Canon 18x50IS

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hanz

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Hallo,

nachdem ich hier immer wieder das Canon 10x30 IS als bestes mir bekanntes Fernglas dieser Größenordung gelobt
habe, möchte ich jetzt genauso klar meine Erfahrung mit dem 18x50 IS hierdarstellen: könnt`s verrgessen!
Das Glas ist in keiner Hinsicht vergleichbar mit dem 10x30 IS - schlechter Einblick durch falsch dimensionierte
Gummiaugenmuscheln, schlechte Haptik (wie sichs anfühlt) und ganz vor allem: unscharf! sicher mit bedingt
durch die geringe Schärfentiefe bei fast 20facher Vergrößerung, aber trotzdem gegenüber dem 10x30 IS ein
totaler Versager (ich denke, ich habe nicht mehr Details gesehen als mit dem 10x30 IS).
Sicher gibt es wenige Gläser mit mehr als 15 facher Vergrößerung und sicher sind da 50mm Objektive schon
ziemlich klein - aber daß es sich bei einem "Superprodukt" aus der Küche des 10x30 IS um eine Totale Gurke
handelt, hätte ich nicht erwartet. Wer kennt sich im Veregleich 15x50 gegen 18x50 näher aus? Das 15x50
wurde hier ja eigentlich SUPER beurteilt!

Gruß
 
Canon 15x50 IS ist besser als 18x50IS, aber …

Nur ganz kurz zu Deiner Frage. Das 18x50 IS kenne ich nicht aus eigener Erfahrung, aber ich habe hier und an vielen anderen Stellen immer wieder lesen können, daß das 18x50 IS dem 15x50 IS deutlich unterlegen sei, vermutlich weil bei ihm die Leistungsfähigkeit des beiden Modellen gemeinsamen Basissystems schon überreizt ist (sowohl hinsichtlich der Auflösung als auch hinsichtlich der Bildstabilisierung aufgrund der um 20% gesteigerten Vergrößerung).

Das 15x50 IS hatte ich selber, und ich war anfangs deshalb sehr angetan, weil die Kompensation des Handzitterns doch einen merklichen Gewinn an Detailerkennbarkeit bringt. Aber je länger ich es benutzte, desto deutlicher wurden auch die Schwächen. Es zeigt an kritischen Motiven mehr Farbsäume als andere Topgläser der Klasse über 1000 Euro, es hat eine absolut nicht zeitgemäße Transmission (d.h. es ist ziemlich dunkel und verfärbt gelblichgrün). Über Haptik kann man endlos streiten, denn da spielen viele sehr individuelle Dinge mit, aber grundsätzlich stimme ich Dir zu: Es ist klobig, man kann es nicht umfassen. Daß die Stülpaugenmuscheln auf ein 1000-Euro-Glas wie Holzräder an einem Ferrari sind, sollte Canon eigentlich wissen.

Das neue Canon 10x42 IS ist um Klassen besser, wenngleich die dort benutzten Drehaugenmuscheln auch noch stark verbesserungsfähig wären. Der hohe Preis ist durchaus gerechtfertigt, aber es ist ein dicker Brummer und schwerer als viele 10x50-Gläser (nichts für Bandscheibengeschädigte).

Das 10x30 IS ist sicher ein rundum gelungenes Produkt, ist für seine Preisklasse und Größe untadelig scharf, hat eine hohe Transmission und ist farbneutral; ich kritisiere nur zwei Punkte (fehlende Wasserdichtheit ist für mich nicht so wesentlich): Es sollte Dreh- oder Schiebeaugenmuscheln haben und die Naheinstellung sollte bis unter 3 m reichen. Ich habe auf meiner Terrasse eine Vogeltränke und einen kleinen Futterplatz und täglich Besuch von Grünfinken, Kohl- und Blaumeisen, Amseln, Laubsängern (Fitis und Zilpzalp), Mönchsgrasmücken, gelegentlich von einem Buchfink, einem Zaunkönig und zwei kleinen Buntspechten, einem Eichhörnchen und zur Zeit bis zu fünf Igeln – alle in Entfernungen zwischen 8 m und 3 m und damit fast immer zu nah, um sie mit dem 10x30 IS oder gar dem 12x36 IS zu beobachten.

