Dachkant vs. Porro

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Bronks

Aktives Mitglied
Hi!

Dachkantgläser sind meistens um einiges teurer als Gläser mit Porroprismen.

Warum sollte man für ein Dachkantglas mehr Geld ausgeben? Ich bilde mir ein paar Gründe ein, die ich nirgendwo bestätigt bekommen habe.

Von anderen Quellen habe ich nur den folgenden für mich gut nachvollziehbaren Vorteil für Dachkant erfahren: Paßt besser in die Handtasche.

Welche Vorteile haben Dachkantgläser noch? Bitte klärt mich auf.

Vielen Dank!

Bronks
 
Hi !
Die haben Mitteltrieb und sind i.d.R. trotzdem wasserdicht bzw. dicht gegen andere Dinge.

Meistens einen geringeren Mindestabstand vom Motiv.

Grüsse
 
Porrogläser haben den Vorteil der einfacheren Bauweise. Zudem ist dadurch , dass die Basis vorne weiter ist als bei Dachkantgläsern, der Stereoeffekt grösser. D.h. die Tiefenstaffelung ist besser. In der Regel ist auch durch die einfachere Bauart, die Transmission beim Porroglas besser. Optisch hat das Porroglas wohl nur Vorteile gegenüber einem Dachkantglas.

MfG
 
Hallo Bronks!
Die wesentlichen Vorteile - kompakte Bauweise, geringes Gewicht, modernste Technologien bei den Weltklasse-Ferngläsern Leica, Zeiss,Pentax, Swarovski, Nikon, Optolyth, Docter etc. Technologisch gesehen sollte man auf Phasenkorrekturbelag und ordentliche mechanische Verarbeitung achten. Auch einige NoName-Hersteller, die mit diesen Features aufwarten können bieten im unteren Preissegment schon ordentliche Ware.
Diese Ferngläser werden so konstruiert, daß sie Innenfokussierung und Wasserdichtheit besitzen. Das ist aber keineswegs ein Privileg, bei den Porroprismenferngläsern gibt es ebenso welche, Swarovski Habicht zum Beispiel, die wasserdicht sind, zwar keine Innenfokussierung und Mitteltrieb besitzen, alle anderen sog. "Marineferngläser" haben meist Einzelokulareinstellung zur Schärfenregelung. Porrogläser sind klobiger, haben einfache, schwere Prismen welche nicht so exakt gearbeitet werden müssen. Durch die Breitschultrigkeit bieten sie aber ein räumlich schöneres Abbild und sind meines Erachtens im Preis/Leistungsverhältnis unschlagbar. Fujinon, Swarovski mit dem Habicht und Docter mit der Nobilem-Klasse sowie die guten alten Zeiss-Ost Gläser, welche auf eBay gelegentlich noch zu finden sind (mit allen Vorbehalten zum Thema eBay) seine erwähnt. Auch Pentax und Minolta sowie Nikon haben brauchbare Gläser, und manche von denen bauen leicht und handlich.

Sieh´einmal:
http://212.80.228.216/sites/f.schaefer/default_start.htm
Frank Schäfer erklärt da ausführlich alles zu den beiden Bauweisen in der Datei:

http://212.80.228.216/sites/f.schaefer/fernglas.htm

Letztendlich denke ich, solltest Du einmal einen Vertreter jedes dieser Bauweise (wenn geht so gut und preislich erschwinglich wie möglich) in die Hand nehmen und vergleichend feststellen, welches Dir sympathischer in den Händen liegt bzw. welches Dir sympathischer ist, zu dem Preis, den Du bereit bist zu bezahlen, und welches Dir dafür die beste Abbildungsqualität und das beste Bild liefert.
Und am Besten keine Kompromisse eingehen, damit Du länger Freude damit hast. Ein tolles Dachkantprismenglas mit engem Sehfeld, wasserdicht und Rubycoating mit Camouflagegummierung ohne phasenkorrektur ist zwar cool zum Anschauen, aber schlecht beim Durchschauen, auch wenn der Zeiss Dekarem ein bisschen altmodisch und schwer ist.....
Auf den Punkt heruntergebracht - Dachkant passt besser in die Handtasche, Porro bietet bei günstigerem Preis meist das bessere Bild - gültig bei einer Preisklasse bis zu ca. 500 Euro. Ab 600 Euro kriegst Du ganz gute Porrogläser, sh. hier:

http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/showflat.php/Cat/0/Number/337014/an/0/page/0#337014

...etwas Eigenwerbung muss sein :-)

CS
Hans
 
In der Theorie ist von den Vorteilen, die die (teuersten) Dachkantgläser ursprünglich haben sollten und vermeintlich größtenteils hatten, nur die kompakte Form übrig geblieben. Alles andere, von der Innenfokussierung und der dadurch möglichen hermetischen Dichtheit bis zu den kurzen Naheinstellgrenzen, läßt sich heute, wenn man nur wollte, auch bei Porros verwirklichen.

