> Kann man denn sagen, welche Seriennummern des CZJ als die Hochphase angesehen werden können, d.h. wann wurden die besten Gläser gebaut? Die späteren sollen ja teilweise schon wieder schlechter sein.
Hallo René,
ein optimales CZJ 8x30 gibt es eigentlich nicht. Werner hat das Thema Vergütung schon angesprochen. Jüngere Gläser haben den Vorteil einer verbesserten MC Vergütung mit einer höheren Transmission und besserem Kontrast. Dafür haben sie einen Nachteil: die "Streulichtbremse" in Form eines Trichters zwischen Objektiven und objektivseitigen Prismen (*) ist bei diesen Gläsern aus Plastik mit einer mangelhaften Innenschwärzung. Das führt unter bestimmten Bedingungen zu ziemlich lästigen Reflexen, z.B. bei Seitenlicht oder wenn der noch recht helle Himmel in der Dämmerung eine dunkle Szenerie beleuchtet. Bei älteren Gläsern mit Seriennummern um 3 oder 3,5 Mio. ist diese "Streulichtbremse" aus Metall und innen ordentlich mattschwarz beschichtet. Die alten Gläser zeigen wegen der damals noch recht einfachen Vergütung oft ein Bild mit einem Stich in Richtung Gelb, die Transmission ist niedriger und der Kontrast unter "normalen" Beobachtungsbedingungen (s.o.) ist schlechter als bei einem Fernglas mit Seriennummer > 5 Mio und MC Vergütung.
Ein optimales Deltrintem/Jenoptem müsste eigentlich eine moderne MC Vergütung und die alte Ausführung der "Streulichtbremsen" sowohl objektiv- als auch okularseitig haben. So ein Glas hätte unterm Strich eine ordentliche Transmission, das Bild wäre im Zentrum sehr scharf und kontrastreich und ungünstige Beobachtungsbedingungen würden die Bildqualität deutlich weniger beeinflussen als das bei den jüngeren Exemplaren mit der Sparvariante in Form von "Plastetüten" zwischen Objektiven und Prismensystem der Fall ist. Wer etwas bastlerisches Geschick hat, kann ein jüngeres Deltrintem bei der Unterdrückung von Reflexen selbst optimieren. Das Thema hatten wir schon mehrmals, ist gar nicht lange her. Noch ältere Ferngläser (von vor 1945) haben einen anderen Vorteil: die alten König-Okulare liefern ein Bild mit besserer Randschärfe. Nun könnte man sich so ein altes 8x30 besorgen, dessen Okulare in ein Fernglas der 60-er Jahre mit ihrer besseren Innenschwärzung integrieren und dieses Fernglas mit richtig gut MC-vergüteten Objektiven und Prismen aus einem Glas von Anfang der 90-er Jahre ergänzen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />. Das Ergebnis dürfte interessant sein ...
Wo Dein Fernglas einzuordnen ist, weiß ich nicht mit Sicherheit. Die Vergütung wird ihre Grenzen haben und sollte es sich schon um die neuere "Sparvariante" mit den "Plastetüten" handeln, dann wäre das wohl Pech. Irgendwann wurden diese Dinger eingeführt und wenn die Vergütung zu dieser Zeit noch nicht den Titel "T3M-Mehrschichtvergütung" trug, dann mußt Du u.U. mit einem weniger optimalen 8x30 leben (weniger Transmission, schlechterer Kontrast, Anfälligkeit für Reflexe). Es könnte gut sein, dass ein nur wenige Jahre älteres Exemplar mit einer geringeren Anfälligkeit für Reflexe in der Summe der optischen Eigenschaften besser abschneidet. Aber das sind Vermutungen, ich kenne Dein 8x30 nicht.
Du siehst, ganz so einfach kann man die 8x30 Gläser nicht in gut und schlecht einteilen. So wie ich das sehe, gibt es wirklich kein optimales CZJ 8x30. Möglicherweise wären die 8x30 Nachfolger von Docter-Optik eine gute Idee. Ich hatte lange keins in den Händen und wüsste heute gern, ob diese Ferngläser eine hohe Transmission mit gutem Kontrast und wenig Reflexen verbinden. Leider sieht man diese Docter-Optik "Classic" Gläser selten auf ebay und die Herstellung ist längst eingestellt.
Wenn Du mit Deinem 8x30 nicht glücklich wirst und keine weiteren Risiken auf ebay eingehen willst, dann solltest Du Dir andere Alternativen suchen. Auf Anhieb fallen mir da das Vixen Ultima 8x32 und natürlich das Nikon 8x30 E II ein. Letzteres ist eins der besten Porrogläser, die man in dieser Größenordnung heute noch kaufen kann (neben dem deutlich teureren Nikon 8x32 SE). Allerdings spielt es sowohl vom Preis als auch von der optischen Leistung in einer völlig anderen Liga.
(*) dieser Trichter hat zwei Aufgaben: er soll Falschlicht, welches durch die Objektive eindringt und nicht zum Bild beiträgt, vom Eintritt ins Prismensystem abhalten. Desweiteren soll das Antireflexprofil auf der Innenseite des Trichters Streulicht unterdrücken. Aufgabe 1 wird erfüllt. Bei Aufgabe 2 versagen diese Trichter in jüngeren Ferngläsern oft wegen ihrer eher glänzenden Innenseite. Alte Ferngläser schneiden da besser ab, weil die Innenseite richtig mattschwarz ist und das Streulicht deutlich reduziert wird.
Frank.