Alis
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Tatort: 48°52'30.43" Nord, 9°35'50,20" Ost, 547,3m über NN., man schreibt Ostersamstag, 2003 halb Neun, MESZ. Ich nähere mich mit schnellen Schritten dem Ort der Begierde. Ein kurzer Blick nach links oben: Jupiter hat eben den Meridian durchquert. Rechts davon - Saturn? Nein, müsste weiter rechts sein. Merkur ist noch im hellen Dunst versteckt. Also schnell weiter. Vor einer knappen Stunde hat alles angefangen. Ich hatte gerade eine Versammlung in der Schwabenmetropole verlassen und zum Himmel emporgeschaut. Hmm, sieht besser aus, als der Wetterbericht vorhergesagt. Aber eigentlich ist es ja schon zu spät. Um 20 Uhr beginnt die Führung. Fragen könnte man ja. Also ein Anruf in der Sternwarte: ja, die Führung beginnt um 20 Uhr, aber ich kann auch später kommen, wenn nicht wegen Überfüllung geschlossen wird. Überfüllung? Das wird doch wohl nicht gerade sein. Ich riskier's. Eine knappe Stunde befinde ich mich also auf dem Fußweg zur Sternwarte. Die Kuppel ist geschlossen. Also noch alle beim Vortrag. Auf dem Weg kommen mir vier Männer entgegen. Einer mit einem gewaltigen Feldstecher um den Hals. Ob die von der Sternwarte kommen? Wohl kaum, hat ja erst angefangen. Wahrscheinlich Wanderer. Ein knapper Gruß beim Vorbeieilen. Wie ich wohl auf die gewirkt habe? Mit Bügelfalte und dunkelrotem Sakko. Auch nicht gerade wie ein Sterngucker. Endlich stehe ich vor der silbernen Kuppel, in der sich angeblich ein 10 Zoll Refraktor verbergen soll. Alle Rollläden unten, kein Mensch da. Über der Eingangstür ein Bewegungsmelder, der mich mit einem angenehmen roten Licht begrüßt. Langsam dämmerte mir, was mir "Überfüllung" gemeint war. Nicht zu fassen! Ein Wetter, wie es unsereiner selten hat, kein Mond am Himmel, ein Zehnzöller, und keiner schaut hin. Schweren Herzens gehe ich zurück. Die "Wanderer" fuhren gerade weg. Vielleicht, um sich für eine tolle Beobachtungsnacht noch mal zu stärken. Aber darauf mochte ich nicht warten. Scheint unter keinem guten Stern zu stehen, meine Astronomie im Schwabenland. Bei meinem ersten Besuch hier war ich pünktlich, aber mit zweifelhaftem Wetter auch allein. Wäre ich dagegen am 11. August 1999 hier gewesen, aber nein, ich stand an guter Position nahe der Zentrallinie auf dem Messelberg - im Regen. Schwamm drüber. Wie ich zu sagen pflege: der Astronom als solcher ist Optimist... Also, bis zum nächsten mal.
Ein badischer Sternfreund
Ein badischer Sternfreund