Es will aber derzeit keiner. Bei Marktanalysen, so hört man mindestens von Zeiss und Leica, werden hochwertige Porros (deren Preis dann auch bei deutlich >1000€ läge) von allen Marktteilnehmern (Kunden, Händler usw.) als Ladenhüter eingestuft.

Die Markt-Praxis ist die, dass die führenden Hersteller seit Jahren fast ausschließlich Dachkantgläser weiter entwickeln, produzieren und verkaufen.

Bis rauf zur Mittelklasse tummelt sich alles Mögliche und Unmögliche - Porros, Retro-Porros und Dachkants.
Spitzengläser (Innenfokussierung, wasserdicht und gasgefüllt, Zentralfokussierung, hochwertige und vollständige Vergütung usw.), die diesen Namen aufgrund der Summe ihrer mechanischen und optischen Eigenschaften verdienen, gibt es im Moment nur in der Dachkantbauweise. Solange die Kundschaft keine teuren Porros kaufen will, wird es sie auch nicht geben.


Walter
 
Hallo,

das ist eigentlich mehr eine Frage der Praxis als der Theorie:

1) gibt es halt wenig wasserdichte Porrogläser mit Innenfokussierung (aber es gibt z.B. Nikon EX und Minolta Sport - zugegeben, nicht gerade das Topsegment) also es geht und es geht sogar preisgünstig!

2)sind die größeren (ab 9x) Porro-Gläser schon ziemlich sperrig, aber eigentlich die Dachkant auch! Bei Porro hat sich 7x35 und 8x30 als "immerdabei" gut bewährt (sehr gute Optiken z.B. bei Zeiss), sind wirklich leicht und handlich.

3) Bei Dachkant sind die "Faltgläser" 8x20 und 10x25 eine eigene Klasse, deren Handlichkeit die Porros nie erreichen können (die größeren mit 12x30 usw. sind dagegen schon wieder unhandlich), während die noch größeren "normalen" (die auch wie die Porros meist ein akzeptables Gesichtsfeld von >60° haben) meist schon Gewicht und Volumen der "kleinen" 7x35 und 8x30 Porros erreichen bzw. übertreffen, Vorteil ist dann meist die Wasserdichtigkeit.

3)Die Porros haben, wenn sie "normal" montiert sind, eine breitere Stereobasis (Objektivabstand) als die Dachkant, aber es gibt auch "andersrum" montierte, die dann praktisch keinen Stereoeffekt mehr zeigen (billige kleine Olympus, Nikon)

4) was Streulicht betrifft, kenne ich in beiden Kategorien sehr gute und sehr schlechte!

Was bleibt: Dachkant werden immer mit BaK4 Prismen ausgestattet (die haben bessere Totalreflektion, aber wohl etwas mehr Tendenz zu Farbfehlern und brauchen bei Dachkant an einer Fläche noch eine Verspiegelung) und sind bezüglich Fertigungstoleranzen anscheinend wesentlich kritischer (aber der Billig-Porromarkt zeigt, daß man durchaus mit 10x50 Porros auch extrem schlechte Qualität erzielen kann, nach meiner Meinung eher noch schlechter als die billigen Dachkant 10x25).

Und nicht zuletzt möchte ich auch mal klar sagen, daß die Qualität der Objektive (und deren Öffnungsverhältnis - meist aus Gründen der Handlichkeit zu gering)und Okulare aus meiner Sicht heute wesentlich wichtiger ist als Porro oder Dachkant!

Ist vielleicht ähnlich wie der Streit um "sportliche Dieselmotoren" - einige echte Top-Ferngläser sind heute Porros, andere Dachkant.

Gruß
 
Hi!

Danke für eure Antworten.

