Mal zum "Warum"...
Hallo Zusammen,
somit also @All, es hat ja einige weitere Meinungen gegeben seit gestern.
Zunächst mal Thema Astrofotografie und "Mindestkohle":
Was hier salopp dargestellt wird, ist nicht richtig. (Und das ist lieb formuliert gegenüber einigem Blabla!)
Wenn man Astrofotografie von Deepsky Objekten durch ein größeres Teleskop betreiben will, dann erfordert das allein für die Montierung einen gewissen Kostenaufwand, der mit 1000 Euro kaum durch Gebrauchtkauf abzudecken ist.
Vorgeschlagen werden dann aber auch Alternativen, die Fotografie durch Kamera Piggyback mit Tele-Objektiv oder mit kleinen Teleskopen (Grenze fließend, Beispiel Russentonne) zu betreiben.
Dies wird aber vom Einsteiger für gewöhnlich nicht angenommen, so dass man dann doch wieder bei teuren Varianten landet. Hier also wieder die Kopf-Wand-Schmerz-Einstellung, Beratungsresistenz, kann man nichts machen. Aber daraus einen allgemeinen Vorwurf an die Beratung zu machen ist gelogen.
Deepsky und 8" bzw. Dobson in 8":
Die Grundlage dieses häufig zu findenden "Beratungsziels" ist einfach Konsequenz. Normalerweise steigt der Teleskoppreis eher quadratisch zur Teleskopöffnung, was nicht nur am steigenden Preis der Optik liegt, sondern auch an den steigenden Anforderungen an die Montierung.
Beim 8" Dobson kann man aber feststellen, dass gegenüber dem 114/900 eine fast doppelt so große Öffnung eben für etwas mehr als den doppelten Preis zu haben ist. Das ist beim Beobachtungsziel Deepsky ein gewaltiger Sprung! Hinzu kommt, dass einfach durch die natürlichen Gegebenheiten sehr viele Objekte "zufällig" zwischen 6" und 8" Öffnung innere Strukturen zeigen und somit wesentlich interessanter Beobachtbar werden. Das gilt besonders für Kugelsternhaufen und planetarische Nebel und es gilt für die Himmelsbedingungen, die die meisten von uns überhaupt erreichen können. Natürlich wird ein Bewohner des Alpenvorlandes anders urteilen, da er eine Grenzgröße von 6,0 mag als "schlechten Tag" beurteilt.
Dies alles zusammengefasst ist es konsequent, gleich zu 8" Öffnung zu raten, weil dies günstiger ist, als zunächst einen 114/900 zu kaufen und dann vielleicht einen 150/750 - beides zusammen war dann schon teurer als der Dobson. Selbst wenn man vom Hobby abspringt, ist der Wertverlust bei Gebrauchtverkauf in ähnlichem Rahmen.
Sofort zum Dobson zu raten, der in Form des 200/1200 auch ein hervorragender Allrounder ist, ist also nur konsequent und keine Überbewertung.
Stehen diesem Rat Budget-Grenzen entgegen, was vor allem bei Schülern oft vorkommt und allzu verständlich ist, dann muss man eben reduzieren auf 150mm oder 114mm Öffnung, es geht dann halt nicht anders. Es ist aber eine Frage des Alters. Hätte es zu meiner Schulzeit den 8-Zöller zu diesem Preis gegeben, ich hätte das Geld vom Zeitungsaustragen nicht für Musik rausgehauen sondern auf den Dobs gespart. Damals aber waren 8" Öffnung absolut unerreichbar, bis die Kohle beisammen gewesen wäre, hätte ich wohl 3 mal sitzenbleiben müssen, um noch Schüler zu sein.
Der Rat zu 8" Öffnung ist wirklich begründet und nicht undifferenziert. Bei Deepsky-Interesse ist es auch ein Rat, der sich auf sehr lange Sicht auszahlt, 10 Jahre mit 8" f/6 Dobson? Warum nicht??? Vielmehr: Aber sicher! Auch 20, meinetwegen lebenslang! Und bei Interessenwechsel: 200/1200 sind nebenbei auch ein verdammt gutes Planetengerät, vielleicht mit etwas Tuning. Alles ist drin!
Schrott und Abqualifizieren
Das ist gern zu lesen und man fragt sich, ob es nur eine dumme Bemerkung ist, oder gar gepostet im Händlerinteresse!
Es ist geradezu allgemeinwissen, dass jedes parallaktisch montierbare Teleskop auch irgendwo zusammen mit einer unterdimensionierten Montierung angeboten wird.
