Bi-Tube-Aldi: Baubericht und First-Light

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Matthias_Müller

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Hallo allerseits!

Nachdem ich die letzten Tage reichlich vor dem Schreibtisch gebrütet und im Internet gestöbert habe, gings gestern ans Werk und heute abend auf den Balkon. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> Doch der Reihe nach:

Hauptproblem der an sich naheliegenden Idee war in erster Linie - bei dem Preis der opt. Komponenten - der Augenabstand. Schnell wurde klar, daß aufwendige und kostspielige (und bildqualitätsmindernde) variable Augabstandsanpassungen mit Spiegeln oder Prismen nicht in Frage kommen. Mit dem Kompromiß, das Gerät nur für mich persönlich auszulegen, konnte ich mich aber schnell anfreunden. Mit Hilfe eines Feldstechers und einer Schieblehre bestimmte ich den Augabstands-Bereich, den ich sinnvoll und anstrengungslos binokular nutzen konnte. Danach bestimmte ich das Außenmaß des Aldi-Tubus. Es wurde eng. Ich kontrollierte nach. In "Tuchfühlung" sollte es gehen. Also erstmal die Plastik-Showkappen (als Taukappe materialtechnisch unsinnig) ab. Dann der nächste Schreck: das zweilinsige Objektiv wird außen von einer Plastik-hülse gehalten. Nochmal über 3 Millimeter mehr - pro Tubus, also 6 zuviel. Nochmal den Feldstecher geholt, 6 Millimeter mehr eingestellt: keine Chance - nur Doppelbilder. Die Objektivhalte-Plastikhülse muß im Berührungsbereich der Rohre also weg. Alles oben abgebaut, und unten auch die originalen Angelpunkte der Höhenverstellung, die Linsen in Stoffhandschuhen begutachtet. Erste Überraschung: das eine Objektiv hat am Rand geschliffene, will sagen milchglasartig mikrofein-rauhe Struktur, das andere ist fast durchsichtig/glatt.

(Frage 1:) Läßt dies Schlüsse auf Herstellung/Qualität/Herkunft zu?

Der Vergleich der Brennweiten beruhigt mich. Ich schwärze schonmal sorgsam die Linsenkanten. Aus den Plastikhülsen schneide ich einen "Sektor" heraus und klebe sie mit Sekundenkleber an die angerauhten Tubusenden, so daß der jeweilige "Tuchfühlungsbereich" in der späteren Mitte des Geräts frei bleibt. Nach der Aushärtung lege ich die Linsen wieder ein und will gerade den Fixierring einschrauben, da sehe ich: der hat auch eine überstehende Kante. Sache für die Feile. Danach paßts zwar, jetzt lassen sich die Gewinde aber nicht mehr wirklich brauchen. Sie lassen sich einstecken, zur Fixierung der Linsen sind aber je 2 kleine Schräubchen nötig (vorbohren etc.). Endlich hält alles und ein Durchguck-Test mit Okular zeigt, daß ich nichts vermurkst habe. Ein OAZ wird abgebaut und um 180 Grad gedreht wieder angeschraubt. Die Fokusräder am OAZ reichen für meine "Tuchfühlungs"-Konstruktion zu weit in die spätere Gerätemitte; sie würden sich ohne Modifikation überschneiden. Ich löse das jeweilig mittige Handrad ab und nach Ausbau flexe ich jeweils die Riffelung ab und entgrate. Eventuell kann ich später mal die Wellen über einen Wellenverbinder koppeln (meine Augenfehler sind beidseits gleich und nur Refraktion), dann hab ich binokularen Fokustrieb.
Die mechanische Verbindung der Rohre gelingt mit 4 gummierten Rohrschellenhälften und Maschinenschrauben dazwischen. Auf der Unterseite verschraube ich noch 2 Alu-Profilwinkel mit, die zusätzlich mittig Löcher im Schwerpunktbereich des ganzen Teils haben zur Montierung. Das Ganze läßt sich einigermaßen problemlos justieren und ist erstmal provisorisch alt-az-montiert auf der Gabel meines gut 20 Jahre alten Refraktors, weil dessen Stativ aus Massivholz steifer als das Aldi-Teil ist (wenn auch noch lange nicht wünschenswert).

