michaelstelzer
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Quierschied ( ca. 10 km von Saarbrücken entfernt ), am 18.08.2004
Bereits am Nachmittag sah der Himmel vielversprechend aus. Tiefes Blau, wenig Bewölkung, und kaum Wind.
Suuuper, endlich mal wieder Spechtelwetter. Wie sich später rausstellen sollte, war dieser Gedanke ein Griff ins Klo.
Gegen 17.00 Uhr saß ich also am Rechner, um mir auf heavens-above.com den Himmel für den kommenden Abend mal flüchtig anzuschauen, um die entsprechenden Gebiete dann näher auf meinem Sternatlas zu studieren.
Jaja, das liebe Gedächtnis kann einen schon im Stich lassen, wenn man seit knapp 2 Monaten nicht einmal mehr gespechtelt hat, da kennt man nicht einmal mehr die besten Objekte des Spätsommerhimmels.
Nun ja, ich war schon voller Vorfreude, wollte mich also an meinen Star-atlas machen, als mir irgendetwas sagte, ich solle doch noch einmal die Wettervorhersage kontrollieren. Ich weiß mir auch keinen Rat, ich habe bis jetzt eigentlich nie Stimmen in meinem Kopf gehört ( gut, bis auf jene, die mir immer befehlen, neues Astrozubehör zu kaufen, womit meine Eltern dann meist ganz und gar nicht einverstanden sind…)
Voll innerer Spannung und Vorfreude gehe ich also auf wetter.com, und was lacht mir da in pathetischem Rot entgegen ???? Eine Unwetterwarnung für mein Gebiet. Das darf nicht wahr sein. Ganz Deutschland scheint gutes Wetter zu haben, und die paar Wolken versammeln sich offensichtlich über Saarland und Rheinland-Pfalz.
Damit war meine gute Stimmung natürlich im Eimer. Ich rede mir zwar immer wieder ein, dass die Wetterfrösche auch mal Fehler machen können, aber dass diese Fehler leider viel zu oft ins Schwarze treffen…….
So stehe ich also mit einem mulmigen Gefühl auf der Terrasse und schaue gen Osten, wo sich am Horizont ein paar Quellwolken den Weg bahnen. Über mir alles strahlend blau.
Mittlerweile ist es 18.00 Uhr, und eine erste Brise beginnt zu wehen.
Schließlich ist es mir doch zu heikel, die Instrumente aufzubauen - die Vernunft hat gesiegt -, und warte ab was passiert.
Ich finde, es ist irgendwie ein erniedrigendes Gefühl, 2 Stunden auf der Terrasse zu sitzen, sich mit seinem Verstand zu streiten, ob man die Instrumente nun aufbauen soll oder nicht, und dabei zu hoffen und zu bangen, dass das Wetter doch nur stabil bleibt.
Schließlich geht nichts über einen sternklaren Himmel. Eine Aussage, die unter Amateurastronomenkreisen wohl allgemeine Gültigkeit hat. Doch etwa 2 Stunden später sollte ich eines Besseren belehrt werden.
Der Blick wanderte immer vom Horizont auf die Uhr, und wieder zum Horizont usw. immer in der Hoffnung, dass sich an der jetzigen Situation nichts ändert.
( Andere gehen spazieren, machen einen Kaffeeklatsch mit der Großmutter während ich hier saß und in einen fragwürdigen Himmel blickte. Bin ich eigentlich bekloppt ? [ Ich verbitte mir jegliche Antwort auf diese Frage weder im Thread noch als PN !!!!!!!!!!])
Nun, gegen 18.30 entdeckte ich zu meiner großen Verzweiflung erste dunkle Wolken am Horizont, die sich zu meiner immer größer werdenden Verzweiflung in meine Richtung schoben. Langsam aber stetig.
Mit der Laune war es endgültig vorbei.
Ich setze mich also wieder an den Rechner, und versuche, den Frust irgendwie zu unterdrücken. Nach etwa einer Stunde des Schmollens schaue ich noch einmal aus dem Fenster…und mir klappt erst einmal der Kiefer runter.
Aus der Richtung, aus der vor ca. einer Stunde die ersten dunklen Wolken kamen, schieben sich jetzt extrem dunkle Gewitter-und Regenwolken in Richtung des Hauses.
Ich denke mir also, dass man aus der verlorenen Beobachtungsnacht noch etwas machen soll, und beschließe also, das Gewitter zu dokumentieren. Also Kamera geschnappt, auf das Stativ geschnallt, dazu ein Blatt Papier und einen Stift.
Die Dunkelwolken ziehen von Südwest nach Nordost. Paradoxerweise aber nur auf der einen Seite des Himmels. Die andere ist, ob man es glaubt oder nicht noch mehr oder weniger blau, und nur mit ein paar Wolkenfetzen durchzogen.
Gegen 21.10 beginnt dann das eigentliche Schauspiel : es entstehen partielle „Extremverfinsterungen“ des Himmels, wie ich sie auch erst ein paar Mal in meinem Leben gesehen habe. Dazu kommen schon vereinzelte Blitze, die allerdings noch zu weit entfernt sind, als dass man sie fotografieren könnte.
Ca. 5 Minuten später beginnt sich der ganze Himmel zu verfinstern, und am westlichen Horizont zucken extrem häufig Blitze vom Himmel. Ab jetzt wurde es wirklich eindrucksvoll. Nach und nach zieht das Zentrum des Gewitters immer näher, bis schließlich der gesamte Himmel aus allen Richtungen von Blitzen erhellt wird. Dazu kommen starke Sturmböen mit Hagel, der wild gegen die Fensterscheibe prasselt.
Gegen 21.20 Uhr herrscht absolute Weltuntergangsstimmung. Der Himmel sieht aus wie im Film „Twister“ - nur Gott sei dank ohne die Tornados -. Die massiven Bäume in der Umgebung werden von strömenden Regen- und Hagelmassen von dem Wind so sehr hin und her geschüttelt, dass sie meines Erachtens nicht mehr viel mehr ausgehalten hätten. Die Windstärke, die ich an den Baumbewegungen erahnen kann, schätze ich auf 6-7 (!)
Gegen 21.25 merkt man deutlich, dass das Zentrum nicht mehr weit von uns entfernt ist. Blitze zucken immer noch am ganzen Himmel, besonders stark sind sie jedoch aus der Richtung WNW.
Der Sturm gewinnt zum Glück nicht an Intensität.
Ich will gerade meine Kamera fertig machen, um ein erstes Bild zu schießen, als urplötzlich ein Blitz nur knapp 300-400 m von unserem Haus entfernt in ein Feld einschlägt. Weniger als eine Sekunde später erreicht mich das furchtbar laute und helle, dann plötzlich ins dunklere abfallende Krachen des Blitzes. Die Druckwelle lässt die Scheibe meines Fensters leicht vibrieren. Ich erschrecke unwillkürlich. Das Zentrum des Gewitters ist nun genau über uns !
Spätestens an diesem Punkt wird einem mulmig und auch ein wenig flau im Magen. Dennoch gelingt es mir, die Kamera fertig zu machen, und mit den Belichtungen zu beginnen.
Ein Bild nach dem Anderen wird etwa 5-10 Sekunden belichtet, immer in der Hoffnung, dass sich solch ein Blitz wiederholt. Dies ist leider nicht mehr der Fall.
Allerdings gelingt es mir, einige weiter entfernte Blitze auf Film zu bannen.
Insgesamt 9 Bilder verknipse ich, bevor ich die Kamera wieder einpacke. Der schlimmste ( oder schönste Teil ) ist zu Ende, und das Gewitter verzieht sich wesentlich schneller als es gekommen ist.
Wohl kein wirklicher Ersatz für eine Beobachtungsnacht, aber dennoch ein sehr aufregendes Naturschauspiel ! Die Bilder werde ich in den nächsten Tagen in die Entwicklung geben, und hoffen, dass brauchbare Bilder dabei sind.
Auf jeden Fall werde ich bei jedem Gewitter nun die Digitalkamera griffbereit haben.
