Crayford Auszug defekt? Selber reparieren?

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Penta

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Servus zusammen,

ich hab ein kleines Problem. Ich habe einen günstigen TS ED 70:

http://www.teleskop-express.de/shop...rbon-Tubus---2--Crayford-1-11-mit-Koffer.html

und an diesem ist Crayford Auszug nicht mehr ganz in Ordnung. Mir ist das Gerät mal von geringer Höhe zu Boden gefallen, seit dem lief der Auszug sowieso schon nicht mehr ganz genau, mittlerweile ist es aber so das sobald ich den Auszug auch nur ein paar Milimeter ausfahre, dieser direkt ein paar Milimeter nach unten kippt.
Das passiert auch wenn keine Kamera dran ist, also irgendwas stimmt damit nicht.
Heut Abend würd ich den Auszug mal komplett zerlegen falls es reparabel ist. Kann mir eventuell einer sagen woran es liegen könnte bzw. worauf ich achten muss, oder muss ich mir direkt einen neuen Auszug zulegen? ?)

Gruß, Pascal
 
Moin Pascal,

das gleiche Malheur ist mir vor einiger Zeit auch passiert und das Teleskop ist mit dem OAZ zuerst aufgeprallt wobei die Welle der 1:10 Untersetzung wohl das meiste abbekommen hat, denn damit funktionierte nichts mehr.

Ich hatte zum Glück noch ein Reserveteil, aber ohne 1:10 Untersetzung, welches ich eingebaut habe.

Damit läuft der OAZ einigermaßen zufriedenstellend.

Würde mich nun auch interessieren, ob diese 1:10 Untersetzungen (meine OAZ ist von Williams) als Einzelteil nachgekauft werden kann.

Beim Zerlegen des OAZ rutscht dir dann auch die winzige Teflonauflage, die sich zwischen der Welle und der Führung befindet, mit raus.
Meine war nach einigen Versuchen, diese wieder an die richtige Position zu bringen auch ramponiert und ich half mir mit einem Stückchen Plastik? aus dem Flight eines Dartpfeiles, welches ich passend zurecht schnitt.

Der vorherige Versuch, die Welle mit Teflonband zu umwickeln erwies sich als Flopp.

Zugegeben, ich bin kein ambitionierte Bastler, dazu fehlt mir das Feingefühl.

Ich hoffe trotzdem, dass du es besser machst. ;)

Viele Grüße
Heiner


 
Hallo Heiner,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Ich habe auch die Befürchtung das die Welle was abbekommen hat, das wäre natürlich unpraktisch da ein neuer OAZ schon fast die Hälfte von dem ganzen Teleskop kostet.

Ich werde heute Abend mal das Teil auseinanderbauen, dann werd ich ja sehen woran es liegt.
Ich bin auch kein ambitionierter Bastler, ich bau zwar alles auseinander, tu mich aber beim Zusammenbau wieder schwer *fg*

Gruß, Pascal
 
Hallo Pascal,

vorweg, ich habe den TS (GSO) Auszug mit 1/10 Untersetzung (vgl.: TS (GSO) OAZ) und mir ist das Teleskop nicht heruntergefallen. Aber als ich nach einer längeren Regen- und Schlechtwetterperiode mein Teleskop wieder nutzen wollte, fiel mir auf, dass der Okularauszug pro 1/3-Umdrehung der Untersetzung „einrastete“. Fokussieren war an nur noch sehr schwer möglich. Also das Teil vom Teleskop herunter gebaut und zerlegt.

Das Prinzip des Crayford-Okularauszuges ist eigentlich ganz simpel. Eine Welle drückt auf das Auszugsrohr das eine plangefräste Laufschiene hat und an der Gegenseite mittels vier Kugellager geführt wird. Je zwei Kugellager sind hintereinander und um 120° versetzt angeordnet.

Bei Okularauszügen ohne Untersetzung sind die beiden Handräder direkt auf die antreibende Welle montiert. Die Untersetzung (bei meinem Modell, vermutlich bei Deinem ähnlich) ist so realisiert, dass ein Hohlraum in einem der beiden großen Handräder eingelassen ist. In diesem sind drei Kugeln untergebracht. Diese sind auch um 120° versetzt angeordnet und laufen in einer Vertiefung die in der Wand des Hohlraumes eingelassen wurde. Im Zentrum der drei Kugeln wird eine weitere Welle nach außen geführt an der das das Handrad für die Untersetzung angeflanscht ist.

In meinem Falle war die kleine Untersetzungs-Welle von den drei Untersetzungs-Kugeln regelrecht eingedrückt worden. Das konnte ich korrigieren und seitdem läuft der OAZ wieder absolut zufrieden stellend.

Ein weiterer Fehler könnte an den Kugellagern liegen, die das Auszugsrohr führen. Es kann z. B. sein, dass bei einem der Kugellager der Außen- oder Innenring gebrochen ist. Das führt zwar normalerweise nicht dazu, dass der komplette Auszug verkippt, aber es kann sein, dass sich das Auszugsrohr weder vor noch zurück bewegt. Ein Austausch dieser Kugellager ist einfach. Das tragende Element ist von außen mit Imbus-Schrauben befestigt und kann leicht ausgebaut werden. Manchmal verwenden Hersteller zusätzlich dort eine Art doppelseitiges Klebeband. (Ein alter Baader Crayford hat dies so.) Kugellager erhältst Du sehr günstig im Modellbaufachgeschäft oder z. B. www.causemann.de.

