Re: brauche Oku-Empfehlung für 10" Dobs
Hallo Anette,
hm, bei der Planetenbeobachtung nützt Dir das riesige Gesichtsfeld sagen wir mal sehr wenig. Um das zu spezifizieren: Natürlich hat man den Vorteil, daß die Dobson-Schubserei etwas kontrollierter erfolgen kann, aber dennoch bleibt der Bereich der besten Abbildung die Bildmitte. Da nun selbst Jupiter mit seinem Mondsystem auch bei sehr hoher Vergrößerung hervorragend in Nicht-Weitwinkel-Okulare heinpasst, scheint das Weitwinkel-Gesichtsfeld auf den ersten Blick nutzlos.
Aber, und zwar ein großes, natürlich erlebt man mit einem Weitwinkel selbst bei der Planetenbeobachtung eine gewisse Bildästhetik, und wenn man bereit ist, dafür ein wenig Abbildungsqualität zu opfern, dann ist das völlig akzeptabel. Allerdings - Du merkst sicher selbst, daß das schon sehr weit über Deine Einstiegsfrage hinausgeht und wegen persönlicher Geschmäcker ein ziemlich unsicherer Boden ist. Trotzdem gut, daß wir im Thread dahin gekommen sind.
Was die Kombination aus Chinakellner und Barlow angeht, ich mag mir gar nicht vorstellen, was das womöglich für eine Barlow war. So ein Chinakellner ist nicht unbedingt das Okular meines Vertrauens, was ich in einem Erlebnis mit einem von mir beratenem Sternfreund begründe, dem ich riet, die Chinakellner mit 6 und 10mm durch Taiwan-Plössl zu ersetzen. Beim 10mm hatte ich ihm schon gesagt, daß ich nicht glaube, daß er einen großen Unterschied sehen würde, aber sein späterer Bericht war dann sehr überzeugt und er ging auf einige Details ein, die sich bei der Abbildung verbessert hatten.
Warum erzähle ich das? Nun, Anette ich denke es wäre für Dich und jeden interessierten Leser wichtig, ein Gefühl für Qualität zu entwickeln. Also abschätzen können, was ein optisches Zubehörteil überhaupt leisten kann. Und da muß man beim typeischen Chinakellner eigentlich schon an der Verarbeitung sehen, woher der Wind weht. Geschwärzte Linsenkanten sind mir da noch nicht begegnet, stattdessen glänzende Plastik-Linsenfassungen und schlampige Lackierung bzw. Schwärzung in der Steckhülse und im Okulartubus. Übertrage das auf die Barlow (so sie denn eine China-Barlow ist). Nun noch ein weiterer Gedankengang: Linsenoptiken sollten wenigstens 1/5 Wellenlänge große Abweichungen ihrer Oberfläche haben. Das sind bei 550nm Wellenlänge 55nm, also 0,000055 Millimeter. Solche Oberflächenfehler kann man nicht mit blossem Auge und auch nicht mit einer Lupe erkennen, aber sie haben ihren Einfluß auf's Bild. Natürlich gilt das nicht für jedes Exemplar, ich sage einfach nur Serienstreuung!
Also direkte Frage: Würdest Du wollen, daß ich eine solche Kombination für einen Erfahrungsbericht über Okulare als "Referenz" benutze? Ich denke wir sind uns einig, daß unter diesen Umständen die Ergebnisse mit einem derartigen "Referenzokular" von niemandem nachvollzogen werden können.
Wie so eine Serienstreuung bei der Beobachtung ausschaut, kannst Du in diesem Bericht nachlesen:
http://www.svenwienstein.de/HTML/barlow-test.html
Falls er Dir zu lang ist, suche mal nach dem Stichwort "Mondbeobachtung" und lies den entsprechenden Abschnitt.
Im Prinzip rede ich beim Stichwort Qualität nicht über "großen Zauber", wie Ekkehard das nennen würde, sondern ich zeige eigentlich ein paar Dinge auf, die sich jeder ausrechnen kann, der sich die Zeit nimmt 5 Minuten darüber nachzudenken, wieso man keine exzellente Optik erwarten sollte, wenn schon das Gehäuse total schrottig ausschaut...
Wer nochmal 2 Minuten Nachdenken investiert, der kommt auch dahinter, daß eloxierte und polierte Gehäuse dann immer noch keine Garantie für Superoptik sind, auch wenn die Optik darin noch so schön glänzt.
Clear Skies
Sven