Hallo Elnath,
für Läden, also für Händler, gilt Klappern gehört zum Handwerk. Hinzu kommt, dass Du in dieser Preisklasse keinen besonderen Spielraum an Auswahl hast, also womöglich bei jedem Händler ein ähnliches Angebot, aber ggf. unter anderem Markennamen, bekommst.
Das kann es in meinen Augen nicht sein. Daher solltest Du besser auf die Möglichkeiten hier im Forum zurückgreifen und abstecken, welche Ziele Du zunächst verfolgen möchtest.
Goto zum Bleistift hast Du ja schon über Bord geworfen. Nun gilt es, ein für Dich praktikables Allround-Teleskop zu finden, denn ich denke, es ist dabei geblieben, dass Du Dir "alles" erstmal anschauen möchtest.
Ich denke das erfüllt ein 100/1000 Achromat nicht besonders gut. Dass ich das denke, liegt vor allem daran, dass ich die Teleskop-Bauart "achromatischer Refraktor" heute für veraltet halte, bzw. dass ich deren "moderne Auslegung" für völlig unpassend halte. Öh - das sollte ich genauer ausdrücken, oder?
Also ein 100/1000 Achromat ist ein Teleskop, was keine besonders lange und keine besonders kurze Brennweite hat - für einen Achromaten. Hätte das Gerät eine besonders lange Brennweite, so ab 1500mm, wäre es speziell für die Planetenbeobachtung ausgelegt und dafür im Rahmen von 100mm Öffnung eine feine Sache, allerdings ein verdammt langer Lulatsch, für den man erstmal eine Montierung suchen müsste. Hätte das Gerät eine kurze Brennweite, dann wäre es ein Gerät speziell für ganz niedrige Vergrößerungen, man nannte das "früher" auch "Comet Catcher", denn Kometen sind ja sehr häufig Objekte, die man so mit Feldstecher-Vergrößerungen beobachtet. 10x bis 30x. Dafür sind diese Geräte gut - natürlich beobachtet man nicht nur Kometen, sondern die besonders ausgedehnten Deepsky-Objekte.
So ein Mittelding wie der 100/1000 ist nun leider ein Teleskop, was mehr die Probleme beider Varianten in sich vereint, als die Vorteile nutzbar macht. Und im Prinzip gibt es da nur ein Problem, nämlich den Farbfehler. So ein Achromat hat Probleme, blaues und rotes Licht gleichzeitig mit Grünem scharf abzubilden. Dadurch entsteht ein blauvioletter Saum um jedes Objekt, das man beobachtet. Was kann man dagegen tun? Nun, zweierlei, entweder man macht die Vergrößerung so klein, dass der Farbsaum zu klein wird, um ihn erkennen zu können, dann hat man den "Comet Catcher". Oder man macht die Brennweite so lang, dass durch eine Art "Schärfentiefe-Effekt" dafür sorgt, dass der Farbsaum kaum noch wahrnehmbar ist. Das führt zum langen Lulatsch. Jedes für sich macht Sinn, die Kombination führt dazu, dass man durch die lange Brennweite die ganz niedrigen Vergrößerungen nicht mehr hinbekommt (1000mm Brennweite mit 55mm Okular führen zu 18x mit "Tunnelblick", also kein besonderer Überblick am Himmel) und schon bei mittleren Vergrößerung den Farbsaum störend wahrnimmt.
Ich denke, dass man heutzutage eine solche Mischung aus Nachteilen nicht mehr hinnehmen muss, weil man viele gute Alternativen zur Auswahl hat. Nur (er-)kennen muss man die halt.
Eine Möglichkeit, wenn man nämlich beim Refraktor bleiben will, ist die Wahl eines Teleskopes mit reduziertem Farbfehler. Es gibt sehr schöne ED-Refraktoren (als "ED-Apos" werden die vermarktet), bei denen der Farbfehler durch die speziellen ED-Glas-Kombinationen deutlich geringer ausfällt. Ein Teleskop in der Größenordnung 100/700 als ED-Refraktor hat bei hoher Vergrößerung einen wenig störenden Restfarbfehler, kann aber mit einem 50mm Okular fast 4° wahren Himmelsausschnitt bei maximaler Bildhelligkeit abliefern. Damit lassen sich dann auch sehr große Deepsky-Objekte in der Übersicht beobachten.
Einziger Nachteil eines solchen Gerätes ist, dass der Preis für einen solchen Refraktor doch recht hoch ist im Vergleich zum Achromaten und auch zu einigen Spiegelteleskopen. Mit Deinem Budget unmöglich und dabei sind 100mm Öffnung eigentlich bescheiden genug - auf 80mm Öffnung herunter zu gehen halte ich für völlig falsch, weil man da einfach zuviel Leistung verliert. Man kommt halt realistisch über 150-fache Vergrößerung nicht hinaus bzw. ein trainierter Beobachter sieht mit 120x alles, was so eine Optik zeigen kann.
Logisch, nun kommt meiner Neigung entsprechend der Rat zum Spiegelteleskop. Ein günstiges Spiegelteleskop ist der Newton. Der ist optisch sehr einfach aufgebaut aber gleichzeitig vielseitig in seiner Ausprägung. Man kann den sowohl als langen Lulatsch kaufen als auch als kurzen "Spiegel Comet Catcher". Spiegel zeigen keinen Farbfehler und der Newton wird unkomplizierter, je kleiner das Öffnungsverhältnis ist, also je länger die Brennweite im Verhältnis zur Öffnung. Daher kann man den Newton mit f/6 wählen, was so eine Art "Sweet Spot" für diese Optikkonstruktion ist. f/6 ist quasi für alle Beobachtungsdisziplinen ein guter Mittelweg, bei dem man kaum Einschränkungen hinnehmen muss. Ein 150/900 Newton zeigt mit 2" Okularen noch 2,9° Himmelsausschnitt, ist also für ausgedehnte Objekte noch geeignet. Das sind fast sechs Vollmonde nebeneinander. 150mm Öffnung kann man ganz problemlos auf 215-fache Vergrößerung bringen und an Mond und Saturn noch ein gutes Stück auf 300x zu hochziehen. An f/6 erlauben das nicht mehr alle Okulare, man findet aber genügend, die das vernünftig machen.
Der f/6 Newton ist quasi so lange eine tolle Lösung, wie die Spiegelgröße und die daraus entstehende Brennweite das Ding montierbar und transportabel halten. Tja, und da ist im Prinzip meistens bei 8" Öffnung schluss. Das ist der typische 200/1200 Dobson, dessen Tubus auch in Deinem Peugeot quer auf die Rückbank gehen wird. Handlicher und parallaktisch montierbar wird er mit 6" Öffnung, wobei das Gerödel (also die Schlepperei) mit einer parallaktischen Monti und 6" ziemlich gleichwertig zur Schlepperei des 8" als Dobson sein wird. Nur halt in anders portionierten Häppchen...
Nun wär's ja schön, wenn man einfach sagen könnte, 150/900 parallaktisch it is...SCREEECH! Nö. Is nich. Eine ganze Ecke Leute in diesem Forum müht sich redlich, dass ein solcher Newton im günstigen Preissegment von GSO in Taiwan oder auch Skywatcher in China produziert wird, sei's als reisetauglicher Mini-Dobson oder als parallaktisch montierbarer Tubus. Wird aber nicht gemacht und nicht erst diese Woche beschleicht uns hier der Verdacht, dass seitens der Händler und Hersteller so ein Multitalent wirklich nicht gewollt wird. Das würde wohl zuviel anderes Zeugs vom Markt abräumen. Jedenfalls sind die immer neuen Ausreden, warum ein schlecht geschliffenes RC-Spiegelsystem wichtiger ist schon einige Monate lang nicht mehr glaubwürdig.
"Geduldet" wird der 150/900 dann von eher teuren Herstellern, gern mit Optikzertifikat und Schnickschnack. Hilft Dir aber nix, denn da ist das Budget wieder zu Ende und ich meine auch nicht, dass man dazu raten sollte, das teure Ding zu kaufen. Wer das unbedingt will, bitte, aber ein Einsteigerpaket ist das für die wenigsten, die haben nämlich so in etwa das Budget, wie Du.
Was tun? Fluchen, wahrscheinlich. Man kann sich nun mit dem 200/1200 Dobson mal befassen. Ist vielleicht verständlich, dass ich und andere in diesem Forum immer wieder auf dieses Teil zu sprechen kommen. 500 Euro Budget, dann steckt man grob 300 in den Dobs, handelt noch etwas daran herum, dass man anstelle des 08/15 Zubehörs (das ich nicht wollen wollte) herum, um es gegen Sinn auszutauschen und kann für 200 Euro eine gute Okularpalette für einen eleganten Start zusammensuchen. Ich finde, das hat was. Wenn man das transportieren kann, sich damit auseinandersetzen will, sich am Himmel zurecht zu finden, so dass man seine gewünschten Beobachtungsobjekte auch findet (steht und fällt mit einem Finder anstelle eines Suchers), trifft man eine gute Wahl. Mit der Newton-Justage muss man sich auch befassen. Das ist erlernbar, Punkt!
Will man das nicht - hm... Choose Your poison! Dann kannst Du den Newton kürzer nehmen, als 150/750, der eigentlich ziemlich teure Okulare braucht, oder eben eine ganz andere Lösung wählen, die dann wohl nicht das Allround-Potenzial wie diese Newton-Lösungen bieten kann.
Clear Skies
Sven