Beobachtungsplatz, welche Richtung?

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Henning81

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Hallo in die Runde,

womit wir auch gleich schon beim Thema wären.

Ich möchte mir einen Beobachtungsplatz pflastern und nun geht es darum, den besten Platz auf unserer Wiese zu finden.

Kurze Beschreibung der Ausgangslage:

-Streuobstwiese, nördl. vom Dorf, Aussenbereich, keine feste Sternwarte möglich
-von NW über N und O bis SO Wald, 100-300m entfernt
-Strassendorf, EINE Strasse von NW nach SO verlaufend.
-an der Strasse stehen Natriumdampflampen (?, die orangenen)
-Gute Sicht nach Osten, Norden und WNW
-Nach Süden in ca, 200m Entfernung Häuser (teilw. li. u. re. d. Str.)
-in ca. 150m eine alte, grosse Scheune, näher dran wenige, grosse Bäume ("genau im Süden", Höhe ca. 20° über Horizont)
-Es soll ein etwa 1,4m hoher Zaun drumherum, je nach Standort mit oder ohne die Möglichkeit der Erhöhung als Blendschutz

Jetzt Meine Fragen:

-Baumhöhe akzeptabel?
-Entfernung zu den Häusern gross genug (Seeing)?
-Streulichtschutz/Blendschutz, was nehme ich da im Hinblick auf schnellen Auf- und Abbau und Windstabilität?
-eigentlich nur visuelle Beobachtung, falls relevant.
-Ganz wichtig ist mir zu erfahren, ob es sinnvoller ist, dem südlichen Himmelsausschnitt östlich oder westlich des Meridians den Vorzug zu geben. Da kann ich den Platz mehr östlich oder mehr westlich anlegen. Weiter westlich etwas weniger Laternenlicht, aber eine reicht ja schon.

Was sind Eure Erfahrungen dazu, wo greife ich am meisten Himmel ab?

Entschuldigt die lange Liste, aber ich wollte es gleich ausführlich beschreiben.

Klare Nächte und freie Sicht,

Henning
 
Hallo!

Meine Phantasie reicht leider nicht aus, um mir das vorzustellen... wäre es vielleicht möglich, Koordinaten mit Google Maps zu bestimmen oder eine ganz einfache Lageskizze zu machen?

Persönlich vermisse ich bei meinem Beobachtungsplatz den Südosten (da liegt die Stadt und hellt besonders im sommerlichen Dunst den Himmel bis 45...50 Grad Höhe so sehr auf, dass man nichtmal im Sucher was sehen kann). Von daher würde ich spontan die Stelle nehmen, die mir den östlichen Teil des Südhimmels zeigt. Das liegt aber vielleicht nur daran, dass man immer das meisten haben will, was einem fehlt...

Bäume: Ich denke, daß die Bäume im Süden kein großen Problem darstellen, denn dort wird es im Sommer sowieso nicht richtig dunkel. Da könnten die Bäume im Gegenteil sogar insgesamt für mehr Dunkelheit sorgen!

Häuser: Genauso wie die Bäume. 200m ist natürlich nicht besonders weit, da stört wohl die Aussenbeleuchtung bzw. die beleuteten Grillfeiern im Sommer am meisten.

Blendschutz zum schnellen Auf- und Abbau: Dazu fällt mir leider gar nichts ein - hätte ich selber gerne...

Viele Grüße
Maximilian
 
Moin Henning,
als bevorzugte Beobachtungsrichtung neben dem Süden bietet sich der Osten an, da Objekte, die man lange Zeit nicht beobachten konnte, hier wieder aufsteigen.
Als Blendschutz habe ich in meinem Garten einfach eine Wäscheleine gespannt, an die ich eine leichte Wolldecke hänge.
Keine gute Idee ist es, den Beobachtungsplatz zu pflastern. Steine oder Platten sind sehr gute Wärmespeicher und geben die Wärme auch nur langsam ab. So wirst Du durch aufsteigende Warmluft immer Seeingprobleme haben. Die grüne Wiese ist viel besser als Untergrund geeignet.
Ich wünsche Dir noch viele "gute" Ratschläge.

Wolfgang.
 
Ihr Beiden (Maximilian und Wolfgang),

das ist ja interessant, dass hier gleich zwei Meinungen pro Ost bzw. Südost sind. Ich hätte das Gegenteil vermutet, weil es ja ab Mitternacht erst so richtig schön dunkel ist und Objekte dann quasi "ab Meridian westwärts", also ab Ihrer größten Höhe abwärts bei bester Dunkelheit beobachtet werden können.