In diesem Sinne
Viele sternklare Nächte, und hin und wieder ein Gewitter <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Grüße
Michael
Bereits am Nachmittag sah der Himmel vielversprechend aus. Tiefes Blau, wenig Bewölkung, und kaum Wind.
Suuuper, endlich mal wieder Spechtelwetter. Wie sich später rausstellen sollte, war dieser Gedanke ein Griff ins Klo.
Gegen 17.00 Uhr saß ich also am Rechner, um mir auf heavens-above.com den Himmel für den kommenden Abend mal flüchtig anzuschauen, um die entsprechenden Gebiete dann näher auf meinem Sternatlas zu studieren.
Jaja, das liebe Gedächtnis kann einen schon im Stich lassen, wenn man seit knapp 2 Monaten nicht einmal mehr gespechtelt hat, da kennt man nicht einmal mehr die besten Objekte des Spätsommerhimmels.
Nun ja, ich war schon voller Vorfreude, wollte mich also an meinen Star-atlas machen, als mir irgendetwas sagte, ich solle doch noch einmal die Wettervorhersage kontrollieren. Ich weiß mir auch keinen Rat, ich habe bis jetzt eigentlich nie Stimmen in meinem Kopf gehört ( gut, bis auf jene, die mir immer befehlen, neues Astrozubehör zu kaufen, womit meine Eltern dann meist ganz und gar nicht einverstanden sind…)
Voll innerer Spannung und Vorfreude gehe ich also auf wetter.com, und was lacht mir da in pathetischem Rot entgegen ???? Eine Unwetterwarnung für mein Gebiet. Das darf nicht wahr sein. Ganz Deutschland scheint gutes Wetter zu haben, und die paar Wolken versammeln sich offensichtlich über Saarland und Rheinland-Pfalz.
Damit war meine gute Stimmung natürlich im Eimer. Ich rede mir zwar immer wieder ein, dass die Wetterfrösche auch mal Fehler machen können, aber dass diese Fehler leider viel zu oft ins Schwarze treffen…….
So stehe ich also mit einem mulmigen Gefühl auf der Terrasse und schaue gen Osten, wo sich am Horizont ein paar Quellwolken den Weg bahnen. Über mir alles strahlend blau.
Mittlerweile ist es 18.00 Uhr, und eine erste Brise beginnt zu wehen.
Schließlich ist es mir doch zu heikel, die Instrumente aufzubauen - die Vernunft hat gesiegt -, und warte ab was passiert.
Ich finde, es ist irgendwie ein erniedrigendes Gefühl, 2 Stunden auf der Terrasse zu sitzen, sich mit seinem Verstand zu streiten, ob man die Instrumente nun aufbauen soll oder nicht, und dabei zu hoffen und zu bangen, dass das Wetter doch nur stabil bleibt.
Schließlich geht nichts über einen sternklaren Himmel. Eine Aussage, die unter Amateurastronomenkreisen wohl allgemeine Gültigkeit hat. Doch etwa 2 Stunden später sollte ich eines Besseren belehrt werden.
Der Blick wanderte immer vom Horizont auf die Uhr, und wieder zum Horizont usw. immer in der Hoffnung, dass sich an der jetzigen Situation nichts ändert.
( Andere gehen spazieren, machen einen Kaffeeklatsch mit der Großmutter während ich hier saß und in einen fragwürdigen Himmel blickte. Bin ich eigentlich bekloppt ? [ Ich verbitte mir jegliche Antwort auf diese Frage weder im Thread noch als PN !!!!!!!!!!])
Nun, gegen 18.30 entdeckte ich zu meiner großen Verzweiflung erste dunkle Wolken am Horizont, die sich zu meiner immer größer werdenden Verzweiflung in meine Richtung schoben. Langsam aber stetig.
Mit der Laune war es endgültig vorbei.
Ich setze mich also wieder an den Rechner, und versuche, den Frust irgendwie zu unterdrücken. Nach etwa einer Stunde des Schmollens schaue ich noch einmal aus dem Fenster…und mir klappt erst einmal der Kiefer runter.