So jetzt wünsche ich Dir nachdem Du Dich durch diesen Text gequält hast noch viel Spaß beim Reparieren. Der Text klingt wesentlich komplizierter als es tatsächlich ist.
 
Hi Florian,

vielen vielen Dank für deine genaue Beschreibung, du hast genau den Fehler beschrieben den ich auch habe.
Ich habe gestern den OAZ auseinandergebaut und konnte auch feststellen das diese Untersetzung defekt ist.
Es ist genauso wie du beschreibt, es fühlt sich an als ob der Auszug beim Fokussieren immer einrastet, das ist wirklich nervig.

Ich hab gestern versucht die Untersetzung aufzumachen, aber es scheint verklebt zu sein.
Wie hast du denn die kleine Untersetzungswelle herausbekommen und repariert?

Desweiteren konnte ich eigentlich aber keine Probleme an den vorhandenen Kugellagern feststellen, eins hatte etwas Abschürfungen, eventuell sollte ich das mal tauschen.
Aber vorher muss ich erstmal die Untersetzung reparieren bzw. aufbekommen.

Gruß, Pascal

PS: Danke für die Zeichnung!
 
Hallo Pascal,

da Du ein etwas anderes Modell hast, bin ich mir nicht sicher, ob Du direkt an der Antriebswelle ebenfalls ein Messingfarbenes Gewinde hast, auf dem eine Mutter mit einem Spannring geschraubt ist. (In der Skizze dunkelgrün.) Diese Mutter war bei mir mit Siegellack gesichert. Wenn Du diese aufschraubst, nimmst Du praktisch den Druck von den Untersetzungskugeln und die kleine Untersetzungswelle sollte sich heraus ziehen lassen. Die kleine Untersetzungswelle hat nämlich auch dort wo die Kugeln laufen eine minimale Vertiefung. Da bei Dir die Untersetzung auch regelrecht einrastet wirst Du dort vermutlich drei Kerben um je 120° versetzt eingedrückt finden. (Die sind aber, trotz dass man die Auswirkungen deutlich merkt, sehr schlecht zu sehen.)

Jetzt musst Du versuchen die Kerben wieder heraus zu bekommen oder Du drehst das Stäbchen einfach herum, dass der beschädigte Teil im Handrad verschwindet. Da aber die Madenschraube vom Handrad auch auf die Welle an einem Punkt drückt, sollte dieser Druckpunkt nicht gerade dort sein, wo sich später die Kugeln befinden. Du kannst Dir im Modelbaufachgeschäft aber auch eine neue Welle besorgen, oder Dir von einem befreundeten Dreher eine anfertigen lassen. Versuche aber ein relativ hartes Material zu bekommen, da die Originalwellen alle unter Druck leicht nachgeben.

Beim Wiederzusammenbau ziehst Du die Mutter am besten wieder so an wie vorher. Diese regelt nämlich u. a. auch, wie stramm die Untersetzung läuft. Zu fest würde bedeuten, dass die Kugeln auch im Ruhezustand einen hohen Druck auf das Untersetzungsstäbchen geben und dies über eine lange Zeit evtl. von selbst verformen. Du kannst dies aber während des Zusammenbaus leicht kontrollieren indem Du die Untersetzung mal betätigst. Wenn es sich wieder so anfühlt wie beim Neukauf ist alles in Ordnung.

Jetzt stelle ich fest, dass ich damals ein paar Bilder von meiner Reparaturaktion gemacht haben sollte. Anhand von Bildern erklärt es sich immer einfacher. Aber damals musste es schnell gehen, die Sonne hat gewartet.

Noch etwas wegen den Kugellagern die das Auszugsrohr führen: Wenn eines der Kugellager beschädigt ist, ist dies auch sehr schwer zu erkennen. An dem oben erwähnten Baader-Crayford-OAZ war an einem Kugellager der Außenring gebrochen. Der Riss war dünner als ein Haar. Aber ist das Auszugsrohr eingebaut und wird von der Welle angedrückt, weitet sich dieser Riss durch den Druck auf und das OAZ Rohr verfährt an diesen Stellen nicht mehr.

In diesem Sinne: Viel Erfolg!
 
Hallo Pascal,

hast Du noch ein Bild von der "anderen Seite". Vielleicht ist da der Schlüssel zur Lösung. Im Vergleich zu meiner Untersetzung unterscheidet sich Deine nicht sehr stark von meiner.

Gestern auf unserem Astrostammtisch haben wir auch über OAZ gesprochen (habe gestern einen Steeltrack für SC bekommen :biggrin: leider nicht für mich :( ich darf ihn nur anbauen). Da habe ich auch Deinen Fall mal erwähnt. Von Ralf Mündlein habe ich dann folgenden Tipp bekommen: Wenn Du eine neue Untersertzungswelle brauchst, schau Dich mal nach Bohrern um. Im Fachhandel gäbe es die auch in kleinen Abstufungen im 1/100 Bereich. Vorteil: Der ist schon gehärtet und wird nicht mehr deformiert.
 
Hi Florian,

sehr interessant, ich mache am We. mal ein Foto von der anderen Seite wenn ich Zeit habe. Es würde ja wahrscheinlich auch schon reichen wenn ich diese kleine Welle austauschen könnte, aber bis jetzt sieht es so aus als ob das Teil eingeklebt ist.

Wir haben hier in der Nähe ein Fachgeschäft, die könnten eventuell sowas haben.

Vielen Dank schon mal!

Gruß, Pascal

 
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