Binokularaufsatz auf einem Teleskop im Vergleich zu einem Astro Fernglas

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Roonen77

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Hallo zusammen,
kann jmd darüber berichten wie der Unterschied zwischen zb. einem 100mm APM Astro Fernglas auf Stativ mit zb 100x Vergrößerung und einem zb 8" Celestron Evo mit einem Binokularaufsatz mit ebenfalls 100 fach Vergrößerung wäre.
Ist das Bild dann vergleichbar?
Helligkeit, Auflösung, räumlicher Eindruck etc.
Danke ?
 
Jede art von räumlichem Eindruck ist eine Illusion, egal bei welcher Variante. Der Winkelunterschied der Perspektive ist einfach zu gering.
Im Punkt Helligkeit ist ein echtes Großfernglas einem Binoansatz an einem Teleskop GLEICHER Öffnung natürlich um den Faktor 2 Überlegen.
In deinem Beispiel sammelt der 8"er aber 4mal so viel licht als 100mm Öffnung, das APM hat zwar 2 davon, aber wenn du gleiche Helligkeit willst, würde ein 140mm Teleskop mit Binoansatz bei 100x in etwa gleichziehen mit dem 100mm APM Fernglas bei 100x

Aber die Binocular Summation, sprich, das verbesserte Kontrastempfinden und feinere Auflösung bei Nutzung beider Augen hat man im Binoansatz genauso wie im Großfernglas, solange die geteilte Bildhelligkeit keinen Strich durch die Rechnung macht.
Funktioniert aber nur wenn die Teilbilder ausreichend Deckungsgleich sind, also gute Kollimation von Bino/Fernglas, kein Schielen der Augen, und möglichst ähnlicher Visus in beiden Augen.
Beim Binoansatz kanns halt sein, dass einem durch die Aufteilung des Lichts bei höherer Vergrößerung oder lichtschwachen Zielen das Licht ausgeht, und der potentielle Vorteil der durch Unterbelichtung der Netzhaut gleich wieder vor die Hunde geht.
Für Deep Sky ist der Binoansatz also nicht wirklich die beste Idee, wenn auch manche Sternhaufen und der Orionnebel auch im Binoansatz traumhaft sind.
In einem echten Großfernglas ists aber noch wesentlich geiler.
Bei Planeten, Sonne und Mond bringt so ein Ansatz aber einen wahnsinns Gewinn, und man hat durch ausreichend Helligkeit des Beobachtungsziels auch keinen Nachteil mehr gegenüber dem Großfernglas.

LG
Olli
 
Hallo Roonen,

In Deinem konkreten Beispiel - 100mm APM Astro Fernglas auf Stativ mit 100x Vergrößerung und 8" SC mit einem Binokularaufsatz mit ebenfalls 100x Vergrößerung - operiert das Fernglas nicht mehr in dem Bereich, wo es naturgemäß ganz besondere Vorteile hätte, nämlich bei Vergrößerungen von 60x und weniger. Bei 100x ist die Austrittspupille (AP) am Fernglas klein mit 1mm, damit das Bild nur noch hell genug für besonders helle Himmelsobjekte.

Vor allem: 100x ist die Schwelle, an der das SC seinen Vorteil des Auflösungsvermögens ausspielen kann. Das Auflösungsvermögen ist ausschliesslich von der Öffnung abhängig. Bei 200mm beträgt sie grob 0,7 Bogensekunden, bei 100m Öffnung 1,4mm Bogensekunden (je nach Berechnungsmethode ergeben sich auch andere Zahlen, das Verhältnis 1:2 bleibt aber). Doppelsterne mit 1" Abstand sind somit sowohl vom Gerät her als auch vom Visus der meisten Beobachter her absolut am Limit mit dem Fernglas, während das SC Reserven hat, die einem scharfsichtigen Beobachter bei 100x zugute kommen. Mit der größeren Öffnung sind Kugelsternhaufen folglich reicher, feinere Details an Planeten können gesehen werden, usw. - und dieser Vorteil des SC wächst mit wachsender Vergrößerung.

Somit würde ich bei 100x das SC technisch im Vorteil sehen. Zwar würde ich persönlich das Fernglas wegen seiner Handlichkeit dennoch bevorzugen - aber nur wenn ich, aus welchen Gründen auch immer, absolut nicht vorhätte, über 100x zu gehen. Ich spreche hier aus Erfahrung, da ich sowohl ein ähnliches Cassegrain mit Binoansatz als auch ein 100mm Fernglas mit 90-Grad-Einblick und 1,25-Zoll-Anschluss besitze. Falls ich jedoch auch vorhätte zu schauen, wie das Himmelsobjekt sich bei 130x und mehr ausnimmt würde ich das SC aufbauen.

