Tento2060
Mitglied
Hallo zusammen,
seit ein paar Tagen bin ich stolzer Besitzer des o.g. bildstabilisierten Fernglases. Kurze Vorgeschichte: Bei meinem russischen Tento 20x60 begeistert mich die hohe Vergrößerung und die gute Schärfe, allerdings nervt die Wackelei. Ein Stativ kommt nicht in Frage, schätze ich an Ferngläsern doch die sofortige Einsatzbereitschaft ohne Umschweife sowie die gute Transportierbarkeit. Und am Drecks-Großstadthimmel ist die kleine AP und die hohe Vergrößerung schon passend, deshalb sollte es das bildstabilisierte Glas mit der höchstmöglichen Vergrößerung werden. Das Zeiss 20x60 kam aus Preisgründen und wegen des eingeschränkten Arbeitswinkels (der Stabi geht wohl nur bis 45° Neigung) nicht in Frage. Es soll nicht nur astronomisch genutzt werden, sondern auch unterwegs. Ich mag die hohe Vergrößerung, das ist wie ein Aussichtsfernrohr.
So habe ich mich in der Bucht auf die Lauer gelegt und für gut den halben Neupreis das Canon 18x50 mit Garantie von einem Händler erstanden. Das Glas wurde schnell und perfekt verpackt geliefert. Auf den guten Fotos waren die leichten Gebrauchsspuren am Gummi im Okularbereich zu sehen, diese sind aber nicht störend und nur ein kleiner äußerlicher Mangel.
Das 18x50 ist ein ganz schöner Brocken, liegt aber nicht zuletzt wegen der Gummiarmierung sehr gut in der Hand. Das Gewicht ist sicher ein Manko bei längeren Wanderungen, da werde ich sicher öfter zu dem kleinen 8x30 Zeiss Diafun greifen. Im anstehenden Italienurlaub wird es aber sicher großartige Dienste leisten, denn wir haben eine Ferienwohnung auf einem Berg mit phantastischer Aussicht.
Bei der ersten Durchsicht vor ein paar Tagen hatte ich gleich einen "Wow"-Effekt. Beeindruckende Schärfe und Kontrast, ein sehr helles Bild, sehr geringe Streulichtempfindlichkeit. Leider hat die Optik eine deutliche Neigung zu Farbsäumen. Der Vergleichsblick durch das Tento ist trüb und dunkel, das Canon ist schon ohne Stabilisierung dem Tento eindeutig überlegen. Das Glas bietet ein recht großes scheinbares Gesichtsfeld.
Der Augenabstand ist komfortabler als beim Tento, aber aufgrund der kleinen Austrittspupille ist der Einblick kritisch: Ist das Auge nicht genau auf der Okularachse, dunkelt das Bild schlagartig ab. Es lohnt sich deshalb, den Augenabstand penibel genau einzustellen. Trotzdem bleibt der Einblick anstrengend und das große Gesichtsfeld kann mit dem Auge nicht vollständig erfasst werden. Ein geringer vergrößerndes Glas mit größerer AP dürfte in dieser Hinsicht komfortabler zu nutzen sein.
Nach Einschalten der Stabilisierung war ich erst mal ein wenig enttäuscht, leidet bei der hohen Vergrößerung die Schärfe deutlich sichtbar unter der Arbeit des Stabis. Das wusste ich aber schon vorher, denn das wird an den großen Canons schon länger kritisiert. Man greift automatisch zum Fokussierer (der sehr, sehr feinfühlig und perfekt funktioniert), aber das bringt nicht viel. Das Aus- und Wiedereinschalten der Stabilisierung bringt manchmal schon eher eine Verbesserung. Mit Stabi wirkt das Bild in sich minimal unruhig und ein klein wenig wie verschmiert.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die Bildqualität bleibt auch bei eingeschaltetem Stabi auf einem sehr hohen Niveau. Im Vergleich fällt es aber auf, zumal der Effekt nicht stabil ist, sondern schwankt. Die Erkennbarkeit von Details ist bei eingeschaltetem Stabi aber um Welten besser als ohne! Mit dem Stabi kann man viel entspannter beobachten und sieht Details, die in der elenden Wackelei sonst verlorengehen.
