Das sagenumwobene LIDLscope

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

JSchmoll

Aktives Mitglied
Hallo in die Runde,


gestern wollte ich eigentlich nur Brot kaufen (das gute deutsche Koernerbrot, ansonsten gibts hier in England nur dieses furchtbare Weichzeugs). Da ich einen Kollegen mit Auto habe, fahre ich einmal die Woche mit ihm zu einem Zentrum, wo es auch einen LIDL-Markt gibt. Und dort finde ich dann deutsches Bier (sabber!), deutsche Schokolade (lechtz) und andere Suchtstoffe. Nun, gestern war das Brot ausverkauft, aber aus einer Kiste vernahm ich den Ruf "Nimm mich mit !" und - yes indeed - vor mir stand ein Tuermchen aus vier der sagenumwobenen LIDLscopes, heruntergesetzt von 79 auf 69 Pfund. Na, zum Glueck hatte ich nicht genug Geld mit, sonst wuerde ich die Wahnsinnstat begehen und mir mein 15. (oder 16., 17. ... ?) Teleskop zulegen.

Dachte ich.

Als aufrechter ALBIREO musste ich natuerlich handeln und das arme Ding befreien. 10 min spaeter (und voellig ausser Atem vom Run zum Geldautomaten) hatte ich die weisse Kiste unterm Arm klemmen, und ab gings in meine Bude (in der ich vor lauter {Stativ-}Baeumen den {Fernrohr-}Wald nicht mehr sehen kann).

Nun zum Scope:

Den Karton aufgerissen wie'n Westpaket, hatte ich den Tubus vor mir. Er besteht aus Metall, die Fassung mit der Taukappe scheint aufgeklebt zu sein. Zumindest konnte ich sie nicht drehen. Die Fockelpinne (ALBIREOtisch fuer "Okularauszug") besteht aus Plastik - ich liebe es <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" /> . War mir aber schon vorher klar. Insgesamt macht der Tubus einen huebschen Eindruck, das Objektiv ist mit einer einfachen Blauschicht verguetet und besitzt nicht diese drei Abstandsplaettchen, sondern der Luftspalt wird offenbar ueber einen nicht sichtbaren Ring erzeugt. Die Blenden sind bei meinem Exemplar korrekt, von der Austrittsposition sehe ich die ganze Eintrittspupille, auch leicht ausseraxial.

Nun begann ich mit dem Aufbau -- das Stativ ist natuerlich sehr leicht und wie so oft der Stabilitaetsschwachpunkt. Die Ablageplatte ist aus Metall und wird mit drei Metall-Laschen an den Beinen befestigt. Diese Laschen tragen Gummistuecke, deren sittlicher Naehrwert mir sich nicht erschliesst. Sie blockieren ein 1 1/4-Zoll-Loch in der Ablageplatte - kurzerhand entfernte ich sie. Die Ablageplatte hat zwei 1 1/4 "-Loecher, zwei Aufnahmen fuer die kleinen 1"-Okulare und zwei Filterablagen. Ich persoenlich wuerde sechs Loecher fuer 1 1/4" bevorzugen, da es die alten Okulare sowieso kaum noch gibt und die Filterablagen die Filter nicht vor Herabfallen schuetzen koennen.

Die Montierung aehnelt der Vixen Cosmostar-Monti, also im Prinzip eine getunte EQ2. Das "Tuning" ist hier ein Feintrieb am Polblock zur komfortableren Polhoehenfeineinstellung, sowie ein Endlosfeintrieb in Deklination. In der Anleitung heisst es, dieser sei auf 30 Grad begrenzt - aber dort ist auch eine EQ1 abgebildet. Tests zeigten dass sich die Deklination um mehr als 90 Grad drehen liess, also wird es wohl ein Schneckenrad sein. Die Schneckenwelle bleibt interessanterweise stationaer und steht parallel zur Polachse, sodass die dort eingeschraubte biegsame Welle nach unten weist und bei Rektaszensionsdrehung um das Montierungsgehaeuse kreist. Waehrend hierdurch Kollisionen und tote Punkte weitgehend vermieden werden, ist der Ort des Deklinationsfeintriebs doch etwas ungewoehnlich. Die andere Seite der Welle traegt einen Konus zur Aufnahme eines Motors. Ich weiss aber nicht, ob Zweiachssteuerungen hierfuer erhaeltlich sind. Die Gegengewichtsachse mit dem vergleichbar niedlich kleinen Gegengewicht dreht sich mit - es lassen sich also Kameras fuer kurzbrennweitige Astrofotografie hier anschliessen - allerdings mit etwas Bastelei. Das Gewinde fuer die Unterlegscheibe, die ein Herabfallen des Gegengewichts verhindert, ist hier nicht M6 oder Fotogewinde, sondern ein ziemlich grosses Gewinde (M10 ?), man muss sich also ein Platte machen, die einen Kugelkopf fuer eine Kamera aufnimmt, um die mitdrehende Dek-Achse fuer Fotografie zu nutzen.