Ich habe nach Deinen vielen Lobeshymnen auf dieses Fernglas letztes Jahr ein 10x30 IS erst getestet und dann gekauft, und ich kann nun verstehen, warum Du es immer so positiv beurteit hast. Ich habe danach auch noch ein 12x36 IS gekauft, und ich finde, daß dieses sogar noch besser ist, allerdings ebenfalls statt Stülpaugenmuscheln Dreh- oder Schiebenaufenmuscheln haben sollte und unbedingt eine kürzere Naheinstellung haben müßte. Offiziell reicht die Naheinstellung bis 7 m. Die meines 12x36 IS aber kam nur bis knapp unter 9 m. Ich habe das bei Canon ändern lassen wollen, zumal der Überhub riesig war (ich schätze mindestens -10 dpt, wenn nicht noch mehr) und ich deshalb meinte, daß genügend Spielraum für kürzere Naheinstellung vorhanden sei. Canon hat das nicht repariert, sondern mir (nach sechs Wochen Wartezeit ohne Eingangsbestätigung und dann einem Anruf von mir) ein neues Glas geschickt, dessen Naheinstellung nun bis 7,95 m geht (bezogen auf Normalsichtigkeit, also wenn ich mit meiner korrekt angepaßten Brille beobachte). Das ist immer noch zuviel, aber besser geht es wohl nicht. Denn Canon hat zwar die Objektive des 10x30 IS durch andere mit größerer Öffnung und längerer Brennweite ersetzt, aber wohl das Fokussiersystem beibehalten, und da sich bei gleicher Naheinstellung mit längerer Brennweite eine längere Bildweite ergibt, der Fokussierweg (Hub) der Innenfokussierung und auch die dabei verschobene Linse aber offensichtlich unverändert geblieben sind, hat sich die Nahgrenze nun noch weiter verlängert als beim 10x30 IS.

Deshalb bleibt nach wie vor mein Standard- bzw. Allround-Fernglas das Nikon 10x32 HG, mit dem ich fast bis auf 2 m nah einstellen kann, das einen etwas größeren scheinbaren Sehwinkel bietet, dessen Schärfe noch einen Tick besser ist und das nahezu farbsaumfrei und randscharf abbildet - leider ohne Bildstabilisierung. Da es auch wasserdicht und unglaublich robust ist (man hat den Eindruck, notfalls damit Nägel einschlagen zu können, ohne daß die Optik darunter leidet), wird es auf absehbare Zeit mein Starndardglas bleiben. Dennoch: Das Canon 12x36 IS ist – übrigens auch wegen seines relativ günstigen Preises im Vergleich zum Nikon 10x32 HG - auch ein tolles Fernglas, das ich empfehlen kann.

Walter E. Schön
 
Hallo Hanz ,

vor dem 18x50 IS Glas kann ich aus eigener Erfahrung ebenfalls nur warnen : Ich habe insgesamt 3 Gläser getestet . Alle
drei waren gleich schlecht für astronomische Anwendung.
Der Canon-Service war - nachdem er sich erstmal dumm
gestellt hatte ( "wir können keinen Fehler feststellen "),
dann etwas kooperativer. Sie waren wohl letzlich deshalb
nicht in der Lage zu helfen , weil sie keine besseren
Gläser im Austausch liefern konnten!

Alle Gläser zeigten ( durch die Stabilisierung verursacht) dynamische
sich laufend ändernde Sternabbildungen : von Koma über
Astigmatismus bis Defocus war alles vertreten, ich war nicht
in der Lage z.B. die feinen Jupitermonde länger als
1 Sekunde punktförmig und perfekt fokussiert zu halten.
Mit abgeschalteter Stabilisierung auf dem Stativ , war die
Abbildung in Ordnung.
Für mich ist Canon erledigt, habe letzlich € 1500 für ein
unbrauchbares Glas bezahlt.
C.S.
 
