Bürocontainer-Sternwarte

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Arno_Becker

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Moin,

ein Zufall verschaffte mir einen voll eingerichteten Bürocontainer,
(wie der hier: http://www.containerland.de/__we_thumbs__/240_7_50-buerocontainer-front.jpg)
mit 220V Installation, Licht, Heizung, 2 Raeume, LAN.
Ich habe den Plan, mir diesen als Sternwarte zurechtzumachen
und meinen anfänglichen Plan einer Schiebedachhütte aufzugeben.
*entfernt* soll eine G11 und ein 115/800 Refraktor sein.

In einem der zwei Räume werde ich den Fussboden so hochlegen,
das ich die optimale Refraktor-Bedienposition habe.Ich denke,
ich werde eine 2,50 Kuppel auf den 20" Container setzen.

---wie hoch muesste wohl unter diesen Umständen (G11+der Refraktor)
die BetonSaeule gebaut sein (der Containerrand ist ca 220m hoch)
die ich durch den Containerboden hindurch kontaktlos bauen will.

---zur "Kuppel": fertige kaufen?, selber bauen(schweissen)?
oder hat jemand eine andere Idee wie ich "aus dem Dach"
schauen kann...

danke für Eure Ideen.

LG Arno
 
Hallo Arno,

wow, echt eine tolle Idee!
Vor dem Hintergrund der Heizung und Elektrik im Container würde ich an Deiner Stelle eine komplette Trennung vornehmen: Operating der Sternwarte vom warmen Container aus und Kuppel mit Unterbau separat, aber direkt daneben. Damit ersparst Du Dir dann zusätzlichen Aufwand mit Isolation der beiden Räume voneinander.
Diesen Aufwand habe ich gerade bei meiner Dachsternwarte: Die warme Luft zieht immer in die Sternwarte und sorgt bei entsprechender Wetterlage für massive Taubildung (aka "Regen") in der Kuppel.
Hier ein Beispiel, wie es Richard Gierlinger gemacht hat: http://gierlinger.cc/kuppel_und_sternwarte.htm
 
Hallo Arno,

die Fußbodenhöhe kann man so pauschal nicht angeben. Die hängt von ein paar Parametern wie z.B. die Größe deiner Montierung ab, wodurch bei einer großen Montierung das Teleskop durchaus ein paar Dezimeter höher als bei einer kleinen Montierung sitzen kann. Wichtig ist, dass du im Stehen das Teleskop noch gut bedienen und gegebenenfalls auf die Montierung heben kannst. Eventuell willst du auch in der Lage sein, am Frontende des Teleskops eine Bahtinovmaske auflegen und wieder abnehmen können, ohne das Teleskop vom Zielobjekt in eine griffgünstigere Position schwenken zu müssen.

Du musst also ausprobieren, wie hoch dein Teleskop über dem Boden, auf dem du gerade stehst, sich befinden darf, damit du es noch bequem bedienen kannst. Nun misst du die Höhe des Zentrums der Montierung über dem Boden aus. Dann musst du festlegen, um welche Höhe es über den Kuppelrand positioniert sein soll bzw. darf, damit es sich in der Kuppel noch frei bewegen kann. Idealerweise befindet sich das Zentrum der Montierung im Mittelpunkt der Kugel, die du dir in die Kuppel gelegt denken kannst. Von dieser Höhe ziehst du die Höhe des Montierungszentrums über dem Boden ab und hast die Höhe des Fußbodens. Ich hoffe, du konntest mir folgen.

Ich hoffe, dass beide Räume des Containers ihre eigene Außentür haben oder mindestens ihre eigene Eingangstür von einem gemeinsamen Vorraum haben, damit die Wärme des warmen Raums nie in den kalten Sternwartenraum ziehen kann. Denn man muss ab und zu mal vom warmen Raum ans Instrument und zurück. Dabei soll natürlich nicht das Seeing zusammenbrechen. Dass du die Trennwand gut isolieren musst, um Wärme- bzw. Kältebrücken zu vermeiden, ist dir sicher klar.