Wie auch immer meine Vermutung, den bevorzugten Platz würde ich ja genau mit freiem Blick von NO über O bis S anlegen, also gemäss Eurer Vorstellungen.

Was das Seeing bei Steinböden angeht, habe ich tatsächlich die besten Nächte auf der Wiese gehabt. Vorne an der Strasse, auf Betonpflaster und unter der Laterne, da sieht man kaum noch Sterne. Sozusagen. Tatsache ist aber, dass ich auf der Schafswiese einen vernünftigen Platz brauche, eben, trocken und sauber, gross genug für das Teleskop im Zentrum und meinen Stuhl aussen herum.
Müsste ich da nicht auch zuerst mal meinen Atem von der Öffnung wegbringen? Klärt mich auf.

Danke schonmal für Eure Ratschläge, das wird ja hoffentlich noch richtig interessant.

Henning
 
hi Henning,

mal eine originelle Frage.
Am besten mal des nächten rausgehen und selber gucken, was für dich optimal ist.
An Punkt 1 und 2 kannst du eh nichts machen. Wenn du die Objekte nicht gerade direkt über den Häusern beobachtest, passt das.
Ist es dor bei dir meist windig (nachts)? Als Blendschutz ein schwarzes Tuch mitnehmen.
Für mich ist der Südosten besser als der Südwesten, da neue Objekte im osten auf gehen und du mehr Zeit hast sie zu beobaxhten. Daher lieber der SÖ als der SW.

Gruß
Lothar

 
Kleiner Nachtrag,

53.229664, 13.268614

Dort, oder 50m westlich, darum gehts.

Hallo Lothar,

mir geht es um das Wissen der erfahrenen Beobachter in Bezug auf Himmelsmechanik und Beobachtungspraxis. Wenn ich jetzt mit viel Mühe einen Platz anlege, der 50m neben dem sweet spot liegt, dann ärgere ich mich jahrelang.
Nummer drei pro Südost.
Es ist ofters mal windig. Deswegen, und auch, weil es nicht wie ein festes Gebäude aussehen soll, möchte ich den Blendschutz gern abbaubar/zusammenroll- oder klappbar o.ä. gestalten.

Mit direkt über den Häusern meinst wenige Meter darüber oder in einer gedachten Linie senkrecht darüber Richtung Zenit? Letzteres ist ja schlecht zu vermeiden.

Noch ein Nachtrag. Ich könnte auch die Bäume fachgerecht einkürzen/fällen, aber es stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit.

Gruss,

Henning
 
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Hallo!

Zitat von Henning81:
53.229664, 13.268614

Dort, oder 50m westlich, darum gehts.

„Dort“ wäre meine Wahl! Das einzige im Osten/Südosten, was mir ein bisschen Sorgen bereiten würde, ist der See. Da könnte im Sommer einiges an Dunst bzw. Luftfeuchtigkeit entstehen.

Ansonsten sieht das für mich nach einem beneidenswerten Beobachtungsplatz aus!

Statt Pfastern könnte man auch über Bodenschrauben als Fundamente für die Stativbeine (bzw. eine Säule) nachdenken. Die sind in ein paar Minuten an einen anderen Ort versetzt, falls das nötig sein sollte.

Viele Grüße
Maximilian
 
Maximilian,

der See ist bei uns nicht zu bemerken, er liegt in der Senke und ist 1,2km weit weg. Dazwischen ist ja auch noch Wald und wir liegen ja unglaublich hoch, um die 70m über Null!
Spass beiseite, es ist relativ trocken bei uns "im Feld".

Ich werde bis auf weiteres (bis auf weitere Jahre) einen Dobson nutzen, ich bin ja visuell unterwegs und mir macht das manuelle An- und Erfahren der Objekte Spass, das Rauswandern gibt mir ein Gefühl für die Erddrehung und die Vergrößerung.

Ansonsten hast Du Recht. Ein Podest für den Dobson wäre ja auch eine Variante. Bliebe eine offene Frage für den Stuhl. Eine ringförmige Holzterasse ginge wohl.