100x ist ein Anwendungsfall, an dem weder das 100mm Fernglas noch das 200mm SC in seiner optimalen Zone operiert. Du wirst vermutlich in der Praxis dazu neigen, mit dem Fernglas die Vergrößerung zu reduzieren und mit dem SC sie zu erhöhen.

Deine Frage bezieht sich vermutlich auf eine Kaufentscheidung, meine Antwort behandelt eher eine Auswahlentscheidung bei Vorhandensein von beiden Optionen. Aber Geduld: Auf die Kaufentscheidung gehe ich ganz am Ende meiner Antwort ein.

Etwa bei 60x kommt das Fernglas in Vorteil. Um nämlich 60x überhaupt am 200mm SC zu erzielen muss ein Okular mit gut 35mm Brennweite verwendet werden. Diese Brennweite ist nicht mehr mit 100° Eigengesichtsfeld (EGF) zu haben - mit Binoansatz sogar nur mit 50° EGF wegen des 1,25-Zoll-Anschlusses. Am 100/550 Fernglas kann ein 9mm Okular mit 100° eingesetzt werden. Das Feld am Himmel bei 100x kann somit mit diesem Fernglas im Durchmesser 2x größer sein als mit diesem SC mit Binoansatz, somit im überschauten Feld 4x größer, das ist ein ganz anderer Bildeindruck. Ausserdem kann das SC seinen Vorteil im Auflösungsvermögen nicht mehr ausspielen, da bei 60x die meisten Beobachter Doppelsterne mit etwa 2,5" Abstand trennen können, was locker im Rahmen des Auflösungsvermögens des 100mm Fernglases liegt. Andererseits hat das SC bei 60x immer noch 3,3mm AP, was bei der Nebelbeobachtung entscheidend gegenüber 1,7mm im Fernglas sein kann, besonders bei der Nutzung von Linienfilter.

Je geringer die Vergrößerung, desto mehr kommt das Fernglas in Vorteil. Bei 30x ist endgültig der Punkt erreicht, an dem extremer Tunnelblick im SC aufkommt und das Teleskop dies nicht mit anderen Vorteilen aufwiegen kann.

Stünde ich also vor einer Kaufentscheidung und könnte nur eins der beiden Gerät erwerben, würde ich mich nicht auf eine bestimmte Vergrößerung versteifen. Die Entscheidung würde vielmehr komplett davon abhängen, was ich am Himmel vorhabe.

Details an Planeten, Details am Mond, Trennung von Doppelsternen, Tiefe in Kugelsternhaufen, Gestalt von PNs und Galaxien: das SC.
Ausgedehnte Galaktische Nebel (besonders wenn Filternutzung beabsichtigt ist), ausgedehnte Sternhaufen >1°, weite Sternfelder, gleichzeitige Beobachtung mehrerer Objekte im gleichen Sehfeld, und nicht zuletzt Genußbeobachtung von Planeten, Mond, Kugelsternhaufen, PNs und Galaxien in weitem Sehfeld: das Fernglas.

Gruss, Christopher
 
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Am Besten Du beschaffst einfach eins von beiden und machst alles damit, was geht, ohne auf das Andere zu schielen. Da bist Du Jahre beschäftigt und kannst viel Vergnügen haben. Der Schlüssel zum Vergnügen in diesem Hobby liegt m.E. darin, die Stärken eines Geräts zu suchen und sie zu geniessen, ohne allzu viel über relative Schwächen und Alternativen zu grübeln.

Als Fernglasfreund muss ich aber noch auf eine Objektkategorie hinweisen, die ich gestern vergaß: die Sternmuster. Ein klarer Fall für das Fernglas :)
 
Als Fernglasfreund muss ich aber noch auf eine Objektkategorie hinweisen, die ich gestern vergaß: die Sternmuster. Ein klarer Fall für das Fernglas :)
Ja, die mag ich auch sehr - aber bei vielen (oder den meisten) kommen wir mit einem 20x60 oder gar APM 100 nicht mehr weit; das Feld fehlt dann. Eins meiner 'Lieblinge' ist da Kembles Kascade, welches im 6,5°-Feld des Canon 10x42 oder eines gleichen Trinovid noch 'toll wirkt', aber bereits im nur noch knapp halb so großen Miyauchi 15x60 viel zu eng wird (es sei denn, man will den OC auflösen). Mitunter hab ich über's 6x30 APM nachgedacht, weil's ja glg. noch größer im Feld sein muss.

csm

PS: 'Schuld' an der Freude an diesen Dingern ist übrigens Walther Scott Houston gewesen, der im Buch 'DeepSky Wonders' derartige Muster vorgestellt hat.
 
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