"Cabrio"/Faltdach-Sternwarte: Alternative zur Rolldachhütte?

fuetti

Aktives Mitglied
Rolldachhütten scheinen der Standard für die preiswerte (DIY) Sternwarte.
Dennoch gibt es ein paar Nachteile:
- Empfindlich gegen Schnee, Eis und Staub, Rollen können klemmen
- Bei einfacher Konstruktion Verdeckung des Horizonts durch die Wände
- Platzverbrauch durch die überstehenden Schienen für das weggeschobene Dach
- mechanisch relativ anspruchsvoll
- starker Wind kann angreifen und Dach nach oben drücken

Doch könnte man ein bewegliches Dach nicht einfacher realisieren?
- Hierbei stelle ich mir einen kreisrunden Sockel vor.
- Dieser hat 2 gegenüberliegende Pivot-Punkte
- An diesen Pivot-Punkten werden dann Metallbögen so eingespannt,
dass sie um diese Pivot-Punkte drehbar sind
- Über diese Bögen wird dann eine entsprechend zugeschnittene und geklebte Plane
gespannt.
- Die Bögen werden dann noch mit Ketten oder Seilen verbunden, dass die Planen nicht
zu sehr unter Spannung stehen und auch motorisch geöffnet werden können

Gibts hierfür Erfahrungen?
Welche Planen würden sich hierfür eignen? LKW-Planen, EPDM? oder Gartenteichplanen?

Vorteile:
- platzsparend
- günstig herzustellen(?)
- Kann halb geöffnet werden und so gewissen Schutz vor Wind bieten
- Wenig Mechanik für Automatisierung erforderlich
- Weniger Risiko des Versagens,
- schnee-, eis-, und schmutzresistenter als Rolldach oder Kuppel
- kann bei Beschädigung leicht geflickt werden
- Kann sehr schnell geöffnet und geschossen werden,
- Vielleicht reicht ein einziger Motor

Nachteile:
- die Plane muss alle paar Jahre ersetzt werden.
- wenig Erfahrung vorhanden
- nur sinnvoll für nicht allzugroße Observatorien, da sonst die Plane durch
den Wind stark flattert und beansprucht wird
- ... bitte ergänzen

Hier die Aufsicht:
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Hier die Seitenansicht:
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Viele Astrogrüße, Claus
 
Zuletzt bearbeitet:
Das habe ich schon mal irgendwo bei einem Anbieter gesehen.
Wenn man das Ganze remote betreibt und nicht zusätzlich Platz für sich selbst benötigt, isr es sicher eine Alternative.
Antriebstechnisch wird es aber schon komplexer, man kann ja eigentlich nur am Drehpunkt den Bogen drehen.
Das bedeutet, dass der Getriebeantrieb relativ stark sein muss um auch bei Kälte wenn die Plane starrer ist, zuverlässig öffnen und schliessen kann.

Du musst die gesamte Halbkugel am Stück machen damit sie auch dicht ist.
EPDM würde ich nicht nehmen, es ist nicht reissfest und den Schaum in Weiss zu bekommen wird wohl auch eine kleine Herausforderung. ;)

LKW Plane oder eine andere Gewebeverstärkte Folie wäre eher geeignet.
Muss halt wegen der Sonneneinstrahlung sehr hell bis Weiss sein.

Allerdings, wenn ich daran denke was, zumindest bei uns im Süden, im Sommer los war mit Gewitter und Hagel, würde ich wirklich ein Rolldach bevorzugen.
Es hagelt Dir die Folie weg, Du bist nicht zuhause und Dein Equipment säuft ab..

Die Idee ist zweifellos sehr interessant, aber meiner Meinung nach ist eine Gartenlaube oder meinetwegen Hundehütte :) mit Rolldach ist doch eher der richtige Weg.
 