Gruss,

Henning

 
Hallo Henning,

mir kommt der Aufwand recht gross vor für einen eigentlich suboptimalen Beobachtungsplatz. Und: Nummer vier für Südost ;) aber: Süden ist nur mit mehr Süden zu ersetzen. Da tauchen halt Sachen auf, die du sonst nicht siehst. Wie oft du sie dann tatsächlich siehst, bei unserm Wetter, ist wieder die andere Frage, es muss dafür ja extrem klar und luftruhig sein.

Deine Scheune mit 20° Höhe im Süden - bist du dir da sicher? Das erscheint mir extrem viel. Beim Beobachten fallen mir meistens alle Sachen ab 10° störend auf (Hügelzüge, Bäume).

Und denk dran, die Wiese muss ja noch mähbar sein (Stichwort Holzterrasse) ;) Oder machen das die Schafe?

Was ich schon machen wollte (aber ich bin mit EQ5 und Holzstativ unterwegs): Einfach drei kleine Metallrohre in den Boden jagen, wo die Stativspitzen reinkommen. Würde das Einnorden erheblich verkürzen. Vielleicht geht mit deinem Dobson was ähnliches? 8" sind ja nicht die Welt.

Gruss,
Simon
 
Hallo Simon,

für den einen beneidenswert, für den anderen suboptimal. Ich habe rund anderthalb Hektar zur Auswahl und der beste Platz darauf trägt dann das Prädikat "Optimal", sonst wäre ja alles unter Hubble suboptimal.
Da ich nun mal unter einem Nordhimmel wohne, mache ich mir nur über diejenigen südlichen Objekte Gedanken, die ich auch gut (mit angemessenem Aufwand angesichts der guten Erreichbarkeit des Resthimmels) erreichen kann. Um herauszufinden, welche das sind, brauche ich Eure Unterstützung.

Ich habe z.B. gelesen, dass ein Objektkatalog von vornherein nur Objekte bis -10°(unterhalb der Ekliptik) auflistet.

Nicht die Scheune, der Baum ist 20° über Horizont. Leider wächst er im Gegensatz zur Scheune.

Die Wiese wird von den Schafen gemäht. Was sie nicht erreichen, wird eben angeblökt. Meine Tendenz geht wieder Richtung Pflasterplatz, es sind ja wirklich nur drei Quadratmeter inmitten einer Wiese.

Danke für Deine Einschätzung!

Henning
 
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Hi!
Zitat von maximilian:
Das einzige im Osten/Südosten, was mir ein bisschen Sorgen bereiten würde, ist der See. Da könnte im Sommer einiges an Dunst bzw. Luftfeuchtigkeit entstehen.
Nicht zu vergessen der Wärmespeicher durch das Wasser - das kann massig Luftunruhe geben.

Grüße

fquadrat
 
Hallo Henning!
Zitat von Henning81:
-an der Strasse stehen Natriumdampflampen (?, die orangenen)
Das klingt nach Niederdruck und läßt sich mit einem Neodymfilter fast komplett aus der Welt schaffen.

Für Hochdruck wären CLS oder Bauähnlichkeiten nötig, aber nicht so wirkungsvoll wie Neodymglas bei Na-Niederdrucklampen.

Grüße

fquadrat
 
Hallo fquadrat,

danke für Deine Überlegungen.

Gegen den See kann ich nichts unternehmen, aber aus der Richtung habe ich auch noch keine besonderen Einschränkungen feststellen können.

Was die Lampen angeht, werde ich wohl mal genau herausfinden, was das für welche sind.
Der Filter ist sicher gegen die Aufhellung der Luft brauchbar.
Gegen direktes Licht in mein Auge werde ich mir ein paar Stangen mit blickdichtem Stoff aufstellen und dann eben immer wieder abbauen. Ein Arbeitsschritt mehr. Der Platz ist aber einfach zu gut (Summe der Eigenschaften), um zwar in den Lampenschatten der Gebäude zu gehen, dafür aber Himmelsausschnitt zu beschränken und Seeing zu haben.
Wenn ich mich mal ein paar Meter bewegen will, muss ich dann irgendwas gegen die Zerstörung meiner Dunkeladaption tun, eine Rotfilterbrille vielleicht.

Schöne Grüße,

Henning
 
Hi Henning,

wenn ich jemals einen gepflasterten Platz für mein Scope auf meiner Wiese anlegen darf, dann würde ich weisse Platten bevorzugen, die heizen sich tagsüber nicht so auf und dünsten des Nachts nicht so aus, wie eine Wiese! Hab schon erhöhte Plattformen mit Treppe und Geländer gesehen, wo eine feste Säule draufsteht....wenn schon keine Gebäude, dann wäre sowas für mich genial!

