Bino-Magie am 120er ED – Wenn die Technik-Hürde fällt und der Himmel sich öffnet

Anette_Aslan

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Hallo zusammen,
ich muss heute einfach meine Begeisterung teilen – einerseits über die erste wirklich perfekte Nacht im Wiener Becken gestern am 22.04.26 gegen 20h und andererseits über eine technische Lösung beim Baader MaxBright II Binoviewer, die mich fast zur Verzweiflung gebracht hätte.

Die Technik-Falle: Wohin mit dem Dovetail?
Als Einsteigerin bezüglich der Verwendung eines Binos war ich von der Anleitung des MaxBright II extrem verwirrt. Dem Bino liegt ein Zeiss Microbayonet (Dovetail-Ring) bei, aber wie das Ganze ohne weiteres Zubehör an ein Prisma passen soll, blieb ein Rätsel. Die Lösung, die so nicht explizit in der Anleitung steht: Der Dovetail ist ohne den (separat erhältlichen) T-2 Quick-Changer eigentlich nutzlos.
Nach einigem Ausprobieren habe ich nun den perfekten Workflow gefunden:
  1. Der Dovetail-Ring wird fest auf das Bino-Gehäuse geschraubt.
  2. Der Glaswegkorrektor (GWK) – egal ob 1.25x oder 2.6x – lässt sich bei meinem Modell direkt in diesen Dovetail schrauben.
  3. Das Ganze wird einfach per Schnellwechsler auf das Prisma geklickt.
    Kein mühsames Umbauen mehr im Dunkeln: Der Quick-Changer ist der Schlüssel, um blitzschnell zwischen den GWKs oder zur Mono-Beobachtung zu wechseln.
Die Belohnung: First Light unter perfekten Bedingungen
Gestern Abend passte alles wie selten zuvor. Bei nur 50 % Luftfeuchtigkeit und fast kristallklarem (wir hatten eine außergewöhnlich gute Fernsicht schon tagsüber, der Schneeberg (50Km Luftlinie) war zum Greifen nah) Himmel über dem Wiener Becken durfte mein Skywatcher 120/900 ED zeigen, was er kann.

Zuerst der Halbmond: Mit dem 1.25x GWK und zwei 25mm Omegon Okularen war der Anblick schlichtweg „knackscharf“. Dieser bekannte Bino-Effekt hat mich völlig in den Bann gezogen – man schaut nicht mehr nur ein Objekt an, man wird regelrecht in das Bild hineingezogen. Die Plastizität der Kraterlandschaft war so gewaltig, dass ich mich kaum lösen konnte. Alpetragius hat es mir angetan, den habe ich noch nie so scharf und plastisch gesehen, sein zentraler Kegel ragte so deutlich hervor, wirklich ein markantes Erlebnis.
Auch der Zentralberg von Arzachel zeigte sich genauso beeindruckend.

Danach ging es zu Mizar/Alkor im Zenit. Die Sterne waren wie mit der Nadel gestochene Punkte. Als Kurzsichtige genieße ich es besonders, die Brille einfach abzusetzen, nah an die Augenmuscheln heranzurücken und die Sehschärfe direkt am Bino einzustellen. Das Sichtfeld ohne Brille ist so viel unmittelbarer! Ich wurde regelrecht in diese wundervolle Sternenkonstellation hineingesogen. Bei meiner Lichtverschmutzung hier und sonst eher 4mag Himmel, war das so direkt am Zenit ein völlig neues Erlebnis. Die M51 soff aber nebelig ab, GX geht bei mir visuell einfach schlecht. Da kann ich nur mit der Kamera ran.

Selbst Jupiter war trotz der geringen Vergrößerung der 25mm Okulare extrem scharf. In einem Moment des Übermuts habe ich mein 5mm Baader Hyperion (mono) eingesteckt – und selbst bei 180-facher Vergrößerung blieb das Bild stabil. Eine absolute Ausnahme-Nacht! Wir hatten tagsüber einen strammen Nordostler, der wohl föhnartig gewesen sein muss, er hat den Himmel regelrecht ausgetrocknet. Mit Sonnenuntergang fiel der Wind zusammen, einfach nur genial, dann das Teleskop aufzustellen. Wenn solche Winde wehen, habe ich oft nicht den Mut, das ganze Geraffel auf die Wiese zu stellen, heimtückische Böen haben mir schon einmal alles umgeworfen, als wäre ein böser Geist dahinter, der sich mit mir ein Schabernack leisten wollte.

