Ursus corpulentus
Aktives Mitglied
Das Dekolleté von Madame La Lune
Monemvasia, Griechenland, 19. April 2026, 21.oo Uhr loc., Seeing II, mild und trocken.
MIYAUCHI Pleiades (15x60, f/4 mit 3°) auf Berlebach mit Video-Neiger.
Mond und Venus, wieder einmal vereint am Westhimmel - ein Anblick für die Ewigkeit!
Er, von Ferne und ohne Optik betrachtet, nicht mehr als eine feine Sichel mit fahlem kreisrunden Korpus, sich dezent-zurückhaltend. Sie strahlt so stark, dass ich keine definierbare Form auflösen kann. Venus erscheint mir an diesem Abend und an diesem Ort wie ein Leuchtfeuer am Himmel, das die Seeleute vor einer felsigen Küste warnt; würde sie nicht wandern.
Ich sitze auf dem Dachvorsprung eines winzigen alten Häuschens, dessen Bruchsteinmauern einen satten Meter dick sind. Sie umgreifen lediglich eine Fläche von 18 Quadratmetern, die seit zwei Tagen mein Zuhause in Griechenland sind. Das Domizil liegt direkt am Meer, von dem mich lediglich eine kleine Terrasse und einige Felsblöcke trennen. Das Ganze liegt am südlichen Fuß eines 200 Meter hohen, vielleicht einen Kilometer langen, vulkanischen Steinbrockens, der die Insel Monemvasia bildet.
Ich bin eigentlich zum Tauchen gekommen*. Doch bei der Vorbereitung der Reise hat mir der Blick in Stellarium verraten, dass der Skorpion komplett zu sehen ist. Also habe ich zumindest zwei Ferngläser mitgebracht. Eigentlich sollte der Telementor mit, doch das ganze Geraffel war mir am Ende doch zu viel (danke, Christopher!). Der Skorpion ging jedoch erst am Morgen vollends auf und so vergnügte ich mich am diesem Abend ein Stündchen mit dem Mond.
Der erste Anblick durch ein Instrument, egal welcher Art oder Größe, packt mich jedes Mal von Neuem. Vor allem, wenn man das Glück hat, das Objekt direkt mittig im Bild und zufällig auch noch gut fokussiert zu erwischen. Genau das war der Fall an diesem Abend.
Gänsehaut!
Im Zentrum des Terminators der feinen Sichel befanden sich vier etwa gleichgroße Krater, aufgereiht wie Edelsteine am Halsschmuck auf dem Dekolleté einer porzellanhäutigen Dame. Wow!
Links und rechts spiegelbildlich zwei ovale schwarze Turmaline, ebenmäßig, tiefdunkel und mit weißem Rand, Zwillinge fast. Der zweite Krater von links tief und symmetrisch mit einem ausgeprägten Zentralgebirge sowie einem kleinen Binnenkrater auf seinem Rand auf 11-Uhr-Position.
Zwischen ihm und seinem linken Nachbarn ein pockennarbiges Feld kleinerer Verwerfungen. (Die Dame scheint das Alter zu haben, sich solch teuren Schmuck leiten zu können).
Der dritte Krater ist irgendwie indifferent; schartig, flach aber rau mit einem ungefähr einem Drittel seiner eigenen Größe gearteten Kleinkrater auf seinem Rand bei 5 Uhr durchbrechend – ein Aquamarin vielleicht mit Einschlüssen von Calcit, wie man ihn in Namibia findet.
Ganz rechts schließlich der Perfekte der Vier, symmetrisch, tiefdunkel, in Vollendung oval mit schneeweißem Rand und einem winzigen leuchtenden Punkt in seinem Zentrum. Er erinnert mich jetzt eher an die Onyx-Platte mit dem eingelassenen Diamantsplitter eines Herrenrings, wie man ihn trug, als ich noch Kind war.
Der gesamte obere unbeleuchtete Teil des Mondes scheint in einem rötlichen Blaugrau zu fluoreszieren. Vom Terminator aus geht das Taubenblau in ein zartes, neutrales Basaltgrau über, welches sich zum Rand hin strahlend weiß auflöst. Und es ist ein gelblicher Rand sichtbar (der der Optik geschuldet sein dürfte). Das Bild endet mit einem nur minimal gezackten Rand in der tiefen Schwärze des Raums.
Am zart-violetten Himmel anfangs meiner Beobachtung waren um die Venus herum nur fünf Sterne erkennbar. Sie erinnerten mich an die Kastensterne des Wagens und den ersten der Deichsel. Doch von Minute zu Minute wuchs der Sterne Schar. Erst zwei weitere feine Punkte am „Deichselstern“, dann immer mehr auch dazwischen und nun, 35 Minuten später, ist die Venus hinter dem lakonischen Gebirge im Westen verschwunden und der Mond scheint wie auf dem Nadelkissen eines offenen Sternhaufens zu ruhen.
Ein letzter Blick, bevor auch er sich für diesen Abend verabschiedet. Dass Seeing in Richtung Horizont lässt nach, das Dekolleté von Madame La Lune wird runzliger. Die nun wabernde gelbe Sichel und das Nadelkissen sind schon zur Hälfte weg.
Und, ja, ich gebe es zu: an diesem Abend hätte ich gerne fotografiert.
Schöne Grüße,
Urs
*In nicht einmal 50 Metern Entfernung von der Küste liegen zwei Wracks von Schiffen, die die deutsche Luftwaffe vor über 80 Jahren auf den sandigen Grund gebombt hat. Für mich als Freitaucher liegen sie zwar zu tief, der Boden der flach abfallenden Küste ist jedoch voll von Trümmerteilen. So fand ich auch dieses etwas mehr als drei Meter lange Ruder eines der versenkten Schiffe in gut sieben Metern Tiefe.