Alle Gläser zeigten ( durch die Stabilisierung verursacht) dynamische
sich laufend ändernde Sternabbildungen : von Koma über
Astigmatismus bis Defocus war alles vertreten, ich war nicht
in der Lage z.B. die feinen Jupitermonde länger als
1 Sekunde punktförmig und perfekt fokussiert zu halten.
Mit abgeschalteter Stabilisierung auf dem Stativ , war die
Abbildung in Ordnung.
Für mich ist Canon erledigt, habe letzlich € 1500 für ein
unbrauchbares Glas bezahlt.

Und eben diesen Effekt sah ich auch schon bei allen 10x30IS (immerhin 3 Stueck), durch die ich sah. Habe dann zum
Fujinon aufgeruestet. Das bleibt scharf und Farbrein.

Gruss
L.
 
Hallo ,

ich war von meinem 12x36 sehr begeistert , so daß ich
mit einem solchen Reinfall nicht gerechnet hatte ,
C.S.
 
Hallo Walter,

klingt zwar vielleicht blöd, ist aber praktikabel und nicht teuer: laß Dir für nähere Einstellung doch für Dein
12fach Canon IS einfach 2 Vorsatzlinsen vom Optiker machen! So 1/2 -1 Dioptrie müßte das Problem lösen.
Frage ist nur, wie Du sie vor die Objektive bekommst - am besten mal verschiedene Filter auf einer Fotobörse
ausprobieren und in die Fassung, die sich in den Gummi des Fernglasobjektivrohrs noch gut einschrauben läßt,
die Brillengläser einpassen lassen (ich gebe zu, daß ich das selbst noch nicht probiert habe, aber bei Gelegenheit
mal machen möchte, um bei Schmetterlingen näher ran gehen zu können, meine Autobrille mit 1 Dioptrie ergibt
bei meinem Canon 10x30IS eine maximale Entfernung von ca. 1,5m - also müßte 1/2 Dioptrie grade recht werden).
Allerdings ist für Hochqualitätsfans wie Dich sicher dabei störend, daß sich nach erstem Durchgucken wohl etwas
mehr Farbfehler ergibt als ohne Vorsatzlinse.

Gruß
 
Das Canon 12x36 IS benötigt +0,125 dpt

Hallo hanz,

die Idee ist (an sich) keineswegs blöd, und ich habe natürlich auch sofort nach dem Kauf der beiden Canon-Ferngläser überlegt, ob das was nützen könnte. Nur habe ich nicht zu experimentieren angefangen, sondern erst mal rechnerisch überschlagen (was ganz einfach und sogar ohne mathematisches Talent im Kopf ganz ohne Bleistift und Papier oder gar Taschenrechner möglich ist), wie die Dioptrienzahl aussehen müßte und wie sich der Einstellbereich damit änderte. Das Ergebnis ist ernüchternd – man braucht mindestens zwei verschiedene Vorsatzlinsenpaare!

1. Wenn der Einstellbereich ohne Vorsatzlinse bis 8 m als Nahgrenze reicht und ich mit Vorsatzlinsen einen daran nahtlos anschließenden Einstellbereich erzielen möchte, muß die Vorsatzlinse +0,125 dpt haben. Damit haben wir schon das erste Problem, denn so eine Vorsatzlinse wirst Du (als Serienprodukt) nirgendwo finden. Hinweis zum Nachrechnen: die Dioptrienzahl ist der Kehrwert der in Meter gemessenen Brennweite; um mit einem auf unendlich, also für parallel einfallende Strahlen fokussierten Fernglas auf 8 m Entfernung ein scharfes Bild zu bekommen, muß die vorgesetzte Linse 8 m Brennweite oder 1:8 = 0,125 dpt Brechkraft haben. Wird das Fernglas dann auf seine Nahgrenze fokussiert, hat es quasi im Gegenstandsraum dieselbe Wirkung wie diese 0,125-dpt-Vorsatzlinse, und da man Brechkräfte im Gegensatz zu Brennweiten einfach addieren kann (sofern die betreffenden Linsen dicht beieinander stehen, was hier der Fall wäre), hätte man mit Vorsatzlinse und Naheinstellung zusammen 2 · 0,125 dpt = 0,25 dpt entsprechend 1 m : 0,25 = 4 m Brennweite bzw. Nahgrenze.