Der Container scheint etwa 20 Fuß (ca. 6m) Länge zu haben. D.h. die beiden Räume haben knapp 3m Länge, wenn sie gleich groß sind. Da bleibt nicht viel Platz, um eine Treppe zu bauen, die du nachts unfallfrei benutzen kannst und die soweit vom Teleskop entfernt ist, dass du nachts nicht beim Hantieren am Teleskop dort hinabstürzst. Um auf die gewünschte Fußbodenhöhe zu gelangen, werden einige Treppenstufen nötig sein. Die Tür zur Sternwarte sollte deshalb nach außen in den mutmaßlich vorhandenen Vorraum öffnen und nicht in den Raum hinein, denn dann kannst du die Treppe gleich hinter der Tür bauen.

Ich hatte mir vor Jahren selbst überlegt, eine Sternwarte aus einem solchen Bürocontainer zu bauen. Ich hatte allerdings mit einem Schiebedach geplant, das zum Öffnen auf die andere Dachhälfte geschoben wird. Die Konstruktion des Schiebedachs ist vielleicht etwas komplizierter als eine gekaufte Kuppel und wäre Selbstbau. Aber du kämst mit der Säule und damit auch dem Fußboden nicht so hoch hinaus wie bei einer Kuppel, was Treppenstufen und damit Platzbedarf für die Treppe spart. Wenn du den Container dann noch in Nord-Süd-Richtung aufstellen kannst, kannst du die Säule sogar noch weiter nach Süden versetzen als es bei einer Kuppel möglich wäre, wodurch du nochmal ein bisschen Platz für die Treppe gewinnst.

Zum Kuppelbau kann ich dir mangels Kenntnis leider nichts raten.

Schönen Gruß
Manfred
 
Moin Manfred,

vielen Dank fuer Deine ausfuehrlichen Infos.
ich bin mittlerweile auch beim Schiebedach!
Das ist vor allem unauffaelliger als eine Kuppel.

Der BüCont hat z.zt. 1 Raum und wird zwar auf
einem Resthof aber doch ziemlich in der Pampa
stehen. Denke, ich werde also das Interieur
einfach halten und Werte-Installation nach
Möglichkeit meiden. Evtl. entfällt sogar der
2. Raum.

--warum kann ich bei N/S Aufstellung die Saeule weiter in den Süden rücken?

--zur Höhe der Säule bei Schiebedach:
ich denke nicht, das ich unter 15-20° Horizontsicht
kommen muss. dazu bin ich zu dicht an teils groeßeren
Ortschaften. Wenn ich dafuer die Höhe der Saeule berechnen
will, messe ich von meiner Losmandy G11 ab welchem Punkt
abwaerts? (ich schaetze bei BüCont Aussenhöhe 260cm bei
ca. 190cm?)

Wenn der Refraktor ca. zum Zenit zeigt oder
in max möglicher 20° Neigung(Horizontnah) möchte ich
die ideale Sitz oder Stehposition haben. Ich baue mir
dann ggfls. einen containerbreiten Sockel (der sooo hoch
ja nicht sein kann). Die Beantwortund dieser Frage
beurteile ich als sehr wichtig. Bequemlichkeit und Komfort
beim Fotografieren. Nix iss schlimmer als dauernd auf
dem Fussboden zu krabbeln oder auf einem Wackelhocker
zu turnen.

Visuell habe ich einen 18" Dobson - es gibt also
eigentlich keinen Grund visuell im BüCont zu spechteln.

danke für weitere Hilfe.
LG Arno






 
Hallo Arno,

wenn die Position des Containers noch wahlfrei ist, würde ich ihn der Länge nach nach Nord/Süd aufstellen, die Sternwarte im Südteil des Containers, sodaß das Schiebedach nach Norden aufläuft. Das Schiebedach würde ich über die volle Breite des Containers machen, evlt. als Giebeldach wegen Schneelasten.
Zudem kann man dann am Schiebeelement schonmal seitliche Blenden überhängen lassen, sodaß hier kein Schlagregen eindringen kann. Im Süden müsste man halt sehen, wie man es macht. Ich habe bei meiner Hütte auf der Südseite des Schiebedachs eine aufklappbare Blende angebracht, die bei geschlossenem Dach einfach herunter hängt und so Schlagregeneinfall verhintert.

Da ich ein fertiges Gartenhaus mit fester Wandhöhe zur Sternwarte umfunktioniert habe, haben wir ja im Grunde die gleichen Anforderungen an höherer Säule und Arbeitsbühne.

Die Säule hatte ich so hoch gemacht, dass die Parkposition des Teleskopes seitlich nach Osten ist. Also, Gegengewichte nach Westen, Teleskop nach Osten, Teleskopblickrichtung Nord. Das Schiebedach läuft dann knapp 10cm darüber vorbei.

Eine Trittbühne habe ich dann aus Metallprofilen aus dem Heizungskonsolenbau realisert, für dieses Zeug gibt es ja jedes erdenkliche Zubehör, Winkelverbinder, Nutenmuttern, wird also wie Fischertechnik einfach nur zusammengeschraubt ;) Am Ende noch preisgünstige Verschalungsbretter aus dem Baumarkt drauf gelegt und mit ein paar Schrauben gegen verrutschen gesichert.

Die Säule habe ich mir von einem befreundeten Schlosser aus Stahl nach meinen Plänen anfertigen lassen.
 
Hallo Arno,

wenn du eine Kuppel auf den Container bauen willst, dann sicher so, dass sie seitlich nicht übersteht. Das heißt, dass du bei Nord-Süd-Aufstellung des Containers mit der Säule mindesten den halben Kuppeldurchmesser von der Südwand entfernt bleiben musst, wenn die Säule in der Kuppelmitte stehen soll, was sich empfiehlt, um in jeder Position gleich gut im Zenith beobachten zu können.

Wenn du ein Schiebedach hast, brauchst du nur so weit von der Südwand zu bleiben, wie das Teleskop Platz zum Drehen braucht und du selbst, wenn du dahinter stehen oder sitzen willst, um in Richtung Norden zu beobachten. Für die Fotografie brauchst du für dich selbst da etwas weniger Platz berechnen, weil du ja nicht ständig hinter der Kamera stehen wirst. Der Refraktor ist ja nicht sehr groß, so dass ein Abstand von einem Meter von der Südwand ausreicht, zumindest für die Fotografie.

Wenn du dann noch das Teleskop so parkst, dass es sich in der Waagerechten befindet (z.B. so, wie Toni es beschrieben hat), dann kommst du mit der Säule auch hoch genug, um noch in einem relativ flachen Winkel über die Wand schauen zu können. Mit Zentrum der Montierung meinte ich den Punkt, wo sich das Deklinationsachsengehäuse auf der Stundenachse dreht. Wenn du die Deklinationsachse und das Teleskop waagerecht stellst, benötigst du den geringsten Abstand über dem Teleskop zum (Schiebe-)Dach. Da können dann 30cm vom Montierungszentrum gemessen schon ausreichend sein.

Wenn du dir überlegt hast, in welcher Position die Montierung geparkt werden soll, baust du das Ganze probeweise so auf, d.h. drehst das Teleskop in Parkposition, und misst aus, wieviel Abstand vom Montierungsflansch bis zum Dach bleiben müssen, damit das Dach beim Verfahren nicht gegen das Teleskop stößt. Bitte auch Anbauteile wie ein Sucherfernrohr berücksichtigen! Dann solltest du dir im Klaren sein, wie du die Montierung auf der Säule befestigen willst. Viele haben eine Säule, aus der drei Gewindebolzen ragen, auf die eine Grundplatte für den Montierungsflansch nivellierbar geschraubt wird. Dafür reichen 10cm Weg. Und schon kannst du berechnen, wie hoch über die Umgebung die Säule ragen darf. Mach dir bei Bedarf eine Skizze. um dir die Verhältnisse klar zu machen.

Die Fußbodenhöhe ergibt sich dann aus dem Unterschied zwischen Teleskophöhe (z.B. Einblickhöhe) und deiner bevorzugten Beobachtungshaltung. Man kann das so machen, dass man horizontnah im Stehen und bei größeren Horizontabständen im Sitzen beobachtet. Beim Fotografieren ist das weniger interessant. Da ist es wichtig, dass du z.B. noch die Bahtinovmaske auflegen kannst, wenn das Teleskop in den Zenith zeigt. Dann berechnet sich die Fußbodenhöhe eben daraus. Im Dunkeln auf einem Hocker oder Tritt zu balancieren, um die Maske aufzulegen oder abzunehmen, halte ich persönlich für keine so gute Idee. Du siehst, für die visuelle Beobachtung kann die Säule weiter über den Fußboden hinausragen als für die Fotografie. Da ich nur fotografiere, gab es für mich hinsichtlich der Fußbodenhöhe kein Problem.

Schönen Gruß
Manfred

 
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