Der Grund, den ich mir eingebildet habe war, daß man Dachkantgläser besser abblenden kann. Das scheint wohl doch nicht so zu sein.

Ich habe hier ein 8x40er Porroglas, welches niemand kennt. Es steht "Suba-Kompakt" drauf und es hat ein AFOV von 70°. Das Teil ist absolut unvergütet und hat trotzdem im direkten Vergleich einige andere Ferngläser geschlagen. Von der gehobenen Dachkantklasse habe leider ich nichts im direkten Vergleich gehabt, aber etwas ausgiebiger vor einem Optikladen durch ein Leica und ein Swarovski geschaut. Ich bildete mir schon ein, daß der Anblick ... etwas besser ...

So wie ich es von euch heraus gelesen habe, hat ein Porro das bessere Preis/Leistungsverhältnis und Qualität hat nichts mit der Bauweise zu tun!?!

lg

Bronks
 
Hi Bronks!
Qualität hat absolut nichts mit der Bauweise zu tun.

Qualität ist eher eine Frage des Geldbeutels, und ein qualiativ hochwertiges Porro kostet ungefähr 1/3 bis 1/2 mal soviel wie ein vergleichbares Dachkant. Weil der Aufwand (Fertigungstoleranzen und Zusatztechnologien wie Phasenkorrekturbelag) bei den Dachkantern höher ist, um optisch an die Porro´s heranzukommen. Dafür sind sie dann kompakter. Ein Beispiel gehobene Mittelklasse - ein Docter 8x42 B/CF Dachkant kostet Liste ca. 700 Euro, für 350 Euro bekommst Du schon ein hervorragendes Docter Nobilem, das ist dann aber fast doppelt so schwer und ca. um den Faktor 1,5 größer.
Oder Alternativ die Oberklasse - ein Fujinon Porro kostet ca. 500 Euro, ein Nikon Porro ca. 1000 Euro.

Und bei Zeiss sieht´s dann so aus, das Zeiss Porro kostet ca. 800 Euro und das Zeiss FL ca. 1600 Euro - als Vetreter der Spitzenklasse.
CS
Hans
 
Dachkant vs. Porro? Porro.

Ein Beispiel gehobene Mittelklasse - ein Docter 8x42 B/CF Dachkant kostet Liste ca. 700 Euro, für 350 Euro bekommst Du schon ein hervorragendes Docter Nobilem, ...

Hallo Hans,

habe ich in letzter Zeit was verpaßt? Hat Docter die Preise für die Nobilem Serie gesenkt? Ich habe die 50-er Modelle mit Preisen von etwas über 600 Euro in Erinnerung. Wo gibt es Nobilem Gläser für 350 Euro? Beim Vergleich Porro vs. Dachkant innerhalb einer Leistungsklasse sollte man eigentlich die Listenpreise heranziehen, sonst hinkt der Vergleich.


Und bei Zeiss sieht´s dann so aus, das Zeiss Porro kostet ca. 800 Euro und das Zeiss FL ca. 1600 Euro - als Vetreter der Spitzenklasse.

Hat Zeiss endlich wieder Porrogläser aufgelegt? Das wurde aber auch Zeit. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/laugh.gif" alt="" /> Wo gibt es die Zeiss Porro's für 800 Euro?


Qualität hat absolut nichts mit der Bauweise zu tun.

Doch, Qualität hat etwas mit der Bauweise zu tun. Wenn man ein Fernglas mit einer sehr guten optischen Leistung zu einem vernünftigen (also nicht dem maximal möglichen) Preis sucht, dann nimmt man ein Porro (sofern man eins findet). <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> Dafür muß man u.U. auf eine wasserdichte Bauweise verzichten, aber das muß nicht zwingend ein Problem sein. Mit Verzicht auf Innenfokussierung und Stickstofffüllung sowie Einschränkungen im Nahbereich kann ich mir anstelle eines Zeiss oder Leica 8x32 ein Nikon 8x30 E II für 500 Euro kaufen. Das Nikon hat eine wirklich gute Optik, ein beeindruckend großes Sehfeld und auf kurze und mittlere Entfernungen gibt es die gesteigerte räumliche Wahrnehmung der Porrobauweise dazu. Klar, ich habe dann weder ein blaues noch ein rotes Logo. Aber damit kann ich leben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />. Für das im Vergleich zu einem Ultravid gesparte Geld kann ich mir für Astro ein Nobilem kaufen und mit etwas Glück reicht es vielleicht noch für ein gutes Kompaktglas für den Nahbereich.