2. Wenn ich mir eine solche Linse (also weder aus dem Fotogeschäft mit Filterfassung noch aus dem Brillengeschäft als Brillenglas, sondern z.B. von einem Linsenhersteller wie Linos oder Melles Griot oder nach Katalog von Edmund Optics) besorgte oder nach einem größeren Lottogewinn nach Maß schleifen ließe, dann würde ich damit einen Einstellbereich von 8 m bis 4 m erzielen. Das ist mir immer noch zu wenig. Also würde ich dann zusätzlich eine weitere Vorsatzlinse mit +0,25 dpt brauchen (die einfacher als Brillenglas zu haben wäre) und mit der ich anstelle der vorher genannten Vorsatzlinse dann den Bereich von 4 m bis 2,67 m überdecken könnte [Berechnung der neuen Nahgrenze: 0,25 dpt der Vorsatzlinse plus 0,125 dpt „Fokussierstärke” des Fernglases ergibt zusammen 0,375 dpt, was einer Brennweite von 1 m : 0,375 = 2,66666… m entspricht und die neue Nahgrenze ist].

3. Sowohl das Canon 10x30 IS als auch das Canon 12x36 IS hat kein Filtergewinde. Man müßte also eine andere Adapterlösung finden, z.B. mit einem passenden Plastik-Objektivdeckel, der außen auf der Fassung klemmt und innen ausgeschnitten wird und dort die jeweilige Vorsatzlinse trägt. Noch besser wären Klapp-Schutzdeckel von Butler Creek für die Objektive (solche habe ich mir in passender Größe sowohl für die Okulare meines Nikon-Glases 10x32 HG als auch meines Canon-Glases 12x36 IS (hier auf die umgestülpten Gummiaugenmuscheln) adaptiert, damit man nicht lang schrauben muß, sondern schnell zwischen Betrachtung ohne und mit Vorsatzlinse (derjenigen mit +0,125 dpt) wechseln kann.

4. Wenn nun aber das beobachte Vögelchen, Eichhörnchen, der Igel usw. sich nicht an die jeweiligen Einstellgrenzen von 8 m bis 4 m oder von 4 m bis 2,67 m hält, sondern immer zwischen 7 m und 9 m oder zwischen 3 m und 4,5 m herumturnt, dann komme ich vor lauter Vorsatzlinsenwechsel nicht meht zum Schauen. Es könnte natürlich erwogen werden, überflüssiges Geld in weitere sondergefertigte Spezial-Vorsatzlinsen z.B. mit +0,05 dpt für den Einstellbereich von 20 m bis 5,71 m und mit +0,175 dpt für den Bereich von 5,71 m bis 3,33 m zu investieren, um genügend Überlappung der Einstellbereiche zu bekommen. Ich fürchte nur, daß dann die Vorsastzlinsen plus Adapter teurer als das Fernglas werden und die mitzuschleppende Ausrüstung einen größeren Koffer zum Tragen erfordert!

5. Wenn Canon das Fernglas durch Änderung der Fokussiereinrichtung für eine kürzere Naheinstellung von z.B. 3 m (meine Mindestforderung) einrichtete, wäre das alles viel einfacher, und nicht nur Bastler, sondern alle Käufer dieses Fernglases würden davon profitieren. Alternativ könnte Canon einen Satz aus 4 Paar Vorsatzlinsen und einem Gewindeschneider zur Herstellung passender Einschraubgewinde in der Frontlinsenfassung der Ferngläser in einer samtausgekleideten Zedernholzbox zum Preis von unter 1000 Euro anbieten. Vielleicht findet sich ein Käufer.

Walter E. Schön
 
Die großen Ferngläser von Canon

Noch einmal ein paar Anmerkungen zu den großen Canons. Wesentliches dazu habe ich hier ja schon einmal vor längerem geschrieben und das hat auch heute noch Gültigkeit. Wie ich damals schon schrieb, erwog ich bereits seit längerem eine Anschaffung. Nachdem ich nun einige Monate im Besitz eines 15x50 IS bin, stellt sich - wie meistens - nach dem Langzeitgebrauch eine weiter differenzierte Beurteilung ein. Alle hier genannten Nachteile sind richtig und ich füge noch einige weitere hinzu.
Die Bedienung des Batteriefachdeckels mit einer Münze ist umständlich, wenn man mit dem Teil im Gelände unterwegs ist. Hier macht sich wohl die Herkunft Canons als Kamerahersteller bemerkbar. Der Klappmechanismus erweckt ebenso wie der der kleineren Canon Ferngläser nicht gerade mein Vertrauen in Sachen Robust- und Haltbarkeit. Die Lösung von Fujinon z.B. mit dem Drehhebel am 14x40 Technostabi erscheint da doch solider. Die Armierung ist - obgleich sehr griffig - doch auch vergleichsweise empfindlich. An den Stellen, wo Reibung oder Druck auftritt (z.B. Gurtbefestigungsösen, Mitteltiebsverkleidung auf der Oberseite) werden Abriebsmarken erkennbar. Besonders schwerwiegend aber - und es wundert mich, dass das noch nicht erwähnt wurde - ist das Verhalten bei Streulicht. Bei entsprechend tiefem Sonnenstand vermasseln deutliche Reflexe die Sicht doch bemerkbarer als bei den meisten anderen Qualitätsgläsern. Ich vermute, dass das Schutzglas, welches sich zur Abdichtung der Objektive und Erreichen der Wasserdichte vor denselbigen befindet, hierfür wie auch für einige weitere Nachteile (Farbtönung, Transmission) mit verantwortlich ist. Es zeigt jedenfalls sehr deutliche Farb- und Lichtreflexe - im Gegensatz zum neuen 10x42, welches an dieser Stelle wohl verbessert wurde.
Die freihändige Handhabung eines 15x oder gar 18x vergrößernden Glases ist darüber hinaus mit Nachteilen verbunden, die man von konventionellen Feldstechern mit 7 bis 10 facher Vergrößerung ganz einfach nicht gewohnt ist. Vielen, die eines der hoch vergrößernden Ferngläser von Canon zum ersten Mal ausprobieren, ist dies zunächst nicht bewusst. Die Schärfentiefe ist durch die hohe Vergrößerung spürbar geringer. Man muss also bei Fokussierung wie auch bei Benutzung des Dioptrieausgleichs erheblich präziser vorgehen als sonst. Durch die Freihandnutzung fällt dies auch meist stärker auf als z.B. bei einem auf Stativ befestigten Spektiv. Das Spektiv wird in der Regel auf ein Ziel fest ausgerichtet, welches man einstellt und dann im Detail betrachtet. Mit dem frei schwenkbaren Fernglas ist man bei Benutzung am Tage immer in Versuchung eben diese Eigenschaft auch auszunutzen. Beim Abstreichen ausgedehnterer Geländeabschnitte mit reicher Tiefenstrukturierung (Bäume, Gebüsch etc. in unterschiedlichen Entfernungen vorhanden) fällt dann zwangsläufig vorhandene Unschärfe stärker auf. Die relativ kleinen Austrittspupillen machen eine sehr exakte Einstellung des richtigen Augenabstandes notwendig, was durch den schwergängigen und ungewohnten Mechanismus zweier gegeneinander verschiebbaren und aneinander gekoppelten Okulare nicht gerade erleichtert wird. Es verlangt also ein wenig Übung, um die Stärken eines solchen Glases voll nutzen zu können. Für das 18x50 gilt all dies naturgemäß in besonderem Maße.
Es gibt durchaus zufriedene Nutzer des 18x50 IS, darunter z.B. der bekannte Autor Alan Adler. Ich kenne auch jemand, der für Expeditionen in der unwegsamen russischen Tundra, wo man keine Spektiv/Stativkombination herumschleppen kann, ein 15x50 IS benutzte und es nun gegen ein 18x50 eingetauschte. Er ist mit dem 18x50 zufrieden. Beide Gläser haben sich nach seiner Aussage auch unter harten Expeditionsbedingungen bewährt. Ich erkläre mir die unterschiedlichen Bewertungen folgendermaßen. Diese Gläser sind auf ihre Art extreme Konstruktionen, bei denen die Fertigungstoleranzen vermutlich äußerst eng eingehalten werden müssen. Daraus resultiert wahrscheinlich eine gewisse Qualitätsstreuung.

Zurück zum 15x50. Jetzt haben wir die Nachteile wohl einigermaßen zusammen, doch nun kommt das Aber, ein großes ABER:

Den Nachteilen stehen bemerkenswerte Vorteile gegenüber. Das Sehfeld ist für die Vergrößerung sehr groß (67°) und vor allem lässt die Schärfe über nahezu das gesamte Sehfeld nicht nach. Diese weit ausgedehnte Schärfe über das gesamte Sehfeld in Verbindung mit Randschärfe, weitgehend verzeichnisfreier Abbildung und Sehfeldgröße erreicht so schnell kein anderes Glas, jedenfalls nicht aus europäischer Produktion - das muss einmal so deutlich gesagt werden. Die Kontrast- (wichtig für Astronutzung) und Mittenschärfeleistung liegt nur ganz knapp hinter dem Niveau eines, sagen wir großen Leica Trinovids. Ein weiterer willkommener Pluspunkt ist der integrierte Stativanschluss sowie eine jedenfalls für meine Hände trotz aller scheinbaren Klobigkeit bemerkenswert ergonomischen Formgebung, die es mir ermöglicht, das große Glas selbst ohne Stabilisierung relativ gut wackelfrei halten zu können. Dazu eine Randbemerkung: Hier, bei 15x, liegt die Grenze, an der ich ein Glas noch in akzeptabler Weise ruhig halten kann. An dieser Grenze zeigt sich, dass es wie beim Sport so etwas wie Tagesform auch beim Halten von Ferngläsern gibt. Es gibt Tage, da liegt das Glas so ruhig in der Hand, dass ich versucht bin, nachzusehen (es gibt da eine gelbe Leuchtdiode), ob die Stabilierung aktiviert ist. Das ist dann aber regelmäßig nicht der Fall. An anderen Tagen geht ohne Stabilisierung gar nichts. Die im Gegensatz zu den 8x25, 10x30 und 12x36 IS auf Dauerbetrieb einstellbare Stabilisierung ist ein Pluspunkt in Sachen Komfort besonders während längerer Beobachtungsphasen.
Nun sind wir beim eigentlichen Clou oder neudeutsch der "Unique Selling Proposition" dieses Fernglastyps, der Stabilisierung. Sie funktioniert recht gut aber unter Zunahme von verschiedenen Abbildungsfehlern, die hier ja schon genannt wurden. Durch ruhiges Halten lassen sich die Fehler jedoch auf ein Minimum reduzieren mit dem Ergebnis, dass man dort, wo es kritisch wird, mehr Einzelheiten erkennen kann, als mit jedem anderen nicht stabilisierten Glas, egal welcher Preiskategorie. Konkret gesprochen: Ich habe z.B. beim Beobachten von Vögeln aus einer Beobachtungshütte mit dem 15x50 schon die unter Vogelbeobachtern am verbreitesten 10x42 von Zeiss, Leica und Swarovski locker versägt. Ich könnte Details erkennen und beschreiben, die mir keiner glauben wollte - bis zur Nachprüfung im Spektiv. Das 15x50 Canon IS ist jedenfalls in meinem Fall den genannten Gläsern in der Detailerkennbarkeit selbst dann überlegen, wenn diese auf Stativ befestigt sind - vorausgesetzt, das Problem mit den Reflexen bei tiefem Sonnenstand kommt nicht zum Tragen. Schon das 15x50 ist diesbezüglich bereits so gut, dass ich zunehmend dazu übergehe, auf ein Spektiv selbst für Einsätze zu verzichten, für die ich dies eigentlich früher gar nicht vorgesehen hatte. Dazu unten mehr. Es ist tatsächlich so, dass das binokuare Sehen bei 15x die höhere Vergrößerung eines Monokulars/Spektivs bei z.B. 20x zu einem gewissen Teil sozusagen wieder einholt. Beim Beobachten beweglicher Objekte (z.B. fliegende Vögel, Flugzeuge, Satelliten) ist das Canon unschlagbar gut (Ausnahme: Zeiss 20x60S. Das hat aber bei freilich besserer Transmission ein kleineres Gesichtsfeld, ist schwerer, größer und nicht so randscharf wie das Canon). Jedes Schwenken eines Fernglases führt aufgrund der damit verbundenen Bewegungen unweigerlich zu einer Zunahme der Verwackelung. Die Stabilisierung verhindert dies weitgehend, so dass das sich in größerer Entfernung bewegende Objekt förmlich in der Luft zu stehen scheint. Ich weiß, es fällt schwer das zu glauben, doch ich habe es getestet: selbst bei Gebrauch in der Dämmerung gilt: trotz geringerer Transmission schlägt in punkto Erkennbarkeit von Details Vergrößerung Transmission und Austrittspupillengröße jederzeit.
Manchmal scheint es mir, als verwöhne die Bildstabilisierung den Benutzer dergestalt, dass man empfindlicher wird für Verwackelung, wenn man dann wieder ein konventionelles Glas benutzt. Ich bin mir aber nicht sicher, ob infolge einer empfindlicher gewordenen Wahrnehmnung oder lediglich wegen eines verändertes Handlings aufgrund "mangelnder Übung".

