Bino/Doppelrefraktor 70 mm

Hallo Rainer,
würde an deiner Stelle Gerät mit 90° Einblick wählen. Wenn es in Zenitnähe gehst, wirst du den bequemeren Anblick/Einblick bald zu schätzen wissen.

Gruß Günther
 
Hallo Rainer,

ich habe ein ähnliches Bino und zwar ein TS Semiapo mit 82 mm Öffnung und 90° Einblick. Also fast gleich, nur ein klein wenig größer. Was möchtest Du denn wissen?

Grüße
Andreas

PS: im Nachbarforum gibt es gerade einen Thread, in dem ein 82 mm 45° Bino verwendet wird.
 
Hallo Rainer,

als bekennender Teleskopiker interessieren mich hauptsächlich ältere Instrumente. Ich besitze zwei MIYAUCHI Astro-Ferngläser, die ich nicht mehr missen möchte: Ein 15x60 und ein 20x80, jeweils mit 45°-Einblick, was für mich in der Praxis völlig okay ist.

Sie entsprechen dem Stand der (Vergütungs-)Technik von vielleicht 1980, was mich aber auch nicht stört, da ich den gewissen Charakter älterer Instrumente aktueller High-End-Produkte aus fernöstlicher Fertigung vorziehe; unbenommen ihres technischen Standes im Detail - wobei das meine persönliche Marotte ist, die keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt.

Zu den Wechselokulare vielleicht so viel: wenn man sich einmal an die feste Brennweite gewöhnt hat - also den permanent vorhandenen Impuls, ein beobachtetes Objekt immer weiter vergrößern zu "müssen" unterdrücken kann - erlebt man eine neue Art von Freiheit.
Die Freiheit der Simplizität.
Automatisch bleibt mehr Zeit am Himmel, mit allen positiven Nebeneffekten. Man agiert ruhiger, die Augen gewöhnen sich besser an die vorhandenen Bedingungen des einzelnen Objekts, man kruschtelt nicht ständig im Schein der roten Funzel herum, hat weniger Ausrüstung dabei ... es hat, so schwer es zu glauben fällt, eigentlich nur Vorteile.
Wobei: für das "kleine MIYAUCHI" gibt es 20er (?) - soweit ich mich richtig erinnere - Wechselokulare, die aber nur bedingt randscharf, teuer und schwer zu bekommen sein sollen und die außerdem das Gesichtsfeld einengen; klar. Es handelt sich natürlich um ein Sondermaß, das heißt, dass normale 1.25'' Okulare nicht passen. Subsummiert: uninteressant ...

In meiner ganz persönlichen Beobachtungspraxis ist es regelmäßig so, dass ich neben dem Bino einen langsamen Refraktor stehen habe. Mit dem Bino gehe ich spazieren. Entdecke ich etwas Interessantes, dann hake ich mit dem Teleskop nach. Da ich rein visuell und komplett ohne Strom und Elektronik unterwegs bin, ist das die schönste Art, mich über den Nachthimmel zu bewegen.

So viel von einem bekennenden Altglassammler.

Schöne Grüße,
Urs
 
Hallo zusammen,
ich möchte dem Urs vollkommen zustimmen!
Hier meine Erfahrungen mit einem TS/APM
82/90° und einem 20x77 Miyauchi:
Mein erstes Miyauchi mit 45° Einblick schien mir a) unbequem im Zenit und b) zu eingeschränkt in der Okularwahl. Höher vergrößern zu können, musste doch der Bringer sein!? Also: Umstieg auf 82/90° mit
4 Okularpaaren (u. a. auch Nagler und Panoptics). Und es ist genau so gekommen,
wie Urs gesagt hat, denn nach 2-3 Beobachtungen mit ständigem Hin und Her zwischen den Okularen, dann UHC Filter ausprobieren, Geschraube, dann OIII Filter ausprobieren, Geschraube kam die Einsicht. Bald habe ich nur noch die beiden 19er Panoptic benutzt und gut war's.
Als dann jemand sein gut erhaltenes Miyauchi 20x77 angeboten hat, kam die Sehnsucht nach meinem schönen, kleinen und leichten (!) Miyauchi zurück. Zudem war der Einblick im Zenit mit 90° nicht soooo
viel bequemer.
Also wieder Miyauchi und ein ruhiges, stressfreies Beobachten.
Das 82/90° ED ist dennoch ein schönes Gerät
mit tadelloser Abbildung, aber mein Rat:
1 Okularpaar (19er oder 24er Panos) und gut is.
Liebe Grüße Rolf
 
Hallo,
ich selbst habe das TS 82/90 SA(danke nochmal Rolf) und da 3 Okularpaare.
12,5, 19 und 33mm die 19er sind die Panos und die anderen TPL(Tak Plössl). Wildes hin und hergewechsle mache ich nicht, sondern grase die Objekte ab, die zur Brennweite passen und wechsle dann erst, oder auch nicht…;)
Die 12,5mm sind super für Galaxien, die 33er für Sternhaufen oder größere Nebel. Die 19er sind als „Allzweckwaffe“ recht oft drin.
Das 82mm Glas ist noch recht leicht und lässt sich einfach (sprich günstig) montieren.
Das FG kommt hauptsächlich neben dem Fotogerödel zum Einsatz.
Macht richtig Spass damit zu beobachten :y:

Grüße Rainer
 
Hallo,
es sei hier noch einmal erwähnt, daß ein opt. Gerät (Refr./Refl.) bei einer AP von 0.645 mm die absolute Leistung zeigt (Untersuch. in einem Bericht von R. Stoyan)- Leider sind die atmosfärischen Bedingungen selten so gut, das man das nutzen kann, meistens bei 1 - 2 mm AP "Schicht im Schacht", "gg".
Korrig. Optik von Wellenform sollte man in Anspruch nehmen, sofern man das Geld hat und größten Wert auf Leistung legt.....

Gruß Günther
 
Hi
ich finde Preis-Leistung bei den 70mm Binos sehr ungünstig und würde auf wenigstens 80mm gehen.
Auf Reisen würde ich 2 max 3 Sets Okularen mitnehmen, wie beim Teleskop auch (AP 6, AP 3 und AP 1).
Hier habe ich 6 Sets im Koffer und nehme die auch mit. An einem Abend kommen aber meist nicht alle zum Einsatz.
CS
 
Interessanter Austausch hier! Ich sehe es ganz wie der Urs: eine quasi-feste Vergrößerung bringt Freiheit von der ständigen Wechslerei. Einwerfen möchte ich, dass die Miyauchis wohl eher den Stand der 1990er darstellen, nicht 1980er. Für mein Empfinden gibt es einige charmante und auch sehr leistungsfähige Geräte aus den 1990er, die seitdem in der Summe ihrer Eigenschaften nicht übertroffen wurden. Hierzu zählt sicherlich das Miyauchi 15x60.

Wobei ich die Möglichkeit des Okularwechsels schon praktisch finde um herauszufinden, welches Okularpaar am Besten passt. Jenes bleibt aber dann immer drin. Für Hochvergrößerung werden die meisten von uns ein Monogerät haben das leistungsfähiger ist, und in der Minimalvergrößerung ist oft ein Handfernglas im Vorteil. Für mich geht es bei meinen Großferngläsern und Doppelteleskopen mit 1,25" und 2" Anschluß darum herauszufinden, bei welcher Vergrößerung das Teil seinen größten Charme entfaltet - und gut ist.

Bei den Miyauchis wiederum - ja, ein Spezialthema, aber eins das doch viele bewegt oder bewegt hat - bleibe ich genz bewusst bei der jeweils niedrigsten Vergrößerung. Denn dort ist das Einblickverhalten am Entspanntesten und die Bildqualität am Besten.

Gruß in die Runde, Christopher
 
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