Leider ist das Angebot an sehr guten Porrogläsern nicht gerade berauschend. Aber man soll die Hoffnung nicht aufgeben, vielleicht findet sich ja in Zukunft neben den Nikon E II und SE Gläsern noch die eine oder andere "Perle" unter den "Ferngläsern alter Bauart" ...

Frank.
 
Re: Dachkant vs. Porro? Porro.

Hi Frank!

Oja, Zeiss bietet das 7x50 Marine noch feil, heißt 7 x 50 GA T* Marine; und ich hatte den Händler in Wien schon auf 800 Euro herunten, ich denke, was zählt ist halt der Nettopreis, auch wenn natürlich die Listenpreise zum Preisvergleich "objektiver" sind, da bin ich schon Deiner Meinung. Und bei den Docter´s lassen die Meisten - speziell wenn es sich um ältere Geräte handelt auch mit sich verhandeln. Docter hat das Pech, daß sie zwar exzellente Ferngläser bauen, aber das Marketing verstehen sie nicht..... Gottseidank, da kommt man dann wenigstens zu einem Gelegenheitskauf.

Beste Grüße
Hans
 
Re: Dachkant vs. Porro? Porro.

Oja, Zeiss bietet das 7x50 Marine noch feil, heißt 7 x 50 GA T* Marine; und ich hatte den Händler in Wien schon auf 800 Euro herunten ...

Hallo Hans,

das 7x50 hatte ich glatt vergessen. Und ich dachte schon, Zeiss baut wieder richtig gute (neue) Porrogläser (außer dem 7x50). Das 7x50 (GA) ist mir etwas zu groß und wuchtig. Dann muß ich mit Blick auf das blaue Logo wohl weiterhin mit der "flachen Welt" der Dachkantgläser klarkommen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> ...

Frank.
 
Re: Dachkant vs. Porro? Porro.

Hallo!

Ich möchte diese 7x50-Porro-Diskussion gerne wieder aufgreifen.

Seit drei Wochen bin ich Besitzer eines Fujinon 7x50 FMT-SX. Die Vorzüge dieses Glases babe ich bereits in meinen anderen Beiträgen erläutert. Diese Glas spielt meiner Meinung nach optisch und mechanich in der absoluten Spitzenliga. Das Glas hat 475 Euro gekostet. Es gibt einen chinesischen Nachbau, der seinem Vorbild sehr nahe kommen soll für noch mal 100 Euro weniger - allerdings auch 200 Gramm schwerer.

Fakt ist: Wer optische und mechaniche Spitzenleistung will, muss dafür keine 1200 Euro oder mehr ausgeben (Zeiss 7x50 Marine).

Andererseits ist es doch so, dass derjenige, welcher sein erstes Fernglas kauft und das nötige Kleingeld dazu hat, sich wohl kaum ein 7x50 mit Einzelokularverstellung und einem Gewicht von 1400 Gramm zulegen wird - es sei denn er ist ein "Skipper". Das war bei meinem ersten Glas nämlich genauso - ein handliches Leitz Trinovid 10x40.

Ich glaube, die Edel-Porros, vor allem die 7x50 und 8x30(32) werden deshalb gebaut, weil große Stückzahlen in den militärischen Bereich gehen. Wenn hier und da noch welche an Privat-Skipper, Hobbyastronomen und Fernglasfreaks verkauft werden - um so besser. Vielleicht kann ja Herr Korth von Fujinon dazu was schreiben.

Mein Wunsch an die Fernglashersteller wäre: Baut Porrogläser in der Größe 7x35 und 7x42 mit einem scheinbaren Sehfeld um die 150 m und sehr guter Randschärfe!
Aber ich fürchte dieser Wunsch wird nicht in Erfüllung gehen.

Gruß,
Bernhard
 
Re: Dachkant vs. Porro? Porro.

Nach meinen Infos braucht es bei Abbe-König-Dachkant-Prismaen (große Zeiss zum Beispiel) keine Verspiegelung, weil - wie bei Porro-Prismen - alles über Totalreflexion geht. Also hier kein optischer Nachteil gegenüber Porro.

