Beratung zu ersten Guiding Erfahrungen

Hallo,

Jeder Schritt zur Verbesserung der Qualität meiner Aufnahmen macht mir immer wieder Freude.
Meine erste Ergebnisse mit Guiding liegen jetzt vor und ich werde konfrontiert mit "viel Info" am Bildschirm die ich schlecht einschätzen kann.
Ich brauche mal eure Erfahrung...

Fragen:
Läuft das Guiding so wie man erwarten kann mit meinen Geräten?
Sind die abgebildete Werte also OK?
Wo gibt es noch Optimierungsmöglichkeiten (bei gleichen Geräte)?
Welche "Stellschrauben" soll ich noch angehen?

Geräte:
Skywatcher SA GTI GoTo Mount
Touptek StellaVita Astro Komputer
Askar 32F4 Guidescope
ZWO ASI 120mm mini Guidekamera
Askar 65PHQ APO

Ein Bild ist angehängt.

schönen Gruß,
Walter
 

Anhänge

  • IMG_0028.PNG
    IMG_0028.PNG
    1,8 MB · Aufrufe: 219
Hallo Walter,

ich würde mal die Belichtung auf 2 Sekunden setzen, und die Aggressionen beider Achsen auf 50% einstellen. Und dann über die Zeit hinweg mal nach oben oder gar nach unten Vortasten. Kann man bei der StellaVita tatsächlich die Aggression nur für die RA auf 140% oder sogar noch höher setzen?
 
Hallo,

deine "Treffer" liegen alle innerhalb von 0,5". Ich halte das für Spitze. Das geht nicht besser. Ich wäre froh, wenn das bei mir so ginge.

Also erstmal freuen und damit arbeiten.

Gruß
 
Hallo Walter,

ich würde mal die Belichtung auf 2 Sekunden setzen, und die Aggressionen beider Achsen auf 50% einstellen. Und dann über die Zeit hinweg mal nach oben oder gar nach unten Vortasten. Kann man bei der StellaVita tatsächlich die Aggression nur für die RA auf 140% oder sogar noch höher setzen?

Danke Dane für den Vorschläge.
Standardeinstellungen sind glaube ich 100/100.
Ich werde mal schauen was da an Grenzwerte hinterlegt sind.
 
Danke Dane für den Vorschläge.
Standardeinstellungen sind glaube ich 100/100.
Ich werde mal schauen was da an Grenzwerte hinterlegt sind.

Die Balken in deinem Guidingdiagramm zeigen die Korrekturen. Die Länge der Balken zeigt dabei, wie stark jeweils korrigiert wurde.

Man sieht diese Balken typischerweise genau dort, wo die Guidingkurve beginnt, von der Mittellinie wegzulaufen. Dann kommt eine Korrektur und versucht, die Kurve wieder Richtung Mitte zu bringen.

1778595648325.png


Wichtig ist dabei, dass diese Korrektur nicht zu stark ausfällt. Wenn zu aggressiv korrigiert wird, wird die Linie nicht nur zur Mitte zurückgebracht, sondern direkt auf die andere Seite hinausgeschoben. Darauf folgt dann wieder eine Gegenkorrektur, die im ungünstigen Fall ebenfalls wieder zu stark ist. So entsteht dann ein ständiges Hin und Her, bis sich das Guiding regelrecht aufschaukelt. Was aber bei dir wohl nicht direkt der Fall ist, aber nur zur Erklärung.

1778596120553.png


Ideal ist eher, dass die Korrekturen die Kurve nur sanft in Richtung Mitte schubsen. Also nicht brutal zurückzerren, sondern eher oben und unten leicht anstupsen, damit sie möglichst ruhig um die Mittellinie bleibt. Ziel ist kein hektisches Gegensteuern, sondern ein möglichst gleichmäßiges, kontrolliertes Nachführen ohne Aufschaukeln.

Grundsätzlich sieht das bei dir ja recht gut aus. Aber ich vermute, das lässt sich noch etwas optimieren. Wenn deine Hauptkamera zum Beispiel bei etwa 1,5" bis 2,0" pro Pixel liegt, ist ein Gesamt RMS von 1,63" meist noch akzeptabel. Hervorragend ist aus meiner Sicht aber etwas anderes.

Was ich auch prüfen würde, der aktuelle Stern auf den geguidet wird, scheint schon stark in der Sättigung zu sein (Peak ADU liegt bei 65520). Für das Guiding ist ein nicht gesättigter Stern etwas optimaler, weil der Schwerpunkt sauberer berechnet werden kann. Die Belichtungszeit von 3 auf 2 Sekunden zu stellen, kann Besserung schaffen, alternativ den Gain für die Guidekamera etwas herabschrauben. Vielleicht kann das auch noch mal einen Hauch optimieren.