Das bisher Gesagte gilt prinzipiell auch für den Gebrauch am Sternenhimmel. Beim Beobachten in der Dunkelheit tritt jedoch ein weiterer Aspekt hinzu. Ich gehe einmal davon aus, dass hier im Forum die Zusammenhänge zwischen Himmelshelligkeit und Größe der Austrittspupille im Hinblick auf die Wahrnehmbarkeit von Himmelsobjekten bekannt sind. Unter hellem Stadt- und Vorstadthimmel kann das Canon aufgrunddessen seine Stärken am besten ausspielen. Die tatsächlich gegenüber anderen Spitzengläsern verringerte Transmission wird dabei durch sehr guten Kontrast in Verbindung mit hoher Vergrößerung wiederum mehr als ausgeglichen. Je dunkler aber der Himmel wird, umso mehr verlangt das Auge des geübten Beobachters nach mehr Austrittspupille. Den eigentlich bedeutsamen Flaschenhals in der praktischen Nutzung für astronomische Zwecke bildet also nicht eine zu geringe Transmission, sondern eine zu kleine Austrittspupille, welche dem weit geöffneten Auge in bemerkbarer Weise einen Teil des Lichts vorenthält. Damit wird ein solches Glas natürlich auch unter dunklem Himmel nicht gleich nutzlos. Der Vorteil der freien Beweglichkeit bei gleichzeitiger relativer Bildruhe, welcher ein äußerst schnelles Auffinden von Objekten am Himmel ermöglicht, bleibt jederzeit bestehen. Die Messierobjekte lassen sich damit z.B. nur so vom Himmel pflücken, wenn man weiß, wo sie sich in etwa befinden.

Wie so häufig in der Optik stehen sich also auch bei dem hier behandelten Gerät verschiedene Vor- und Nachteile gegenüber und es muss individuell abgewogen werden, was überwiegt. Die Frage, ob sich eine Benutzung oder Anschaffung lohnt, hängt einfach davon ab, unter welchen Bedingungen und für welchen Einsatzzweck beobachtet werden soll. Wer z.B. am Tage häufiger längere Strecken in weitläufigem Gelände unterwegs ist, für den überwiegen klar die Vorteile. Das Gleiche gilt für den Hobbyastronomen mit wenig Zeit, der am Feierabend auf Balkon oder Terrasse noch schnell und unkompliziert ein paar interessante Objekte erwischen möchte. Der Preisverfall, dem die Canons zuletzt ausgesetzt waren, hat mir, weil beide genannten Voraussetzungen erfüllt sind, deshalb die Entscheidung leichter gemacht.