Danke Hansguggindieluft,
an Hagel habe ich tatsächlich nicht gedacht. Habe ChatGPT gefragt:
Schlägt mehrschichtiges System nicht unter Spannung vor:
"
  • LKW-Plane = ok, aber nicht optimal
  • Besser: PVC-Architekturmembran oder PE/EPDM
  • Ideal: ETFE (wenn du’s ernst meinst)
  • Entscheidend: mehrlagig + nicht straff
❗ Nicht Material, sondern Geometrie + Nachgiebigkeit entscheidet
"

Hagelkörner können tatsächliche 10J an kin. Energie erreichen, das ist sehr viel. Wenn man eine Luftgewehr kaufen möchte, muss dieses auf 7,5J abgeregelt sein, sonst braucht man einen Waffenschein!

Wind könnte außerdem problematischer als Hagel sein. Vielleicht ist für sehr windige Regionen ein zusätzlicher Windschutz sinnvoll oder man montiert das Ganze in eine Senke oder auf eine geschützte Terrasse...

Leider fehlt mir hier das Wissen und die Erfahrung.
 
Hallo Claus,

ich hatte eine solche Konstruktion mehrere Jahre in Betrieb, sie hat sich bewährt, siehe:

https://skyviewer.de/selbstbau/zelt-sternwarte-2/zelt-sternwarte-2.htm

Mittlerweile habe ich aufgerüstet (Achtung, sehr "ausführlich"):

https://skyviewer.de/selbstbau/kuppel-2/kuppel-2.htm

Wenn ich gewusst hätte wie gut das mit dem "Cabrio-Dach" funktioniert, dann hätte ich die feste Kuppel nicht gebaut. Aber die Kuppel war schon fertig und die Cabrio Lösung sollte eigentlich nur als Übergangslösung herhalten, da sich der Bau der festen Sternwarte aus "bürokratischen Gründen" verzögerte.
Ein Kumpel von mir hat dann das Cabrio-Dach übernommen und es befindet sich noch immer auf der Sternwarte, die er auf Basis eines Baumarkt- Gartenhauses baute.

Viele Grüße & CS,
Reinhard
 
Boah, Reinhard, das ist sehr beeindruckend, was Du da gebaut hast!
Wie hast Du die LKW-Plane geklebt?
 
Zuerst wurden die tiefer liegenden Segmente mit Kontaktkleber auf die Holz-Rippen geklebt. Das jeweils höher liegende Segment wurde überlappend auf die untere Rippe und die schon dort montierte untere Plane, wieder mit Kontaktkleber, geklebt. Am First habe ich für die Richtung der Überlappung auf die Hauptwetterrichtung geachtet. Zum Schluss wurden die Ecken noch mit aufgeschraubten Alu-Streifen verstärkt und auf den graden Strecken jeweils drei Schrauben mit großen Unterlegscheiben gesetzt. Das ist sehr stabil.
Mittlerweile würde ich die Überlappungen allerdings mit Heißluft verschweißen. Bei meinen diversen Projekten, siehe auch:
https://skyviewer.de/not_astro/camper-2/camper.htm (wieder lang!)
habe ich mir das ganz gut angeeignet. Das Verschweißen als auch Kleben funktioniert aber nur bei echter PVC LKW-Plane. Im Netz wird schon mal PE Plane fälchlicherweise als LKW-Plane angeboten, also Vorsicht!
Das verklebte / verschraubte Dach hält aber auch bis heute und hat schon einige schwere Stürme überstanden, allerdings hier bei uns im Flachland.

Viel Spaß und Erfolg beim Projekt!
 
Hallo Claus,

ganz so selten ist eine solche Konstruktion nicht.
Jogi, aus dem anderen Forum hat so was mal gebaut/geschrieben.

Vieleicht hilft es dir ja.