Viel Erfolg :y:
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Balken in deinem Guidingdiagramm zeigen die Korrekturen. Die Länge der Balken zeigt dabei, wie stark jeweils korrigiert wurde.

Man sieht diese Balken typischerweise genau dort, wo die Guidingkurve beginnt, von der Mittellinie wegzulaufen. Dann kommt eine Korrektur und versucht, die Kurve wieder Richtung Mitte zu bringen.

Den Anhang 552379 betrachten

Wichtig ist dabei, dass diese Korrektur nicht zu stark ausfällt. Wenn zu aggressiv korrigiert wird, wird die Linie nicht nur zur Mitte zurückgebracht, sondern direkt auf die andere Seite hinausgeschoben. Darauf folgt dann wieder eine Gegenkorrektur, die im ungünstigen Fall ebenfalls wieder zu stark ist. So entsteht dann ein ständiges Hin und Her, bis sich das Guiding regelrecht aufschaukelt. Was aber bei dir wohl nicht direkt der Fall ist, aber nur zur Erklärung.

Den Anhang 552380 betrachten

Ideal ist eher, dass die Korrekturen die Kurve nur sanft in Richtung Mitte schubsen. Also nicht brutal zurückzerren, sondern eher oben und unten leicht anstupsen, damit sie möglichst ruhig um die Mittellinie bleibt. Ziel ist kein hektisches Gegensteuern, sondern ein möglichst gleichmäßiges, kontrolliertes Nachführen ohne Aufschaukeln.

Grundsätzlich sieht das bei dir ja recht gut aus. Aber ich vermute, das lässt sich noch etwas optimieren. Wenn deine Hauptkamera zum Beispiel bei etwa 1,5" bis 2,0" pro Pixel liegt, ist ein Gesamt RMS von 1,63" meist noch akzeptabel. Hervorragend ist aus meiner Sicht aber etwas anderes.

Was ich auch prüfen würde, der aktuelle Stern auf den geguidet wird, scheint schon stark in der Sättigung zu sein (Peak ADU liegt bei 65520). Für das Guiding ist ein nicht gesättigter Stern etwas optimaler, weil der Schwerpunkt sauberer berechnet werden kann. Die Belichtungszeit von 3 auf 2 Sekunden zu stellen, kann Besserung schaffen, alternativ den Gain für die Guidekamera etwas herabschrauben. Vielleicht kann das auch noch mal einen Hauch optimieren.

Viel Erfolg :y:

Danke Dane für die ausführliche Erklärung und die Begründungen der vorgeschlagenen Änderungen der Einstellungen.
Genau das habe ich gesucht; das Wissen "was und warum".

Damit ich sicher sein kann dass ich alles richtig verstanden habe, fasse ich in meine Worte zusammen:

- Besser eine "Welle" als Kurve rund um die Null-Linie als eine "Sägezahn".
- "Overshoot" vermeiden; das ist ein Hinweis auf zu großer Agressivität der Regelung.
- Mit niedrigeren "Aggr-Werte" anfangen; z.B. 50%
- Der "Peak (ADU)" soll kleiner werden. Der Leitstern "Überstrahlt".
- Besser die Belichtungszeit runter (3>2 Sek.) und vielleicht den Iso-Wert auch.

Vielen, vielen Dank !!
 
Hallo nochmal

Bei meiner Skywatcher HEQ5 Pro und auch jetzt bei meiner Wave 150i verwende ich Belichtungszeiten von 1 Sekunde und habe perfekte Ergebnisse. Längere Belichtungszeiten funzten gar nicht bzw. waren sehr kontraproduktiv. Aber einfach mal ausprobieren.

VG Walter
 
Ich bin vor kurzer Zeit auf ein Youtube Video gestossen, welche verschiedene PHD-Guiding Probleme erklärt und wie man sie behebt. Mit dabei: Erkennen von schlechtem PolarAlignment, Schneckenfehler, Seeing Einfluß, fehlende Reaktion der Montierung in einer Achse, zu aggressives Guiden. Wer (amerkanisches) Englisch nicht scheut, hier der Link: PHD2 Unveiled: A Guide to Understanding Your Guiding Data
 
Hallo,

So, ich war zwei Nächte Draußen und konnte eure Vorschläge mal testen....
Ein Bild der Ergebnisse ist angehängt.

@ Dane:

"Peak ADU liegt bei 65520".
Die Änderung der Belichtungszeit hat den Wert im Durchschnitt halbiert (Bild).
Ich bemerkte, dass der Wert mit steigender Höhe des Zieles im Laufe der Nacht, wieder ansteigt.

"Aggressionen beider Achsen auf 50% einstellen".
Diese Werte habe ich verringert. Das hat die Kurve SEHR beruhigt (Bild).

