BPP 8*30 - Wer kennt das?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

frank_j

Mitglied
Hallo!

Ich habe heute ein Fernglas geschenkt bekommen, welches wohl schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat.

Es handelt sich um ein kleines, handliches Porro, 8*30, kein Mitteltrieb, weiße Gravur neben dem Okular des linken Tubus 'BPP 8*30' - das 'BPP' allerdings in kyrillischen Buchstaben. Eine kleine Graphik (Strahlengang im Prisma) ist daneben auch noch eingraviert.

Zur Optik kann ich noch nicht viel sagen, das Glas macht erstmal einen sehr guten ersten Eindruck, aber draußen zeigt sich momentan nichts, woran man sich einen objektiven Eindruck verschaffen kann (Mistwetter!). Nur soviel: Die Geometrie ist perfekt, eine rötliche Vergütung ist auf Objektiven und Okularen zu erkennen (KEINE heute bei Billigteilen übliche Ruby-'Vergütung').

Ach eines ist noch interessant: Der Hersteller scheint mal recht gut im Geschäft gewesen zu sein - Die Seriennummer ist siebenstellig (7122332) ;-)

Ganz abgesehen davon, daß ich von der Firma nie etwas gehört habe (bin allerdings auch kein Profi!) und im Web nichts finden konnte, würde es mich interessieren, woher wohl die Optik stammt.

Vielen Dank schon jetzt für jede Antwort!

Ciao,
Frank
 
Das Logo mit dem Prisma ist das Firmenlogo von KOMZ = Optisch-Mechanische Fabrik Kazan, in der tatarischen Sowjetrepublik. Heute auch unter dem Markennamen 'Baigish' bekannt.
Die Seriennummer gibt in den ersten beiden Stellen das Herstellungsjahr an, d. h. hier 1971.

KOMZ hat eine eigene Website: http://www.baigish.ru . Testberichte von diversen KOMZ-Ferngläsern findest Du z. B. unter http://binofan.home.att.net/russian.htm .
Die bekanntesten Produkte von KOMZ sind wohl das Militärfernglas BPO 7x30 und die Foton-Dachkantgläser, die den Notarems von Zeiss/Jena sehr ähnlich sehen.

Die Einzelokular-Eistellung bei Deinem deutet wohl auch auf eher militärischen Ursprung hin. Dann sollte das Glas nicht schlecht sein - vielleicht etwas gelbstichig, wie viele Russengläser.

Gruss, Hans-Georg
 
Hallo Hans-Georg,

vielen Dank für die Infos.

Es paßt alles - der leichte Gelbstich, die leichte kissenförmige Verzeichnung, die rötlich-violette Vergütung.

Das KOMZ 6x24 aus dem Testbericht stammt ja etwa aus der gleichen Zeit (2 Jahre älter, wie ich dank Deiner Erläuterung zur S/N sehen kann). Etliche Aussagen könnte man 1:1 übernehmen. Auch mein Glas besitzt tiefe, starre Augenmuscheln und ist für Brillenträger wenig geeignet. Der Farbton der Vergütung paßt genau und die Oberflächenstruktur der Tubengehäuse (die 'Armierung') ist identisch (dieses harte, metallische Schuppenzeugs ;-) )

Das Bild ist wirklich scharf und brilliant. Die zum 6x24 beschriebenen Probleme, z.B. 'rolling image' beim Schwenk oder zu kleines Sehfeld treffen bei meinem Glas nicht zu.

Alles in allem bin ich richtig glücklich über dieses unverhoffte Geschenk von einem Freund, dem ich neulich beiläufig erzählte, daß mein altes 8x40 eine dermaßen verkorkste Optik besitzt, daß mir die Augen weh tun, wenn ich da hindurch sehe. Und gestern drückt er mir dieses Teil in die Hand :-)

Er äußerte die Vermutung, daß die Optik evtl. von Zeiss stammt. Obwohl ein Satz wie 'etwas gelbstichig, wie viele russische FG ...' ja m.E. eher dagegen spricht. Wie dem auch sei, ich habe eben mal bei ebay nach 'Zeiss Fernglas' gesucht - und dabei u.a dieses angebliche Zeiss-Jena 8x30 mil. gefunden. Das ist geradezu ein Doppelgänger meines Glases. Nur die Armierung ist etwas grobkörniger und nicht so rauh und eine Strichplatte besitzt meines glücklicherweise auch nicht. Sonst ist es scheinbar baugleich (natürlich pappt auf meinem auch kein ominöser Aufkleber).