Zum Aldi-Bi-Tube First-Light auf dem Nordbalkon hat mir Petrus ein wenig Dunst geschickt, auch der fette gelbe Keks ist nicht im Blickfeld. Überhaupt ertrinkt heute mal wieder besonders stark alles im Großstadthimmel. Polaris ist recht schnell beidseits scharf eingestellt und der binokulare Blick durch die 20er-Aldi-Kellner (habe noch nichts anderes) gelingt nach kurzer Feinjustage. Ich schwenke Richtung Milchstraße und bin beeindruckt. Wenn ich auch nicht direkt sagen kann, daß die binokulare Grenzgröße besser ist, so muß ich doch sagen, daß das Schauen viel entspannter und irgendwie räumlicher (vom Eindruck her meine ich), großfeldriger wirkend ist. Auch das indirekte Sehen fällt mir als Un-Routinierem leichter. Man muß auch nicht das andere Auge zukneifen oder die Hand vor Störlicht halten (ich steh hier nicht auf dunklem, freiem Feld). Hinzukommt, daß ich binokular beobachtend ausdauernder bin, aber ich habe ja auch noch wenig Training. Jedenfalls bin ich voll zufrieden fürs erste.

(Frage 2:) Wo kriegt man sonst für den Preis einen 60/700-Bi-Tubus-Refraktor und Erfahrung aus allererster, nämlich der eigenen Hand, im Bereich mechanische Kniffe und optische Feinheiten?

Ich bin gespannt, was das Teil mit 2 Plössln (25 mm angedacht; hab hier irgendwo gelesen, daß der Aldi dadurch deutlich gewinnt) unter dunklem Himmel bringt.

In den nächsten Tagen geht`s ans Feintuning. Dazu hab ich auch noch zwei Fragen:

(Frage 3:) Was tun mit der in Tubusmitte befindlichen Ringblende, die nur etwa die inneren 50% offenläßt (= ein Viertel der Öffnungsfläche)? (Meine Vermutung: Belassen, das Strahlenbündel geht eh durch die Mitte, Blendring fängt Reflexionen ab)

(Frage 4:) Was tun mit dem innen auch chromglänzend gestalteten OAZ? (Meine Vermutung: Mit selbstklebenden Schwarzvelour auskleiden; traue ich mich nur nicht, das ist immerhin über einen Millimeter dick und ich will das Strahlenbündel zum Oku nicht beschneiden, oder irre ich?)

Nach dem Feintuning will ich dann an Planung und Selbstbau einer parallaktischen Montierung mit Nachführung gehen, bloß ist das mit Bi-Tuben nicht so einfach: entweder dreh ich den Kopf mit beiden Augen mit (hänge irgendwann seitlich über dem Ganzen?! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" />) oder das ganze muß in ein Innenrohr-Außenrohr-System, so daß ich es unabhängig von der parallaktischen Nachführung noch um die eigene Längsachse (=Blick-Linie) drehen kann. Mal sehen.

(Frage 5:) Gibt es dazu (Bi-Tubus; parallaktische Monti) Ideen/Lösungen/Vorschläge?


Danke für Eure Antworten schon mal, bei wesentlichen Fortschritten halte ich Euch hier auf dem Laufenden; Erfahrungen unterm Himmelszelt mit dem Teil poste ich hier im Forum Beobachtungen.

CS, stillsitzende Luft und keine Aerosole wünscht

Matthias.
 
Hallo Matthias,

Gratulation zu deinem Bi-Tube-Aldi! Leider verstauben die meisten dieser Teleskope auf dem Dachboden (hab selbst so ein Teil vom Sperrmüll gerettet).

zur Frage 3: Diese Ringblende solltest du entfernen! Nimm schwarzes Tonpapier (bekommst du im Schreibwarengeschäft) und verkleide damit den Innentubus; einfach zusammenrollen, mit Tesa fixieren und die Rollen in den Tubus schieben. Genauso machst du es mit dem OAZ. Das ist ganz wichtig, ohne solche Verbesserungen veschenkst du viel Kontrast!
Ein Bino auf eine parallaktische Montierung zu stellen geht auch, habe ich aber erst einmal gesehen, siehe http://zellix.bei.t-online.de/vds/exotische.htm (7. Bild von unten) - da braucht man einen drehbaren Innenring.

Dein Bericht gefällt mir! Willst du ihn im VdS-Journal veröffentlichen? Die Bilder von deinen Bino darftst du dann aber vorerst noch nicht herzeigen.

Gruß, Herbert Zellhuber
VdS-Fachgruppe Amateurteleskope/Selbstbau
http://www.vds-astro.de/fg-selbstbau (VdS-Fachgruppe Selbstbau)
 
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