Gruss von Anette
 
Hallo Anette,

dem Grundgedanken stimme ich zu, habe mich aber dennoch bereits für "Altstadtpflaster" entschieden. Das ist bunt und fügt sich etwas ruhiger in die Streuobstwiese ein.

Und noch eine Anmerkung: Ich bin ja immer noch der Meinung, dass sich die Wiese deshalb nicht aufheizt, weil a: das Gras verschattet, b: Wärme im leicht feuchten Boden abgeleitet wird.
Betonsteine sollten also Wärme gut leiten können, denn sie sitzen ja auf leicht feuchtem Sand. Zusätzlich:

Eine Kombination aus Streulichtschutz und Verschattung wäre denkbar, denn:

Ich habe mich nun fast mit dem Platz festgelegt. Es wird wahrscheinlich der mit Südosthimmel bis Horizont. Etwas Streulicht hätte ich überall und dementsprechend muss da sowieso was getan werden, ich habe einen hohen Anspruch daran, überhaupt kein "falsches" Licht in die Augen zu bekommen. Das hat bisher immer einen gigantischen Unterschied gemacht.

Es wird, wieder zwecks optischer Reinhaltung der Landschaft, etwas zum Abbauen. Wohl Holz/Alu-Stangen, permanente Bodenhülsen und Stoffbahnen/Plane, beim letzten Punkt bin ich für Tips dankbar, am besten etwas "windfestes", aber leicht, leise und lichtdicht sowie feuchtigkeitsresistent. 1,8m Höhe muss der Lichtschutz schon haben, damit ich auch mal ohne Blendung aufstehen kann.

CS,

Henning
 
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Hallo nochmal,

Ich habe alle Festlegungen nochmal verworfen.

Den guten Ratschlägen folgend favorisiere ich nun eine kleine ebenerdige Holzterasse um einen separaten Sockel für das Teleskop und Platz für den Binosessel.
Das ganze wird dann eventuell mit einer Lkw-Plane abgedeckt, die ich unaufwendig mittels stabiler Kanthölzer als Lichtschutz aufstellen kann. Ich schätze und erhoffe mir weniger als eine Minute Aufbauzeit. Dazu kommt der Aufbau des Equipments, sieben Minuten, hauptsächlich Transportzeit. Temperiert ist alles immer durch die Lagerung draussen.

Danach alles runter, Plane hinlegen, einfalten, Hölzer drauf.

Dank der Plane kann ich auch den Südostplatz wählen.

Klingt nach einem Plan, danke ans Forum!


CS,

Henning
 
So, die Würfel sind gefallen und gelandet.

Es ist eine Terasse entstanden, 2m x 2m, aus Lärchenholz.
In der Mitte sitzt eine Steinsäule 50cm tief im Boden, die ich noch durch die Plattform führen werde, falls ich auch beim visuellen Beobachten zu starke Erschütterungen erzeuge.
Ich habe mich allerdings für maximalen Himmel und gegen die radikale Südostlage entschieden, dies nach mehreren vollumfänglichen Beobachtungsnächten inkl. Planeten, Deep Sky und Mond. Südost habe ich sowieso satt, nur genau im Süden stehen nun 30m weg, 18m hoch ein paar Bäume, damit kann ich leben und sie mit mir.
Wenn ich Süd will, fahre ich irgendwo hin.
Leider stehe ich im Strahlungsbereich einiger Strassenlampen in >150m, die ich aber einfach per Plane weghänge. In den nächsten Jahren werden dort Büsche hoch genug sein, so dass ich vielleicht auch mal auf die Plane verzichten kann.

Das Ergebnis ist ein sauschwarzer (Brd), riesiger Himmelsausschnitt, ein ebener, sauberer Boden, vibrationsentkoppelbar und nur 30m von meinem Astrozelt entfernt, also ruckzuck aufgebaut. Mein Binosessel bekommt noch irgendwo vier Steinplatten hingeworfen, dann ist der auch glücklich.

Danke ans Forum, meine Pläne wurden ja merklich modifiziert.
Ich bin erstmal ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis.
Fall jemand ein Foto sehen will, stelle man sich einfach eine Holzterasse mitten auf einer Wiese vor, in gebührendem Abstand noch Obstbäume.

Grüße,

Henning
 
*vorstell* Schön! Sieht toll aus!

(augenzwinkernden) Gruss,
Simon
 
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