Meine Bluetooth-Lösung
Hallo Sebastian!
Ich gebe mal eine genauere Beschreibung, weil du danach fragtest:
Mein Dobson ist mit einem Sky Commander ausgestattet. Das Teil hat eine RS232-Schnittstelle, mit der es mit diversen Kartenprogrammen kommunizieren kann. Guide, TheSky und Skymap Pro unterstützen den Sky Commander direkt.
Um auch mit anderer Software (insbesonders meiner eigenen) arbeiten zu können, habe ich mir einen ASCOM-kompatiblen Treiber für den Sky Commander geschrieben. Auf der ASCOM Mailingliste wurde zwar mal ein solcher Treiber in einer Testversion angeboten, aber er funktionierte mit meinem Gerät leider nicht. Der ASCOM-Treiber ist fest auf 9600 Baud eingestellt, aber keines meiner Programme hat jemals bei 9600 Baud erfolgreich mit dem SC zusammen funktioniert. Ich betreibe den SC bei 2400 Baud jedoch problemlos. Mit meinem (provisorischen) Treiber kann nun jeder ASCOM Client die Position eines Sky Commanders auslesen.
Die Funkstrecke zwischen Teleskop und Notebook sieht so aus: notebookseitig ist es ein ganz gewöhnlicher USB Bluetooth Dongle, wie du ihn überall für etwa 25 Euro bekommst. Teleskopseitig benutze ich einen
Pico Plug. Mit einem Gender Changer zwischen dem seriellen Kabel des Sky Commander und dem Pico Plug (nötig, weil beide Stecker weiblich sind) klappt die Verbindung. Der Pico Plug braucht noch eine 6V-Versorgung. Dazu habe ich mir einen Batteriehalter für 4*AA gekauft und einen passenden Stecker drangelötet. Der Sky Commander, der Pico Plug und das Akkupack sind mit Klettband (von Tesa) am Tubusoberteil des Dobsons befestigt. Das hält zuverlässig und das Aufrödeln geht fast so schnell wie diesen Text zu lesen.
Ohne Vorkenntnisse von Bluetooth musste ich ca. zwei Stunden experimentieren, bis alles lief. Zunächst muss man den Pico Plug per Kabel an den PC anschliessen und konfigurieren. Das ist nötig, damit der PC den Pico Plug als zugelassenen Kommunikationspartner akzeptiert. Gleichzeitig stellt man die Parameter der seriellen Übertragung ein. Die Doku zum Pico Plug ist ausreichend und erklärt alles klar genug.
Anschließend kann man die Kabelverbindung PC <-> Pico trennen und den Pico an den Sky Commander anschliessen. Wenn der SC eingeschaltet ist und der Pico Saft hat, kann man vom PC aus eine Verbindung aufbauen. Die PC-seitige Bluetooth-Konfiguration nennt einem dann einen COM-Port, mit dem die Verbindung angesprochen wird. Diesen COM-Port stellst du nun im Sternkartenprogramm ein, achtest darauf, dass die seriellen Parameter dort so eingestellt sind wie in der Pico-Konfiguration und dann klappt es.
Die Gesamtkosten meiner Lösung belaufen sich auf ca. 85 Euro (natürlich ohne den SC, der mit ca. 600 Euro zu Buche schlägt, aber für Dobsonauten das Gerät der Wahl ist) - nicht gerade nachgeschmissen, aber der Komfort ist wirklich genial. Wer ein Notebook nicht in unmittelbarer Teleskopnähe stehen hat (z.B. unterhalb eines Dreibeins), spart die Stolperfallen und gewinnt Bewegungsfreiheit.
Mir gefällt vor allem die Möglichkeit des "passiven GOTO": selber schieben, aber stets sehen, wo das Scope relativ zum Ziel hinzeigt. Wenn ich das Objekt gefunden habe, gleiche ich den SC nochmal darauf ab und habe dann wieder volle Positionsgenauigkeit.
Gruß,
Tom