"Wenn deine Hauptkamera zum Beispiel bei etwa 1,5" bis 2,0" pro Pixel liegt, ist ein Gesamt RMS von 1,63" meist noch akzeptabel"
Das kann ich schlecht einschätzen.
Meine Nikon Z6 hat einen 24M Vollformat Sensor, also große Pixel. Die Brennweite des Teleskopes ist 416mm.
Das würde doch bedeuten, dass ich mir viel Abweichung erlauben kann, bis ein "Pixelsprung" stattfindet, oder?

Merkwürdig im Bild finde ich aber folgendes:
- Der Gesamtfehler liegt bei 1.27
- Die Kurve zeigt aber nie Ausschläge über 0.5
- Das Streu-Diagramm zeigt, meiner Meinung nach eine ideale Situation.
Für mein Gefühl pass da was nicht zusammen, oder ich lese die Zahlen falsch...

Danke, Danke !

Gruß, Walter
 

Anhänge

  • IMG_0040.PNG
    IMG_0040.PNG
    1,9 MB · Aufrufe: 74
Ich bin vor kurzer Zeit auf ein Youtube Video gestossen, welche verschiedene PHD-Guiding Probleme erklärt und wie man sie behebt. Mit dabei: Erkennen von schlechtem PolarAlignment, Schneckenfehler, Seeing Einfluß, fehlende Reaktion der Montierung in einer Achse, zu aggressives Guiden. Wer (amerkanisches) Englisch nicht scheut, hier der Link: PHD2 Unveiled: A Guide to Understanding Your Guiding Data
Werde ich mir sicher anschauen !
 
@ Dane:

1. "Peak ADU liegt bei 65520".
Die Änderung der Belichtungszeit hat den Wert im Durchschnitt halbiert (Bild).
Ich bemerkte, dass der Wert mit steigender Höhe des Zieles im Laufe der Nacht, wieder ansteigt.

2. "Aggressionen beider Achsen auf 50% einstellen".
Diese Werte habe ich verringert. Das hat die Kurve SEHR beruhigt (Bild).

3. "Wenn deine Hauptkamera zum Beispiel bei etwa 1,5" bis 2,0" pro Pixel liegt, ist ein Gesamt RMS von 1,63" meist noch akzeptabel"
Das kann ich schlecht einschätzen.
Meine Nikon Z6 hat einen 24M Vollformat Sensor, also große Pixel. Die Brennweite des Teleskopes ist 416mm.
Das würde doch bedeuten, dass ich mir viel Abweichung erlauben kann, bis ein "Pixelsprung" stattfindet, oder?

4. Merkwürdig im Bild finde ich aber folgendes:
- Der Gesamtfehler liegt bei 1.27
- Die Kurve zeigt aber nie Ausschläge über 0.5
- Das Streu-Diagramm zeigt, meiner Meinung nach eine ideale Situation.
Für mein Gefühl pass da was nicht zusammen, oder ich lese die Zahlen falsch...

Danke, Danke !

Gruß, Walter

Hallo Walter,

1. Es kann durchaus sein, dass mit steigender Höhe und dem hinauskommen aus dem Dunst die Sterne leicht heller werden. Grundsätzlich soll das einfach als ungefährer Richtwert dienen, dass die Sterne eben nicht komplett ausgebrannt sind.

2. Das ist doch prima, wenn das besserung geschafft hat. Vielleicht die Agressivität sogar mal weiter reduzieren und beobachten was passiert.

3. Die größeren Pixel verzeihen dir eher mal Abweichungen, sei es in der Optik selbst, oder beim nachführen. Weil derselbe Nachführfehler auf weniger Pixel verteilt wird. Entscheidend ist aber nicht nur die Pixelgrösse, sondern der Abbildungsmaßstab in Bogensekunden pro Pixel.

4. Was bei dir auffällt, sind diese Spitzen in den Kurven. Da würde ich mal nachforschen, woher diese kommen. Das könnte aber viele Ursachen haben: Wind, Kabelzug, Stativschwingung, mechanischer Ruck, RA Antriebsfehler plus Guidingreaktion, wobei das bei dir ja in beiden Achsen auftritt.
 
Hallo,

deine "Treffer" liegen alle innerhalb von 0,5". Ich halte das für Spitze. Das geht nicht besser. Ich wäre froh, wenn das bei mir so ginge.

Also erstmal freuen und damit arbeiten.

Gruß
Und doch wird der gesamtfehler mit größer 1" in Ra angezeigt, am Graphen sieht man es auch, als ob da verschiedene Maßstäbe gelten.
Ich würde versuchen öfter aber weniger aggressiv zu guiden,
1s Belichtungszeit geht meist noch ganz gut, noch kürzer hächelt man dem Seeing hinterher.
Wenn das Teleskop den Stern fein genug abbildet, wird das Ergebniss aussehen wie das Trefferscheibchen, ist die Verteilung da nicht rund wird es der Stern auch nicht.

Gruß Frank
 
Zurück
Oben