Celestia... ein Weltraum-Simulator

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

MP_Cap

Aktives Mitglied
...oder: wer schon immer mal durch das Universum reisen wollte.

Hallo alle zusammen!

Habt ihr schon mal was was von dieser Software gehört? Ich bin neulich durch Zufall über das Programm gestolpert, hab dann in der Suche hier aber nix dazu gefunden. Da es bestimmt noch einige andere gibt, die von diesem Programm noch nichts gehört haben, möchte ich es mal kurz vorstellen.

Celestia ist eine Art Weltraum-Sternkatalog-Simulator, der als Freeware im Web downloadbar ist. Das fetzige an diesem Programm ist, dass man in einem virtuellen Raumschiff sitzt und dann quer durch das Universum fleigen kann. Dabei ändern sich je nach Position im Raum auch die Sichten auf andere Sterne und Objekte. Fliegt man zum Beispiel mit (simulierter) Überlichtgeschwindigkeit nach Deneb und hat die Anzeige von Sternbildern aktiviert, sieht man während des Fluges, wie sich die uns so vertrauten Figuren zu unkenntlichen Gebilden verzerren. Und so kann es passieren das man sich leicht verirrt, denn das Programm simuliert auch Helligkeitsdifferenzen, absolute Helligkeiten uvm.

Ein Beispiel: Ich bin von der Erde weg zu Regulus geflogen und wollte im Anschluss mich einfach umdrehen und wieder zurück. Aber einfach umdrehen und zurück ist gar nicht so einfach, denn es gibt keine auch nur annähernd bekannten Sternbilder mehr, an denen man sich orientieren kann. Auch an der Helligkeit der Sterne kann man sich nicht zur vermeintlich nahen und damit hellen Sonne durchfinden. Denn irgendwelche sehr schwachen Sterne, die sonst nur im Fernrohr sichtbar sind, werden plötlich zu hellen Riesen auf dem Schirm. Also versuchte ich mich durch anklicken von Sternen zur Sonne "hinzupirschen", also erst zu sonnennahen Sternen und dann schließlich zur Sonne zu kommen. Aber auch hier hilft einem das Wissen manchmal nicht weiter, denn von Regulus aus gesehen ist der erdnahe Alpha Centauri oder Capella nur ein weißer kleiner Lchtfleck. Auch der sonst knallrote Antares lässt sich nicht vor dem Hintergrund der Milchstraße ausmachen... Man wird regelrecht verwirrt von einer Unzahl hellerer Sterne auf dem Monitor, die wie irgendwelche 12 mag Sterne ganz nah oder wie Deneb ganz weit weg sind.
Irgendwie fand ich dann doch zur Erde.

Soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, sind fast der gesamte Hipparchos-Katalog (die sichtbare Grenzgröße ist frei wählbar), der Messier, der NGC und IC-Katalog verzeichnet, alle größeren und kleineren Asteroiden, Monde, die Kometen Halley und Ikeya-Zhang, Objekte im Kuiper-Gürtel, wie Sedna, Eris, Quaoar... Sogar Pluto ist schon nicht mehr als Planet verzeichnet. Für alle bewegten Körper im Sonnensystem sind die Bahnen animiert und für jeden beliebigen Zeitpunkt simulierbar. Auch lässt sich die Zeit anhalten oder beschleunigen. Für jedes Objekt werden genaue Daten wie Größe, Helligkeit, Entfernung, bei Doppelsternen die Komponenten mit Bahnen gezeigt, also eine Planetariumssoftware, bei der man auch die Erde verlassen darf.


Ich will jetzt nicht für dieses Programm irgendwie Werbung machen oder ähnliches. Ich finde es nur sehr interessant, wissenswert und überaus faszinierend, denn man bekommt eine andere Sicht auf das Universum und sieht Größen wie Entfernungen o.ä. mit anderen Augen. Zumal, wann bekommt man schon die Möglichkeit von M81 aus ins Universum oder auf die Milchstraße zu schauen?

Ich möchte jedem Interessierten diese Prgoramm ans Herz legen, denn man kann damit auf eine interessante Reise durch das Universum gehen.


CS Martin
 
..soetwas gab es auch mal von microsoft "space simulator".

hab ich sogar noch irgendwo im keller herumliegen ...... ich glaube das programm war noch auf disketten :)


gruß
andi
 
Hallo Martin,

ja, solche Programme (ich kenn auch noch den guten, alten Space Simulator) haben einen gewissen Reiz. Ehrlich gesagt für mich aber nur ca. 15 Minuten lang (die nervig lange Installtionszeit beim Space-Simulator nicht mitgerechnet...). Danach frage ich mich dann sehr schnell: "Ja, und?"

Die von Dir beschriebene "Reise" nach Daneb und zurück zeigt imho sehr schön die Faszination und Schwäche dieser Programme auf: Am Anfang ist es toll, das Universum aus einer völlig anderen Perspektive zu sehen, dann merkt man aber sehr schnell, dass man das gar nicht tut! Man sieht in diesen Programmen ja nichts anderes, als das, was man von der Erde aus auch sieht - nur eben "ein bischen verzerrt". Fiese Frage wäre: "Wie viele und was für Planeten hat denn nun Daneb?".
Es handelt sich eben gerade nicht um eine "Simulation" des Universums, sondern nur um eine Visualisierung des von uns aus sichtbaren Teils. Das ist genau so, wie wenn Du aus einem Photo der Frontansicht eines Schlosses einen virtuellen Rundflug um dieses Schloss rekonstruieren willst: Mit ein paar einfachen (und auch komplizierteren) Regeln und Annahmen kommst Du schon beeindruckend weit (so ist es z.B. in der Regel möglich ein dreidimensionales Modell der Fassade zu rekonstruieren und mit ein bischen Glück "errät man sogar halbwegs passable Texturen für auf dem Photo unsichtbare Flächen). Dennoch wird es nie gelingen, in so einer "Simulation" einen auch nur ansatzweise brauchbares Bild vom Garten zu erzeugen, weil man diese Information einfach nicht hat.
Ich habe Celestia noch nicht ausprobiert, aber bekommt es wenigstens die "einfachste Übung" hin, an der der MSS schon gescheitert ist: Beim Anflug auf die Erde von der Mondseite aus die richtige, also die erdabgewandte Seite des Mondes zu zeigen?

Gruss,
Florian


P.S.: Nur der Neugier halber: Wie sieht es denn bei Celestia mit dem eigentlich ganz gut simulierbaren Teil, also dem eigentlichen Raumflug aus. Wenn man nämlich hier auch nur halbwegs realistisch zu Werke geht, dann stellt man (und hier ist der echte Lerneffekt imho auch sehr groß) einige ganz praktische Effekte des Interstellaren Raumfluges fest (selbst wenn man mal ganz Enterprise-like davon ausgeht, dass Warp 12 kein wirkliches Problem ist...): So wäre es in der Praxis, selbst wenn man das von Dir beschriebene Problem die Erde zu finden einmal gelöst hat, gar nicht so einfach, auch tatsächlich bei der Erde anzuhalten - zumindest nicht ohne Autopilot! Denn entweder die Reise Daneb-Erde dauert ewig lange, oder man ist bei entsprechender Geschwindikeit schneller an der Erde vorbeigerast, als man "Piep" sagen kann.

 
Hi!

Celestia kenn ich und hab's auch schon ein paar mal für Führungen eingesetzt. Wenn Du in Echtzeit zu den Sternen fliegen willst, nimm Orbiter - den gibt's allerdings nur für den PC.
Celestia ist wunderbar geeignet, um einen Rundflug durch das Planetensystem zu machen - Rein- und Rauszoomen wie im Fernsehen, Planetenbahnen anzeigen (genau wie die von Kometen und Satelliten), und dann ran an die Planeten und ihre Monde. So die Jupitermonde vorzuführen, soweit Bilder vorhanden sind, macht schon Spaß. Parallel dazu auf einer zweiten Leinwand Dias von Raumsonden und Landern zeigen, und da geht richtig was. Auch Bilder zum Beispiel der Voyager-Sonde bei Uranus sind damit kein Problem - und man kann die Bahn auch in Echtzeit verfolgen. Wenn Du Kurskorrekturen machen willst, ist Orbiter aber deutlich besser geeignet - in Celestia bewegt man primär die Kamera und kein Raumschiff, kann aber welche mit bekannten Bahnen verfolgen. Um das Sonnensystem zu erkunden und darzustelllen, ist Celestia auf jeden Fall klasse. Es gibt auch eine Reihe fertiger "Führungen" - anschauen lohnt sich.
Ebenfalls sehr eindrucksvoll ist es, mal aus der Galaxis rauszuzoomen und die komplette lokale Gruppe zu zeigen - und dann ein Flug zur Sonne im Stil von 10hoch.
Bei Deep-Sky-Objekten wie Nebeln oder Kugelsternhaufen versagt es allerdings, denen sollte man nicht zu nahe kommen. Hier fehlen die 3d-Infos, stattdessen gibt's seltsam verzerrte Fotos.

Die andere klasse Freeware-Simulation, die ich für Führungen gerne verwende, ist Stellarium - ein Programm, das den Himmelsanblick von der Erde aus sehr schön zeigt und Einzoomen auf Deep-Sky-Objekte ermöglicht. Fast wie im Planetarium. Auch hier läuft gerne der Diaprojektor nebenher.

Gruß,
Alex
 
Hallo ihr drei!

Danke erstmal für eure Antworten! Das es solche Programme schon früher gab, hab ich mir fast schon gedacht. Ich hatte nur nie an sowas gedacht oder geschweige denn dananch gesucht. Ich bin nur durch Zufall auf dieses Programm gestoßen und war beeindruckt davon, das uns bekannte Universum aus einer anderen Perspektive zu sehen. Denn ich finde es irgendwie spannend, mal die Sonne von Antares aus zu sehen oder so weit rauszuzoomen, dass man die Struktur der Superhaufen erkennt. Das Programm hat an manchen Stellen auch seine Schwächen, z.B. auf Kugelsternhaufensuche in M31 kann man nicht gehen. Wie auch.
Ich fand es halt nur interessant zu sehen, wie sehr unser Bild vom Universum doch von unserem Standpunkt auf der Erde abhängt und man sehr schnell verwirrt ist, wenn man wo anders ist, wenn ihr versteht, was ich meine. Ob das von Nutzen ist, sei mal dahingestellt. Es ist halt einfach nur nett. Und ich dachte, ich zeig das mal anderen, die sowas vll noch nicht gesehen haben.

@Florian: Ich hab das mal ausprobiert, beim Anflug vom Mond wird die richtige Seite gezeigt. Und die Steuerung de Kamera beim Rückflug von Deneb ist eigentlich auch leicht. Ist man in der Nähe der Sonne, bremst man die Kamera einfach auf z.b. 2AE/s runter. Oder was meinst du damit?


CS Martin
 
Hi!

Mir ist grad noch ein hübsches Programm eingefallen, das die Verteilung von Deep-Sky-Objekten anschaulich visualisiert (aber völlig anders als Celestia, eher trocken): Where is M13 auf http://www.thinkastronomy.com/M13/index.html . Das ermöglicht zwar keinen anderen Standpunkt, zeigt aber, wo was in der Galaxis liegt.

Gruß,
Alex
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben