Chromatische Aberration oder Sensortilt?

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radiofotograf

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Hallo,

ich hatte neulich in einer Lücke mal eine Stunde auf M5 gehalten:
M5_crop.jpg

Dies ist ein 100% Crop aus der Bildmitte, denn mit meinem FRA300 und APS-C ist der Sternhaufen natürlich relativ klein. Im Prinzip sah das erstmal gar nicht so schlecht für mich aus (evt. ein bisschen überbelichtet), aber dann habe ich gesehen, dass viele Sterne einen Halo in der folgenden Art haben:
1682024333416.png

Erst hatte ich gedacht, dass das die typischen Farbfehler meines Refraktors sind, aber das ist aus der Bildmitte und alle Sterne in haben das Blau oben und sind unten rötlich. Linsenfehler sollten doch radialsymmetrisch sein, oder? Könnte das durch Sensortilt verursacht werden?

Der Siril-Tilt Inspektor gibt folgendes aus:
1682024492603.png

Ein gewisser Tilt ist also vorhanden, aber mir fehlt die Erfahrung, um einschätzen zu können, ob das ein starker Tilt ist und vor allem, ob das die obigen Fehler überhaupt erklären könnte.

In einem anderen Forum habe ich auch noch gelesen, dass atmosphärische Abberation zu Farbfehlern führen kann (weil Rot anders gebeugt wird als Blau), aber kann das wirklich so einen großen Effekt haben? Und an der Bayer-Matrix meiner Color-Kamera sollte es doch auch nicht liegen, immerhin sind die Sterne ja zufällig über die RGB Pixel verteilt. (Dithering habe ich auch verwendet.)

Für Hinweise wäre ich dankbar.

Apropos Tilt, ich lasse mein Rig üblicherweise auf der Montierung (im Parkzustand), weil ich nicht immer alles abschrauben will. Dadurch "hängt" die Kamera natürlich immer in eine Richtung. Wobei die eigentlich nicht sooo schwer ist. Sollte man das lieber nicht so machen?

CS
Benjamin
 
Besten Dank für den Hinweis. Ich hätte nicht vermutet, dass dieser Effekt so stark ist. Ich habe mal testweise das Bild mit Siril in RGB zerlegt, danach die Kanäle neu registriert und wieder zusammengefügt. Das hat tatsächlich eine Verbesserung gebracht. Wenn man dann noch mit Camera Raw ein Derefringement vornimmt, wird es halbwegs passabel.

M5_atm_corr_crop.jpg


Aber aus Interesse:
Da du aber nicht der Erste bist, gibt es dafür bereits Korrektoren.
Welche wären das?

CS
Benjamin
 
Einfach mal nach "ADC" (Athmospheric Dispersion Corrector) in den einschlägigen Shops schauen, da ist für jeden Geschmack was dabei, je nachdem ob man drehen oder hebeln oder schrauben mag....
Boostet vor allem die visuelle Planetenbeobachtung enorm.

LG
Olli
 
Was es nicht alles so gibt :rolleyes: Und diese atmosphärische Dispersion entsteht hauptsächlich bei tief stehenden Objekten?
 
Im Zenit sollte es gar nicht auftreten. Die Atmosphäre wirkt wie eine Glaslinse, je schräger ein Lichtstrahl einfällt, umso mehr hängt die Brechung von der Wellenlänge ab. Die Brechung kann ganz erheblich sein, wie man an der abgeflachten Sonne in Horizontnähe erkennen kann.
CS Harald
 
Außerdem gehört die Zukunft eh den Roten (groß geopolitisch gedacht).
Ach Stefano... wem hat nicht schon aller die Zukunft gehört in den letzten 15.000 Jahren... und alle dachten, es sei stets "für alle Zeiten..." den Neandertalern, Rom, den Atzeken, den Maya, den Sumerern... Deutschland unter dem Herrn Adolf... alle schon in der Geschichte ertrunken und untergegangen...

