Cirrus-Nebel Erstversuch

RicoSchild

Mitglied
Hallo,

mittlerweile bin ich im Besitz einer SA GTI und zusammen mit meiner Sony Alpha 7 IV (unmodifiziert) und dem Askar SQA55, ist dies mein momentanes Setup für die Astrofotografie.

Unten hab ich meine ersten Versuche des Cirrusnebels angehängt. Foto 1 mit ca. 2 Std. und 20 Min. Belichtungszeit, das 2. Foto ist ein Crop von einer "Multisession" des ersten Fotos und von einer Nacht etwa 4 Wochen davor... Anzumerken wäre, daß meine erste Session damals nur etwa knapp über 1 Stunde Belichtungszeit hervorgebracht hatte. Außerdem zwischen beiden Nächten unterschiedliches Framing ( deshalb der starke Crop ) und unterschiedliche Zeiten der einzelnen Subs und Isowerte. Bei der zweiten Session hatte ich zudem anfangs mit Lichtverschmutzung durch einen fast Halbmond zu tun. Die "Multisession" war jetzt für mich im Nachgang quasi nur ein Test, ob ich das in Deep Sky Stacker überhaupt hinbekomme. Hat aber sehr gut und einfach funktioniert. Für die Zukunft muss ich mir nun die Einstellungen notieren und natürlich halbwegs das Framing wieder treffen, damit ich nicht zu sehr croppen muss.

Zu meinen Fragen. :-)

Die Belichtungszeit in Foto 2 von etwa 3,5 Stunden im Vergleich zu Foto 1 mit ca. 2 Std. und 20 Min. sollte doch etwas mehr an Details bringen!? Ich seh da ehrlich gesagt keinen wirklichen Unterschied. Dem Mond geschuldet? Auch die Farben verwirren mich etwas. Hab die Fotos in Siril bearbeitet. Platesolving und entsprechende Farbkalibrierung. Im Netz sehen die Nebel aber meist eher orange und blau aus... Der Hintergrund ist auch bei mir eher orange-braun ( wahrscheinlich so auch nicht korrekt!? ).

Das ich hier noch kein wirklich gutes Foto zu stande gebracht habe, ist mir bewusst. Was wäre der Tipp oder Tipps für zukünftig vernünftige Fotos?
Für mich hab ich festgestellt, klar zum einen noch deutlich längere Integrationszeit, zusammen mit gleichen Einstellungen von ISO und Belichtungszeit der einzelnen Subs und natürlich möglichst gleiches Framing ( was ohne Asiair oder ähnliches natürlich nicht so einfach ist ).

Foto 3 ist eine kleine Spielerei, eigentlich mit die Richtung die ich gehen will. Also nicht nur reine Astrofotos ( natürlich auch ), sondern sogenannte Astrolandscapes.

Gruß aus dem Pfälzerwald

Rico
 

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Hallo Rico,

vorweg: bei der Astrofotografie bin ich nicht allzu weit, andere Menschen haben da mehr Ahnung. Den Cirrus habe ich mal mit ähnlich kurzer Belichtungszeit mit DSLR und 300mm Tele aufgenommen:

Cirrusnebel 20240810 300mm f4 Starnet Bearbeitung.jpg


bei Deinem ersten Bild habe ich den Eindruck, dass Du etwas zuviel gestreckt hast. Dadurch kommt der unregelmäßige Hintergrund zum Vorschein.

Der leicht keilförmige Nebelteil (namens "Pickering's Triangular Wisp") etwas in der Mitte der beiden prominenten "Bögen" ist in dieser Aufnahme deutlich schwächer zu sehen als auf Deinem Bild. Ich habe halt nicht so stark gestreckt.

Bei der Bearbeitung mit Siril habe ich hier (nachdem die ersten Versuche nicht so gut aussahen) Nebel und Sterne mit Starnet++ getrennt. Dann kann man den Nebel strecken wie er's braucht, ohne die Sterne allzu dick aufzuplustern. Allerdings habe ich bei Starnet++ festgestellt, dass diese kostenfreie Software Artefakte produzieren kann. Es können Sterne verschwinden und woanders welche auftauchen, die es nicht gibt. Sehr subtiele Fehler, aber für mich ein Unding.

Inzwischen bin ich von Siril auf PixInsight umgestiegen und bei der Bearbeitung alter Daten habe ich gestaunt, wie viel bessere Ergebnisse man mit der nicht ganz billigen Software erreichen kann. Als Einsteiger würde ich erst mal weitere Erfahrungen mit Siril sammeln, aber ein Upgrade auf Pixi im Hinterkopf behalten, wenn Du dran bleibst und irgendwann Dich fit und motiviert für das nächste Level fühlst. Was Du über Siril lernst, wird Dir sehr oft nützlich sein, wenn Du eines Tages zu Pixi gehst. So gesehen ist es nicht verkehrt, sich in Siril reinzufuchsen.

Kennst Du Graxpert? Das ist eine klasse freie Software, die den Gradienten auf Bildern reduziert oder im besten Fall ganz beseitigt. Informiere Dich mal, das lohnt sich.