Danke nochmal und einen schönen Abend,
Frank
 
Hallo Hans-Georg, ich habe da eine Frage. Ich besitze so ein russisches Militärfernglas 7x30 wie von Dir beschrieben.
Das Glas erwarb ich auf dem Flohmarkt Hannover vor ca. 5 Jahren für ca. 150 DM. Seriennummer 960990. Ich stufte es zu meinen Lieblingsgläsern ein, obwohl wie schon gesagt wurde ein gewisser gelb, eher grünstichiger Kontrast nicht zu verleugnen ist. Aber es macht Spaß, z.B. die Natur in näherer Umgebung zu beobachten. Den Kontrast finde ich eher als sanfter zu beurteilen als bei den üblichen Gläsern. Mich stört dabei dieser Farbkontrast überhaupt nicht.
Mir ist aufgefallen, dass diese Gläser so vor 5 bis 6 Jahren recht häufig auf dem Flohmarkt vertreten waren.
Das scheint vorbei zu sein. In Hannover habe ich seit Jahren kein Glas dieser Art mehr gesehen. Sind das Raritäten? Wie liegt der Marktwert heute? Jedenfalls hat mein 7x30 einen besonderen Platz im Fernglasregal, ich mags seinfach.
Viele Grüsse
Reinhard <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />
 
Das BPO 7x30 wird noch gebaut

Hallo Reinhard,

das BPO 7x30 wird noch immer gebaut und ist zum Beispiel hier erhältlich, für 130 Euro:

http://www.lekon-service.com/SHOP/fernglaeser.html

Man findet aber gelegentlich auch billigere Versionen - das sollen angeblich Kopien aus China sein!

Seit etwa Mitte der 90er Jahre hat man in KOMZ die Fokussierung der Okulare geändert: Früher waren sie innenfokussiert, danach wurde auf Aussenfokussierung umgestellt, d.h. beim Drehen schrauben sie sich rein- bzw. raus. Leider ist dabei auch die stufenlose Verstellung der Okularmuscheln abgeschafft worden: Jetzt gibt es nur noch die simplen, klappbaren Gummikappen. Die hervorragende optische Qualität dieser 7-Linsigen Okulare wurde dadurch aber nicht beeinflusst.

Viele Grüsse,
Holger
 
Re: Das BPO 7x30 wird noch gebaut

Hallo Holger, vielen Dank für Deine Info. Ich werde mir die
Web-Site mal anschauen. Es ist wie Du beschrieben hast, beim Drehen von 0 in den Plusbereich ist deutlich festzustellen, dass das Fernglas `grösser` werden kann. Beim durchsehen kann ich eine Markierung feststellen.
Mittig ist ein Kreuz da von dem jeweils waagerecht je 10 Striche weggehen. Es sind die Zahlen 20 und 40 zu sehen. Vom Kreuz nach oben führen 4 Sriche ohne Zahlen. Die Bedeutung ist mir noch nicht ganz klar. Ich war während meiner Bundeswehrzeit nicht bei der Marine sonst wüsste ich dies. Aber egal. Das Glas <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> ist ok, ich habe wohl im richtigen Moment ( ca. 1999) gekauft und denke, dass es sich um ein Originalfernglas aus Rußland handelt.
Viele Grüsse an alle Fernglasfreunde
Reinhard
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Das BPO 7x30 wird noch gebaut

>Die Bedeutung ist mir noch nicht ganz klar

Hallo Reinhard,

es handelt sich um die üblichen 'Mil.-Strich' Einheiten, die in Meter pro Kilometer angegeben sind. Das heisst z.B.: Ein Objekt, das 5 m lang ist (Panzer), würde in 250m Entfernung eine scheinbare Länge von 20 Strich haben, also vom mittleren Kreuz bis zur Marke '20' reichen.

Gruss,
Holger
 
Re: Mil-Strich

Wenn diese Erklärung etwas zu knapp war, hier ein Link, der das Thema Strichplatte ausführlicher behandelt: http://home.arcor.de/thuernagel/strich.htm

>Ich war während meiner Bundeswehrzeit nicht bei der Marine sonst wüsste ich dies.

Ich war auch nicht bei der Marine, sondern beim Heer, durfte aber trotzdem mal durch ein DF 8x30 gucken und die Strichplatte kennenlernen. Es war eine Hensoldt-Gurke, durch die mit Brille nicht viel und ohne Brille auch nicht viel mehr zu sehen war. Wenn ich mir im Vergleich das BPO oder die NVA-Ferngläser ansehe, waren bzw. sind die um Lichtjahre besser...
 
Re: Das BPO 7x30 wird noch gebaut

Danke Holger, tolle Antwort.
Jetzt kann ich mir dies auch räumlich vorstellen. Ab mit dem Glas in die Walachei und ausprobieren. Es wäre zum Vorteil wenn dann gerade dieser Panzer auftaucht.
Viele Grüße und schöne Weihnachten wünscht
Reinhard <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" />

 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben