Beobachtungsprotokoll 12.04.2004

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HuFux

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Guten Abend allerseits

Intro:
Nach meiner erstmalig erfolgreichen Beobachtung zweier Messier Objekte in der gestrigen Nacht bin ich mittlerweile nicht mehr zu bremsen. Darum steht mittlerweile auch schon der Beobachtungsplan für diese Nacht. Er ist zugegebenermaßen etwas größer als der letztere, aber allem Anschein nach kann ich auch schon sehr viel früher damit beginnen.

Wettersituation (19:55 Uhr)
Der Himmel ist "fast" wolkenfrei. Vereinzelt tummeln sich noch ein paar kleinere Ansammlungen von leichten Wolken. Diese scheinen sich aber nach und nach aufzulösen. Da ich relativ neu bin kann ich meine Einschätzung bezüglich des zu erwartenden Seeings an dieser Stelle nicht abgeben. Jedenfalls scheint es wie diverse Vorhersagen ebenfalls behaupteten klar zu bleiben. ...das ist doch schonmal ganz gut.

Beobachtungsplan:
Kommen wir aber zur eigentlichen Hauptveranstaltung an diesem Abend. Geplant für diese Nacht ist eine kleine Tour durch das Sternbild Löwe, sowie ein Besuch von ein paar außerhalb dessen liegenden Objekten.

Im einzelnen:

Die Löwen-Tour beinhaltet heute Nacht folgende Objekte:

M90 , NGC3139/3190 , NGC3607/3608 sowie NGC2903

Und unter den restlichen Zielen befinden sich unter anderem:

M95/M96/M105 , M48 , M65/M66/NGC3628 sowie M104

Aktueller Stand:
Die Montierung ist bereits komplett zusammengebaut. Teleskop und Okulare befinden sich momentan im Freien um sich der Temperatur anzugleichen.
Der Beobachtungsplan ist ebenfalls schon gedruckt und die wichtigsten Navigationsdaten wurden bereits eingetragen.

Nächst geplante Aktionen
Sobald die Grenzmagnitude die des Polarsternes überschreitet wird mit der Endmontage und der Justierung des Teleskopes auf den Polarstern begonnen werden.
Gegen 22:00 Uhr MESZ werde ich dann planmäßig mit meinen Beobachtungen beginnen.



Fortsetzung folgt --->
 
Fortsetzung --->

Allgemeines:
Es ist vollbracht. Meine zweite Beobachtungs-Nacht hat sich dem Ende zugeneigt und ich sitze wieder einmal an der Nachbereitung. Sprich: Protokolle ausfüllen [mittlerweile erledigt] + hier einen Bericht abgeben. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Um es vorweg zu nehmen: Die letzten Stunden waren ein nahezu voller Erfolg und außerdem voller Erfahrungen die ich nicht missen möchte. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" />

Aber kommen wir zum Bericht, da gibts jetzt alles in aller Ausführlichkeit:

Beobachtungszeitraum:
Entgegen meines Planes um 22 Uhr anzufangen wurde mein Ehrgeiz schon viel früher erweckt. Gegen 21:15 Uhr herum konnte ich Polaris schon gut am dämmernden Himmel erkennen. Sofort begann ich mit allen Vorbereitungen so dass 15min später die Teleskopachsen ausgerichtet waren & das Teleskop voll einsatzfähig war. So begann ich um 21:30 Uhr mit dem Beobachten. Das letzte Objekt hatte ich dann schließlich 0:15 Uhr MESZ vor der Linse.

Die Wettersituation
Zu meiner Freude hat sich die "Auflösung der Restwolken" weiterhin fortgesetzt. So dass ich gegen 21:00 Uhr schon einen klaren Himmel ohne Wolken hatte. Dies sollte auch so bleiben bis zum Ende meiner Beobachtungen.
Das Seeing war meiner Meinung nach um einiges besser als gestern Nacht. Ich würde es zwischen 6 und 7 einordnen. Ganz nach: http://uk.geocities.com/dpeach_78/pickering.htm
Die Luft selbst war wiedermal relativ feucht. Dementsprechend reflektierte sie relativ viel Licht. Sprich: Es hätte dunkler sein können. Aber meiner Euphorie tat dies keinen Abbruch.
Also war das Wetter für mich durchaus akzeptabel im Vergleich zu den letzten Tagen und ich machte mich an die Arbeit.