Die Zukunft gehört niemandem. :coffee:

lg
Niki
 
Hallo allerseits,

ich betreibe mal etwas Thread-Necro, aber ich habe mich nochmal etwas weiter mit den atmosphärischen Fehlern befasst. Inzwischen konnte ich mit Siril einen ganz guten Workflow ausarbeiten, mit dem ich die einzelnen Bayer-Pixel ganz am Anfang des Processings auftrenne, dann alle entsprechenden Einzelbilder gemeinsam registriere (das ist ein bisschen mühsam, weil man jeweils neue Sequenzen von Hand erzeugen muss, erst für das Registrieren mit allen 4x Bayereinzelbildern und dann wiederum 4 getrennte Sequenzen zum Stacken), und zum Schluss kann ich die mit Pixelmath wieder zusammenführen.

Das Ergebnis ist sehr viel überzeugender, als wenn ich vom fertig gestackten Bild ein RGB Split erzeuge und die RGBs aligne (wobei ich das auch über Sirils Registrierungstool gemacht hatte).

Hier mal ein direkter Vergleich:
method_comparision.jpg

Links: klassische EBV
Mitte: Summen-RGB-Stack gesplittet und zur Deckung gebracht
Rechts: Sämtliche Einzelbilder CFA gesplittet und gemeinsam registriert; mit Pixel Math kombiniert

Für das mittlere und rechte Bild hatte ich außerdem noch in Photoshop eine CA-Korrektur gemacht (da waren leichte lilafarbene Halos um einige wenige Sterne). Die EBV (Stretching und Farbkalibration) ist nicht 100% identisch in den drei Versionen. Ich hoffe, Ihr verzeiht das. Man sieht aber trotzdem, dass die CFA-Methode offenbar am besten funktioniert, zumindest erkenne ich da keine Farbfehler mehr.

CS
Benjamin
 
Hallo Benjamin,

täusche ich mich, oder sind die Sterne mit der CFA-Methode größer geworden?

Gruß, Erwin
 
Hi Erwin,

ich denke, das liegt eher daran, dass die einzelnen Bilder ein wenig anders gestretcht wurden. Es lagen einige Woche zwischen meinen Versuchen, da wusste ich nicht mehr so richtig, welche Einstellungen ich genutzt hatte und ich wollte nicht (nur für den Vergleich) nochmal alles neu laufen lassen. Ausschliessen kann ich es im Moment aber nicht - immerhin musste ich bei der CFA-Methode Drizzle verwenden. (Irgendeine Art Interpolation wird aber bei den anderen Bildern von Siril unter der Haube auch gemacht werden.)

Gruß
Benjamin
 
Drizzle ist eigentlich normal und sinnvoll, wenn überhaupt macht es die Sterne eher kleiner.
Hast du die RGB Nachjustage vor oder nach dem Stretchen gemacht?
 
Ich hab Drizzle nie begriffen. Ich dachte immer, das ist eine Art Interpolation zum Hochrechnen der Bildgröße? :unsure:

lg
Niki
 
Wenn man beim Stacken aus einem ausgerichteten Frame einen Pixelwert für ein Pixel des Stacks holt, dann liegt das i.d.R. irgendwo zwischen 4 Pixeln des Frames.
Drizzle bedeutet, dass man die 4 Pixel anteilig addiert, statt einfach das nächstgelegene zu nehmen.
 
Dann gibt es noch Bayer-Drizzle: Dazu verwendet man das undekodierte Bild, das zwischen den Farben Lücken hat, die NICHT interpoliert werden.
 
Drizzle bedeutet, dass man die 4 Pixel anteilig addiert, statt einfach das nächstgelegene zu nehmen.
Wie Photoshop mit bikubischer Interpolation, nehme ich an? Ich dacht, das sei selbstverständlich, wenn man subpixel-Verschiebungen addiert - ich hatte in Erinnerung, dass die Bildgrößen korrelieren, wenn man 2x oder 3x Drizzle anwendet. Was für mich keinen Sinn macht, weder vom Ergebnis, noch von der Logik der Software.

Aber gut, nachdem es fast alle verwenden, gehe ich davon aus, dass der Nutzen groß sein muss und nur mir verborgen bleibt. :) :coffee:

lg
Niki
 
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