Ceres unter der "Lupe" ;)

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adastra1973

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BB vom 14.01.2013

Hallo,

Frank und ich verabredeten uns, in der Hoffnung auf eine Klare Nacht. Und das unglaubliche passierte. Gegen 19.00 Uhr war der Himmel am 14.01. sternenklar.
Der 10" ACF 073 (Strehl ) und der 4,5" LZOS TMB 083 (Serial No.) standen schon vorgekühlt bereit und heute durfte auch wieder einmal die Vixen SXD / FS2 an den Start. Franks neue Kamera wollte schließlich geführt werden.

Die ersten einenhalb Stunden verbrachte ich bei munterem Teleskopwechsel zu Testzwecken an Jupiter und dem Trapez. Schließlich durfte wieder der 10" ACF zum Himmel blicken.

Die Durchsicht war perfekt und die Luftruhe gut, so dass an beiden Geräten Vergrößerungen bis 230x bzw. 300x förderlich waren. (Fst ca. 6,5)
Gegen 21.15 Uhr holte ich meine Zeichenutensilien. Frank traf ein und durfte mir noch ein wenig über die Schulter schauen. Gegen 21.30 Uhr war meine Zeichnung von Jupiter fertig. Es waren viele feine Details zu erkennen. Die bessere Auflösung des SC kann hier ein paar Punkte gegenüber dem starken Kontrast im TMB holen.

Anschließend wurde die Kamera an den ACF geflanscht und RGB - Aufnahmen mit jeweils 2000 Bildern geschossen. Die ersten Ansichten der Aufnahmereihen nach einer quick and dirty Bearbeitung während unserer Aufwärmpause gegen 23.00 Uhr verheißen gutes!

Unser Ziel war zunächst jedoch der Kleinplanet Ceres, den wir über die Koordinaten schnell eingestellt hatten. Mit hoher Vergrößerung (ca. 420x) konnten wir ein gelblich leuchtendes Scheibchen (ähnlich den Jupitermonden) erkennen. Er war definitv nicht stellar und wir verfolgten ihn begeistert. Unser erster Kleinplanet!!!

Die PN´s NGC 2022 und PK 190-17.1 stellte ich auch ein, damit Frank sie sich ansehen konnte. Hier konnte sein OIII Filter sein first light feiern.
Neben dem Eskimo stellten wir noch M 46 mit dem PN im Haufen ein und erfreuten uns an NGC 2903, der hellsten Glx im Löwen. Zwischendurch wurde Castor im wahrsten Sinne des Wortes gewaltig auseinandergenommen. An solch einem Doppelsternbeugungsbild (wenn man das so nennen darf) kann man sich einfach erfreuen.

Ein anstehender Europadurchgang am Gasriesen musste um Mitternacht noch einmal mit der Kamera festgehalten werden und auch das Trapez des Orion blieb nicht verschont. Vielleicht kann Frank den G-Pu... äh... das G-Sternchen herausarbeiten.

Bei mittlerweile knackigen -7° C hatten wir noch nicht genug! Erstaunlich war, dass die Schmidtplatte immer noch durchhielt und klar war. Die Gerätschaften waren dick mit Eiskristallen überzogen. Nun wrude der 115/805 TMB mit und ohne Bino auf Jupiter losgelassen. Er hatte schließlich bis jetzt in der Kälte ausharren müssen. Der tolle Kontrast und das "warme" Bild mit den zahlreichen Feinheiten war wieder überwältigend. Es ist nicht mit der Abbildung des ACF zu vergleichen. Dieser hat ein viel helleres, einfach anderes Planetenbild. Durch die Möglichkeit höher zu vergrößern und dem Mehr an Öffnung hat der ACF was Detailerkennung betrifft die Nase vorne. Man muss sich aber genau Konzentrieren. Beim Apo ist alles was geht gleich sichtbar. Die Grenze liegt bei 230x aber die Ästhetik ist halt was besonderes.

Mit eisigen Fingern war der Wechsel der Gerätschaft nicht unbedingt leicht. "Was war das einfach, als ich an meinem ersten Newton nur drei Okulare hatte", schmunzelte ich. Heute braucht man einen ganzen Koffer und Okuarpäärchen!"

Um kurz vor 2.00 Uhr war dann Schluss. Glücklich und zufrieden beendeten wir unsere Beobachtungsnacht.

CS Uwe
 

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Hallo Uwe,

Gratulation zu euren Beobachtungen. Hier im SW ist es schon seit einiger Zeit Essig. Zu der Ceres-Beobachtung möchte ich folgendes sagen. Du schreibst:

Zitat von adastra1973:
Unser Ziel war zunächst jedoch der Kleinplanet Ceres, den wir über die Koordinaten schnell eingestellt hatten. Mit hoher Vergrößerung (ca. 420x) konnten wir ein gelblich leuchtendes Scheibchen (ähnlich den Jupitermonden) erkennen. Er war definitv nicht stellar und wir verfolgten ihn begeistert. Unser erster Kleinplanet!!!

Ohne eure Begeisterung bremsen zu wollen. Die 4 hellen Jupitermonde sind allesamt doch noch ein Stückchen größer im scheinbaren Durchmesser. Der kleinste (Europa) hat derzeit ca. 0,99 Bogensekunden Durchmesser. Ceres aktuell nur 0,71 Bogensekunden und ist daher sehr gut mit Titan vergleichbar.

Der Erkennbarkeit des Scheibchens ist bei guten Bedingungen möglich, aber deutlich weniger ausgeprägt als bei den Jupitermonden.

Viele Grüße
Werner
 
Hallo Uwe,

sehr schöne Beobachtungsbeschreibung von Ceres! Wir hatten vor ein paar Tagen auch Ceres auflösen können, sowohl mit einem C9 als auch meinem 22" Dobson. Mit dem großen gelang es dann auch bei Vesta (ist ja grad nebendran, 0.5" groß) eindeutige Unterschiede zu gleich hellen Sternen zu sehen. Gerade bei Vesta war es nicht unbedingt die zentrale Scheibchengröße, die unterschiedlich war zum Vergleichsstern, sondern die Beugungseffekte in den Speckles, die bei Vesta größtenteils fehlten.

Bericht ist hier
http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=144934

Viele Grüße
Reiner
 
Hallo Reiner,

sehr interessante Beobachtung! Kann ich bei großer Öffnung nachvollziehen. Seeing muss nur gut genug sein. Bei 22" liegt die theoretische Auflösung sowieso weit unter 0,5", also muss es auch von diesem Aspekt her einen minimalen Unterschied geben, der aber sehr subtil ist.

Ich vergleiche das ein wenig mit einem tiefer stehenden Neptun. Da kann es abhängig vom Gewabere auch schwierig werden, den auf Anhieb von einem Stern mit ähnlicher "Farbtemperatur" sofort zu unterscheiden. Allerdings finden sich meist keine gleich hellen Sterne, welche dazu noch blaugrün leuchten im näheren Umfeld. Aus diesem Grund ist es meist nicht ganz so schwer, beim 2. Hingucken dann doch den Planeten eindeutig zu identifizieren. Und da ist ja auch noch Triton... ;) Bei etwas besserem Seeing ist es eh gar kein Problem.

Konntest du im Vergleich zum Stern zusätzlich auch ein minimal reduziertes Flimmern/Wabern bei Vesta sehen? Das sollte auch ein Unterscheidungskriterium bei gutem Seeing sein, zumindest theoretisch. Ich selbst habe das bei so kleinen Scheibchendurchmessern noch nicht ausprobiert. Werde ich bei Gelegenheit mal nachholen. Von Titan her ist es mir sehr geläufig, den bei sehr guten Bedingungen (Seeing deutlich besser als 1") ziemlich einfach als schönes, orangefarbenes Scheibchen zu sehen.

Viele Grüße
Werner
 
Hallo Werner und Reiner,

danke für eure Ausführungen. Meine Beschreibung, dass Ceres wie ein Jupitermöndchen aussah sollte nur klarstellen, dass Ceres deutlich als Scheibchen erkennbar war, so wie eben Monde von Planeten auch. Auch die Beugungserscheinungen erschienen ähnlich denen der Jupitermonde. (Dieses Beispiel war mir halt am Naheliegendsten).

Wir hatten ja gar nicht damit gerechnet und waren ob unserer Beobachtung überrascht.
Die Bedingungen waren mit guter Luftruhe und hoher Himmelstransparenz überdurchschnittlich. Jupiter war selbst bei 300x im ACF noch knackscharf, was normalerweise eher nicht der Fall ist. Er ist ja das "Sensibelchen" unter den Planeten.

In meinem Heimatforum wurde von Ralf auch schon auf dieses Beobachtungsphänomen hingewiesen:

http://forum.astronomie.de/phpapps/...ics/979753/Re_Ceres_unter_der_Lupe#Post979753

vielleicht hilft das weiter.

Gruß Uwe




 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Zitat von ws_mak12:
Bei 22" liegt die theoretische Auflösung sowieso weit unter 0,5", also muss es auch von diesem Aspekt her einen minimalen Unterschied geben, der aber sehr subtil ist.

Der Unterschied ist eben alles andere als subtil! Und das wird ja auch von allen bestätigt, die sich Ceres oder Vesta oder Titan mal genauer angeschaut haben.

Und wie ich oben schon geschrieben habe: Den Unterschied zwischen den Kleinplaneten/Monden und Vergleichssternen würde ich gar nicht so sehr am Scheibchendurchmessser fest machen, sondern an den stark verminderten Fringes in den Speckles. Sieht man an den Aufnahmen, die in dem Nachbarthread verlinkt sind, eigentlich auch ganz gut. Eine wirklich zufrieden stellende Erklärung habe ich aber auch nicht dafür.

Viele Grüße
Reiner
 
Hallo Reiner,

bei Titan ist der Unterschied bei entsprechend gutem Seeing sehr signifikant. Das geht hier auch bereits über den Durchmesser, welcher deutlich größer als ein Stern ist. Habe ich oben ja schon erwähnt. Bei Ceres muss es genauso sein, da aktuell gleicher scheinbarer Durchmesser wie Titan. Ceres habe ich vor vielen Jahren einmal beobachtet, achtete damals auf diese Nuancen damals noch nicht.

Vesta habe ich mir noch nicht angeschaut. Von daher kann ich da selbst nichts sagen. Mich hätte es auch interessiert, ob neben den verminderten Fringes in den Speckles der Kleinplanet in einem etwas ruhigeren Licht strahlt (weniger Gewabere) als ein gleich heller Stern in der Nähe. Dann hätte man noch ein zusätzliches Unterscheidungskriterium.

Viele Grüße
Werner

 
Hallo Werner.


Ist dir mit deinem 450er bei Titan eine Randverdunkelung aufgefallen?


Viele Grüße,

Guntram
 
Hallo Guntram,

hmm, da frägst du mich etwas.

Den besten Titan jemals habe ich genau vor 7 Jahren auf der WSP in Florida bei Seeing besser als 0,5" gesehen. Das Instrument war damals ein sehr schöner 18" mit Optik vom gleichen Hersteller wie jetzt mein eigener. Ich kann mich nicht mehr an alle Details erinnern, zumal natürlich Saturn incl. der Ringe selbst der absolute Blickfang war. Bei diesem extrem guten Seeing wäre es natürlich leichter gewesen, wenigstens ansatzweise diese wellenlängenabhängige Randverdunkelung zu erkennen. Titan stand wie angenagelt im Feld, bei Höchstvergrößerung. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das überhaupt mit Amateurinstrumenten möglich ist, bzw. welche Seeingbedingungen man dazu benötigt.

Inzwischen hatte ich einige andere Gelegenheiten, Titan bei (für unsere Verhältnisse) sehr guten Bedingungen zu beobachten. Für mich war es schön, das deutlich orangefarbene Scheibchen zu sehen. Auf mehr habe ich allerdings nicht geachtet.

Viele Grüße
Werner
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo,Uwe, interessanter Beobachtungsbericht von Ceres, habe diesen Kleinplaneten noch nie selber beobachtet. ulrike77
 
Hallo Werner,

1907 hat Josep Comas i Solà, ein spanischer Astronom, die Randverdunkelung von Titan beobachtet und daraus auf eine Atmosphäre geschlossen.
Leider weiß ich nicht, mit welcher Öffnung er dies geschafft hat.

Es wäre für die fortgeschrittenen Planetenfotografen vielleicht einmal reizvoll, Titan ins Visier zu nehmen.

Aber jetzt wird es off topic.


Viele Grüße,

Guntram
 
Moin Guntram!

> Leider weiß ich nicht, mit welcher Öffnung er dies geschafft hat.

...mit 'nem 38-cm-Refraktor (15") und 550-750facher Vergrößerung.
Der Bericht ist in den AN von 1908 veröffentlicht. Wer des Französischen mächtig ist, kann ja mal nachlesen. (Ich kann's nicht, also hoffentlich habe ich das richtig interpretiert! :gutefrage: )

--> http://adsabs.harvard.edu/full/1908AN....179..289C
 
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