Bericht vom 7.3. - Seeing und Transparenz

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Wolfgang aus OWL

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Vor vier Wochen habe ich C8 erstanden, mit dem ich im Februar schon einige klare Nächte ausgiebig am Himmel spazieren gegangen bin. Damals war ich nicht dazu gekommen, dazu gleich einen Bericht zu schreiben. Aber gestern - unter scheinbar viel schlechteren Bedingungen - habe ich doch echt was gelernt, und an diesem Lernprozess möchte ich gerne alle anderen "Anfänger" auch teilhaben lassen.

Das Motto dieses Abends könnte heißen "durch die Wolken schauen".

Den ganzen Tag über war es meist bewölkt, ab und an kamen jedoch ein paar Sonnenstrahlen durch. Um 19 Uhr habe ich dann mein Fernrohr draußen aufgebaut, damit es sich an die Umgebungstemperaturen anpassen kann. Der Mond war hinter den Wolken nur verschwommen zu erkennen, Sterne waren außer Jupiter und Saturn zunächst gar nicht zu erkennen. Würde es sich überhaupt lohnen, etwas zu beobachten? Aber irgendwie war die schmale Mondsichel zu verlockend für mich, da konnte ich nach der "Tagesschau" doch nicht widerstehen.

Und um ehrlich zu sein, zunächst war der Anblick des Mondes wirklich nicht berauschend. Der Kontrast war durch die Wolkenschicht sehr gedämpft. Im Mare Crisium waren keine Krater zu erkennen. Ich wollte schon fast wieder einpacken, da dachte ich - naja - einen Blick auf Jupiter kann ich noch wagen. Nanu? Nur drei Monde zu sehen? Auf Jupiter selbst waren die zwei dunklen Hauptbänder gut zu erkennen, auch dunklere Bereiche zu den Polen hin. Aber ich sah wenigstens etwas, fast klarer als auf dem Mond, und so kam ich auf die Idee, doch gleich mal die verschiedenen Farbfilter auszuprobieren, die ich zuletzt auf dem Hückelhovener Astrotreff erworben hatte. Der Gelbfilter schien tatsächlich den Kontrast auf Jupiter etwas zu verbessern. Und was war das? Da waren jetzt doch nicht nur drei Monde, sondern alle vier, zwei davon waren ganz eng zusammen. Hatte ich da am Anfang nur nicht genau hingeschaut? Oder waren jetzt die Sichtverhältnisse (Seeing) besser geworden?

Ich schwenkte mit meinem Fernrohr zum Saturn. Und hier war ich nun doch völlig überascht. Die Cassini-Teilung war deutlich zu erkennen. Das war doch besser als im Februar? Da hatte ich sie zwar auch gesehen, aber irgendwie war sie gleich immer wieder weg. Oder hatte ich mir das ganze soweiso nur eingebildet, weil ein C8 die eigentlich zeigen "muß"? Oder täuschte ich mich wieder einmal selbst? Erstmal versuchte ich jetzt die visuelle Grenzgröße heute abend zu bestimmen. Den Polarstern habe ich noch gefunden, aber viel mehr war da nicht auszumachen. Vom großen Wagen (bzw. große Bärin) waren die Hauptsterne zu erkennen, aber kein weiterer Stern vom kleinen Wagen. Grenzgröße also vielleicht bei etwas schlechter als 2 mag? Okay, der Himmel war nicht gleichmäßig hinter dem Wolken- oder Hochnebelschleier verdeckt, an einigen Stellen waren praktisch gar keine Sterne zu erkennen, aber dort - wo welche waren - war die Sicht wirklich nicht besser. Doch dann wieder zu Saturn zurück. Tatsächlich, ich täuschte mich nicht, die Cassini-Teilung war wieder zu erkennen.

Inzwischen waren beim Jupiter die beiden Monde etwas weiter auseinander gewandert. Jetzt waren sie deutlich voneinander getrennt - auch bei kleiner Vergößerung.

Oder waren die Verhältnisse nun doch besser geworden? Die Mondsichel war zwar schon deutlich tiefer gesunken, aber jetzt war sie doch mit bloßem Auge scharf zu erkennen. Also wieder mit dem Fernrohr hin: nun machte es richtig Spaß den Mond zu betrachten. Im Mare Crisium waren deutlich die Krater zu erkennen(z.B. Swift und Peirce, sowie der lavaüberflutete Lick). Besonders gefallen hat mir auch die Schuhabdruck-ähnliche Struktur von Gutenberg und der mehrfach überlagerte Krater um Hommel (?).

Doch langsam aber sicher sank der Mond immer tiefer und dadurch auch wieder in dichtere Bewölkungsschichten. Nach Norden hin war jetzt auch Polaris nicht mehr zu sehen. Zum Zenit hin aber sah es noch besser aus. Jetzt wollte ich es aber wissen,was es an diesem Abend mit dem Seeing auf sich hatte. Im Februar war es doch kaum gelungen, Castor zu trennen. Wie würde der heute aussehen. Oje, der war wirklich recht Zenitnah, also mußte ich ziemlich unter das Teleskop kriechen, um ihn im Sucherfernrohr richtig anzupeilen. Aber so schwer war das auch nicht. Erstmal mit kleiner Vergößerung "eingefangen", dann sauber zentriert und das große Okular rein. Nein! Da war nichts von einem Doppelsternen zu erkennen. Aber auch nicht mal ein Ansatz dazu, kein etwas längliches Bildchen.... oder sollte ich mich doch getäuscht haben? Nochmal auf die Knie gefallen und durch den Sucher gepeilt. Nee, das war ja auch gar nicht Castor, das war sein Zwillingsbruder Pollux. Also wieder neu gepeilt, wieder die kleine Vergrößerung rein, wieder zentrieren und jetzt das stark vergrößernde Okular - Wow! Der war jetzt doch glatt und sauber getrennt!

Dann kann das mit der Cassini-Teilung vorhin wirklich keine Einbildung gewesen sein. Und gleichzeitig ist auch das Vertrauen in meine Teleskop-Optik wieder gestiegen, denn Castor sollte für einen 8-Zöller wirklich kein schwieriges Objekt sein.

Aber wieso konnte ich Castor im Februar, bei doch klarem Himmel und einer Grenzgröße von 5 mag kaum trennen und jetzt - bei einer Grenzgröße von 2 mag ohne Probleme? Im Februar hatte ich ja zunächst an der Qualität meiner Optik gezweifelt, aber als Freunde mit einem 8" Newton und einem 8" Dobson zum gemeinsamen Beobachten vorbeikamen, stellten wir fest, dass die optische Leistungsfähigkeit meines Teleskops mit den anderen Systemn doch sehr vergleichbar war. Kann es denn sein, dass der Himmel voller Wolkenschleier ist, aber trotzdem eigentlich "ruhig"? Mir solls recht sein, für mich hat sich dieser Beobachtungsabend trotz des Wolkenschleiers sehr gelohnt!

Aber so ganz wollte mir das noch nicht in den Kopf. Das"seeing" war doch so schlecht wie im ganzen Februar nicht, also fing ich an, diesen Bericht aufzuschreiben und wollte eigentlich ein paar Fragen in einem der Beobachtungsforen bei astronomie.de stellen. Aber wozu noch Fragen stellen, wenn man dort schon die Antwort findet! Genau dieser Unteschied zwischen der Transparenz (Durchsicht) und der Luftruhe (Seeing) andererseits wurde da in etlichen Threads behandelt.

So habe ich jetzt an Hand eigener Beobachtung den Unterschied zwischen "Transparenz" (also die Himmelsdurchsicht, ermittelt an Hand der visuellen Grenzgröße) und dem "Seeing", also der Luftruhe erfahren. In der Tat sind dies zwei ganz verschiedene Dinge. Schade, dass ich erst heute in das "Beobachtungsberichte - Fragen und Hinweise" geschaut habe, dann hätte ich vielleicht nicht nur die Grenzgröße, sondern auch das Seeing an Hand der dort vorgeschlagenen Skalen beziffern können. Aber es wird ja sicher noch mehr Beobachtungsnächte geben. Und irgendwie ist es doch ein tolles Gefühl, selber Erfahrungen zu machen und die dann entstehenden Fragen durch "astronomie.de" profesionell beantwortet zu kommen, bevor man sie eigentlich gestellt hat.

Liborius
 
Hi Newbie,

schöner Bericht. Also wenn du vom Kleinen Wagen nur Polaris erkennen kannst und vom Großen Wagen nicht einmal alle sieben Sterne, dann ist die Durchsicht (nicht das Seeing) relativ mau, eine Beobachtung lohnt da kaum.

Aber wieso konnte ich Castor im Februar, bei doch klarem Himmel und einer Grenzgröße von 5 mag kaum trennen und jetzt - bei einer Grenzgröße von 2 mag ohne Probleme?

Das kann 2 Gründe haben. 1. Du hast Pollux eingestellt,d en unteren Stern im Gemini. Dieser fehler wird häufig gemacht. 2. Du hast nicht hoch genung vergrößert. Um Castor deutlich aufzulösen sollte man mindstens 100x einsetzen.

Gruß

Lots
 
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