CZJ Pentekarem 15x50 justieren

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ghostrider

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Hallo ins Forum,

bin neu hier, der Grund meiner Anmeldung ist ein älteres Pentekarem in äußerlich hervorragendem Zustand, leider etwas dejustiert, und zwar wie folgt:

- in den Okularen sehe ich unterschiedliche Bilder, die ich nur schwer in Deckung bringen kann. Nur durch extreme Verkleinerung des Okularabstandes und folglich leicht schielendem Durchblick entsteht so etwas wie ein Bild.

- steht die Einzelokulareinstellung auf 0, so sind die beiden Rohre dennoch nicht auf die gleiche Entfernung eingestellt. Daß der Einstellring sich relativ zum Okular verdreht hat, bezweifle ich ein wenig, da die Einstellung "wie geschmiert" funktioniert.

Ansonsten läuft die ganze Mechanik geschmeidig und spielfrei.

Leider finde ich hier auf dem Board nur wenig Infos zu speziell diesem Fernglas. Kann mir jemand weiterhelfen mit Infos, wie das FG wieder justiert werden kann? Vielleicht gibt es schon irgendwo Anleitungen zu Ferngläsern mit einem vergleichbaren Aufbau, an denen ich mich bei der Justage orientieren kann- bin leider nicht fündig geworden.

Die Seriennummer des Glases ist 3219433, es ist ein Erbstück vom Großvater. Ich würde es gern in Ehren halten und auch benutzen, dies ist momentan aber kaum möglich. Als Student sind meine finanziellen Mittel beschränkt, was ich aber durch technisches Verständnis und eine Werkstatt, in der manches möglich ist (also Amboss, Schraubstock, Trennschleifer sind vorhanden ;) ) , hoffe wettmachen zu können.

Vielen Dank im Voraus für nützliche Infos, Anleitungen oder Links zu solchen.

Thomas

Edit sagt: es geht mir bei der Bitte um Tips oder Anleitungen hauptsächlich um technische Fragen, also wo muß ich welche Schraube drehen, sind unter der Lederabdeckung relevante Schrauben versteckt, wenn ja, wo, oder wie komme ich an die Objektivverstellung, oder müssen doch die Prismen justiert werden, wie gehe ich mit der Pechversiegelung um etc. pp. u.ä.. Zu den optischen Fragen habe ich mich so weit wie möglich belesen, was aber nicht ausschließt, daß auch dort noch Fragen kommen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Ich habe ein Dekarem, das dürfte dieselbe Mechanik sein.

Wenn die die Objektive abschraubst, kannst du die vorderen Bleckabdeckungen über den Prismen entfernen. Von der Okularseite musst du glaube zuerts die zentrale Schraube lösen, damit "kommen" beide Okulare. Jetzt auch hier die Blechabdeckungen ab.

Die Prismen sind mit Bügelfedern gegen Fassungen gedrückt, in denen sie Spiel haben. Du kannst justieren, in dem dur die Spannfedern löst und die Prismen verrutschst. Dann behelfsmäßig wieder zusammenbauen (ohne Blech) und durchschauen. Das ganze iterativ. Nach ner Stunde wird der Zustand viel besser sein.

Bezüglich der Okulareinstellung empfehle ich, damit zu leben und ggf. eine andere Null-Markierung anzubringen.
 
Zitat von UwePilz:
Du kannst justieren, in dem dur die Spannfedern löst und die Prismen verrutschst. Dann behelfsmäßig wieder zusammenbauen (ohne Blech) und durchschauen. Das ganze iterativ. Nach ner Stunde wird der Zustand viel besser sein.

Die Zeiss Jena Gläser werden eigentlich nicht durch verrutschen der Prismen justiert. Dies dürfte bei deinem Pentekarem auch kaum möglich sein da zu dieser Zeit noch sehr genaue Platzhalter für das Prismensystem vorgefräßt wurden und also die Position recht streng vordefiniert ist.

