peterlink
Aktives Mitglied
Hallo Leute,
wie jeder normale, wenn man Astrofotografen als normal bezeichnen kann, führte ich brav mein Montierung mit OAG oder Leitrohr nach. Nun las ich hier im Biete-Forum über ein neues Produkt mit dem Namen PEC-Watcher, dass das alles bei gründlicher Einnordung überflüssig machen sollte und späten dann auch mit AutoGuider zu betrieben sei. PEC-Watcher besteht aus einem hochauflösenden (Heidenhain ) Encoder der direkt auf der RA-Achse befestigt wird und einer Regelungselektronik mit ST-4 Ausgang. Das Ganze bildet einen Regelkreis mit der Schrittmotorensteuerung, der es ermöglichen soll, je nach Güte der Montierung mit einer Genauigkeit zwischen +/- 1 und +-0.5 Bogensekunden nachzuführen.
Da ich im Internet außen den Hersteller-/ Händlerinformation nichts brauchbares fand, habe ich mit Lajos, Teleskop & Sternwarte Zentrum in Linz, Kontakt aufgenommen. Lajos hat mir dann das Gerät zum testen zur Verfügung gestellt. Kam alles recht schnell aus Österreich und ich konnte loslegen.
Da ich quasi eine Selbstbaumontierung habe, von der OTE II ist nur noch das Gehäuse und die Schneckentriebe übrig geblieben, musste ich mir erst einmal eine Adaption für den Encoder anfertigen lassen. Man kann sich ja vorstellen, dass bei diesen Genauigkeiten der Winkelauflösung eine exakte und solide Befestigungsmöglichkeit her muss. Meine Montierung ist recht gut und hat je nach Tagesform und Einstellungen einen PE der immer deutlich kleiner als +/- 10’’ ist. Hier eine Messung die ich vor einiger Zeit mit dem 120/900 ED und der ATIK 16HR gemacht habe. Da waren schon die ESCAP mit den 12:1 Getrieben an der Montierung:
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/PEC_OTE_ESCAP_12zu1.jpg
Die Adaption des Encoders war recht einfach. Meine RA Achse hat ein M12 Innengehwinde am Ende. Mit dem entsprechenden Adapter kann man den (Hohlwellen-) Encoder einfach befestigen, der dann stabil auf der angefertigten Auflage verschraubt werden kann. Ist in ein paar Minuten erledigt:
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/Encoder_1.JPG
Laut Hersteller hat das System eine Auflösung von 0.125’’. Der Encoder ist ein 1Vss, ein sogenannter Sinus-/Cosinus Encoder. Daher vermute ich das sich in der Regelungselektronik unter anderen ein Interpolator befindet, da man wohl nicht ohne Interpolation auf diese Auflösungen kommen würde. Ich wüste jedenfalls nicht wie. Die ganz Elektronik ist sauber in einem recht kleinen externen Gehäuse untergebracht, signalisiert über LED’s den Zustand und ist über 4 DIP-Schalter zu konfigurieren. Ja, das war’s. Das gesamte System ist sehr einfach zu konfigurieren und zu beitreiben. Die Anzeigeauflösung kann entweder mit +/- 2.5’’ oder +/- 15’’ konfiguriert werden, die Korrekturimpulse der Regelung mit 1Hz oder 5Hz. Die Toleranz der Nachführungsgenauigkeit ist mit +/- 0.5’’ b.z.w. +/- 1’’ konfigurierbar. Es stehen zwei Nachführungsgeschwindigkeiten zur Auswahl: Siderisch (Sterngeschwindigkeit) oder King-Rate (geringere Höhen, sphärische Aberration?).
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/BOX._1.jpg
Nach dem ich nun alles angebaut und konfiguriert hatte, konnte ich noch in der selben Nacht den ersten Test machen. Meine Montierung hat meist ca. 14-15 Kg Zuladung. 120ED/900 mit ATIK 16HR, OAG, WATEC, Filterrad u.s.w. und einen 80ger TMB APO mit einer EOS 300D u.s.w.. Das Testobjekt war mir auf Grund der fortgeschrittenen Zeit egal. Das Bild zeigt einen Himmelsauschnitt hoch im Süd-Osten. Korrekturgeschwindigkeit 1.6 siderisch. Da ich in auch bei normalem AutoGuiding (WAT-120N am OAG) meist nur bis 300s belichte und die Aufnahmen dann mittele/addiere, habe ich die Montierung nie bis aufs Letzte auf den Himmelspol ausgerichtet.