So kann ich die Amsel im Baum gegenüber richtig groß, schön und entspannt beobachten, dabei sind kleine Fliegen und das Federkleid in voller Detailfülle sehr schön zu sehen. Auch in der Dämmerung macht es Spaß, das Glas hat eine richtig gute Transmission und ein klares, helles Bild. Selbst bei bewegten Objekten bringt der Stabi starke Vorteile, so kann ich bei vorbeifliegenden Flugzeugen ganz klar den Namen der Airline lesen, was ohne Stabi nicht funktioniert.
Gestern Abend gab es dann endlich mal ein paar Wolkenlücken. Jupiter wra mein erstes Obkekt - ich weiß, Ferngläsr sind eigentlich sinnlos am Planeten, aber trotzdem schaue ich immer wieder gerne hin. Ohne Stabi kommt der Jupp als rundes Scheibchen, die Monde Kallisto und Ganymed waren deutlich sichtbar. Rechts vom Jupp war auch noch was, das ging in der Wackelei aber unter. Mit Stabi konnte ich dann deutlich die Monde Io und Europa erkennen, auch wenn die Erkennbarkeit nicht durchgängig und immer gleich gut gegeben war.
Mars war als rötliches Scheibchen gut zu erkennen, leider lag er in der Lichtglocke Kölns und es zogen immer wieder Wolken durch. Saturn war als Ei zu erkennen, mit Stabi meine ich immer wieder mal kurz den Ring etwas deutlicher gesehen zu haben, wenn auch winzig klein. Das hätte ich nicht erwartet.
Später ging dann der Mond blutrot am Horizont auf. Er kommt im 18x50 mit beeindruckender Größe und Plastizität. Mit Stabi sieht man deutlich die Luftunruhe, aber auch feine Kraterstrukturen.
Soweit mein erster Eindruck. Ich werde weiter berichten und auch mal lohnendere Objekte am Himmel anvisieren. Eure Kommentare, Fragen und eigene Erfahrungen sind willkommen!
Grüße aus dem schwül-heißen Köln,
Christof
seit ein paar Tagen bin ich stolzer Besitzer des o.g. bildstabilisierten Fernglases. Kurze Vorgeschichte: Bei meinem russischen Tento 20x60 begeistert mich die hohe Vergrößerung und die gute Schärfe, allerdings nervt die Wackelei. Ein Stativ kommt nicht in Frage, schätze ich an Ferngläsern doch die sofortige Einsatzbereitschaft ohne Umschweife sowie die gute Transportierbarkeit. Und am Drecks-Großstadthimmel ist die kleine AP und die hohe Vergrößerung schon passend, deshalb sollte es das bildstabilisierte Glas mit der höchstmöglichen Vergrößerung werden. Das Zeiss 20x60 kam aus Preisgründen und wegen des eingeschränkten Arbeitswinkels (der Stabi geht wohl nur bis 45° Neigung) nicht in Frage. Es soll nicht nur astronomisch genutzt werden, sondern auch unterwegs. Ich mag die hohe Vergrößerung, das ist wie ein Aussichtsfernrohr.
So habe ich mich in der Bucht auf die Lauer gelegt und für gut den halben Neupreis das Canon 18x50 mit Garantie von einem Händler erstanden. Das Glas wurde schnell und perfekt verpackt geliefert. Auf den guten Fotos waren die leichten Gebrauchsspuren am Gummi im Okularbereich zu sehen, diese sind aber nicht störend und nur ein kleiner äußerlicher Mangel.
Das 18x50 ist ein ganz schöner Brocken, liegt aber nicht zuletzt wegen der Gummiarmierung sehr gut in der Hand. Das Gewicht ist sicher ein Manko bei längeren Wanderungen, da werde ich sicher öfter zu dem kleinen 8x30 Zeiss Diafun greifen. Im anstehenden Italienurlaub wird es aber sicher großartige Dienste leisten, denn wir haben eine Ferienwohnung auf einem Berg mit phantastischer Aussicht.