Klaren Himmel
Olaf
 
Danke vielmals Olaf,
genau so etwas habe ich mir vorgestellt!
Da kann man ja von den Erfahrungen nur lernen, bevor man Fehler wiederholt.
-> Sattler beauftragt und LKW-Plane herrichten lassen.
Nur die Pivot-Punkte, an denen die Streben drehbar zusammenlaufen ist vielleicht nicht so optimal.
Claus
 
Hallo Claus,
solche „Cabrio-Abdeckungen gibt es bereits fertig zu kaufen.
Für Autos als Faltgarage ab ca. € 300, und etwas leichter für große Planschbecken ab ca. € 100.

Aber für jemanden, der Zeit hat, und Spaß am Konstruieren und Bauen, kommt natürlich nur die individuelle Lösung in Frage…..

Grüße

Dietmar
 
Hallo zusammen,
die Idee von Faltdachsternwarten gab es hier auch schon früher.


Dort kam auch die Idee auf, das permanente Zelt eines Radioteleskops in eine Faltdachkonstruktion umzuwandeln. Davon würde ich allerdings - schon aus Kostengründen - abraten.

An Reinhards Faltzelt gefällt mir besonders gut, dass es unten einen schmalen offenen Spalt hat. Eventuelles Tauwasser tropft nach unten und wird durch den Luftspalt gleich wieder rausgeblasen. So bleibt das Innenklima immer schön trocken. Wenn man Reinhards Faltzelt auf eine luftige palettenartige Plattform stellen würde, könnte ein Newton im Sommer darin bestimmt sogar ein paar Regennächte übernachten, vermute ich. (Einen ganzen Winter wohl eher nicht.) Aber ein Mak nicht, die kriegen schnell Schimmel/ Glaspilz.
Gruß
 
Auch ich hatte mich hier im Forum bereits mit einer Zeltsternwarte beschäftigt.

Siehe

Mein Setup ist Balkon. Trotzdem gibt es bei Zeltsternwarten aus meiner Sicht zwei grundlegende Probleme, egal wo sie stehen.

- Was passiert mit dem Kondenswasser/ Tau?
- Was passiert bei starkem Wind?

Eine kleine Teleskopschutzhülle kann man luftdicht verschließen und Trockensäckchen (Silikagel oder ähnlich) mit rein packen.

Das Luftvolumen eines ganzen Zelts ist aber viel größer und damit auch die in der Luft enthaltene Wassermenge. Ein Trockensäckchen müsste sehr groß sein und oft gewechselt werden. Wenn es sich nur um ein paar Übernachtungen des Teleskops während einer CS Phase handelt, kann man einen temperaturgeregelten elektrischen Heizlüfter reinstellen. Aber auf Dauer wird das teuer.

Deshalb würde mich brennend interessieren, welche Kondenswasser-Erfahrungen Reinhard mit seinem Faltzeltdach gemacht hat. Wie lange hat Dein Teleskop unter dem Faltzeltdach übernachtet? Wie war die Feuchtigkeitsthematik?

Ein Kumpel von mir hat dann das Cabrio-Dach übernommen und es befindet sich noch immer auf der Sternwarte, die er auf Basis eines Baumarkt- Gartenhauses baute.

Bzw. bei Deinem Kollegen.
Danke
 
Hallo Heinrichl,

ich hatte mein Equipment (Refraktor) ohne Probleme oft über viele Wochen in der Faltdachsternearte. Die Optik wurde wohl mit einem alten Kissenbezug luftdurchlässig abgedeckt. Bei angekündigter Schlechtwetterperiode habe ich die Optik manchmal rein geholt, aber auch schon mal draußen gelassen.
Wichtig ist die Belüftung unten über dem Boden, wie oben schon von Dir angemerkt.
Allerdings bildete sich in klaren Nächten schon mal Kondenswasser innen an der Dachfolie, da sie durch die IR Abstrahlung ins All kälter als der Rest wurde. Das führte anfangs zu Problemen am unbehandelten Holz der Bügel. Die habe ich dann mit Bootslack versiegelt.

Ich hoffe die Info hilft weiter.

Viele Grüße & CS,
Reinhard
 
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