Bericht: Präzisionsoptik aus der Presse

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Thomas_Stelzmann

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Hannover Messe: Optische Linsen gepresst statt geschliffen

VDI nachrichten, Hannover, 11.4.03 -

Linsen sind Massenware: Sie fokussieren in der Supermarktkasse den Laser, der die Verpackungen von Schokoriegeln und Nudeltüten abtastet; in Wegwerfkameras helfen sie, die Urlaubserinnerungen festzuhalten und im Handy die Bilder für den Fotogruß.
Linsen steuern den Datenstrom in der Telekommunikation, der durch optisch leitende Glasfaserkabel fließt.
Die Massenware Linse wird im Fließbandverfahren hergestellt: Mit der Spritzgusstechnik funktioniert das das schnell und billig.
Doch wenn es darum geht, den Mikrokosmos zu erforschen oder dem Licht auf den Datenautobahnen der Zukunft den Weg zu weisen, ist Präzision gefordert.
Entsprechend aufwändig ist die Verarbeitung von Glas zu hochwertigen optischen Linsen, die man für Messgeräte, Mikroskope oder technische Belichtungssysteme braucht.
Wissenschaftler von Fraunhofer Institut für Produktionstechnologie IPT haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich hochwertige Glaslinsen billig und einfach herstellen lassen: durch Pressen.
Am Stand C22 in Halle 6 gibt es eine Polierspindel und erste gepresste Linsen zu besichtigen.

"Bei Mikroskop-Linsen darf die Oberfläche nicht einmal 50 Nanometer - das entspricht weniger als einem Tausendstel Haar-Durchmesser - von der errechneten Form abweichen", sagt Christian Wenzel, Leiter des Geschäftsfeldes Präzisions- und Mikrotechnik am Fraunhofer Institut für Produktionstechnologie IPT in Aachen.

Bisher werden Glaslinsen für Präzisionsoptik maschinell geschliffen und poliert. Das ist ein komplizierter mehrstufiger Prozess, der viel Erfahrung und Zeit verlangt.
Die Forscher des IPT bringen Rohlinge aus Glas unter hohem Druck und bei extremen Temperaturen in die gewünschte Form.
Auf diese Weise stellen japanische Unternehmen bereits Glaslinsen in großem Maßstab her.
"Diese zu formen, die Werkzeuge herzustellen und die Materialien abzustimmen, all das ist jedoch schwierig.", sagt Wenzel: "Es fordert viel Geduld, Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Der Aufwand lohnt sich bisher nur für Großserien."

Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam will das Verfahren jetzt auch auf kleine Stückzahlen zuschneiden.
Die Forscher stellen ein Modellierungs-Softwareprogramm her, das entscheidende Fragen schon im Vorfeld klärt: Welche Oberflächenqualität muss die Linse haben? Wie stark verformt sie sich beim Abkühlen, wie beeinflusst das ihre Optik? So lässt sich das schließlich erforderliche Werkzeug auf Nanometer genau berechnen"

IPT/eb


Ich finde das interessant.
Ob gute Okulare in einiger Zukunft dann günstiger werden?

Grüße
Thomas



 
Hallo Thomas
Zum ersten male habe ich in diesem Zusammenhang bei der Herstellung von Brillengläsern gehört. Da es schon ein paar Jahre her ist, weiss ich nicht mehr genau aus welcher Ecke das kam, war aber glaube ich auch vom Frauenhofer Institut.
Letzten Sommer haben wir in China eine Firma auditiert. Diese war spezialisiert auf hochwertige Spielsachen. Mit im Programm war ein Mikroskop, bei dem die Linsen aus dem Extruder kamen. Im Optiklabor konnten wir dann sehen, wie doch relativ genau diese Linsen gespritzt wurden. Zusammengesetzt ergab sich dann ein Mikroskop mit drehbaren Wechselobjektiven (3 Stück) und mit aufgesetzter USB-Quickcam. Was uns dann bei 200-facher Vergrösserung auf dem Laptopmonitor gezeigt wurde, war gar nicht mal so schlecht und hatte mich wirklich erstaunt. Für Kids sicher eine super Sache.
Teuer sind natürlich die Werkzeuge, welche in der entsprechenden Präzision gefertigt werden müssen.


Grüss aus der Schweiz
Peter


 
Hallo Peter!

Ja, der Werkzeugbau wird die meiste Entwicklungszeit und auch das meisten Kapital verschlingen.
Bis dort Routine einkehrt, werden noch viele Jahre vergehen.

Ich habe mal bei einer Firma gearbeitet, die sich auf den Bau und Entwicklung von Werkzeugen für die Druckgussindustrie spezialisiert hat, und auch hochwarmfeste Stähle dafür entwickelt.

Ich war dort sowohl im Bereich Formen- als auch Gießbehälterbau tätig, und wenn man sieht, mit welcher Präzision dort Oberflächen geschaffen werden, die unter unvorstellbaren Bedingungen ihre Güte lange erhalten müssen, ist das schon enorm.
Und die Umgebung von flüssigem, teilweise überhitztem Alu, Zink, oder gar Magnesium sind wirklich widrige Bedingungen, dazu die Arbeitsdrücke.

Nun denn, einen schönen Abend in die Schweiz!

Grüße
Thomas



 
Hallo Thomas,

ich frage mich schon lange, warum Grundformen nicht schon mit der endgültige Brennweite gegossen werden, um dann "nur noch" auspoliert zu werden.

Aber vielleicht kann uns einer der Optikspezialisten das erklären?

mfg

Chris
 
Hi

die Scheinwerfer der neueren (teuren) Autos haben Linsen die nicht geschliffen und poliert werden. Firma Doctor Optics hat das soweit mir bekannt entwickelt.



Gruß
<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> RoRo


Kanst ja mal goooooglen

 
Hallo Chris
Beim VLT wurde der Roling bereits in eine rottierende Form gegossen um ihn an die endgültige Form anzunähern.
War glaube ich bei Schott.


Gruss aus der Schweiz
Peter
 
Hallo Peter,

das ist natürlich auch eine Möglichkeit ein Flüssigteleskop praktisch "einzufrieren". Wobei jetzt interessant wäre zu wissen, was wohl in der Serie billiger zu machen ist: hochgenaue Gussformen oder hochgenaue Rotationplattformen mit sehr genauer Drehzahlsteuererung.

mfg

Chris
 
Ahh Stichpunk Schott. Oben is gefragt worden warum Optiken schohn mit druck guss in form gebracht werden kann.

Dies bietet schon zeit einige jahre Schott und Ohare an. Mann nent die "Presslinge" und kann bis ein par mm an der gewunschte radius gefertigt werden. Dafeht nur noch das fein schliff und polier.

-Matt
 
Hallo,

das ist interessant. Kann man diese Presslinge als Normalsterblicher beziehen? Welches Material steht zur Auswahl? Kontaktadresse? Mehr Info?

mfg

Chris
 
Ob die Lithografie da mitspielt?

Hallo,

die wohl genaueste Optik wird in der Chip-Herstellung ge-
braucht, da sieht selbst die Astro-Optik noch alt dagegen
aus. Da wird man sich mit Presslingen nicht zufrieden geben.
In diesem Falle meine ich nicht die üblichen Presslinge, die
natürlich erst gefräst und dann poliert werden müssen,
sondern die in dem Bericht genannten, bereits fix und fertigen
Teile.

Neben einer genauen Oberfläche geht es aber auch um die
Homogenität des Materials. Wenn man im Rauhheits-Test sieht,
daß eine Schmidt-Platte aus Floatglas hergestellt wurde,
also selbst beim defokussierten Stern bereits diese Fließ-
strukturen erkennbar sind, und damit den Kontrast drücken,
das könnte dann die Grenze dieser Anwendung sein.

Man erkennt beispielsweise bei Maksutov-Systemen, wenn bei
der Meniskus-Linse nicht genügend Glas abgefräst wurde. Dann sieht
man noch die Strukturen des PressVorganges.

Für Bar-Code-Leser taugen Presslinge allemal, Lesebrillen
aus Kunststoff haben auch keine besonderen Ansprüche an den Strehl,
bei Astro-Optik wäre ich mir schon gar nicht mehr sicher, und bei
Optiken für hochauflösende Kameras kann ich mir's eigent-
lich nicht vorstellen.

Herzliche Grüße an alle

Wolfgang Rohr

 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Chris !

Gepresste Grundformen für Linsen gibt es schon seit mehr als 50 Jahren.
Jedoch müssen sie mindestens 1 mm Übermaß haben, weil die oberste Schicht durch die schnellere Abkühlung noch Spannungen und auch eine andere Brechzahl haben.
Sie sind als Rohlinge für Fernglasoptik noch verwendbar aber bei Objektiven mit höheren Anspruch verwenden wir sie schon nicht mehr und bei Vermessungskamera - Objektiven mussten wir sogar bei den Glasblöcken mehr als einen cm Material wegschneiden. um die sichere Auflösung zu erreichen.
Fertig gepresste Lisen in der Beleuchtungsoptik gibt es eben so lange, auch Lupen und Ableseoptiken werden häufig so gemacht. Brillengläser mit Verlauffläche werden heute schon sehr gut damit gemacht und auch kleine asphärische Linsen sind in fertig gepresster Form erhältlich. Also für alles was in der nähe des Auges wo ein Fehler nur noch schwach wirksam ist, können solche Optiken verwendet werden.
So kann ich mir auch vorstellen das solche Linsen auch in Okularen vorkommen.
Bei dem Mikroskop das der Peter gesehen hat ist nicht sicher das alle Linsen gepresst wurden.
und der Vergleich mit einem guten Mikroskop war ja nicht vorhanden.
Präzise gepresste Grüße
Alois

 
Korrekt

Hallo Peter!

Du hast Recht.
Gegossen wurden die vier Rohlinge bei Schott, in einer rotierenden Form, und geschliffen wurden sie bei REOSC in Saint Pierre du Perray bei Paris.

Die Spiegel bestehen übrigens aus Zerodur.

Grüße
Thomas
 
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