Ein letztes Wort an dieser Stelle an die europäischen Hersteller, falls dort jemand mitliest: Kümmert Euch um das Thema Bildstabilisierung und verpasst nicht den Anschluss, denn hier liegt der vielleicht bedeutendste Punkt zukünftiger Weiterentwicklung im Fernglasbau. Auch ich war hier früher eher skeptisch und konservativ eingestellt. Doch die Praxis im Umgang mit einem solchen Gerät hat mich trotz der unbestritten vorhandenen Nachteile ganz einfach überzeugt.

Steve
 
Zustimmung

Auf ganzer Linie einverstanden. Meine oben genanten Kritikpunkte sollten das Glas nicht schlecht machen, sondern nur zu den zuvor von anderen genannten Fragen Stellung nehmen.

Walter E. Schön
 
Re: Zustimmung

Hallo Steve,

ein ganz hervorragender Beitrag, in der Art und Sachkompetenz würde ich mir hier mehr wünschen! Dabei fällt mir auf, daß
ich ganz vergessen habe, zu erwähnen wie und was ich damit beobachtet habe: Regentag, vor der Tür des
Optikerladens, hauptsächlich relativ nahe Objekte so um ca. 10-50m, darunter Schilder mit verschiedenen Schrift-
größen. Wegen des Regentags ist mir bezüglich Reflexen nichts aufgefallen. Kann schon sein, daß man sich an
einige der Eigenschaften mit der Zeit gewöhnt und dann auch damit besser sehen lernt, aber die Unschärfe bei
Schriftproben hat mich schon sehr enttäuscht, da liegt ja gerade die Stärke der Stabitechnik und da hat man
sonst eigentlich bei jedem halbwegs vernünftigen Glas diesen Whow-echt scharf-Eindruck.

Also diesmal von mir nichts zum Thema Astro.

Gruß
 
Re: Canon 10x42L IS

Hallo,

habe gestern bei Foto-Planet in Stuttgart das Ding zum erstenmal gesehen, stand neben den Leicas im Schaufenster.
Also Leute, wenn sich das im Ernst verkaufen soll, dann muß es komplett neu konstruiert werden:
das Teil ist größer (voluminöser) als das Leica 10x50 (und das ist ja auch nicht gerade klein)und auch fast so schwer! Da ist das Canon 10x30IS eine ganz andere Klasse! Was mich in dem Schaufenster als einziges Glas wirklich gereizt hat, war das Leica 8x40 - gerade noch tragbar. Das 30er wäre sogar noch attraktiver - aber das bringt eigentlich gegenüber dem wirklich kleinen und leichten 8x20/10x25 zu wenig (eigentlich nur besserer Einblick und weiteres Gesichtsfeld, dafür doch schon recht sperrig und schwer).

Also für mich damit immer noch das "einzige": 10x30IS
(Preis/Leistung, Handlichkeit, Gewicht, Optik).

Gruß
 
Re: Canon 10x42L IS

Das 10 x 42 muß mann nur einmal benutzt haben und mann gibt es garantiert nie wieder her :-)
 
Re: Canon 10x42L IS

Möchte mal wissen, ob/wann Canon Nachfolger oder Brüder für 15-fach oder höher herstellen wird.
Oder ob z.B. Leica oder Zeiss (nicht das 20x60, das ist wegen zu geringem Augenabstand für Brillenträger unzumutbar!) etwas in der Pipeline haben in dieser Hinsicht (wie das auf Neudeutsch ja heißt)... Mich wundert es ein wenig, dass sich Leica noch nie um dieses spannende Thema gekümmert hat.
 
Re: Canon 10x42L IS

Ich fürchte, da ist weder von Zeiss noch von Leica etwas zu erwarten. Deren Sportoptik-Divisionen müssen unbedingt Geld verdienen - mit exotischen Ladenhütern (weil höchste Qualität, deshalb sehr teuer und wenig gekauft) ist das nicht zu machen.

Walter
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
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