Mit den Farben der Nebel ist das so eine Sache. Viele Aufnahmen entstehen mit monochromen Kameras und unterschiedlichen Filtern. Dabei ist es nicht immer das Ziel der Fotografen, in der Bearbeitung möglichst "naturgetreue Farben zu erzielen. Visuell sehen wir am Deep Sky nur in ganz wenigen Ausnahmefällen überhaupt Farben. Bei H alpha erkennt das Auge fast nix, während die Nebel dort oft am hellsten sind und die meiste Information in dieser Wellenlänge steckt. Also ist es konsequent, H alpha in der Ausarbeitung prominent darzustellen. Nur so sehen würde man das nie. Wenn dann noch andere Schmalbandfilter zum Einsatz kommen, werden deren "Informationsbeiträge" mehr oder weniger willkürlich auf die Farbkanäle des Bildes verteilt, wodurch ein Falschfarbenbild entsteht. Das zeigt viele Informationen, aber man braucht nicht mehr über die "Natürlichkeit" oder Ästhetik der Farbgebung diskutieren. Das ist dann irgendwo Geschmackssache. Ich persönlich mag "bunte" Astrobilder gar nicht. Auch bei Farbkameras wie Deiner und meiner kann man aus meiner Sicht den Fehler machen, die Farbsättigung zu stark anzuheben. Eine Andromeda mit knalligem Gelb und Blau hast Du sicher auch schon x-fach im Netz gesehen, ich finde das schauderhaft. Anderen gefällt es. Passt schon ;-)

Was die Belichtungszeiten angeht: länger ist eigentlich immer besser. Wenn man das so umsetzen kann. Oft fotografiere ich aus dem Garten heraus und habe dann die Beschränkung durch Gebäude und Bäume in der Umgebung. Da muss man nehmen was man kriegt. "Multisessions" sind dann schwierig, weil man das Bildfeld nie so genau reproduzieren kann. Aber was soll's, ich mache das zum Spaß und will den Aufwand nicht beliebig hoch treiben. Besser geht immer, aber der Zeit- und Kostenaufwand explodiert dann. Bin da eher nach Pareto unterwegs ;-)

Viele Grüße und viel Spaß weiterhin,
Tom
 
Hallo und danke fürs ausführliche Antworten! Ich habe auch mit Starnet++ Nebel und Sterne getrennt und die Nebel separat bearbeitet, aber scheinbar wohl zu sehr gestreckt. Man will ja irgendwie was sehen. Da hab ich wohl etwas übertrieben!? Auch Graxpert hab ich in Siril integriert. Benutze es zum einen für die Hintergrundextraktion und auch fürs Entrauschen.

Mein grober Workflow bisher: Platesolving, Hintergrundextraktion mit Graxpert, Farbkalibrierung, Starnet++ Sternentfernung, Entrauschen mit Graxpert, Grünrauschen entfernen, Asinh-Streckung, dann Streckung mit Histogramm und Kurve, Sterneneuzusammensetzung und fertig. Evtl. noch leicht Anpassungen in Lightroom.

Das mit der Umsetzung der längeren Belichtungen ist in der Tat schwierig. Zum einen sind die Tage um Neumond sehr begrenzt, zum anderen muß dann auch noch Wetter passen und man muß auch noch die Zeit haben, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen. Arbeite in Früh und Mittagsschicht im Discount und da bleibt nur die Möglichkeit, wenn ich nicht morgens um 5 raus muss. :-(

Gruß Rico
 
Mein Workflow mit Siril ist/war mit Deinem praktisch identisch.

"Man will ja irgendwie was sehen" -> klar, das stimmt schon. Ich hab' mal eine andere Formulierung gehört:

"Die Kunst bei der BV ist es, genau soweit beim Rausarbeiten der Details zu gehen, dass die Fehler gerade eben nicht sichtbar werden".

VG Tom
 
Hallo Rico,

entgegen der üblichen Meinung habe ich herausgefunden, dass Stanet++ zwingend erst auf das bereits vorgestreckte Bild ausgeführt werden muss. Die Anwendung auf das noch lineare Bild erzeugt bei Schmalband genau diesen unruhigen Hintergrund, wie du ihn hier zeigst.

Also:
1. Das Bild normal bearbeiten und so weit strecken, wie es für die Sterne sein soll
2. Erst jetzt mit Srarnet++ entsternen und die sternlose Version so viel weiter strecken, wie man für den Nebel haben möchte.
3. Sternebene und Nebel Ebene mit "Negativ multiplizieren" zusammenführen. Ich mache das in Gimp, geht aber mit jeder Software, die Ebenentechnik kann.

Dieses "Grünrauschen entfernen" Tool hat meiner Ansicht nach nach hier nichts zu suchen. Die Grünanteile gehören in OIII dazu, OIII ist genau zwischen grün und blau. Bei dir ist es ja nur noch knallblau geworden. Die Farbkalibrierung macht die Farben doch schon richtig, warum mit diesem Tool sie wieder verfälschen?
 
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