex war ist der Editor für den Horizont. Überleg' mal was passiert, wenn man einen Horizontpunkt mit der Maus z.B. über den Zenit hinaus zieht, so dass das Azimut unstetig kippt. Und andere Spezereien. Inzwischen verstehe ich SEHR gut, warum alle anderen Programme mit einem benutzerdefinierten Horizont in diesem Punkt sehr simpel (und damit unkomfortabel) gestrickt sind. Es ist richtig schwierig das gut und korrekt zu machen.

Viele Grüße,
Tom
 
Hallo,

ich hab mal vor längerer Zeit einen kleinen Algorithmus zum "Berechnen" des Sternbilds zu einer Koordinate geschrieben (hier).

Ich könnte mir auch vorstellen, diesen Ansatz für eine Horizontbeschreibung zu nutzen und so die Sichtbarkeit eines Objektes zu bestimmen...

Gruß aus der Pfalz
 
Hallo Tom + Jörn,

vielen Dank für die ausführliche Darstellung!

@Tom: Das mit der Näherung (nicht gesamte Reihenentwicklung) war mir klar, man braucht ja für die A/U Berechnung keine hochgenaue RA/DEC zu berechnen. Für die Positionsberechnung verwende ich ebenfalls die schnellen Algorithmen aus Montenbruck/Pfleger (Sonne/Mond)
Für die A/U Berechnung selber bin ich in letzter Zeit von der Quadratischen Approximation abgekommen zugunsten der Methode von Meeus. Da bekommt man auch den Transit gleich mitgeliefert.
Werde versuchen, ob ich das mit den schrittweise interpolierten Höhen des Horizonts hinbekomme. Im Skript für die Solaranlagen damals war das viel zu grob, dort war aber auch keine allzu hohe Genauigkeit gefordert.
Bezüglich Editor verstehe ich die Komplexität. Die meisten lösen das doch gar nicht grafisch, oder? Eher als tabellarische Werte-Eingabe. Aber auch da kann man ja unerlaubte Werte eingeben, nicht nur wenn man sich mit Maus verklickt....;)
Hm, findest du, dass ein Horizont mit 20 Überhöhungsangaben schon "ausreichend komplex" ist?

@Jörn: Hui, da muss ich mich mal durchackern. Ich denke aber nach erster Überlegung dürfte Toms Approximation genügen und auch ausreichend genau sein. Ist ja auch schon kompliziert genug für mich ;)

cs,
harald

--
 
Hallo Harald und Jörn,

"Sternbild zu Koordinaten" ist eine speziellere Aufgabenstellung als "Punkt im Polygon?". Wenn man im Äquinoktium 1875 arbeitet, sind die Sternbildergrenzen nämlich parallel zu den Linien gleicher Rektaszension und Deklination. Dann kann das Sternbild durch eine Reihe einfacher Abfragen ermittelt werden. Dafür gibt es den Algorithmus von Roman, zu finden beim CdS: auf der Suchseite "VI/42" eingeben. Eine Liste der Sternbildergrenzen (geeignet zum Zeichnen von Karten) findet man mit "VI/49".

Die Prüfung, ob eine Objektposition über dem Horizont liegt, könnte man natürlich mit "Punkt im Polygon?" lösen. Meiner Meinung nach ist das aber unnötiger Aufwand. Die Prüfung ist ja nicht für den gesamten Azimutbereich notwendig. Es genügt, die beiden benachbarten Azimutwerte des Horizonts (links und rechts) zu finden. Dazwischen liegt eine Gerade und ob der fragliche Punkt drunter oder drüber liegt ist ganz schnell bestimmt. Um die Geschwindigkeit zu erhöhen, wird nun nicht jedesmal für den Testpunkt gesucht, welche Horizontpunkte links und rechts davon liegen. Statt dessen wird einmalig der Horizont mit einer Schrittweite von einem Grad im Azimut interpoliert und die Höhen dazu in einem Feld abgelegt. Dann kann man anschließend den Index berechnen und die Höhe holen, statt suchen zu müssen. Damit wird es deutlich schneller!

Grafische Editoren: kenne ich von SkyTools3 und TheSky6 / TheSkyX. Beide taugen meiner Meinung nach nicht viel. TheSky hatte aber ein nettes Feature: wenn schon ein Panoramafotos des Horizonts eingebunden ist, kann man es im Horizonteditor "abtasten" lassen und enthält dann ein Horizontpolygon. Gute Idee!

Die "Lösung" mit der Tabelle von Horizontpunkten ist für den Entwickler einfach und wenig Aufwand. Der Anwender hat dann aber gar keine Unterstützung beim Bestimmen der Werte für den Horizont. Das ist schwach!

Viele Grüße,
Tom
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Tom,

soweit alles klar.
Hier mal ein Extrembeispiel, zugegebenermaßen etwas konstruiert, aber möglich.
Folgender "realer" Horizont bestehe aus 25 Höhenangaben: (ev. noch vereinfachbar)
» Beispiel Aufgang

Würde man dann wahrscheinlich den 2. (höheren) Punkt als "Aufgang" bezeichnen, wenngleich die Sonne hier bereits in der Mulde davor einmal zur Gänze "aufgegangen" war, also oberhalb des realen Horizontes stand, danach aber wieder zur Gänze verschwindet?
Mag sein, dass das Haaerespalten ist ;)

Das kommt dann deinem Beispiel mit den Burg-Zinnen schon recht nahe. Es könnte ja auch ein großes Gebäude sein.

cs,
harald

--
 
Ächäm, hoppla, falsch gedacht!
Laut deiner Definition wäre schon der erste Aufgang der entscheidende, wenn 5min nach dem ersten Auftauschen des oberen Sonnenrandes derselbe immer noch sichtbar ist, auch wenn die Sonne danach nochmals kurz verschwindet.
 
Zitat von h_c_greier:
Ächäm, hoppla, falsch gedacht!
Laut deiner Definition wäre schon der erste Aufgang der entscheidende, wenn 5min nach dem ersten Auftauschen des oberen Sonnenrandes derselbe immer noch sichtbar ist, auch wenn die Sonne danach nochmals kurz verschwindet.

Genau! Wenn die Sonne lange genug durch die erste Lücke läuft, dann zählt diese Lücke. Das ist Konvention, mehr nicht. Aber weil es nichts Konkreteres als einen Algorithmus gibt, müssen wir ja eine Festlegung treffen. Alternativ könnte man auch den längsten Abschnitt suchen, in dem ein Objekt über dem Horizont steht. Also die größte Lücke. Ich habe das nicht gemacht, weil zusätzlich bei Deep Sky Objekten noch die Dunkelheit zu berücksichtigen ist: was hilft's, wenn das Objekt xy in der größten Lücke steht, aber dann schon der Mond aufgegangen ist? Dann nehme ich lieber eine kleinere Lücke und es ist dann dunkel. Kommt also ganz drauf an, was man braucht. Deswegen hat's so lange gedauert, bis ich mich an das Thema Horizont überhaupt rangetraut habe: musste erst wissen, was es genau werden soll.

LG,
Tom
 
Hi!
Einen eigenen (realen) Beobachtungshorizont zu erstellen per Fotopanorama und in die Anzeige einzubinden geht mit "Voyager 4.5" von Carinasoft.
http://www.carinasoft.com/
Ist allerdings ein kommerzielles Programm.
Ob´s mit der günstigeren "Sky Gazer" Version auch ginge, weiß ich leider nicht, wäre aber wohl rauszukriegen. Der Support ist ganz OK.
CS, Andreas
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben