stolpe
Aktives Mitglied
Ein sicherlich etwas unfairer Vergleich, aber da ich Besitzer beider Instrumente bin, dachte ich, es währe interessant
diese beiden Gläser hinsichtlich ihrer Astrotauglichkeit, insbesondere in einer Großstadt zu untersuchen.
Das Bresser Fernglas habe ich als erstes erworben. Ich habe es bei einem Gang durch ein Kaufhaus zufällig gesehen
und es ist mir sofort aufgrund der großen Okularlinsen aufgefallen. Durchgeschaut, gekauft.
Es hat nämlich echte Brillenträgerokulare und man kann tatsächlich das gesamte Gesichtsfeld mit Brille überblicken.
Ich hatte mich nämlich immer darüber geärgert, dass ich immer die Brille abnehmen muss, wenn ich Nachts an meinem Teleskop beobachtete,
um ich mich mit einem Fernglas mal kurz zu orientieren. Dann Fernglas absetzen, Brille wieder auf und Objekt wieder verloren.
Warum habe ich aber dann auch noch das ca. 15x so teure und dazu noch kleinere Swarovski-Fernglas erworben, denn dazu ist
das Bresser Glas sicher sehr gut geeignet?
Ich hatte zunächst das Bresser Fernglas mit einem 10x40 Zeiss Dialyt und einem älteren Leica 10x42 BA von Bekannten
verglichen. Hier schnitt das Bresser Glas am Himmel, wenn man den Preisunterschied berücksichtigt, gar nicht so schlecht ab,
war doch der Hauptvorteil, den diese teuren Ferngläser hatten, das größere Gesichtsfeld und der Nachteil, dass man Aufgrund der
zehnfachen Vergrösserung das Bild nicht mehr richtig ruhig halten konnte. Auf der Achse liefern alle drei Ferngläser
eine saubere scharfe Abbildung. Jedenfalls konnte ich in allen dreien Albireo problemlos trennen. Aufgrund der grösseren
Lichtstärke (49/16 Bresser/Zeiss) lieferte das Bresser natürlich das hellste Bild und der leichte Grünstich des Bressers war
am Sternenhimmel nicht zu bemerken. Beim Leica störte mich die Randunschärfe sehr und von allen drei Gläsern war das Bresser
dasjenige, bei dem ich mit der Brille am besten das gesamte Gesichtsfeld übersehen konnte. Das angenehmste Bild hatte
nach meinem Empfinden dabei das Zeiss Dialyt.
Dann aber hatte ich ein Aha-Erlebnis, besser gesagt ein Boah-Goil-Erlebnis.
Ich durfte bei einem Fotohändler einmal durch ein Swarovski SLC 7x50 sehen.
Ich führte das Fernglas an meine Brille heran und noch bevor die Augenmuscheln diese berührte zoomte das Bild vor meinen Augen
auf, schien gewissermassen plastisch in der Luft vor mir zu schweben, wobei ich überhaupt nicht das Gefühl hatte, durch
so etwas profanes wie Glas hindurchzuschauen. Das Sehen war völlig entspannt und natürlich.
Einige Zeit später bot jemand bei E-Bay ein Swarovski EL 8,5 WB an, für 950,- Teuro, statt für ca. 1500,-€ im Laden.
Noch 9 Tage, 8, 7, ... noch 3 Stunden, noch 2, ... . Erbarmt sich denn keiner und gibt ein Gebot ab und spart über 500€?
Nun, ich habe mich erbarmt, 500€ gespart und bin jetzt Besitzer diese Glases.
Nun aber zu dem eigentlichen Vergleich. Zunächst die technischen Daten:
___________________________Swarovski EL__________Bresser Jagd
Vergrößerung________________8,5x__________________8x
Objektivdurchmesser__________42mm__________________56mm
Gewicht_____________________820g__________________1116g
Gesichtsfeld_________________130m/1000m; __________7,4°108m/1000m; 6,2°
Scheinb. Geschtsfeld__________63°___________________50°
Pupillenabstand______________18mm__________________ca. 20mm
Austrittspupille______________4,9 mm________________7 mm
Dämmerungszahl_____________19____________________21
Wenn man nun die beiden Ferngläser unter Tagesbedingungen vergleicht, fällt einem zunächst auf, dass das Bild im Swarovski
deutlich heller, brillanter und kontrastreicher ist, als im Bresser. Die Randschärfe ist in beiden Ferngläsern etwa gleich gut
(allerding ist das Gesichtsfeld im EL auch viel größer). Auch scheint die Achsparallelität im Bresser nicht so
ganz perfekt zu sein, denn immer wenn ich vom Swarovski auf das Bresser wechsele habe ich kurz den Eindruck leicht zu schielen.
Wie auch schon beim SLC 7x50 hat man beim EL nicht den Eindruck durch irgendetwas hindurchzuschauen, obwohl der Augenabstand
nicht so generös ist (18/23mm), wie beim 7x50.
Das Bresser vermittelt hier im Gegensatz ein ganz "normales" Fernglasgefühl.
Nachts relativiert sich dann der Helligkeitsunterschied zwischen beiden Gläsern und der Himmelhintergrund, jedenfalls bei mir
in Essen ist etwa gleich hell. Das Swarovski hat anscheinend durch die wesentlich bessere Transmission den Nachteil der
kleineren Öffnung fast komplett aufgeholt. Vielleich hat unter wirklich dunklem Himmel das Bresser hier noch einen klitze-
kleinen Vorsprung.
An astronomischen Objekten zeigt sich dann der wirkliche Vorsprung des Swarovskis: Kontrast, Kontrast und nochmals Kontrast.
Die Plejaden im Bresser: nett. Die Plejaden im EL: Ooooooh. Aaaaaaaah. Der Andromedanebel, der unter dem Stadthimmel in
Essen ziemlich "absäuft" hat im EL eine wesentlich größere Ausdehnung als im Bresser. Im Orionnebel sind viele feine
Strukturen im EL zu erkennen, die im Bresser einfach nicht da sind.
Das sicherlich beste Beispiel war im Januar der Komet C/2002 V1, der tief im Westen in der Lichtglocke über Mülheim (von der
Sternwarte Essen aus gesehen) zu sehen war. Einzig im Swarovski EL war der Schweif des Kometen zu erkennen.
In den anderen vorhandenen Kaufhausferngläsern, dem Bresser Jagd, einem 10x50 unbekannter Herkunft und einem 9x63 auch von
Bresser: Der Komet, gerade zu erkennen aber ohne Schweif!
Am Himmel herumzustreifen ist mit dem Bresser ganz OK im Vergleich zu vielen anderen Ferngläsern (wenn ich nur an das von Aldi
neulich denke, Brrrr), aber mit dem Swarovski einfach nur ein Genuss; man kann sich einfach nicht sattsehen.
In der Handhabung ist das Swarovski EL ebenfalls wesentlich besser als das Bresser Jagd, da man es problemlos mit einer Hand
halten kann und auch nicht andauernd nachfokussieren muss, weil der Fokus sich so leicht verstellt. Der Gewichtsvorsprung
und die bessere Balance machen sich bei längerer Beobachtung deutlich bemerkbar.
Etwas anderes, was einfach auch nicht beschreiben kann, ist das Feeling das man hat, wenn man das Swarovski in der Hand hat:
griffig, kompakt, präzise, unkaputtbar.
Ich jedenfalls werde das Swarovski nicht wieder hergeben und das Bresser, welches ich am Anfang häufig noch mit mir
herumschleppte, hängt jetzt meistens an der Garderobe. Vielleich verscherbel ich es bei E-Bay...
Jens Stolpmann
PS.
Das Dialyt und das Leica meiner Bekannten waren gegen das EL nur zweite Sieger. Leider konnte ich noch durch kein
Zeiss Victory schauen. Das währe sicherlich ein interessanter Vergleich.
diese beiden Gläser hinsichtlich ihrer Astrotauglichkeit, insbesondere in einer Großstadt zu untersuchen.
Das Bresser Fernglas habe ich als erstes erworben. Ich habe es bei einem Gang durch ein Kaufhaus zufällig gesehen
und es ist mir sofort aufgrund der großen Okularlinsen aufgefallen. Durchgeschaut, gekauft.
Es hat nämlich echte Brillenträgerokulare und man kann tatsächlich das gesamte Gesichtsfeld mit Brille überblicken.
Ich hatte mich nämlich immer darüber geärgert, dass ich immer die Brille abnehmen muss, wenn ich Nachts an meinem Teleskop beobachtete,
um ich mich mit einem Fernglas mal kurz zu orientieren. Dann Fernglas absetzen, Brille wieder auf und Objekt wieder verloren.
Warum habe ich aber dann auch noch das ca. 15x so teure und dazu noch kleinere Swarovski-Fernglas erworben, denn dazu ist
das Bresser Glas sicher sehr gut geeignet?
Ich hatte zunächst das Bresser Fernglas mit einem 10x40 Zeiss Dialyt und einem älteren Leica 10x42 BA von Bekannten
verglichen. Hier schnitt das Bresser Glas am Himmel, wenn man den Preisunterschied berücksichtigt, gar nicht so schlecht ab,
war doch der Hauptvorteil, den diese teuren Ferngläser hatten, das größere Gesichtsfeld und der Nachteil, dass man Aufgrund der
zehnfachen Vergrösserung das Bild nicht mehr richtig ruhig halten konnte. Auf der Achse liefern alle drei Ferngläser
eine saubere scharfe Abbildung. Jedenfalls konnte ich in allen dreien Albireo problemlos trennen. Aufgrund der grösseren
Lichtstärke (49/16 Bresser/Zeiss) lieferte das Bresser natürlich das hellste Bild und der leichte Grünstich des Bressers war
am Sternenhimmel nicht zu bemerken. Beim Leica störte mich die Randunschärfe sehr und von allen drei Gläsern war das Bresser
dasjenige, bei dem ich mit der Brille am besten das gesamte Gesichtsfeld übersehen konnte. Das angenehmste Bild hatte
nach meinem Empfinden dabei das Zeiss Dialyt.
Dann aber hatte ich ein Aha-Erlebnis, besser gesagt ein Boah-Goil-Erlebnis.
Ich durfte bei einem Fotohändler einmal durch ein Swarovski SLC 7x50 sehen.
Ich führte das Fernglas an meine Brille heran und noch bevor die Augenmuscheln diese berührte zoomte das Bild vor meinen Augen
auf, schien gewissermassen plastisch in der Luft vor mir zu schweben, wobei ich überhaupt nicht das Gefühl hatte, durch
so etwas profanes wie Glas hindurchzuschauen. Das Sehen war völlig entspannt und natürlich.
Einige Zeit später bot jemand bei E-Bay ein Swarovski EL 8,5 WB an, für 950,- Teuro, statt für ca. 1500,-€ im Laden.
Noch 9 Tage, 8, 7, ... noch 3 Stunden, noch 2, ... . Erbarmt sich denn keiner und gibt ein Gebot ab und spart über 500€?
Nun, ich habe mich erbarmt, 500€ gespart und bin jetzt Besitzer diese Glases.