Mein Fazit: Wer mit der Montage des Binoviewers kämpft – bleibt dran! Der Quick-Changer lohnt sich absolut. Wenn die Technik erst einmal im Hintergrund verschwindet, beginnt das eigentliche Abenteuer am Okular.

Clear Skies von Anette
 
Hi Anette,

Danke für deinen Bericht. D.h Du kommst mit dem 1.25 GWK am 120 es in den Fokus? Welchen Zenitspiegel verwendest Du?
Grüße
Matthias
 
das Prisma, kein Spiegel. Von Baader mit Nose-piece. Geht absolut problemlos. Den 2.6 muss ich aber noch ausprobieren, werde berichten. LG von Anette
 
so, den 2.6 er GWK ausprobiert, geht auch problemlos, ich musste erstmal tief Luft holen, sonst wäre ich auf den Mond gefallen. Absolut atemberaubend. Ich musste aber ein bissel lernen, die Pupillen richtig auszurichten, eine Weile sah ich doppelt, doch dann spielte ich direkt an den Augenmuscheln klebend ein bissel mit den Augenmuskeln hin und her und wooooooooooom war ich drin. Ein Riesending steht da vor einem, völlig dreidimensional. Vor allem war die Luftfeuchte schon fast wüstenhaft trocken. Um 20.30h nur 30% . Das sind Atacamaverhältnisse in einer Gegend, wo die hohe Abendfeuchte zum ganz normalen Tagesgang gehört mit Taubeschlag allemal. Der Mond kam mir schon fertiggestakkt vor. Habe mal ein one-shot Foto mit eingefügt. das ist aber jetzt nicht am Bino entstanden, sondern mit der angeflanschten Canon80d. Vor allem Maurolycus, dieser alte Krater hat mich in seinen Bann gezogen, knackscharf konnte ich das Wirrwar ineinandergekeilter Kratergruben sehen. Auch an Jupiter deutlich die Streifen, aber halt klein durch einen 5 Zöller. LG von Anette
 

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Hallo Anette
Bino ist ne tolle Sache....ich steck das Bino in den Newton.
Der Fön war gestern sehr wahrscheinlich ein Skandinavien - Riesengebirgs- Böhmerwaldfön....
Nach drei Hopsern war der letzte Tropfen rausgewürgt.....
Felix
 
Danke für diese Beschreibung des Föhnweges Felix, das wird dann wohl so gewesen sein. Für die Natur hier bedeutet das nur Stress pur und peitscht den Dürreindex in die Höhe, das Blattwachstum der Bäume ist schon merklich verzögert. Schade, dass in solchen Nächten dann auch noch der Mond zunehmen muss. LG von Anette
 
Hallo Anette,
danke für die Beschreibung!

Ich hatte am Sa, 25.4. 2026 auch eine sehr beeindruckende Mondbeobachtung mit dem SW 8" f6 Dob mit dem kleineren Lacerta Bino, kombiniert mit der Düring-Barlow, zwei 16mm 82° Masuyama-Okularen und Rotfilter.
Diese Kombi bietet ein unglaubliches Gesichtsfeld, viel Schärfe und Details und ich konnte das ziemlich gute Seeing (im Wienerwald bei Pressbaum) richtig genießen!
Das Rotfilter drückt das Seeing nochmals deutlich und ich finde das rote Bild recht ansprechend - im Unterschied zum Solar-Kontinuum Filter, von dem ich am Newton bei der visuellen Mondbeobachtung enttäuscht war.

Das riesige Gesichtsfeld der unglaublich handlichen Masuyamas bringt allerdings eine etwas unterschiedliche Fokussierung bzw. Schärfeabfall am Rand, was dem tollen Eindruck allerdings keinen Abbruch tut.

Ein Thema sind die Reflexionen in den Prismen meines Binos, die bei diesem maximalen 1,25"-Gesichtsfeld am Mond auch mit diversen Eigenbau-Blenden im und um das Bino nicht ganz beherrschbar sind. Würde mich interessieren, ob das Thema mit dem Baader MaxBright II gelöst ist, insbesondere in Kombi mit (d)einem Dobson?

Lg und CS,
Nik
 
Hallo Nik, den Dobson habe ich nicht mehr. Muss das Bino nun noch am C8 ausprobieren. Wir haben zwar gerade ein Wahnsinns-seeing bei dieser irre trockenen Wetterlage, der Schneeberg in 50Km ist zum greifen nahe wie noch nie, aber der Mond fast voll und in tiefer Deklination hinter den Hauswänden bringt nun nichts für mich. Das muss ich alles noch testen. Wie kommst du mit all den Gewichten am OAZ des Dobson klar, kippt der nicht bei Dir?
LG von Anette
 
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