Re: Computer Teleskop ETX 70 von Bresser
Hallo Michael,
aus Deiner Vorstellung im Mitgliederboard schließe ich, daß Du noch "blutiger Anfänger" bist. Das ist nicht bös gemeint, hilft aber ungemein bei der Beratung.
Bei der Astrofotografie unterscheidet man ganz grob:
a) Foto mit Weitwinkelobjektiv auf festem Stativ (Spiegelreflexkamera) und Drahtauslöser:
damit macht man
- Strichspuraufnahmen der Sterne mit irgend einem Motiv (Baum, Haus, Kirche...) im Vordergrund (entweder viele kurze Belichtungen (jeweils 30 Sekunden) zusammengerechnet oder 1 lange (viertel Stunde oder mehr))
- kurzbelichtete (30 Sekunden) Übersichtsaufnahmen der Sternbilder, Milchstraße...
b) Foto mit Normal- oder Teleobjektiv "huckepack" auf motorisierter Montierung:
damit macht man
- nachgeführte Aufnahmen von Sternbildern, Milchstraße oder großen Objekten wie Andromedanebel, Orionnebel, Kalifornianebel... mit Belichtungszeiten so um 2 Minuten pro Bild.
c) Astro-Webcam oder bessere Kamera im Okularauszug des Teleskopes für Sonne, Mond und Planetenaufnahmen:
Da brauchst neben der entsprechenden Webcam eine Barlow-Linse, motorisierte parallaktische Montierung sowie einen Laptop.
d) Spiegelreflexkamera ohne Fotoobjektiv oder gekühlte CCD-Kamera im Okularauszug des Teleskopes:
damit werden lichtschwächere bzw. kleinere Objekte am Himmel fotografiert. Ab hier wirds richtig teuer. Denn jetzt reden wir über Belichtungszeiten von vielen Minuten pro Einzelbild, da reicht eine normale motorisierte Montierung nicht mehr aus. Da muß "geguidet" werden, um die Lauffehler der Montierung wegzubekommen. Die Montierung muß das Gewicht vom Teleskop, der Kamera und dem Sucher oder Guidingrohr plus Guidingcam gut tragen.
Mit einem Dobson kannst maximal Sonne und Mond mit einer Spiegelreflexkamera im Okularauszug realisieren oder Sonne, Mond und Planeten mit Webcam.
Neben den Kosten für das ganze Geraffel kommt noch die Qualität des Himmels hinzu. Wenn Du in oder in der Nähe einer großen Stadt wohnst, kannst viele Objekte am Himmel garnicht oder nicht gut sehen und auch nicht fotografieren, weil die im Licht der Stadt versinken. Das ist bitter, aber Fakt. Und jedesmal zig km zu einem wirklich dunklen Ort fahren, dort dann aufbauen, Fotografieren und anschließend abbauen und heimfahren, das ist ein gewaltiger Aufwand!
Zudem ist es nicht damit getan, ein Foto zu machen. Da werden viele gemacht. Von ein und dem selben Objekt. Die werden dann im Rechner weiterverarbeitet. Bildbearbeitung ist eine interessante, lohnende, aber auch sehr zeitaufwändige Geschichte. Die muß einem liegen.
Solange Du noch keine Erfahrung mit Selberdurchgucken durch ein Teleskop hast, macht nur a) überhaupt Sinn, sofern Du die entsprechenden Gerätschaften schon hast. Die zusätzlich zum Teleskop zu kaufen ist bei Deinem Budget nicht drinn.
Bei Deinem angegebenen Budget ist alles andere Kappes. :mauer:
Lern den Himmel erstmal durch Dein zukünftiges Teleskop kennen. Dann zeigt sich schnell, in welche Richtung Du beim Beobachten tendierst und ob Du überhaupt beim Hobby bleibst.
Die Fotografen unter uns haben meist mehrere Teleskope, für jeden Zweck das entsprechende. Das ist auch bei den visuellen Beobachten oftmals der Fall. Mit der Zeit legt man sich verschiedene Teleskope zu. Das geht ins Geld. Beim einen schneller, beim anderen langsamer. Aber kaum einer bleibt bei seinem "Einstiegsteleskop".