Diese Gläser werden einzig durch drehen der Objektivlinsen bzw. der darumliegenden Exzenterringe justiert. Das Fernglas muss dazu keineswegs geöffnet werden und das würde ich auch nicht empfehlen.

Um die Linsen und Exzenter drehen zu können müsstest du die Objektivschutzringe entfernen und den Sprengring lösen. Das wird dir jedoch vermutlich auch nicht gelingen da die PENTEKAREM Gläser noch mit Pech verklebt wurden. Um das Pech zu lösen müsstest du das Fernglas erhitzen und wenn du dabei Fehler machst kann sich auch schnell der Linsenkitt der die Linsenelenemte zusammenhält lösen und die Optik wäre hin.

Jüngere Dekarem sind dagegen nur noch wie ein Mobilbaukasten zusammengeschraubt und nicht unbedingt vergleichbar.

Mein Tipp. Lass es professionell eventuell bei optixx machen, dann zahlst du vielleicht 50-100 euro aber es wird richtig hergerichtet und wird dir wie erhofft noch lange freude bereiten.

Grüße
 
Hallo Thomas,
hier findest Du eine kurze Anleitung zum Justieren von Ferngläsern mit Objektivexzentern. Die alten Zeiss-Gläser sind nicht mit Pech verklebt, vielmehr wurden diese mit Fett abgedichtet. Dieses Fett ist bei alten Gläsern hart geworden (die flüchtigen Bestandteile befinden sich oft als Beläge auf den Prismen) und läßt sich mit dem Schraubenzieher grob entfernen, bzw. mit Spiritus oder Isoprop lösen.
Dass die Okulare nicht auf "0" stehen, könnte daran liegen, dass Deine Augen einen entsprechenden Fehler haben. Bei den alten Gläsern kann man die Okularabdeckungen verdrehen, nachdem man die drei Schrauben, die sich am gerändelten Teil befinden, gelöst hat. Bei neueren Gläsern befindet sich unter der abschraubbaren Augenmuschel ein Sprengring. Nachdem man diesen entfernt hat, kann man die Okularabdeckungen entfernen.
Übrigens, wenn man von alten 7x50, 10x50 oder 15x50 Zeiss-Gläsern die Objektivstutzen abschrauben will, sollte man beachten, dass diese aus einer aüßeren und inneren Hülse bestehen. Um diese zu lösen, sollte man zunächst den Ring am Objektiv abschrauben. Dann muß man den inneren Tubus (auf dem sich das Gewinde für den Objektivring befindet) herausschrauben.
An Gläsern sollte aber nur jemand rumbasteln, der ein wenig "Gefühl" für Feinmechanik hat. Sonst kann man das Glas leicht ruinieren, zumal, besonders bei älteren Gläsern, die Gewinde meist durch Fett verklebt sind und sehr fest sitzen. Wer sich nicht sicher ist, sollte die von Stefan angesprochen Reparaturmöglichkeit nutzen. So teuer ist das nicht, für eine eigene Reparatur im "Bastelverfahren" sollte man 3-4 Stunden Zeit einplanen.

CS. Frank
 
Zitat von FrankZ:
Die alten Zeiss-Gläser sind nicht mit Pech verklebt, vielmehr wurden diese mit Fett abgedichtet. Dieses Fett ist bei alten Gläsern hart geworden

Hallo Frank,

...die alten Zeiss Gläser, Insbesondere Telarem, Pentekarem und Dekarem wurden bis in die 50er Jahre mit Pech verkittet. Es handelt sich nicht um altes Fett wie du meinst. Das Pech ist schwarz und es wird mittels Wärmebehandlung gelöst (was auch nach dieser langen Zeit noch sehr gut funktioniert) und nicht mittels Spiritusbehandlung. Der Schmelzpunkt liegt bei 70°C und wird mittels Bunsenbrenner erreicht. Wer das falsch habdhabt löst jedoch schnell auch den Linsenkitt der Objektivlinsen, wo der Schmelzpunkt ebenfalls bei etwa 70°C liegt. Hier ist Erfahrung und können gefragt. Gewaltsames Öffnen ohne Wärmebehandlung würde ich eher als "kaputtmachen" bezeichnen.