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/TEST_PEC_Watcher_240s_klein.jpg
volle Auflösung
Teleskop : 120/900 ED mit Moonlite CF Okularauszug und Motorisierung
Montierung : modifizierte OTE II mit ESCAP Motoren ( 12:1 Getriebe)
Kamera : ATIK 16 HR 1x1 Binning
Steuerung : Boxdörfer MTS3 SDI
Regelung : PEC-Watcher
Belichtungszeit : 240s mit IR Filter
PEC-Watcher verfügt auch über eine serielle Schnittstelle mit der man zum Beispiel den aktuellen Nachführungsfehler auslesen kann, so habe ich mir ein Programm geschrieben, um das Verhalten von Montierung und den Regelkreis auch am Tage analysieren zu können:
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/ESCAP_Vorgelege_12_1.JPG
Die parallelen Linien zur X-Achse in der Grafik sind der Bereich der Standardabweichung bei einer Messdauer von 600s (1 Hz pro Wert).
Interessant ist natürlich auch die Verteilung dieser Messwerte (Auflösung von 0.125’’):
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/PEC-Wacher%20Verteilung%20ESCAP_12_zu_1_1000s.jpg
Ca. 88% der Messwerte sind im Bereich von +/- 0.8’’, jedoch sieht man auch deutlich eine zusätzliche Konzentration der Messwerte um + 0.8’’. Korrekturgeschwindigkeit falsch? Also von 1.6 siderisch auf 1.3. Schon ein besseres Ergebnis aber mit meinem Programm konnte ich auch sehr schön in „Real time“ beobachten, das hier noch Überkorrekturen vorliegen. Habe dann noch weiter mit den Korrekturgeschwindigkeiten experimentiert. Das Verhalten des Regelkreises ändertet sich jedoch nicht mehr nennenswert. Nun half mir der „Display Mode“ des PEC-Watchers. Dieser Modus ermöglicht einfach nur eine Erfassung und Darstellung des Fehlers ohne das der Regelkreis korrigiert. Man braucht einfach nur das ST-4 Kabel bei der Initialisierung nicht anzuschließen und schon zeigt das Gerät die Fehler an. Ich habe dazu wieder mein Programm benutzt. Und siehe da, meine Getriebe machten dann doch kleine Sprünge. Ich glaube aber, dass das auch mit der geringen Gesamtuntersetzung von 1200:1 meiner Montierung zu tun hatte. Selbst bei den sehr gut für Mikroschritten geeigneten ESCAP Motoren ist das wohl zu weinig. Also habe ich mir bei Michael Koch 48:1 Getriebe bestellt und die machten schon bei der erster Begutachtung einen sehr guten Eindruck. Mit den 48:1 Getrieben habe ich dann auch noch mal die gleiche Testreihe wiederholt. Wieder mit Standardabweichung, Messdauer 600s (1 Hz pro Wert):
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/ESCAP_Vorgelege_48_1.JPG
Hier die Analyse der Verteilung der einzelnen Messwerte mit den 48:1 Getrieben:
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/PEC-Wacher%20Verteilung%20ESCAP_48_zu_1_1000s.jpg
Das Ergebnis war noch besser. Mit den 48:1 Getrieben liegen fast 95% aller Werte bei einer Messdauer von 1000s im Bereich von +/- 0.5’’. Bei meinem festen Beobachtungsstandort auf unserem Grundstück, wo selbst bei sehr guten Bedingungen das Seeing von ca. 2’’ die Grenze darstellt, sind dieser Werte unter der Auflösungsgrenze. Da aber in der Praxis andere Fehlerquellen die der PEC-Watcher nicht korrigieren kann hinzukommen, wird die Belichtungszeit natürlich in Summe dieser Gesamtfehlers begrenzt. Die Wahrheit zeigt sich dann wie fast immer am Stern. Nun wartete ich einige Tage auf die Möglichkeit die ganze Theorie in der Praxis zu überprüfen. Gestern hatte dann endlich die Möglichkeit weitere Testaufnahmen zwischen den Wolkenlücken zu machen. Weitere Bedingungen: Aufgehender (3/4) Mond, leichter Wind und mäßiges Seeing, Ich konnte dann nur eine Belichtungsserien von 5x300s von M27 im Ha Bereich machen, musste erst mal reichen, am nächsten Tag ruft die Arbeit:
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/M27_300_Ha004_1.jpg
volle Auflösung
Teleskop : 120/900 ED mit Moonlite CF Okularauszug und Motorisierung
Montierung : modifizierte OTE II mit ESCAP Motoren (48:1 Getriebe)
Kamera : ATIK 16 HR 1x1 Binning
Steuerung : Boxdörfer MTS3 SDI
Regelung : PEC-Watcher
Belichtungszeit : 300s mit Ha Filter ohne Darkframe
Das ist eine 300s Ha Einzelaufnahme ohne Darkframe, nur die Helligkeit wurde angepasst. Es ging mir nur darum, die Nachführgenauigkeit zu testen, muss ja dann nicht schön sein. Jede der 5 Aufnahmen ist brauchbar. Ich denke da ist noch mehr an Belichtungszeit drin, das werden sicherlich weitere Aufnahmen bestätigen. Ich bin erst einmal mit 300s zufrieden.
Hier noch mal das gemittelte Ergebnis (ohne Darkframe):
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/M27_300_Ha_Mittelwert_1.jpg
volle Auflösung
Mein Fazit:Je länger man belichten will und/oder bei sehr langen Brennweiten desto besser muss die Montierung eingenordet sein. Da der Encoder direkt an der RA-Achse befestig wird, muss ein eventuell vorhandener Polsucher entfernt werden. Das macht die Sache mit der perfekten Einnordung nicht einfacher, gerade bei mobilem Einsatz. Scheinern oder eine andere Methode ist also immer angesagt. Das sollte aber kein Problem darstellen, da man diese Dinge auch ohne PEC-Watcher als Astrofotograf beachten muss.Des weiteren sollte in „fotografischer Höhe“ belichtetet werde, da kein Ausgleich der atmosphärische Refraktion stattfinden kann. Mann kann die Kontrollgeschwindigkeit zwar auf King-Rate einstellen, jedoch nicht Positionsbezogen. Es wird aber bald ein kostenloses (Software?) Update für den PEC-Watcher geben, das den Parallelbetrieb mit AutoGuider ermöglicht. Die heutige Version würde die kleinen AutoGuider Korrekturen einfach wieder ausgleichen. Schnelle Bewegungen über 4’’, z.B. bei Goto Impulsen an die Steuerung oder einen manuellen Schwenk korrigiert das Gerät natürlich nicht. PEC-Watcher ist für all diejenigen interessant, die über eine gute und stabile Montierung verfügen und bei unserem durchschnittlichem Seeing und der Himmelaufhellung ohne Leitrohr/OAG Deep Sky Belichtungsserien im Langzeitbereich mit mittleren (langen?) Brennweiten erstellen wollen. Wichtig für die erreichbare Genauigkeit sind gute Vorgelege. Der absolute Schneckenfehler einer „normalen“ Montierung spielt aus meiner Sicht hier eine untergeordnete Rolle. Bei der Verwendung (Digitaler) Spiegelreflexkameras könnte der Computer ganz entfallen. Dadurch sinkt die Komplexität des Systems und man kann sich auf das wesentliche Konzentrieren: Dem Fotografieren und nicht der Leitsternsuche oder dem AutoGuider Setup. Die optimale Lösung wäre natürlich eine zusätzliche AO wie von Starlight Xpress oder SBIG. Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass man das Laufverhalten seinen Montierung mit PEC-Watcher am Tag analysieren und optimieren kann und nicht wertvolle Zeit in den wenig guten Nächten verschenkt.
Die Grenze der möglichen Belichtungszeit wird vom Hersteller je nach Brennweite mit ca. 10 Minuten angegeben. Wo bei meinem Setup die Grenze liegt wird sich zeigen. Ich bin aber schon mit dem jetzigen Ergebnis sehr zufrieden, da ich mehr als 5 Minuten Einzelaufnahmen mit AutoGuider auch nicht gemacht habe. Mich hat das System jedenfalls überzeugt.
Gruß,
Peter
wie jeder normale, wenn man Astrofotografen als normal bezeichnen kann, führte ich brav mein Montierung mit OAG oder Leitrohr nach. Nun las ich hier im Biete-Forum über ein neues Produkt mit dem Namen PEC-Watcher, dass das alles bei gründlicher Einnordung überflüssig machen sollte und späten dann auch mit AutoGuider zu betrieben sei. PEC-Watcher besteht aus einem hochauflösenden (Heidenhain ) Encoder der direkt auf der RA-Achse befestigt wird und einer Regelungselektronik mit ST-4 Ausgang. Das Ganze bildet einen Regelkreis mit der Schrittmotorensteuerung, der es ermöglichen soll, je nach Güte der Montierung mit einer Genauigkeit zwischen +/- 1 und +-0.5 Bogensekunden nachzuführen.
Da ich im Internet außen den Hersteller-/ Händlerinformation nichts brauchbares fand, habe ich mit Lajos, Teleskop & Sternwarte Zentrum in Linz, Kontakt aufgenommen. Lajos hat mir dann das Gerät zum testen zur Verfügung gestellt. Kam alles recht schnell aus Österreich und ich konnte loslegen.
Da ich quasi eine Selbstbaumontierung habe, von der OTE II ist nur noch das Gehäuse und die Schneckentriebe übrig geblieben, musste ich mir erst einmal eine Adaption für den Encoder anfertigen lassen. Man kann sich ja vorstellen, dass bei diesen Genauigkeiten der Winkelauflösung eine exakte und solide Befestigungsmöglichkeit her muss. Meine Montierung ist recht gut und hat je nach Tagesform und Einstellungen einen PE der immer deutlich kleiner als +/- 10’’ ist. Hier eine Messung die ich vor einiger Zeit mit dem 120/900 ED und der ATIK 16HR gemacht habe. Da waren schon die ESCAP mit den 12:1 Getrieben an der Montierung:
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/PEC_OTE_ESCAP_12zu1.jpg
Die Adaption des Encoders war recht einfach. Meine RA Achse hat ein M12 Innengehwinde am Ende. Mit dem entsprechenden Adapter kann man den (Hohlwellen-) Encoder einfach befestigen, der dann stabil auf der angefertigten Auflage verschraubt werden kann. Ist in ein paar Minuten erledigt:
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/Encoder_1.JPG
Laut Hersteller hat das System eine Auflösung von 0.125’’. Der Encoder ist ein 1Vss, ein sogenannter Sinus-/Cosinus Encoder. Daher vermute ich das sich in der Regelungselektronik unter anderen ein Interpolator befindet, da man wohl nicht ohne Interpolation auf diese Auflösungen kommen würde. Ich wüste jedenfalls nicht wie. Die ganz Elektronik ist sauber in einem recht kleinen externen Gehäuse untergebracht, signalisiert über LED’s den Zustand und ist über 4 DIP-Schalter zu konfigurieren. Ja, das war’s. Das gesamte System ist sehr einfach zu konfigurieren und zu beitreiben. Die Anzeigeauflösung kann entweder mit +/- 2.5’’ oder +/- 15’’ konfiguriert werden, die Korrekturimpulse der Regelung mit 1Hz oder 5Hz. Die Toleranz der Nachführungsgenauigkeit ist mit +/- 0.5’’ b.z.w. +/- 1’’ konfigurierbar. Es stehen zwei Nachführungsgeschwindigkeiten zur Auswahl: Siderisch (Sterngeschwindigkeit) oder King-Rate (geringere Höhen, sphärische Aberration?).
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/BOX._1.jpg
Nach dem ich nun alles angebaut und konfiguriert hatte, konnte ich noch in der selben Nacht den ersten Test machen. Meine Montierung hat meist ca. 14-15 Kg Zuladung. 120ED/900 mit ATIK 16HR, OAG, WATEC, Filterrad u.s.w. und einen 80ger TMB APO mit einer EOS 300D u.s.w.. Das Testobjekt war mir auf Grund der fortgeschrittenen Zeit egal. Das Bild zeigt einen Himmelsauschnitt hoch im Süd-Osten. Korrekturgeschwindigkeit 1.6 siderisch. Da ich in auch bei normalem AutoGuiding (WAT-120N am OAG) meist nur bis 300s belichte und die Aufnahmen dann mittele/addiere, habe ich die Montierung nie bis aufs Letzte auf den Himmelspol ausgerichtet.
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/TEST_PEC_Watcher_240s_klein.jpg
volle Auflösung
Teleskop : 120/900 ED mit Moonlite CF Okularauszug und Motorisierung
Montierung : modifizierte OTE II mit ESCAP Motoren ( 12:1 Getriebe)
Kamera : ATIK 16 HR 1x1 Binning
Steuerung : Boxdörfer MTS3 SDI
Regelung : PEC-Watcher
Belichtungszeit : 240s mit IR Filter
PEC-Watcher verfügt auch über eine serielle Schnittstelle mit der man zum Beispiel den aktuellen Nachführungsfehler auslesen kann, so habe ich mir ein Programm geschrieben, um das Verhalten von Montierung und den Regelkreis auch am Tage analysieren zu können:
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/ESCAP_Vorgelege_12_1.JPG
Die parallelen Linien zur X-Achse in der Grafik sind der Bereich der Standardabweichung bei einer Messdauer von 600s (1 Hz pro Wert).
Interessant ist natürlich auch die Verteilung dieser Messwerte (Auflösung von 0.125’’):
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/PEC-Wacher%20Verteilung%20ESCAP_12_zu_1_1000s.jpg
Ca. 88% der Messwerte sind im Bereich von +/- 0.8’’, jedoch sieht man auch deutlich eine zusätzliche Konzentration der Messwerte um + 0.8’’. Korrekturgeschwindigkeit falsch? Also von 1.6 siderisch auf 1.3. Schon ein besseres Ergebnis aber mit meinem Programm konnte ich auch sehr schön in „Real time“ beobachten, das hier noch Überkorrekturen vorliegen. Habe dann noch weiter mit den Korrekturgeschwindigkeiten experimentiert. Das Verhalten des Regelkreises ändertet sich jedoch nicht mehr nennenswert. Nun half mir der „Display Mode“ des PEC-Watchers. Dieser Modus ermöglicht einfach nur eine Erfassung und Darstellung des Fehlers ohne das der Regelkreis korrigiert. Man braucht einfach nur das ST-4 Kabel bei der Initialisierung nicht anzuschließen und schon zeigt das Gerät die Fehler an. Ich habe dazu wieder mein Programm benutzt. Und siehe da, meine Getriebe machten dann doch kleine Sprünge. Ich glaube aber, dass das auch mit der geringen Gesamtuntersetzung von 1200:1 meiner Montierung zu tun hatte. Selbst bei den sehr gut für Mikroschritten geeigneten ESCAP Motoren ist das wohl zu weinig. Also habe ich mir bei Michael Koch 48:1 Getriebe bestellt und die machten schon bei der erster Begutachtung einen sehr guten Eindruck. Mit den 48:1 Getrieben habe ich dann auch noch mal die gleiche Testreihe wiederholt. Wieder mit Standardabweichung, Messdauer 600s (1 Hz pro Wert):
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/ESCAP_Vorgelege_48_1.JPG
Hier die Analyse der Verteilung der einzelnen Messwerte mit den 48:1 Getrieben:
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/PEC-Wacher%20Verteilung%20ESCAP_48_zu_1_1000s.jpg
Das Ergebnis war noch besser. Mit den 48:1 Getrieben liegen fast 95% aller Werte bei einer Messdauer von 1000s im Bereich von +/- 0.5’’. Bei meinem festen Beobachtungsstandort auf unserem Grundstück, wo selbst bei sehr guten Bedingungen das Seeing von ca. 2’’ die Grenze darstellt, sind dieser Werte unter der Auflösungsgrenze. Da aber in der Praxis andere Fehlerquellen die der PEC-Watcher nicht korrigieren kann hinzukommen, wird die Belichtungszeit natürlich in Summe dieser Gesamtfehlers begrenzt. Die Wahrheit zeigt sich dann wie fast immer am Stern. Nun wartete ich einige Tage auf die Möglichkeit die ganze Theorie in der Praxis zu überprüfen. Gestern hatte dann endlich die Möglichkeit weitere Testaufnahmen zwischen den Wolkenlücken zu machen. Weitere Bedingungen: Aufgehender (3/4) Mond, leichter Wind und mäßiges Seeing, Ich konnte dann nur eine Belichtungsserien von 5x300s von M27 im Ha Bereich machen, musste erst mal reichen, am nächsten Tag ruft die Arbeit:
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/M27_300_Ha004_1.jpg
volle Auflösung
Teleskop : 120/900 ED mit Moonlite CF Okularauszug und Motorisierung
Montierung : modifizierte OTE II mit ESCAP Motoren (48:1 Getriebe)
Kamera : ATIK 16 HR 1x1 Binning
Steuerung : Boxdörfer MTS3 SDI
Regelung : PEC-Watcher
Belichtungszeit : 300s mit Ha Filter ohne Darkframe
Das ist eine 300s Ha Einzelaufnahme ohne Darkframe, nur die Helligkeit wurde angepasst. Es ging mir nur darum, die Nachführgenauigkeit zu testen, muss ja dann nicht schön sein. Jede der 5 Aufnahmen ist brauchbar. Ich denke da ist noch mehr an Belichtungszeit drin, das werden sicherlich weitere Aufnahmen bestätigen. Ich bin erst einmal mit 300s zufrieden.
Hier noch mal das gemittelte Ergebnis (ohne Darkframe):
Link zur Grafik: http://peterlink.pe.funpic.de/PEC_WATCHER/M27_300_Ha_Mittelwert_1.jpg
volle Auflösung
Mein Fazit:Je länger man belichten will und/oder bei sehr langen Brennweiten desto besser muss die Montierung eingenordet sein. Da der Encoder direkt an der RA-Achse befestig wird, muss ein eventuell vorhandener Polsucher entfernt werden. Das macht die Sache mit der perfekten Einnordung nicht einfacher, gerade bei mobilem Einsatz. Scheinern oder eine andere Methode ist also immer angesagt. Das sollte aber kein Problem darstellen, da man diese Dinge auch ohne PEC-Watcher als Astrofotograf beachten muss.Des weiteren sollte in „fotografischer Höhe“ belichtetet werde, da kein Ausgleich der atmosphärische Refraktion stattfinden kann. Mann kann die Kontrollgeschwindigkeit zwar auf King-Rate einstellen, jedoch nicht Positionsbezogen. Es wird aber bald ein kostenloses (Software?) Update für den PEC-Watcher geben, das den Parallelbetrieb mit AutoGuider ermöglicht. Die heutige Version würde die kleinen AutoGuider Korrekturen einfach wieder ausgleichen. Schnelle Bewegungen über 4’’, z.B. bei Goto Impulsen an die Steuerung oder einen manuellen Schwenk korrigiert das Gerät natürlich nicht. PEC-Watcher ist für all diejenigen interessant, die über eine gute und stabile Montierung verfügen und bei unserem durchschnittlichem Seeing und der Himmelaufhellung ohne Leitrohr/OAG Deep Sky Belichtungsserien im Langzeitbereich mit mittleren (langen?) Brennweiten erstellen wollen. Wichtig für die erreichbare Genauigkeit sind gute Vorgelege. Der absolute Schneckenfehler einer „normalen“ Montierung spielt aus meiner Sicht hier eine untergeordnete Rolle. Bei der Verwendung (Digitaler) Spiegelreflexkameras könnte der Computer ganz entfallen. Dadurch sinkt die Komplexität des Systems und man kann sich auf das wesentliche Konzentrieren: Dem Fotografieren und nicht der Leitsternsuche oder dem AutoGuider Setup. Die optimale Lösung wäre natürlich eine zusätzliche AO wie von Starlight Xpress oder SBIG. Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass man das Laufverhalten seinen Montierung mit PEC-Watcher am Tag analysieren und optimieren kann und nicht wertvolle Zeit in den wenig guten Nächten verschenkt.
Die Grenze der möglichen Belichtungszeit wird vom Hersteller je nach Brennweite mit ca. 10 Minuten angegeben. Wo bei meinem Setup die Grenze liegt wird sich zeigen. Ich bin aber schon mit dem jetzigen Ergebnis sehr zufrieden, da ich mehr als 5 Minuten Einzelaufnahmen mit AutoGuider auch nicht gemacht habe. Mich hat das System jedenfalls überzeugt.
Gruß,
Peter
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