Genauso gibt es Teleskope, die aufgrund von Konstruktionsfehlern weit hinter der beworbenen Leistung zurückbleiben, zum Beispiel wenn ein Newton mit zu kleinem Fangspiegel bestückt ist, und so nur z.B. 70% des Spiegeldurchmessers genutzt werden.
Manche Teleskope sind von vornherein nicht anders als mit "Schrott" zu bewerten, das gilt für 8" f/4 in "Giveaway Quality", bei denen ein Kugelspiegel verwendet wurde. Bei einigen Newtons kann ein Kugelspiegel problemlos verwendet werden (114/900), aber beim 200/800 versagt er, weil die Abweichungen von der eigentlich benötigten Parabolform zu groß sind. Die Bildqualität bricht selbst bei niedrigen Vergrößerungen zusammen! Dazwischen gibt es eben auch genügend Abstufungen zwischen schwarz und weiß. Beim 150/1200 mit Kugelspiegel ist die Abweichung des Kugelspiegels vom Parabolspiegel ganz knapp davor, dass das System nicht mehr Beugungsbegrenzt ist. Das lässt keine Toleranz mehr für Fehler bei der Politur, die quasi immer vorkommen. Wird ein solches Gerät dann speziell für Planetenbeobachtung, also für hohe Vergrößerungen, gekauft, ist ein Hinweis angebracht, der das Gerät aber nicht zu Schrott abwertet. Ich kann nicht verhindern, dass manche das so lesen wollen. Liegt wohl daran, dass man auch hier bei uns bereits viel zu sehr an unkritische Jubelberichte gewöhnt ist.
Jubelberichte
Oder Lieder, die die Welt nicht braucht - aber das außerirdisch geniale Marketing braucht sie (ich sehe da die Saturn-Tante vor mir)!
Es scheint zur Gewohnheit zu werden, dass sich bei jedem neuen Produkt einige Leute hergeben, entweder in Unwissenheit oder mit Absicht, einen Jubelbericht zu verfassen. Vielleicht nicht einmal böswillig, sondern nur, weil einfach in kritischen Punkten der Vergleich mit anderen, ggf. besseren Produkten fehlt.
Ist ein solcher Bericht einfach nur Darstellung der Freude an den ersten Beobachtungen, so hat er seine Berechtigung, als Beobachtungsbericht und überhaupt, um den Spaß am Hobby zu vermitteln.
Aber als Produktbewertung hat so ein Bericht keine Berechtigung. Trotzdem werden diese Berichte dazu benutzt, entweder indem der Autor selbst sie als solche hinstellt, oder indem ein Händler den Bericht im Rahmen seiner Produktbeschreibung verlinkt oder zitiert.
Solche Berichte helfen aber nur dem Händler, nicht dem Kunden, der unter Umständen eine aus seiner Sicht falsche oder zumindest schlechte Produktauswahl trifft.
Ich habe neulich erfahren müssen, dass der Zustand der Jubelberichte inzwischen offenbar so weit geht, dass ein Hersteller von High-End-Okularen mit meiner kritischen Auseinandersetzung mit den Hyperion-Okularen hausieren geht, um zu beweisen, dass diese geradezu "unkäuflich" seien. Dabei könnte mir durchaus der Hut hochgehen, weil das keineswegs die Aussage des Berichtes ist. Der Bericht dient lediglich dazu, die Leistung dieser Okulare einzuordnen. Natürlich von meinem Standpunkt bzw. auch dem meiner Mitbeobachter aus.
Gegenüber einem "alles ist toll"-Bericht macht sich das Okular dann natürlich schlecht.
Konsequenz daraus: Damit man auch in Zukunft weiterhin Informationen aus Erfahrungsberichten gewinnen kann, muss man konsequent gegen diese Jubel-Berichterstattung vorgehen.
Das stört natürlich die "Spaßfraktion", die mit schönen Teleskopen bei schönem Wetter schöne Beobachtungen machen will, durch schöne Okulare und zu schönen Preisen.
Kritik daran verdirbt nur den Spaß am Hobby!
Da möchte man gar nicht feststellen, dass das schöne Okular für das schöne Geld eigentlich schlecht zum Teleskop passt, so dass für teures Geld ein schlechtes Bild ankommt. Vielleicht auch weil das Teleskop schlecht zum Beobachtungsziel passt und nebenbei auch schlecht gebaut wurde.
Soweit also "mehr über alles". Wer in ein Forum einsteigt, in der Hoffnung nur Jubel und Zuspruch für jedweden Mist zu ernten, der kann sich eigentlich auch gleich bei Ikea in der Kinderecke unter bunten Bällen begraben lassen!
Clear Skies
Sven