Bei der ersten Durchsicht vor ein paar Tagen hatte ich gleich einen "Wow"-Effekt. Beeindruckende Schärfe und Kontrast, ein sehr helles Bild, sehr geringe Streulichtempfindlichkeit. Leider hat die Optik eine deutliche Neigung zu Farbsäumen. Der Vergleichsblick durch das Tento ist trüb und dunkel, das Canon ist schon ohne Stabilisierung dem Tento eindeutig überlegen. Das Glas bietet ein recht großes scheinbares Gesichtsfeld.
Der Augenabstand ist komfortabler als beim Tento, aber aufgrund der kleinen Austrittspupille ist der Einblick kritisch: Ist das Auge nicht genau auf der Okularachse, dunkelt das Bild schlagartig ab. Es lohnt sich deshalb, den Augenabstand penibel genau einzustellen. Trotzdem bleibt der Einblick anstrengend und das große Gesichtsfeld kann mit dem Auge nicht vollständig erfasst werden. Ein geringer vergrößerndes Glas mit größerer AP dürfte in dieser Hinsicht komfortabler zu nutzen sein.
Nach Einschalten der Stabilisierung war ich erst mal ein wenig enttäuscht, leidet bei der hohen Vergrößerung die Schärfe deutlich sichtbar unter der Arbeit des Stabis. Das wusste ich aber schon vorher, denn das wird an den großen Canons schon länger kritisiert. Man greift automatisch zum Fokussierer (der sehr, sehr feinfühlig und perfekt funktioniert), aber das bringt nicht viel. Das Aus- und Wiedereinschalten der Stabilisierung bringt manchmal schon eher eine Verbesserung. Mit Stabi wirkt das Bild in sich minimal unruhig und ein klein wenig wie verschmiert.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die Bildqualität bleibt auch bei eingeschaltetem Stabi auf einem sehr hohen Niveau. Im Vergleich fällt es aber auf, zumal der Effekt nicht stabil ist, sondern schwankt. Die Erkennbarkeit von Details ist bei eingeschaltetem Stabi aber um Welten besser als ohne! Mit dem Stabi kann man viel entspannter beobachten und sieht Details, die in der elenden Wackelei sonst verlorengehen.
So kann ich die Amsel im Baum gegenüber richtig groß, schön und entspannt beobachten, dabei sind kleine Fliegen und das Federkleid in voller Detailfülle sehr schön zu sehen. Auch in der Dämmerung macht es Spaß, das Glas hat eine richtig gute Transmission und ein klares, helles Bild. Selbst bei bewegten Objekten bringt der Stabi starke Vorteile, so kann ich bei vorbeifliegenden Flugzeugen ganz klar den Namen der Airline lesen, was ohne Stabi nicht funktioniert.
Gestern Abend gab es dann endlich mal ein paar Wolkenlücken. Jupiter wra mein erstes Obkekt - ich weiß, Ferngläsr sind eigentlich sinnlos am Planeten, aber trotzdem schaue ich immer wieder gerne hin. Ohne Stabi kommt der Jupp als rundes Scheibchen, die Monde Kallisto und Ganymed waren deutlich sichtbar. Rechts vom Jupp war auch noch was, das ging in der Wackelei aber unter. Mit Stabi konnte ich dann deutlich die Monde Io und Europa erkennen, auch wenn die Erkennbarkeit nicht durchgängig und immer gleich gut gegeben war.
Mars war als rötliches Scheibchen gut zu erkennen, leider lag er in der Lichtglocke Kölns und es zogen immer wieder Wolken durch. Saturn war als Ei zu erkennen, mit Stabi meine ich immer wieder mal kurz den Ring etwas deutlicher gesehen zu haben, wenn auch winzig klein. Das hätte ich nicht erwartet.
Später ging dann der Mond blutrot am Horizont auf. Er kommt im 18x50 mit beeindruckender Größe und Plastizität. Mit Stabi sieht man deutlich die Luftunruhe, aber auch feine Kraterstrukturen.
Soweit mein erster Eindruck. Ich werde weiter berichten und auch mal lohnendere Objekte am Himmel anvisieren. Eure Kommentare, Fragen und eigene Erfahrungen sind willkommen!
Grüße aus dem schwül-heißen Köln,
Christof