Hallo,
ich kann alles unterschreiben, was Sven geschrieben hat. Zur Ermittlung der Zahl und Lage der Zwischenblenden („baffles“) kann ich noch ein paar Empfehlungen beisteuern.
1. Zeichne verkleinert, aber möglichst groß und möglichst genau maßstäblich den Aufbau des Teleskops, also erst die opt. Achse, dann den eff. Durchmesser und Lage des Objektivs (das nur durch einen einfachen Strich senkrecht zur opt. Ache symbolisiert wird), Durchmesser des Tubus (falls er sich nach hinten zum Okular hin stufenweise verengt, muß auch das maßstäblich gezeichnet sein, wobei es immer auf die Innendurchmesser und nicht auf die Außendurchmesser ankommt). Zeichne die Lage der Fokusebene als 28 mm langen Strich (für 28 mm als max. Durchmesser des Gesichtsfelds) an der richtigen Stelle ein. Die Okulare müssen nicht gezeichnet werden, weil sie zur Bestimmung der Feldblenden nicht gebraucht werden.
2. Verbinde den obersten Punkt des Strichs, der das Objektiv repräsentiert, mit dem obersten Punkt des Strichs, der die Bildfläche in der Fokusebene darstellt. Verbinde ebenso die jeweils die unteren Enden dieser beiden Striche. Damit bekommst Du einen „Kegelstumpf“, der genau den gesamten Raum umschließt, innerhalb dessen Lichtstrahlen zur Erzeugung des sichtbaren Bildes verlaufen. Alle Lichtstrahlen, die an irgendeiner Stelle aus diesem Kegelstumpf austreten, tragen nichts zur Bilderzeugung, sondern nur zum unerwünschten Streulicht bei.
Daraus folgt zunächst, daß alle zu installierenden Blenden von der Rohrwandung idealerweise bis genau an diese den Kegelstumpf als sog. „Mantellinien“ begrenzenden Linien reichen müssen.
3. Nun zur Anordnung der Blenden. Die erste Blende sollte vor der Mitte der Tubuslänge bis zur Fokusebene plaziert sein („plaziert“ = alte Recht- statt neuer Schlechtschreibung!). Wenn die erste Blende weiter hinten angeordnet wird, könnte evtl. ein auf die Tubus-Innenwand fallender heller Lichtstrahl (z.B. bei nahe dem Gesichtsfeld, aber außerhalb davon stehendem Vollmond oder sehr hellem Planeten oder Stern) direkt ins Gesichtsfeld in der Fokusebene reflektiert werden. Wenn die erste Blende in der Mitte der Tubuslänge oder weiter vorn plaziert wird, ist mindestens zweifache Reflexion nötigt, was die Helligkeit der Störung so stark reduziert, daß sie nicht mehr sichtbar wird.
Falls der Tubus sich nach hinten stufenweise verjüngt, sind die Stellen, an denen der Innendurchmesser enger wird, zur Befestigung von Innenblenden sowohl aus theoretischer Sicht als auch aus praktischen Gründen (einfache Befestigungsmöglichkeit) ideal. Hier sollten also geebenenfalls zuerst Blenden angeordnet werden, die - wie oben beschrieben - genau bis zum besagten Kegelstumpf reichen und nur Strahlen innerhalb dieses Kegelstumpfs durchlassen.
4. Jetzt wird’s leider komplizierter, wenn es mit Worten statt mit einer Zeichnung erkärt werden soll. Zeichne nun vom unteren Ende des Strichs, der das Objektiv symbolisiert, eine geradlinige Verbindung zur unteren Kante des oberen Teils der ersten Blende (dieser Punkt liegt auf der oberen Mantellinie des Kegelstumpfs), verlängere ihn geradlinig, bis er auf die Innenwand des Tubus fällt, und zeichne von dort aus den an der Tubuswand reflektierten Strahl (nach dem Reflexionsgesetz „Einfallswinkel = Ausfallswinkel“). Der reflektierte Strahl schneidet wieder irgendwo die obere Kegelstumpf-Mantellinie. Dort oder sicherheitshalben geringfügig davor muß die nächste Blende angeordnet sein, deren innerer Öffnungsdurchmesser wieder dem des Kegelstumpfs an dieser Stelle gleich ist. Diese zweite Blende fängt alle Strahlen ab, die durch die erste Blende durchkamen und danach auf die Teleskoptubus-Innenwand fielen und reflektiert wurden.
Aber auch die zweite Blende läßt ja noch in einem engeren Winkel Strahlen durch, die außerhalb des Gesichtsfeldes landen. Also geht man nach dem gleichen Prinzip weiter vor: Zeichne vom unteren Ende des Strichs, der das Objektiv darstellt, eine gerade Linie zur unteren Kante des oberen Teils der zweiten Blende (dieser Punkt liegt wieder auf dem Kegelmantel) und verlängere ihn, bis er auf die Tubus-Innenwand fällt. Zeiche den dort reflektierten Strahl, der wieder die obere Mantellinie des Kegelstumpfs schneidet. Dort bzw. unmittelbar davor wird die nächste Blende angeordnet usw., bis kein an der Innenwand reflektierter Strahl mehr vor der Fokusebene den Kegelmantel trifft.
Auf diese Weise erhält man die minimal erforderlichen Innenblenden, die Streulicht durch Reflexion an der Tubus-Innenwand ausblenden. Wenn nun der Tubus eng gewählt wird, also die Innenwand relativ nahe am gezeichneten Kegelstumpf liegt, ergeben sich auf diese Weise evtl. sehr viele Innenblenden. Ist der Tubus innen weiter, kommt man mit viel weniger Blenden aus, und die Wirksamkeit der Blenden erhöht sich zugleich ein wenig (aus Gründen, die hier zu weit führen würden). Es kommt noch hinzu, daß die Blenden zwar über ihre ringförmige Fläche Streulicht abschirmen, aber an der kreisförmigen Innenkante selbst zur Reflexion beitragen. Aus diesem Grund ist eine möglichst geringe Anzahl an Blenden vorteilhaft, und genau das erreicht man durch einen größeren Tubus-Innendurchmesser.
5. Außerdem sollten die Blenden gut geschwärzt sein (beidseitig!) und innen eine möglichst scharfe Kante haben, um die zuletzt angesprochene Reflexion so gering wie möglich zu halten. Also dünnes Material nehmen, die Innenkante ähnlich einer Messerklinge anschleifen und danach mattschwarz streichen oder besprühen.
Gut Licht, aber wenig Streulicht!
MfG Walter E. Schön