Hallo Florian,
egal wie Deine astronomische Grundausstattung auch ausfallen mag, vor allem der Transport scheint ein Problem zu sein.
Du schriebst, es wäre nicht sehr weit zu freiem Felde in der Nähe. Das Schleppen von Stativ, Optik, Gegengewichten, Zubehörkoffer, Klappsitz etc. geht eigentlich nur in den Garten oder ins Auto.
Hier könnte der Gedanke zu Bollerwagen, Fahrradanhänger, Pritschenkarren oder ähnlichem helfen. Möglichst mit Luftreifen und nicht zu kleinen Rädern (ruhiger, vibrationsärmerer). Vielleicht steht sowas gebraucht in Deiner örtlichen Zeitungsbeilage, im Supermarkt auf "Biete"-Kärtchen, ungenutzt in der Garage eines Verwandten, auf Ibäh oder gar beim Discounter neu und niederpreisig genug. Ohne das Transportproblem zu lösen: was nützt die tollste Optik, wenn sie nur an die Kellerdecke starrt?
Auf Kontakte zu Sternfreunden in der Nähe wurde schon hingewiesen. Selbst wenn ein Verein weiter weg sein sollte, vielleicht fährt ja ein Sternfreund durch Deinen Ort zu den regelmäßigen Treffen und könnte Dich mitnehmen. Anrufen oder Anschreiben kann da nicht schaden - ist halt eine Möglichkeit, einen Kontakt aufzubauen. Termine zu Teleskoptreffen und Astro-Messen finden sich auf der Astronomie.de-Portalseite sortiert und verlinkt. Jede Reise lohnt da, es gibt immer viel zu sehn und schnell ist man in praxisnahe Gespräche vertieft.
Dann noch zum 150/750: bei der Öffnung mit f/5 nahe am visuellen Allrounder (wäre f/6) aber leider nicht ganz und für Foto zwar schon schnell, aber leider nicht richtig schnell (wäre ca. f/4; das geht leider quadratisch). Schon irgendwie ein Kompromiß, der beide Seiten nicht so richtig kann. Soweit ich weiß, hat das Gerät nur einen 1,25"-Okularauszug, das ist für Foto schon mal eher mager, für visuell hätte ich auch lieber einen zweizölligen (Übersicht und Weitwinkel, 2"-Okus, 2"-Filter). Und schließlich ist f/5 noch okularkritisch: das bedeutet, daß allzu niederpreisige Okulare besonders mit der Randschärfe Probleme haben. An "langsameren" Geräten (f/6 und mehr) arbeiten dieselben Okulare deutlich besser. Leider ist die Preisstufe erheblich.
Grundsätzlich würde ich mir noch zur Okularpalette Gedanken machen, bevor ich das Teleskop kaufen würde - auch wenn die Okulare zum Teil erst nach und nach hinzugekauft werden. Häufig sind beigelegte Paketokulare nicht unbedingt das, was man möchte - weder von Okularbrennweite noch vom Design her. Dann lieber direkt in geeignetere wandeln und nicht zuhause in 3 Monaten auf "Vitrinenokularen" sitzen bzw. über Ibäh mit Verlust abstoßen müssen. Die Kosten einer endgültigen Okularpalette für ein f/6-7 Teleskop sind schon wesentlich geldbörsenfreundlicher als die einer endgültigen f/5-Palette (von f/4 gar nicht zu reden).
Schließlich noch zu Zubehör und dem Kauf konkret. Rotlampe, Aufsuchkarten, Himmelsatlas, Klappsitz/Astrostuhl, Zubehörkoffer, Akkus, warme Kleidung und auch Thermoskanne gehören in unseren Breiten zu jedem Sternfreund auf dem Acker. Manches wirst Du schon haben, einiges ist vielleicht anfangs verzichtbar, anderes wirst Du noch zu beschaffen andenken müssen. Zur Optik/Montierung/Okularen: der Messekauf im Paket vor Ort ist der definitiv allergünstigste, den man überhaupt haben kann - bei Deiner Grundausstattung, die ansteht, mußt Du schon von sehr sehr weit anreisen, daß sich das nicht mehr lohnt. Am fünften Mai ist in Essen der ATT, die größte Messe für unser Hobby im Lande.
8"-f/5-Newton (nicht Leichtbau) auf ADM mit über Gußeisenplatte innenverspanntem Edelstahlstativ (unausgezogen) machte mir visuell bei Windstille und auch bei leichtem stetigen Wind Freude. Fokussieren ist nicht ganz einfach, aber Objekte habe ich bis 200x nicht verloren. Webcam am Saturn war mit Originalbrennweite (=1000 mm) auch gut machbar, hierbei einmal den Planeten verloren (Wackelei wegen Fokussierung). Mit verlängerter Brennweite (Barlow, Okuprojektion) habe ich mangels mitgenommenem Leitrohr ("Wiederfinderohr") noch nicht arbeiten können. Das wird dann schon ziemlich schwierig ohne Fokussiermotor. Bei Windstille, mit 2-Achsensteuerung, guter Einscheinerung und viel Geduld halte ich das für sportlich machbar, wenn die Brennweite nicht zu lang wird. (Ich bin da noch dran.) Piggyback mit Teleobjektiv an Digicam (vielleicht 300mm) und Fadenkreuzokular am Newton bestimmt eine feine, in Zeiten von Autoguidern und all dem Zeug etwas abenteuerliche Sache, sowas will ich auch demnächst versuchen. Klassische Langzeitastrophotographie mit voller Gerätebrennweite (1000 mm) würde ich aber einem GP-Clone eher nicht zumuten wollen. (Wenn der Schneckenfehler kommt, dann hopst der Planet schon einwenig...) Das alles nur, um mal konkret eine Erfahrung zur ADM und ihrer Möglichkeiten zu schildern.
Ich wünsche Dir einen schönen Einstieg ins Hobby, schnell Kontakte zu Sternfreunden und deren Teleskope vor Ort zu erleben, eine besonnene Gerätewahl und vor allem natürlich klare Himmel mit Top-Bedingungen,
Matthias.