Billig oder teuer?
> vielleicht war's ein Trilobit?
Hallo Andreas,
vielleicht war's auch ein Monolyt, die monokulare Ausführung vom Dialyt? Oder ein Dialyt für die Beobachtung mit drei Augen? Aber dann würde es wohl Trinolyt heißen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" /> ...
Ich habe inzwischen meine ganz spezielle Meinung zu den Qualitätsstufen im Fernglasbau. Es gibt nur noch billig mit hoher Ausschussrate, und sehr gut zu hohem Preis. Alles was dazwischen ist, kann man, mit ganz wenigen Ausnahmen, in die erste Gruppe einreihen, das ist allerdings dann extrem teuer und nicht mehr billig.
Da ist was wahres dran, aber ganz so streng sehe ich das nicht. Gute und preiswerte Ferngläser im Bereich von 100 bis 250 Euro haben schon ihre Berechtigung. Mit so einem Fernglas kann man durchaus seine Freude haben und einen vernünftigen Einstieg in ein neues Hobby wagen. Der Appetit kommt bekanntlich mit dem Essen und das für 150 oder 250 Euro gekaufte Fernglas kann man auch nach Anschaffung eines besseren Fernglases als Zweitglas behalten und weiter nutzen. Die gute Mittelklasse, also Ferngläser um 500 oder 600 Euro (nicht alle, aber einige <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />), hat nach meiner Auffassung auch ihren Sinn. Nicht jeder landet zwangsläufig bei den Top-Gläsern von Nikon, Zeiss, Leica oder Swarovski. Ich denke, man kann mit einem Docter 8x42/10x42 B/CF, einem 10x50 Nobilem oder einem Nikon 8x30/10x35 E II ein Leben lang glücklich sein und u.U. mit dem Fernglas mehr sehen und erleben als einer, der von jeder Nobelmarke zwei Ferngläser im Schrank stehen hat. Das ist nicht viel anders als in der Astronomie. Ich kenne Leute, die sind ihr ganzes Leben bei einem 80mm Refraktor geblieben und haben den 4 Zoll, 5 Zoll, 6 Zoll Apo oder den 8 Zoll, 10 Zoll, 12 Zoll Dobson nicht wirklich vermißt. Das ist halt alles eine Frage der eigenen Anforderungen (was will man mit dem Fernglas anfangen, wie oft wird es genutzt, welche Qualität muß oder soll es dafür haben, ...) und natürlich des Geldes, welches man auszugeben bereit und in der Lage ist. Mit einem Docter 8x42 B/CF habe ich das gute Gefühl, im Vergleich zur Oberliga eine ganze Menge Geld gespart zu haben, ohne dass ich mich bei den optischen und mechanischen Qualitäten auf einen ärgerlichen Kompromiss eingelassen habe. Hier stimmt das Verhältnis von Preis zur gebotenen Leistung. Da frage ich mich schon eher, welchen Sinn Ferngläser zwischen der sehr guten Mittelklasse und der Oberklasse haben.
Es kann durchaus vorkommen, dass man sich ein 850 Euro Fernglas kauft, dieses eine Zeit lang nutzt und sich irgendwann die Frage stellt, ob man das Sparschwein vielleicht zu früh geschlachtet hat. Ein Conquest 8x40 (als Beispiel) kann man für einen doch schon recht hohen Preis einkaufen. Je öfter ich den Vergleich mit der Spitzenklasse mache, desto häufiger frage ich mich, ob die Abstriche bei der optischen Leistung die Investition wirklich rechtfertigen. Man spart schon eine Menge Geld im Vergleich zu einem Victory FL, aber lohnt sich das wirklich? Wenn man viele Jahre dabei bleibt und seinen Spaß mit dem Glas hat, dann ist das ok. Wenn das teuer eingekaufte Fernglas aus der zweiten Reihe aber vor der Zeit verkauft und durch ein Exemplar der ersten Reihe ersetzt wird (weil man halt doch auf den Geschmack gekommen ist), dann wird der Spaß richtig teuer. Wenn man die 850 Euro schon mal zusammengespart hat, dann kann man sich auch überlegen, ob weiter sparen und etwas später das Top-Modell kaufen nicht die bessere Lösung ist. Unterm Strich wäre das sicher günstiger.
Die Alternative heißt für mich nicht billig oder sehr gut zum hohen Preis sondern solide Mittelklasse oder eins der richtig teuren Top-Modelle. Dass der Einstieg in die Beobachtung mit Ferngläsern oft über die 100 oder 200 Euro Klasse erfolgt (was ja kein Fehler sein muß), ist damit nicht ausgeschlossen. Nur gibt es nicht allzu viele Händler, die mir neben einer fachlich fundierten Beratung auch ein solches Sortiment an Ferngläsern vorhalten, dass ich genau das Fernglas finde, welches für meine Zwecke (beinahe) ideal ist. Entweder wird heute die Billigschiene gefahren und man drückt dem lieben Kunden was besonders hochwertiges für besonders wenig Geld aufs Auge, weil die teuren Gläser ja viel zu teuer sind, oder man argumentiert in die andere Richtung, dass nur die Nobelmarken wirklich gute Ferngläser im Programm haben und dass man doch wenigstens 1200 Euro dabei haben sollte, um das Geschäft als glücklicher Kunde zu verlassen. Wer kann mir heute noch mit guten Argumenten ein gutes Mittelklasse Fernglas verkaufen? Gute Gründe gibt es aus meiner Sicht genug und ein paar gute Mittelklasse Ferngläser gibt es auch noch ...
Viele Grüße, Frank.