Und beim kleinen 8x32 oder 10x32 möchte ich allein aus Größengründen kein Porro, da sind mir meine Schmid-Pechan-Prismen-Dachkants (leider teuer, da hier Phasenkorrektur notwendig ist) schon lieb, aufgrund der Kompaktheit.

7x50 Marineglas ist ein schönes Beispiel für Porro: wasserdichte Einzelokulareinstellung ist nur bei großen Entfernungen bedienungsfreundlich, da fast nichts einzustellen ist, bei 7fach schon gar nicht. Bei den Entfernungen in Astro und Marine ist es aber auch egal ob die Objektive ein wenig weiter voneinander entfernt sind, der Stereoeffekt ist ab ca. 200 Meter vernachlässigbar.

Hingegen ein modernes Glas mit Naheinstellung bis 2 Meter und dann den Porro-Stereo-Effekt - da macht das Beobachten von Libellen, etc. bestimmt keinen Spaß mehr. Hier bin ich für den augenidentischen Objektivabstand des Dachkants dankbar.

Porro für Astro und andere große Entfernungen, Dachkant für wechselnde (wasserdichte Innenfokussierung) und auch kleine Entfernungen, deshalb sind Dachkanten wohl langsam Standard bei Allroundgläsern.
 
Re: Dachkant vs. Porro? Porro.

Hallo OhWeh,

Mein Zeiss 8x56 "Design Selection", welches man mit Sicherheit als großes (1600 gr.) Zeiss-Glas betrachten darf, besitzt einen "P*-Aufdruck" für Phasenkorrektur (wenn Du damit die Verspiegelung der Prismen meinst). Klär mich bitte auf, falls ich irre!

Wenn man es mal ganz einfach sieht, geht`s beim Fernglas doch um den Durchblick (resultierend aus Schärfe, Bildhelligkeit, Kontrast, Plastizität, Sehfeld, Farbwiedergabe, Verzeichnung etc.) also um das Seherlebnis, abgesehen von den ganzen "Randkriterien" wie Größe, Gewicht, Art der Fokussierung etc. Nur scheint es leider vielen Leuten eher um die "Randkriterien" zu gehen. Und in diesem Punkt sind doch die vermeintlichen Nachteile oft genug auch Vorteile: Ein schweres Glas läßt sich ruhiger halten (warum wiegen Match-Gewehre um die 5 kg?), ein "globiges" Porro-Glas bietet den besseren, weil formschlüssigeren Griff. Eine Einzelokularverstellung bleibt eingestellt, auch wenn ich das Glas mal unter dem Arm trage. Die Beispile ließen sich bestimmt noch fortführen.

Den Absolut-Vorteil des Porro-Glases, nämlich den plastischen, lebendigen Bildeindruck verschenkt man, wenn man es nur als Fernglas für Astro oder weite Entfernungen einsetzt - das kann ein Dachkanter genauso gut.

Ich wohne im schönen Taunus und hier ist es einfach ein Genuß, zumal an einem schönen Herbsttag, mit einem Porro-Glas über die Nah- und Mitteldistanz in die Ferne zu blicken - da bleibt mein Zeiss 7x42 "Dialyt" trotz des größeren Sehfeldes einfach nur flach. Es kann natürlich möglich sein, dass es Leute gibt, die auch durch ein Porro-Glas die dritte Dimension nicht wahrnehmen.

Ich stimme Dir aber zu, dass ein leichtes, handliches Dachkant-Fernglas mit Mittenfokussierung für den Vogel- und Libellenspäher das geeignetere Glas ist.

Gruß,
Bernhard
 
Re: Dachkant vs. Porro? Porro.

Ich halte es für ein Gerücht, dass schwere Gläser ruhiger zu halten seien als leichte. Ein 8x20-Glas halte ich jedenfalls sehr lange sehr ruhig, weil es kaum vom der Masse ins Gewicht fällt. Ein großes 8x56 hingegen zittert spätestens nach 30s bei mir deutlich stärker.

Das Thema Ergonomie bei Ferngläsern halte ich nicht so wichtig, zumindest fürs Anfassen nicht. Meine Hand gewöhnt sich ganz schnell an die unterschiedlichen Formen (ich rede hier nicht von einem haptischen Erlebnis! Es geht nur ums Durchschauen und nicht um das Gefühl in der Hand dabei.), mir es es ziemlich egal, welche Form in meiner Hand ist.

