Das muss mir mal jemand erklären...

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Canonist

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Guten Abend zusammen.
Bedeckter Himmel draußen, da ist es mal Zeit für eine Bearbeitungsfrage:
Ich bin bisher grundsätzlich davon ausgegangen, dass ein Jupiter-RGB (oder jeder andere Planet) nur so scharf sein kann, wie der beste seiner Farbauszüge.
Nun sehe ich bei der Japan ALPO immer wieder mal Bildtableaus von Tomio Akutsu aus Cebu. Er zeigt darauf auch neben den RGB's die IR-Ergebnisse. Meistens sind die in allen Serien bekanntermaßen die schärfsten.
Was mich wundert: Die RGB-Bilder sind oft sehr scharf, die zeitnah dazu aufgenommenen IR-Bilder erkennbar weniger. Wie kann das sein?
Ein Beispiel zum Angucken hier:
http://alpo-j.asahikawa-med.ac.jp/kk11/j111115z.htm
Bitte runterscrollen bis zu Akutsu, und dann die erste Bilderreihe. RGB sehr gut, IR deutlich seeinggeprägter...
Wer kann mir erklären, woher dann das scharfe RGB kommt? Leider ist kein Grünauszug dabei, aber kann es sei, dass der schärfer und detailreicher ist als R oder erst recht IR?
Bin gespannt auf Erklärungsansätze.
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

das Auflösungsvermögen eines Teleskops sinkt mit steigender Wellenlänge (->Größe der Airy Disk). Theoretisch ist der Blaukanal in einer RGB-Sequenz am schärfsten bzw. höchsten aufgelöst, eine Aufnahme im nahen IR hat die niedrigste Auflösung. Leider steigt der Einfluss des Seeings entgegengesetzt mit kürzer werdender Wellenlänge. Nur bei relativ schlechten Bedingungen ist die IR Aufnahme einer Sequenz die schärfste, bei etwas besserem Seeing meist die R-Aufnahme, bei gutem die G-Aufnahme usw. Dazu verwendet Tomio einen IR-Passfilter mit relativ langwelliger Flanke (800nm), der schon merklich Licht schluckt, längere Belichtungszeiten erfordert und damit bei bewegtem Seeing weniger scharfe Resultate liefert.
Welcher Kanal letztlich der schärfste ist, hängt also von einigen Faktoren ab.
Tomio gibt hier nicht an, woraus genau die als "LRGB" benannten Aufnhamen zusammengesetzt sind, bzw. wie er den Luminanzkanal aufgenommen hat. An einen reinen L-Filter mit UV und IR Sperrung glaube ich nicht, denn damit sind die Ergebnisse erfahrungsgemäß durch vermatschende Wellenlängen längst nicht so scharf...

Viele Grüße,
Oliver


 
Hallo Oliver.
Die Auflösung betreffend ist das richtig. Hatte mich vielleicht missverständlich ausgedrückt, als ich davon sprach, dass IR meistens am schärfsten ist. Gemeint ist natürlich im Ergebnis unter Einfluss der Luftunruhe.

Ich gehe ebenfalls nicht davon aus, dass Akutsu L als echtes Luminanzfilter verwendet.
Meine Mutmaßung geht eher in Richtung guter G oder R-Bilder. Leider bekommt man die von ihm nicht zu sehen.
Ich benutze auch ein IR-Pass von Baader, und die Bilder sind in der Regel zwar etwas dunkler als R, aber oft auch noch schärfer.

Noch verwirrender ist, dass manche Akutsu-Bilder in RGB sehr scharf sind, und die zeitnahen IR's auch.
Habe das Internet durchwühlt, aber Akutsu hat odffenbar keine eigene Internetseite, die Aufschluss geben würde.
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf und Oliver,

die Erklärung von Oliver finde ich recht plausibel. Mario Weigand hat seine aktuellen Mondbilder alle mit Grünfilter aufgenommen, vermutlich deshalb, weil es an dem Abend in diesem Wellenlängenbereich mit seinem C14 die schärfsten Bilder gab.

Gruß, Jan
 
Hi Rudolf,

Ich bin bisher grundsätzlich davon ausgegangen, dass ein Jupiter-RGB (oder jeder andere Planet) nur so scharf sein kann, wie der beste seiner Farbauszüge.
...
http://alpo-j.asahikawa-med.ac.jp/kk11/j111115z.htm

Guck mal genauer hin, Tomio gibt 2 Kameras an. RGB wird mit der DFK gemacht und die s/w DMK wird dann sicherlich für die gefilterten Aufnahmen verwendet... Dazwischen entweder Umbau oder Kameraschieber betätigt. Aus der Zeitdifferenz tippe ich auf Umbau mit erneutem Scharfstellen.

Außerdem gibt er sehr wechselhaftes Seeing mit 5-7/10 an. Das ist das schlimmste, was nem Fotograf passieren kann. Du stellst mühsam scharf und nimmst für ne RGB Sequenz eine gefilterte Aufnahme (z.B. Rot) auf. Eigentlich sollst gleich hinterher die nächste gefilterte Aufnahme (grün, blau) machen. Damit Du in 90 Sekunden alle 3 Farbkanäle im Kasten hast. Aber wenn das Seeing für die nächste Minute wegbricht, kannst entweder diesen ersten (guten) Farbkanal in die Tonne klopfen, oder 2 suboptimale Farbkanäle bei schlechtem Seeing machen.

Mit Farbversion (DFK) nimmst einfach 90 Sekunden am Stück auf und hast üblicherweise genug Einzelbilder zum Weiterverwurschteln... Aber für die anderen Filter (UV, IR, Methanband (=CH4) mußt umbauen...