@Thomas: Das selber justieren ohne Kollimator macht bei 7-10 fach vergrößernden Gläsern eher sinn. Ein Fernglas vergrößert in Abhängigkeit der Vergrößerung auch jeden Fehler in der Optik mit. Es ist unwahrscheinlich, dass du ein 15-fach so gut "freihand" justieren wirst, dass es danach einwandfrei einsetzbar wäre, auch gerade weil dir da einige Erfahrungen fehlen. Das Pentekarem ist da wirklich nicht das richtige Glas für Erstversuche. Es wäre schade drum. Ich empfehle ernstgemeint, lass es professionell machen und freue dich hinterher über ein enwandfrei funktionierendes und heiles Glas.

Beste Grüße
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Stefan,
ich habe die Dichtmasse bei den Zeiss-Jena-Gläsern nicht analysiert, wenn Du Dir sicher bist, dass das Pech ist, dann revidiere ich natürlich meine Meinung. Konsistenz und Eigenschaften sind anders, als bei dem Pech, das man als Optikschleifer für Polierschalen verwendet, deshalb hielt ich das für Fett.
Trotzdem würde ich da nicht mit Wärme rangehen. Das Zeug ist ziemlich bröckelig, das fällt problemlos raus, wenn man die Objektive rausschraubt. Auch die Abdeckkappen der Gehäuse lassen sich nach Lösen der Schrauben leicht abziehen. Da geht nix kaputt. Die nach dem Öffnen noch anhaftenden Teile von dem Zeug habe ich immer mit Isopropylalkohol entfernt. Ich habe schon einige ältere Gläser mit Seriennummern um die 2,5 Mio so repariert (die Gläser bekommt man manchmal, besonders wenn diese blind sind, für ein paar Euro auf Flohmärkten). Bei den Gläsern, die ich noch in Benutzung habe, habe ich die fehlende Abdichtung auch nie vermisst.
Bisher hatte ich auch noch nie Schwierigkeiten beim Justieren von hochvergrößernden Gläsern. Das hier beschriebene Verfahren habe ich auch erfolgreich bei hoch vergrößernden russischen Gläsern (20x60 und 25x70) angewendet.
Wie ich allerdings schon geschrieben habe, kann man die Gläser leicht ruinieren, wenn man keine Erfahrung mit Feinmechanik hat.

CS. Frank
 
Hallo liebe Foristen,

habt Dank für die vielen Antworten. Wegen anstehender Prüfungen habe ich mich nicht eher melden können.

Das Glas stammt aus einer Zeit, wo in der Tat Pech zum Versiegeln genutzt wurde. Nach gründlicher Risikoabwägung habe ich mich entschlossen, keinesfalls den Versuch einer Wärmebehandlung durchzuführen. Allerdings ist das Pech in der Tat schon ein wenig bröcklich- wenn es überall so gut wegplatzt wie an der Oberfläche (d.h. direkt unter den Objektivringen), werde ich vorsichtig versuchen, zu den Exzentern vorzudringen und die Justierung vorzunehmen, selbstverständlich zerstörungsfrei, feinmechanische Fähigkeiten und Werkzeuge sind da. Im Falle des Scheiterns geht das Glas an Optixxx (was ich mir als tatsächlich nicht reicher Student gern sparen würde).

Ich berichte vom Verlauf der Arbeiten und/ oder bei weiteren Fragen.

@ FrankZ: um eine Fehlbeurteilung der Okulareinstellung auszuschließen, habe ich das rechte Okular auf 0 gestellt und mit EINEM Auge beide Okulare verglichen- kann es dabei trotzdem zu Fehlern kommen?

Viele Grüße,

Thomas.
 
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