Und Einzelokularverstellung empfinde ich als großes Hindernis; Ausnahme Himmelsbeobachtung.
 
Re: Dachkant vs. Porro? Porro.

Hallo Bernhard,

"Mein Zeiss 8x56 "Design Selection", welches man mit Sicherheit als großes (1600 gr.) Zeiss-Glas betrachten darf, besitzt einen "P*-Aufdruck" für Phasenkorrektur (wenn Du damit die Verspiegelung der Prismen meinst). Klär mich bitte auf, falls ich irre!"

Du hast recht, hier meine Berichtigung: bei Abbe-König, gibt es nur Totalreflexionen (wie beim Porro) deshalb braucht es keine Verspiegelungen zur Strahlumkehr (wie beim Schmid-Pechan) aber sehr wohl eine Phasenkorrektur (im Gegensatz zum Porro). Hätte mir als Besitzer des Design Selection 10x56 auffallen müssen.

"Wenn man es mal ganz einfach sieht, geht`s beim Fernglas doch um den Durchblick (resultierend aus Schärfe, Bildhelligkeit, Kontrast, Plastizität, Sehfeld, Farbwiedergabe, Verzeichnung etc.) also um das Seherlebnis, abgesehen von den ganzen "Randkriterien" wie Größe, Gewicht, Art der Fokussierung etc. Nur scheint es leider vielen Leuten eher um die "Randkriterien" zu gehen. Und in diesem Punkt sind doch die vermeintlichen Nachteile oft genug auch Vorteile: Ein schweres Glas läßt sich ruhiger halten (warum wiegen Match-Gewehre um die 5 kg?)"

Einspruch: das schwere Glas läßt sich in den ersten 30 Sekunden ruhiger halten (in der Zeit hat man auch das Gewehr abgeschossen), danach geht das Zittern um so stärker los. Und die übrigen Randkriterien sind eben keine Randkriterien: ein Fernglas ohne Mitteltrieb ist für mich wie ein Fahrrad, bei dem die Gangschaltung nur im abgestiegenen Zustand zu bedienen ist. Schärfe, Farbwiedergabe, etc. sind natürlich am wichtigsten, aber scharf geht nur wenn richtig fokusiert.

", ein "globiges" Porro-Glas bietet den besseren, weil formschlüssigeren Griff."

Das scheint Gschmackssache zu sein. Ich fasse lieber Dachkanten an, egal ob groß und schwer (10x56, 20x60s) oder klein und leicht (8x32, 10x32)

"Eine Einzelokularverstellung bleibt eingestellt, auch wenn ich das Glas mal unter dem Arm trage."

Meine Gläser benutze ich so, daß ich dauernd nachregulieren muß (zwischen (2-)5m und unendlich). Eine umständliche Einzelokulareinstellung wäre sehr oft gleichbedeutend mit "vergiß es". Außerdem verstellen sich auch Einzelokulare (merke ich am Dioptrienausgleich) und die auch noch nur einseitig.

"Den Absolut-Vorteil des Porro-Glases, nämlich den plastischen, lebendigen Bildeindruck verschenkt man, wenn man es nur als Fernglas für Astro oder weite Entfernungen einsetzt - das kann ein Dachkanter genauso gut."

Richtig, aber "nur" wegen des plastischen Bildes für mittlere Entfernungen ein Extra Porro (nicht wasserdicht da mit Mitteltrieb)? Ich habe so schon drei Gläser: 32er für immer dabei und ganz nah, 56er für Dämmerung und Nacht, 20x60S als Spektiv"ersatz". Mehr muß wirklich nicht sein.

"Ich stimme Dir aber zu, dass ein leichtes, handliches Dachkant-Fernglas mit Mittenfokussierung für den Vogel- und Libellenspäher das geeignetere Glas ist."

Das geht sogar mit dem 56er sehr gut (das war mein erstes), wichtig ist der Mitteltrieb und die engstehenden Objektive (für den Nahbereich). Ein Porro-Abstand "zerreißt" einem in Naheinstellung das Auge/Gehirn. (Daß das alte Design Selcetion nur bis 5 Meter geht ist allerdings blöd, da wäre das neue FL mit 3 Metern besser. Nun nur noch als reines Nachtglas verwendet ist das aber auch wieder egal.)
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben