Dann eben Jupiter...

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kapees

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Beobachtungsort: Bensheim-Gronau, von der hessischen Bergstraße aus einige Kilometer in den Krehberg eingezogen.

Instrument: Apo-Refraktor 90/600 auf Vixen GP; Okulare Meade 4000 26 mm, SWA 21 mm, 4000 12,5 mm, Televue Radian 8mm und 5mm.

Witterung: mäßiger Wind aus S, Temperatur 4° fallend, trocken, kein Tau- oder Reifansatz. Deutlich nachlassende Transparenz von 20.30 bis 21.40 Uhr.

Gegen Abend klarte der Himmel zunehmend auf, es zeichnete sich ein kleiner Beobachtungskorridor ab. Für den Newton hätte die Vorbereitungszeit zu einer ausreichenden Auskühlung nicht mehr gereicht, also durfte der neue Refraktor nochmal ran. Für die Jahreszeit war eine Beobachtungstour vorbereitet, die von Sirius ausgehend fast gerade nach Osten verlaufen sollte, mit einer Vielzahl offener Haufen, mit M 46/47 im Mittelpunkt, und als Abschluss ein Schwenk nach Norden über M 48 nach M 67. Leider wurde nichts daraus, hohe Wolkenschleier machten einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem war die Mühe der Exkursion nicht umsonst: bei mäßiger Durchsicht durfte der Neue am Jupiter zeigen, was er kann. Und das war nicht wenig.

Bereits bei 75x mit dem 8mm Radian zeigte sich eine gestochen scharfe Planetenscheibe, mit deutlichen Strukturen in den beiden dunklen Hauptbändern. Bei 120x mit dem 5mm Radian kein Einbruch in der Schärfe, allenfalls etwas größere Anfälligkeit gegenüber Luftunruhe. In den paar glücklichen Momenten, in denen völlige Bildruhe herrschte, waren auch in den hellen Zonen zarte Muster erkennbar. Nördlich und südlich der beiden Hauptbänder löste sich die hellere Fläche blickweise in feine Streifenfolgen auf, mit zarten Farbabweichungen gegenüber der hellen äquatorianen Zone. Vom GRF nichts zu sehen – zu Recht, denn zur Beobachtungsstunde zierte er gerade nicht die der Erde zugewandte Seite.

Ich kann mich an kaum eine so delikate Jupiter-Beobachtung erinnern, der verhältnismäßig kleine Refraktor ließ keine Wünsche offen – außer dem nach mehr Vergrößerung, für die ich an diesem Abend nicht eingerichtet war. Zumindest für den Zweck, die Reaktionszeiten auf kurzfristig entstehende Beobachtungsgelegenheiten zu verkürzen, gibt es kaum etwas besseres.
 
Hallo kapees,

danke für diesen aufschlussreichen Beobachtungsbericht, den ich eher in die Rubrik 'Erfahrungsbericht' einstufen würde. Handelt es sich dabei um den TS Triplet APO 90/600? Zusammen mit deiner GP und den Okularen ist es eine beneidenswerte Kombination, mit der man - deinem Bericht nach - wunderbar beobachten kann ;-).



Ich würde gern nochmal was zum Bildeindruck fragen:

Bei 75x hast du ja 1.6mm Austrittspupille. Nach meiner Erfahrung zeigen gute Teleskop da generell ein sehr scharfes Bild. Das ist also ziemlich normal.

Nun bist du auf 120x gegangen, das sind 0.75mm AP. Immer noch eine 'erträgliche' AP, die an vielen Teleskopen ein gutes Bild zeigt. Aber man sieht dort auch schon deutliche Beugungserscheinungen. Du schreibst nämlich was von 'kein Einbruch an Schärfe'. Es ist schon irgendwie ein Einbruch an Schärfe, weil man schon deutliche Beugungseffekte wahrnimmt. Gute Optik hat eher weniger 'Einbruch' im Kontrast bzw. das Bild wirkt nicht so flau. In deinem APO sollte das der Optik entsprechend noch nicht so sein. Vielleicht meintest du das so?




Ich würde den Vorteil der Linsenfernrohre bezüglich des schnellen Einsatzes nicht so hoch bewerten. Viele Teleskop sind durch Belüftung und entsprechender Planung ebenfalls sehr schnell einsatzbereit. Dennoch hat jedes Teleskop seinen Himmel und 'kleinere' Linsenfernrohre sind schon sehr flexibel, das stimmt.





Gruß
Christian

 
Hallo Christian,

ja, das war genau der Triplet-APO. Wie ich anderswo schon mal schrieb: ich muss zum Beobachten rausfahren, und wenn ich unter der Woche meistens erst um acht zu Hause bin, kann ich nicht hinterher auch noch einem großen Spiegel beim Abkühlen zuschauen. Die Okus stammen, wie das meiste andere, noch aus der Zeit vor meiner Pflegebabypause ;)

Schärfe war vielleicht etwas unpräzise, es geht, völlig richtig, um Beugungsunschärfe, die sich in Kontrastverlust äußert. Mein (subjektiv gefärbter?) Eindruck gestern Abend: die Abbildung bei 120x wirkte etwas angenehmer; überhaupt nicht flau, aber auch nicht so grafisch hart, wie die zwei Bleistiftstriche, die man bei niedriger Vergrößerung überm Planetenscheibchen sieht. Die Detailerkennung war überhaupt nicht beeinträchtigt.

Grüße,

Klaus
 
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