Nun aber zu dem eigentlichen Vergleich. Zunächst die technischen Daten:
___________________________Swarovski EL__________Bresser Jagd
Vergrößerung________________8,5x__________________8x
Objektivdurchmesser__________42mm__________________56mm
Gewicht_____________________820g__________________1116g
Gesichtsfeld_________________130m/1000m; __________7,4°108m/1000m; 6,2°
Scheinb. Geschtsfeld__________63°___________________50°
Pupillenabstand______________18mm__________________ca. 20mm
Austrittspupille______________4,9 mm________________7 mm
Dämmerungszahl_____________19____________________21
Wenn man nun die beiden Ferngläser unter Tagesbedingungen vergleicht, fällt einem zunächst auf, dass das Bild im Swarovski
deutlich heller, brillanter und kontrastreicher ist, als im Bresser. Die Randschärfe ist in beiden Ferngläsern etwa gleich gut
(allerding ist das Gesichtsfeld im EL auch viel größer). Auch scheint die Achsparallelität im Bresser nicht so
ganz perfekt zu sein, denn immer wenn ich vom Swarovski auf das Bresser wechsele habe ich kurz den Eindruck leicht zu schielen.
Wie auch schon beim SLC 7x50 hat man beim EL nicht den Eindruck durch irgendetwas hindurchzuschauen, obwohl der Augenabstand
nicht so generös ist (18/23mm), wie beim 7x50.
Das Bresser vermittelt hier im Gegensatz ein ganz "normales" Fernglasgefühl.
Nachts relativiert sich dann der Helligkeitsunterschied zwischen beiden Gläsern und der Himmelhintergrund, jedenfalls bei mir
in Essen ist etwa gleich hell. Das Swarovski hat anscheinend durch die wesentlich bessere Transmission den Nachteil der
kleineren Öffnung fast komplett aufgeholt. Vielleich hat unter wirklich dunklem Himmel das Bresser hier noch einen klitze-
kleinen Vorsprung.
An astronomischen Objekten zeigt sich dann der wirkliche Vorsprung des Swarovskis: Kontrast, Kontrast und nochmals Kontrast.
Die Plejaden im Bresser: nett. Die Plejaden im EL: Ooooooh. Aaaaaaaah. Der Andromedanebel, der unter dem Stadthimmel in
Essen ziemlich "absäuft" hat im EL eine wesentlich größere Ausdehnung als im Bresser. Im Orionnebel sind viele feine
Strukturen im EL zu erkennen, die im Bresser einfach nicht da sind.
Das sicherlich beste Beispiel war im Januar der Komet C/2002 V1, der tief im Westen in der Lichtglocke über Mülheim (von der
Sternwarte Essen aus gesehen) zu sehen war. Einzig im Swarovski EL war der Schweif des Kometen zu erkennen.
In den anderen vorhandenen Kaufhausferngläsern, dem Bresser Jagd, einem 10x50 unbekannter Herkunft und einem 9x63 auch von
Bresser: Der Komet, gerade zu erkennen aber ohne Schweif!
Am Himmel herumzustreifen ist mit dem Bresser ganz OK im Vergleich zu vielen anderen Ferngläsern (wenn ich nur an das von Aldi
neulich denke, Brrrr), aber mit dem Swarovski einfach nur ein Genuss; man kann sich einfach nicht sattsehen.
In der Handhabung ist das Swarovski EL ebenfalls wesentlich besser als das Bresser Jagd, da man es problemlos mit einer Hand
halten kann und auch nicht andauernd nachfokussieren muss, weil der Fokus sich so leicht verstellt. Der Gewichtsvorsprung
und die bessere Balance machen sich bei längerer Beobachtung deutlich bemerkbar.
Etwas anderes, was einfach auch nicht beschreiben kann, ist das Feeling das man hat, wenn man das Swarovski in der Hand hat:
griffig, kompakt, präzise, unkaputtbar.
Ich jedenfalls werde das Swarovski nicht wieder hergeben und das Bresser, welches ich am Anfang häufig noch mit mir
herumschleppte, hängt jetzt meistens an der Garderobe. Vielleich verscherbel ich es bei E-Bay...
Jens Stolpmann
PS.
Das Dialyt und das Leica meiner Bekannten waren gegen das EL nur zweite Sieger. Leider konnte ich noch durch kein
Zeiss Victory schauen. Das währe sicherlich ein interessanter Vergleich.