Die Zielobjekte:

Als erstes wagte ich mich an M48
Nachdem ich gestern Nacht nichtmehr dazu gekommen bin mich M48 zu widmen, weil die Wolkendecke erst gegen 0:30Uhr aufgemacht hatte & da M48 schon unter meinem Horizont stand, nahm ich dieses Projekt gleich zu Beginn in Angriff. Mein Leitstern hierzu war Procyon im Canis Minor.
Zugegebenermaßen war es ein wenig verwirrend M48 ausfindig zu machen. So unternahm ich 2 Anläufe von meinem Leitstern aus um wirklich sicher zu gehen dass dies M48 ist. Doch danach gab es eigentlich keine Zweifel mehr. Ich konnte den für meinen Geschmack etwas lockeren Sternhaufen ganz gut erkennen. Und als besonderes Schmankerl zischte (schlenderte) nach dem 2. Anlauf mir ein Satellit oder irgend ein Trümmerteil durchs Bild. Jedenfalls hatte ich schon genug von M48 gesehen & heftete mich zugleich an die Fersen des Lichtpunktes. Dieser ließ sich leicht durch einfache manuelle Nachführung verfolgen und bot mir für gut 2 Minuten eine schöne Tour durch den Himmel. Vorbei an zig tausend Sternen. Und dies alles in einem sehr gemütlichen Tempo. Das förderte natürlich die Lust am spechteln gewaltig.

Also ging es nach diesem erlebnis weiter. Diesmal mit M104
Nachdem ich gestern aufgrund eines falschen Leitsternes eher im Nebel gelandet war... bzw. neben Ihm <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" /> sollte dies mir heute nicht wieder passieren. Aus diesem Grunde wählte ich einen neuen Leitstern. Es sollte Spica sein im Virgo. Mit Ihm gelang es mir dann auch M104 ausfindig zu machen. Und ich muss ehrlich sagen dass ich erst beim 2. Hinsehen erkannte nach was ich eigentlich suchte. Die Erwartungen eine erhellte Gallaxie zu sehen mit einem eventuellen Staubring ,... utopisch <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" /> ,... aber was solls. Ich wurde eines besseren belehrt... Es war eine sehr dezente ovale Licht/Nebel-Erscheinung welche man doch glatt übersehen kann wenn man nur nach strahlend hellen Objekten Ausschau hält. Jedoch ist mir das Gebilde schließlich doch aufgefallen. Doch dies war keine Enttäuschung, denn ich hatte immerhin M104 ausfindig gemacht <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ...ich hatte es geschafft & gleichzeitig wusste ich nun auch auf was ich bei den nächsten Gallaxien achten musste... Immer schön indirekt schauen. Dann kommt man auch zm Ziel. So ging es dann auch weiter.

Als nächstes Waren M95/M96/M105 an der Reihe.
Leitstern hierzu war Jupiter. Diesmal war das Auffinden der indirekt am besten sichtbaren Scheibchen für mich kein Problem mehr. Schon beim ersten Anlauf hatte ich M95/M96 vor der Linse. Wobei M95 relativ schwer zu entdecken war. Leicht über M96 gabs aber dann zur weiteren Freude sehr deutlich M105 zu sehen + NGC3371 welche direkt nebenan liegt.

Gestärkt von dieser Sache ging ich an M90
Doch da konnte ich leider nur die Sterne drumherum identifizieren. M90 selbst blieb mir verborgen. Schade. Aber davon lies ich mich nicht abbringen.
Als schönen Nebeneffekt gab es dafür eine Sternschnuppe, welche genau gegen Süden vom Himmel fiel & somit exakt in meiner Blickrichtung lag. Zum Glück hatte ich zu der Zeit das Unterfangen M90 schon aufgegeben & suchte am Himmel schon nach dem nächsten Leitstern. So konnte ich diese Sternschnuppe in Ihrer vollen Pracht bewundern. ... das war dann auch ganz schön.

Der gesuchte Leitstern war Algieba im Löwen. Mit dessen Hilfe wollte ich zu NGC3193/NGC3190 gelangen.
Doch dies wurde wiederum nichts. Die Helligkeit des Himmels machte mir da ein Strich durch die Rechnung. Da konnte ich mit meinem 150/1400 Newton nichts mehr ausmachen. So blieben die beiden Gallaxien mit mag 10.8 & 11.1 mir verborgen. Ebenso wie schon M90 zuvor.

Dies sollte aber der letzte Rückschlag an diesem Abend gewesen sein.

Denn als nächstes ging es an M65/M66/NGC3628
Und was soll ich sagen: Dank Jupiter fand ich die gesuchten Ziele wieder auf Anhieb. Und als ob es eine Entschädigung für die beiden vorangegangenen Misserfolge sein sollte bot sich mir mit Sicherheit eines der spektakulärsten Bilder an diesem Abend. Alle 3 Gallaxien waren zusammen im gesichtsfeld zu sehen (25mm PL). Herrlich. So verbrachte ich auch eine ganze Weile mit indirektem sehen.

Danach ging es weiter. Diesmal spürte ich erfolgreich NGC2903 auf. Auch diese Gallaxienscheibe konnte ich per indirektem sehen gut ausfindig machen.

....und langsam wurde es kalt.
Doch ich hatte noch etwas auf meinem Plan: NGC3608/NGC3607
doch davon konnte ich nur 3607 ausfindig machen. Für 3608 waren die Lichtverhältnisse einfach zu schlecht. Jedoch war mir dies nach NGC3193/3190 schon bewusst & ich trauerte dem auch nicht weiter nach.


Alles in allem gab es somit heute einen richtig schönen Gallaxien-Abend an dem fleißig das "Indirekte Sehen" geübt werden konnte.
Als Abschluss gab es dann noch die Obligatorische Tour zu Jupiter & Saturn. So als kleiner Kontrast zum zuvor gesehenen... ...ja es existieren auch licht-starke Objekte am Himmel <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Resumee
Ein vollkommen gelungener Abend mit vielen schönen Erlebnissen und Erkenntnissen.

Ausblick
In nächster Zukunft gehe ich nun erst einmal schlafen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ,und danach gehts dann ab morgen leider schon wieder weg von meinem Zuhause in Richtung Studienplatz. Gerade jetzt als es langsam anfängt wettermäßig wieder besser zu werden <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />
Aber egal. Im Mai gibts dann die nächste Gelegenheit für mich. Dann werde ich hier berichten ob es mir gelungen ist C/2001Q4(NEAT) ausfindig zu machen, und sicher noch ein paar andere schöne Dinge zu sehen.
Bis dahin wünsche ich euch allen Clear Skies & man hört sich dann im Forum.

Viele Grüße
Christian

AstroFux@web.de




 
Hallo Christian,

du bist ja richtig auf den Geschmack gekommen. Mit etwas Übung wirst Du merken, das man nach und nach mehr erkennen kann, das Gehirn lernt dazu.

Vielleicht wirst Du ja wie ich auch ein GX-Fan, auch wenn oft nur ein Nebelfleckchen erkennbar ist, kann man mit Geduld das eine oder andere Detail erahnen.

Weiterhin viel Spaß wünscht

Achim
 
Ich habe gestern, als es hier in Berlin aufklarte, im selben Bereich auch mit meinem 6 Zöller gewildert. Zu M95 reichte es bei meinem Stadthimmel nicht mehr, oder nur mit viel Einbildung, aber M96 , M65, M66 (allerdings ohne NGC 3628), M58, M59 und M60, M105 waren in der rötlichen Suppe des Nachthimmels zu erkennen , aber auch nicht viel mehr. Die Sombrerogalaxie samt länglicher Form waren schon deutlich klarer zu identifizieren. Es war auch nur ein mag 4 Himmel, denn die Deichselstern des kleinen Bären waren gerade noch zu erkennen. Nicht so dolle für meinen Standort, bei dem durchaus auch mal 5,3 mag möglich ist.

Den Kugelsternhaufen M68 versuchte ich auch noch, auf ß corvus gezielt, da riß mich ein "Dengel" aus der Konzentration: die Brüstung stand dem Tubus im Weg. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />

Dennoch gibt es die Kombi mondlos + klarer Himmel im April nicht so häufig, so dass ich es heute abend wiederholen werde, und wenn das Wetter noch besser ist, werde ich mich auch an den anderen Virgo-Galaxien versuchen.

Ich muß mich aber schon über die kleineren Sterne heranpirschen, um die Galaxien überhaupt zu finden.
 
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