Aus der Richtung, aus der vor ca. einer Stunde die ersten dunklen Wolken kamen, schieben sich jetzt extrem dunkle Gewitter-und Regenwolken in Richtung des Hauses.
Ich denke mir also, dass man aus der verlorenen Beobachtungsnacht noch etwas machen soll, und beschließe also, das Gewitter zu dokumentieren. Also Kamera geschnappt, auf das Stativ geschnallt, dazu ein Blatt Papier und einen Stift.
Die Dunkelwolken ziehen von Südwest nach Nordost. Paradoxerweise aber nur auf der einen Seite des Himmels. Die andere ist, ob man es glaubt oder nicht noch mehr oder weniger blau, und nur mit ein paar Wolkenfetzen durchzogen.
Gegen 21.10 beginnt dann das eigentliche Schauspiel : es entstehen partielle „Extremverfinsterungen“ des Himmels, wie ich sie auch erst ein paar Mal in meinem Leben gesehen habe. Dazu kommen schon vereinzelte Blitze, die allerdings noch zu weit entfernt sind, als dass man sie fotografieren könnte.
Ca. 5 Minuten später beginnt sich der ganze Himmel zu verfinstern, und am westlichen Horizont zucken extrem häufig Blitze vom Himmel. Ab jetzt wurde es wirklich eindrucksvoll. Nach und nach zieht das Zentrum des Gewitters immer näher, bis schließlich der gesamte Himmel aus allen Richtungen von Blitzen erhellt wird. Dazu kommen starke Sturmböen mit Hagel, der wild gegen die Fensterscheibe prasselt.
Gegen 21.20 Uhr herrscht absolute Weltuntergangsstimmung. Der Himmel sieht aus wie im Film „Twister“ - nur Gott sei dank ohne die Tornados -. Die massiven Bäume in der Umgebung werden von strömenden Regen- und Hagelmassen von dem Wind so sehr hin und her geschüttelt, dass sie meines Erachtens nicht mehr viel mehr ausgehalten hätten. Die Windstärke, die ich an den Baumbewegungen erahnen kann, schätze ich auf 6-7 (!)
Gegen 21.25 merkt man deutlich, dass das Zentrum nicht mehr weit von uns entfernt ist. Blitze zucken immer noch am ganzen Himmel, besonders stark sind sie jedoch aus der Richtung WNW.
Der Sturm gewinnt zum Glück nicht an Intensität.
Ich will gerade meine Kamera fertig machen, um ein erstes Bild zu schießen, als urplötzlich ein Blitz nur knapp 300-400 m von unserem Haus entfernt in ein Feld einschlägt. Weniger als eine Sekunde später erreicht mich das furchtbar laute und helle, dann plötzlich ins dunklere abfallende Krachen des Blitzes. Die Druckwelle lässt die Scheibe meines Fensters leicht vibrieren. Ich erschrecke unwillkürlich. Das Zentrum des Gewitters ist nun genau über uns !
Spätestens an diesem Punkt wird einem mulmig und auch ein wenig flau im Magen. Dennoch gelingt es mir, die Kamera fertig zu machen, und mit den Belichtungen zu beginnen.
Ein Bild nach dem Anderen wird etwa 5-10 Sekunden belichtet, immer in der Hoffnung, dass sich solch ein Blitz wiederholt. Dies ist leider nicht mehr der Fall.
Allerdings gelingt es mir, einige weiter entfernte Blitze auf Film zu bannen.
Insgesamt 9 Bilder verknipse ich, bevor ich die Kamera wieder einpacke. Der schlimmste ( oder schönste Teil ) ist zu Ende, und das Gewitter verzieht sich wesentlich schneller als es gekommen ist.
Wohl kein wirklicher Ersatz für eine Beobachtungsnacht, aber dennoch ein sehr aufregendes Naturschauspiel ! Die Bilder werde ich in den nächsten Tagen in die Entwicklung geben, und hoffen, dass brauchbare Bilder dabei sind.
Auf jeden Fall werde ich bei jedem Gewitter nun die Digitalkamera griffbereit haben.
In diesem Sinne
Viele sternklare Nächte, und hin und wieder ein Gewitter <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Grüße
Michael