Wie jetzt, einen Tubus aus Balsaholz und GFK zu basteln wollen „sie“ dem besorgten Bürger jetzt auch noch verbieten? wAs dArF mAn eIgEnTlIcH nOcH????

Spaß beiseite, als jemand der seit über 20 Jahren immer wieder Teile für den Privatgebrauch laminiert würde ich empfehlen dieses Verfahren soweit irgend möglich zu vermeiden.
Im Juni „musste“ ich das mal wieder machen. Man hat ja die Wahl zwischen Epoxyd (krebserregend) und Polyesterharz (weniger krebserregend, und Haare, Kleidung, die ganze Bude stinkt bestialisch danach). Meistens bringt man es beim laminieren trotz der Handschuhe irgendwie auf die Haut, und muss dann das Aceton in der Werkstatt suchen um die Griffel sauberzumachen. Die richtige Menge (gerade bei den sommerlichen Temperaturen) mischt man sowieso nie an wenn man größere Teile herstellt, und gerade wenn man an der kompliziertesten Stelle mit aufpinseln oder -rollen fertig ist stellt man fest das man zu lange gebraucht hat und im Becher schon nur noch Gelee ist.
Also Handschuhe ausziehen um die Waage nicht dreckig zu machen, und nochmal neu mischen. Dabei kommt das Harz natürlich trotzdem auf die Finger und die Waage, weil es außen am Becher ist und man vergessen hat den mit Handschuhen auf die Waage zu stellen.
Wenn man dann alles bedacht hat (Stichwort Schwerkraft: vermutlich am besten einen Besenstiel durch den Tubus stecken und diesen damit horizontal auf zwei Böcke legen damit man ihn während dem laminieren drehen kann, und wenn man fertig ist Frischhaltefolie fest darum wickeln damit die frisch laminierten Lagen nicht auf die unten liegende Seite rutschen oder auf dem Boden landen) dann härtet das Zeug unter Abgabe von Gestank oder krebserregenden Dämpfen aus.
Danach kann man endlich mit der dünnen Trennscheibe auf der Flex die überstehenden Ränder abschneiden. Und obwohl man natürlich FFP2 Maske trägt und den Schlauch vom Industriestaubsauger mittels Panzertape so fixiert hat das er möglichst nah an der Schnittstelle saugt verteilt sich der Staub überall und man atmet ihn ein, sodass mindestens bis zum nächsten oder übernächsten Tag die Arme jucken und einem dauernd der Rotz den Hals runterläuft.
Dazu ist die Frau sauer, denn obwohl man schon aus Hobbyraum/Werkstatt im Haus ausgezogen ist und das ganze im Gartenschuppen/der Garage etc. gemacht und die Kleidung anschließend im Grill verbrannt hat war das runtertropfende Harz an den Schuhen, und der Gestank somit doch im Hausgang.
Kurz gesagt: GFK/CFK Teile im Handlaminierverfahren herstellen ist daheim in der Hobbywerkstatt so ziemlich die ekelhafteste Arbeit die ich aus eigener Erfahrung kenne. Wenn es irgendwie anders geht dann mache ich es nicht. (selbstverständlich nur meine von der Meinungsfreiheit gedeckte Meinung, die nicht mit anderen Meinungen übereinstimmen muss).
Im Gegensatz zu Alex muss ich allerdings gestehen das sich ein Teleskop mit Hartpapiertubus seit fast 30 Jahren in meinem Besitz befindet, also eine gewisse Verbundenheit zu Hartpapier habe ich schon.
Das was von anderen hier geschrieben wurde kann ich bestätigen. Zumindest mit der DSLR sind bis jetzt keine Fokusdrift Probleme offensichtlich geworden. Der Tubus ist sehr stabil, steif und unempfindlich. Und das auch nach fast 30 Jahren noch. Was vermutlich, ganz ohne Verschwörung, der Grund sein könnte warum das Material seit Jahrzehnten für diesen Zweck sehr beliebt ist
Und angesichts der Arbeit und Sauerei mit GFK halte ich 250€ für einen 14“ Hartpapiertubus für einen sensationellen Preis.
(disclaimer: ich will selbstverständlich auch nicht infrage stellen das jeder seinen Tubus so bauen darf wie er will. Wir haben ja das Glück in einem freien Land zu leben)
Gruß
Simon