Monemvasia, Griechenland, 19. April 2026, 21.oo Uhr loc., Seeing II, mild und trocken.
MIYAUCHI Pleiades (15x60, f/4 mit 3°) auf Berlebach mit Video-Neiger.
Mond und Venus, wieder einmal vereint am Westhimmel - ein Anblick für die Ewigkeit!
Er, von Ferne und ohne Optik betrachtet, nicht mehr als eine feine Sichel mit fahlem kreisrunden Korpus, sich dezent-zurückhaltend. Sie strahlt so stark, dass ich keine definierbare Form auflösen kann. Venus erscheint mir an diesem Abend und an diesem Ort wie ein Leuchtfeuer am Himmel, das die Seeleute vor einer felsigen Küste warnt; würde sie nicht wandern.
Ich sitze auf dem Dachvorsprung eines winzigen alten Häuschens, dessen Bruchsteinmauern einen satten Meter dick sind. Sie umgreifen lediglich eine Fläche von 18 Quadratmetern, die seit zwei Tagen mein Zuhause in Griechenland sind. Das Domizil liegt direkt am Meer, von dem mich lediglich eine kleine Terrasse und einige Felsblöcke trennen. Das Ganze liegt am südlichen Fuß eines 200 Meter hohen, vielleicht einen Kilometer langen, vulkanischen Steinbrockens, der die Insel Monemvasia bildet.
Ich bin eigentlich zum Tauchen gekommen*. Doch bei der Vorbereitung der Reise hat mir der Blick in Stellarium verraten, dass der Skorpion komplett zu sehen ist. Also habe ich zumindest zwei Ferngläser mitgebracht. Eigentlich sollte der Telementor mit, doch das ganze Geraffel war mir am Ende doch zu viel (danke, Christopher!). Der Skorpion ging jedoch erst am Morgen vollends auf und so vergnügte ich mich am diesem Abend ein Stündchen mit dem Mond.
Der erste Anblick durch ein Instrument, egal welcher Art oder Größe, packt mich jedes Mal von Neuem. Vor allem, wenn man das Glück hat, das Objekt direkt mittig im Bild und zufällig auch noch gut fokussiert zu erwischen. Genau das war der Fall an diesem Abend.
Gänsehaut!
Im Zentrum des Terminators der feinen Sichel befanden sich vier etwa gleichgroße Krater, aufgereiht wie Edelsteine am Halsschmuck auf dem Dekolleté einer porzellanhäutigen Dame. Wow!
Links und rechts spiegelbildlich zwei ovale schwarze Turmaline, ebenmäßig, tiefdunkel und mit weißem Rand, Zwillinge fast. Der zweite Krater von links tief und symmetrisch mit einem ausgeprägten Zentralgebirge sowie einem kleinen Binnenkrater auf seinem Rand auf 11-Uhr-Position.
Zwischen ihm und seinem linken Nachbarn ein pockennarbiges Feld kleinerer Verwerfungen. (Die Dame scheint das Alter zu haben, sich solch teuren Schmuck leiten zu können).
Der dritte Krater ist irgendwie indifferent; schartig, flach aber rau mit einem ungefähr einem Drittel seiner eigenen Größe gearteten Kleinkrater auf seinem Rand bei 5 Uhr durchbrechend – ein Aquamarin vielleicht mit Einschlüssen von Calcit, wie man ihn in Namibia findet.
Ganz rechts schließlich der Perfekte der Vier, symmetrisch, tiefdunkel, in Vollendung oval mit schneeweißem Rand und einem winzigen leuchtenden Punkt in seinem Zentrum. Er erinnert mich jetzt eher an die Onyx-Platte mit dem eingelassenen Diamantsplitter eines Herrenrings, wie man ihn trug, als ich noch Kind war.
Der gesamte obere unbeleuchtete Teil des Mondes scheint in einem rötlichen Blaugrau zu fluoreszieren. Vom Terminator aus geht das Taubenblau in ein zartes, neutrales Basaltgrau über, welches sich zum Rand hin strahlend weiß auflöst. Und es ist ein gelblicher Rand sichtbar (der der Optik geschuldet sein dürfte). Das Bild endet mit einem nur minimal gezackten Rand in der tiefen Schwärze des Raums.
Am zart-violetten Himmel anfangs meiner Beobachtung waren um die Venus herum nur fünf Sterne erkennbar. Sie erinnerten mich an die Kastensterne des Wagens und den ersten der Deichsel. Doch von Minute zu Minute wuchs der Sterne Schar. Erst zwei weitere feine Punkte am „Deichselstern“, dann immer mehr auch dazwischen und nun, 35 Minuten später, ist die Venus hinter dem lakonischen Gebirge im Westen verschwunden und der Mond scheint wie auf dem Nadelkissen eines offenen Sternhaufens zu ruhen.
Ein letzter Blick, bevor auch er sich für diesen Abend verabschiedet. Dass Seeing in Richtung Horizont lässt nach, das Dekolleté von Madame La Lune wird runzliger. Die nun wabernde gelbe Sichel und das Nadelkissen sind schon zur Hälfte weg.
Und, ja, ich gebe es zu: an diesem Abend hätte ich gerne fotografiert.
Schöne Grüße,
Urs
*In nicht einmal 50 Metern Entfernung von der Küste liegen zwei Wracks von Schiffen, die die deutsche Luftwaffe vor über 80 Jahren auf den sandigen Grund gebombt hat. Für mich als Freitaucher liegen sie zwar zu tief, der Boden der flach abfallenden Küste ist jedoch voll von Trümmerteilen. So fand ich auch dieses etwas mehr als drei Meter lange Ruder eines der versenkten Schiffe in gut sieben Metern Tiefe.