Ich mach meine Planetenbilder komplett mit der s/w DMK. Wenn das Seeing ruhig ist, gibts den Planet klassisch in RGB. Ist es aber langsam und blubberig (durch Konvektion), muß ich den IR-Kanal (665nm +) als Luminanz mit 25, 50, 75 oder 100 % dazumischen, um überhaupt Schärfe zu kriegen. Oder ich nehm gleich IR als Rotkanal. Also IR-G-B. Dann allerdings haben die Aufnahmen einen etwas anderen Farbton...

Haben wir dagegen flirriges (hochfrequentes, vom Jetsream verursachtes) Seeing, bringt das Zumischen von IR wenig Schärfe, aber noch etwas mehr Kontrast. Da geh ich dann aber lieber mit der Brennweite zurück und mach die Belichtungszeit von den RGB´s noch kürzer. Hilft etwas.

Wenn die erste Sequenz im Kasten ist, wird der Rotkanal sofort berechnet. Ist der grottig, wird garnet weiter aufgenommen.

Verwirrung komplett? ;)

Nachtrag:

ich hab grad das von Dir verlinkte Bild auf meinen Rechner kopiert, das LRGB einmal in seine 3 Farbkanäle und dann nach Sättigung, Helligkeit und Farbton zerlegt. Grünkanal und Helligkeit (=Luminanz) sind identisch. Habs 2x nachgeprüft, indem ich einen senkrechten Streifen aus dem Grünkanal der RGB-Trennung in das Helligkeitsbild als neue Ebene eingefügt hab. Ergibt keine sichtbaren Ränder. Kopiere ich dagegen ein Teil aus Blau oder Rot, stimmen weder die Feinstrukturen, noch die Bildhelligkeiten an den Polen überein. Damit ist klar, daß er sein RGB Bild aus der DFK mit dem Grünkanal als Luminanz aufgewertet hat. Macht bei einer Bayermatrix-Kamera echt Sinn, immerhin ist das der Kanal mit den meisten Pixeln ;)
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Fee!
Keinesfalls verwirrt, sondern glasklar. Ich arbeite in Vielem ganz genauso wie Du, daher volles Verständnis für die Hintergründe :)
Aber dass mir das durchgerutscht ist, wo es doch sogar im Bild steht, ist schon peinlich. In der Tat arbeitet Akutsu offenbar mit beiden Kameratypen. Das erklärt einiges. Der Nachweisansatz für das Grün-L ist trefflich und bestätigt meine Vermutung, die übrigens auch aus er Erfahrung herrührt, dass es Tage gibt, an denen Grün ruhiger und schärfer ist als Rot oder IR.
Ich arbeite mit der DMK31AU, mit Planetenausschnitt zur Datenreduzierung. Sequenzen von 600 bis 750 Bildern pro Farbe (nach den jüngsten Threads künftig als GRB's), abschließend IR-Pass und / oder L. Das passt alles gerade noch ins Zeitfenster bei den allgemein mit der 31er nur gebräuchlichen 15 fps.
Seeingwechsel im Laufe einer Sequenz habe ich öfter mal, z.B. durch Heizungen, die währenddessen starten. Kenne also alle diese Probleme sowie die verschiedenen Seeingtypen.

Mich hatte an Akutsus Aufnahmen einfach nur irritiert, dass die gewöhnlich so scharfen IR-Aufnahmen sichtbar schlechter waren als das RGB-Bild. Aber das haben wir ja nun auseinanderklamüsert. Danke dafür, und endlich wieder
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

schön von Dir zu lesen! Möchte Dich auf diesem Wege einfach einmal herzliche Grüßen. Was macht die Grasweg-Sternwarte?
Werde die schöne Einweihungsfeier nie vergessen!

Lieber Gruß nach Bad Gandersheim

Dein ehemaliger Brieffreund Günther
War eine wirlich schöne Zeit
 
Hallo Günther.
Moi, das ist jetzt schon 28 Jahre her...
Deine Nachfrage nach Bildern ist nicht vergessen, aber aufgrund belastender Vorkommnisse mal wieder auf später verschoben worden. Im Moment ist es mir in den wenigen freien Minuten dann doch wichtiger, mal wieder ans Fernrohr zu kommen. Ich hoffe, Du verstehst das. :)
LG nach Borken
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

"belastende Vorkommnisse" hört sich nicht gut an. Ich hoffe Du und Deine Familie sind wohlauf! Wünsche Euch alles gute.
Und Deine Sehnsucht nach dem Fernrohr verstehe ich sehr gut.
Lieb von Dir, dass Du noch an die Bilder gedacht hast. Gut Ding will ja bekanntlich Weile haben. Ich freue mich aber schon sehr auf die Erinnerungen. Herzlicher Gruß aus Borken nach Bad Gandersheim.

Günther
 
Hallo Rudolf,

hier im Münsterland ließ das Seeing in den letzten Monaten kaum eine Gelegenheit, den 16 SC der Sternwarte sinnvoll für Jupiter zu nutzten. Anbei ein Bild vom 6.11.2011 kurz vor 2 Uhr. Aufgenommen mit einer DBK 640x480 bei 8 Metern Brennweite.
Ich habe aus dem RGB Bild den Rot-Kanal als Luminanz überlagert. Zum Zeitpunkt der Aufnahme wanderte der Schatten von Io über den GRF. Io kann noch soeben vor dem GRF erkannt werden. Anbei ein Rohbild sowie das bearbeitete Bild.

Sternfreundlicher Gruß
Günther
 

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