Mir gefaellt die Rohraufnahme, die mit einem Alu-Schwalbenschwanz erfolgt. Die Rohrschelle selbst ist dagegen aus Kunststoff, was aber nicht zu schlimm sein sollte solange man keine langbrennweitige Astrofotografie machen will - hierfuer ist das Geraet ja auch nicht konzipiert.

Beide Feintriebe drehen sich relativ schwer, was sicher durch Justage bzw. ggfs. Wechsel des Klebfetts behoben werden kann.

Die biegsame Welle in Rektaszension kollidiert haeufig mit dem Tubus, und da sie recht steif ist wird das laestig. Sie ist auch unnoetig, weil man an dem feinen Zahnrad, welches fuer einen nachruestbaren Motor gedacht ist, sehr gut nachfuehren kann. Ich habe die Welle deswegen schnell wieder abgeschraubt.


Der Tubus hat eine Aufnahme fuer einen 6x30-Sucher, der in einer Weichplastikhalterung im Metall-Look daherkommt. Waehrend die Zweiringhalterung gut justierbar ist, wird eine Neujustage wegen des Materials wohl vor jeder Beobachtung erforderlich sein. Das 6x30 ist trotz Plastiktubus erstaunlich gut, das Okular hat ein gutes Einblickverhalten und z.B. die Plejaden erscheinen deutlich und (nach Fokussierung am konterbaren Frontring) hinreichend scharf. Das Objektiv scheint achromatisch zu sein, zumindest ist die Leistung um Welten besser als die beruechtigten 5x24-Abblend-Einlinsersucher sonstiger Kaufhausfernrohre.

Nun zum Zubehoer. Neben einem Zenitspiegel im Plastikgehaeuse (Okularklemmschraubchen ist schwergaengig und wird wohl nicht lange im Plastik halten) sind zwei Okulare und ein Bilderektor im Zubehoer enthalten.

Der Erektor besteht aus einem zweilinsigen, unvergueteten Linsensystem das in Verbindung mit den Okularen ein aufrechtes und seitenrichtiges Bild liefert. Abfallprodukt ist hierbei ein um 1.5x erhoehter Bildmassstab. Ich habe das Teil noch nicht getestet, aber ich bin aufgrund der Verarbeitungsqualitaet misstrauisch und ehrlich gesagt finde ich dieses Teil nicht besonders sinnvoll, da man das Gleiche (bis auf die Seitenrichtigkeit, was ausser beim Lesen von Text nicht so sehr stoert) auch mit dem Zenitspiegel erreichen kann.

Die Okulare haben mich angenehm ueberrascht. Ich dachte, es waeren diese ueblichen Huygens-Plastiklinsenstoepsel dabei. Aber nein, es sind Kellnerokulaere, also Dreilinser. Das 4mm ist ein typisches "Wellensittichauge", d.h. es hat winzige Linsen und der Einblick ist nicht so toll. Das Feld ist jedoch randscharf.

Besonders gefaellt mir das K-20mm, welches einen guten Einblick auch fuer Brillentraeger hat, ein scharf definiertes Gesichtsfeld von ca. 50 Grad (nicht gemessen, nur geschaetzt) und auch noch verguetet ist !


Nun, was zeigt das Scope am Himmel ? Raus in den Garten damit !


Sucherjustage, dann einen Stern angepeilt. Im 20mm-Kellner intra- und extrafokal alles okay. Die Fockelpinne laeuft bei den Temperaturen sehr schwer, und es gibt ein ziemliches Shifting bei Wechsel der Fokussierrichtung. Das Stativ wackelt ziemlich, hier wuerden Baumarkt-Holzbeine fuer wenig Geld viel Stabilitaet bringen.

Im 4mm erscheint ein Beugungsbild. Intra- und extrafokal fast alles okay, nur ist die Flaeche unmittelbar vor dem Fokus nicht gleichfoermig, sondern es gibt eine hellere Zone. Offenbar ein leichte Zonenfehler. Auch zeigen sich eine leichte Verspannung (1. Beugungsring unvollstaendig aber rundum vorhanden) und eine ziemlich Rauhigkeit der Linse (mehrere unvollstaendige, schwache Beugungsringe um den Stern). Mit meinem Optiktestokular (LE 2 mm) sieht es aehnlich aus. Es ist kein High-End-Objektiv, aber es ist durchaus brauchbar.

Nun noch ein paar richtige Beobachtungen:

Mars: Im 4mm ist auf dem kleinen Scheibchen ausser der deutlichen Phase nichts zu erkennen.

Saturn: Mieses Seeing (teils zieht Rauch aus einem Kamin durch - waehrend ich mich ueber den "Heizer" aufrege merke ich dass es mein eigener Schornstein ist <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> ). Dennoch ist das Bild kurzzeitig scharf, und ich sehe keine optischen Probleme. Ein Wolkenstreifen auf dem Planeten faellt auf, fuer die Cassiniteilung ist aber das Seeing zu uebel.

Mond: Ebenfalls mit dem 4mm gestochen scharfe Abbildung. Ein Farbfehler war nicht deutlich erkennbar. Ich bin aber ueberzeugt, dass ich ihn finde wenn ich danach suche <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> .


Fazit: Fuer 70 Pfund hat LIDL nun auch in Grossbritannien die Moeglichkeit geschaffen, ein Fernrohr fuer wenig Geld zu erwerben, welches auch teureren Kaufhausfernrohren in vielen Punkten ueberlegen ist. Als anspruchsvoller Sternfreund ist man natuerlich von vielen Details nicht so ueberzeugt (speziell der Plastikfokussierer), aber fuer das Geld bekommt man doch eine ordentliche Leistung. Eine ideale "Einstiegsdroge" fuer speziell Schueler, die ein durchaus brauchbares Geraet erhalten. Und durch die Schwalbenschwanzaufnahme der Montierung ist diese spaeter sicher auch fuer andere Rohre nutzbar.


 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi !

...und wieder ein Lidlianer mehr <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />. Schöner Bericht - Und ich dachte schon, nur mir wäre der Sinn dieser Gummistecker an der Ablageplatte verborgen geblieben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />.
In langen (bewölkten) Winternächten wird dann ja hoffentlich noch das Lidl-Tuning kommen.

Aber eine Frage: hab ich das richtig verstanden? 70 PFUND ? Ich glaube, ich mach in England einen Lidlscope-Shop auf. Wie steht das Pfund gerade? 1.5 Euro? 50% Gewinn ist nicht schlecht...

...Toni
 
Hallo, und danke fuer das Lob !


Ja, 70 PFUND ! Also, wer sich jetzt noch beklagt dass in Deutschland alles soooo teuer sei, dem sei ein Bildungsaufenthalt in England empfohlen. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Von den Bierpreisen fange ich am besten gar nicht erst an (waere ja auch off-topic) ...




 
Hallo Juergen

<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> Ein wunderbarer Bericht über das Lidl Teleskop! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> Ich habe mir auch zwei gekauft, allerdings nur wegen der Montierung. Ich bin sehr beeindruckt von der Leistung dieses Röhrchens, Planeten und der Mond, wunderbar, speziell am Mond ist einiges möglich.
Gruß Werner
 
Hi,

ich frag mich eh schon länger, wie die Engländer das machen. Die verdienen dort ja auch nicht wirklich mehr als hier, aber alles kostet dort in Pfund, was es hier in E kostet...

Und um noch was zum Thema zu sagen:
kannst Du vielleicht mal grob beschreiben, wie Deine Beugungsringe aussehen? Bei meinem sind sie intrafk. sehr schön, aber extrafk. ist alles schön bunt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />. Also blau/lila in der Mitte, umgeben von viel gelb/grün. Ringe sind auch nur erahnbar. (Trotzdem ist die reale Leistung nicht so schlecht.) Mich würde interessieren, wie die Serien-Streuung ungefähr aussieht. Ich hatte jetzt schon 3 Stück hier, und 2 waren ungefähr genauso, eines eher viel schlechter.

...Toni
 
Hallo,

vielen Dank für den schönen Bericht.
Ich freue mich auch für jeden, der einen offensichtlich guten Lidl
erwischt. Bei meiner "Vollgurke" war ich selbst schuld, dass ich
ihn nicht zurückgebracht habe, aber ich konnte es trotz wolken-
verhangenem Himmel einfach nicht lassen, schon am Gerät herum
zu "optimieren" <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Meine Sorge ist nur, dass Anfänger eine solche Gurke, die dann
allerdings wirklich *nichts* brauchbares zeigt, mit großer
Wahrscheinlichkeit anfangs nicht erkennen würden, und tue mir
daher mit einer Empfehlung recht schwer. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />

Ciao,
Roland
 
Moin Jürgen!

Danke für Deinen sehr guten Erlebnisbericht. Deinen Spurt zum Geldautomaten
konnte ich mir direkt bildlich vorstellen! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> Gut fand ich auch die Beschreibung
der Probleme bei einigen Fernrohrstellungen. Ich hatte das schon vor Wochen
in einem anderen Thread bemerkt, was IMO etwas auf Ungläubigkeit stieß.
Deine Beschreibung war in dem Zusammenhang da sehr genau - die Konstruktion
der Lidl (und der Baugleichheiten) gefällt mir aus diesem Grund überhaupt nicht.
Die kleinen Gummi-Pröppel sind bei meinen Lidls seinerzeit auch gleich im
hohen Bogen in die Tonne geflogen. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Zum Preis nochwas: Ich hab' einen Währungsrechner im Netz mit dem heutigen
Tageskurs angeschmissen. 1 brit. Pfund = 1,43 Euro - das macht für den Lidl
umgerechnet 98,67 Euro. Soviel hat das Teil letztes Jahr in D (99,99 E.)
gekostet.
 
Hallo Juergen,

vielen Dank für Deinen tollen Lidlbericht aus dem UK. Ich konnte auch nicht widerstehen und hab mir so ein Teil gekauft, kostet ja weniger als ein gutes Okular.

Mein Lidlscope ist nach einigen Modifikationen - danke Tom -ein für seinen Preis absolut tolles Gerät, Cassiniteilung und der Double-Double ( Epsilon Lyrae ) waren kein Problem.
Was mir allerdings auffällt, mein Gerät hat überhaupt keine Vergütungen, weder auf dem Objektiv noch auf den Okularen. Sollten da die Inselbewohner von Lidl bevorzugt werden? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Beste Grüße vom Kontinent,

Manfred
 
Hallo JSchmoll!

Danke für den tollen Bericht! Da war viel Atmosphäre drin ...........

Ich fühlte mich zwei Wochen zurückversetzt, als ich damals das fast schon Kult-Teleskop gekauft habe.

Stimme mit deinen Anmerkungen fast voll überein. Die beigefügten Okulare (auch das 20er) sind nun wirklich nicht das Pralle.


Gruss
Larry
 
Hallo zzap!

> Und ich dachte schon, nur mir wäre der Sinn dieser Gummistecker an der Ablageplatte verborgen geblieben .

Ich habe mich bisher nicht getraut, dieses Thema anzusprechen ..... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Bisher habe ich mich mit meiner eigenen Erklärung zufrieden gegeben, dass die Gummis so eine Art von Schwingungsdämpfer darstellen sollen. Denn irgendeinen Sinn müssen die Dinger doch haben.

Überhaupt ist die Ablageplatte ziemlich labil ausgeführt. Sicher, sie wird nur auf Zug beansprucht und braucht deshalb nicht massiv ausgeführt zu sein.

Mich würde aber mal von den Lidl-Tunern interessieren, welche Erfahrungen sie mit einer stabileren Platte gemacht haben. Ich könnte mir z.B. ein entsprechend zugeschnittenes Alu-Blech (ca. 3 mm) gut vorstellen.


Gruss
Larry
 
Hi Larry,


schoen dass Dir mein Machwerk gefallen hat <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> .

Ich finde, die Okulare sind gar nicht so schlecht, vor allem das 20er. Ich kenne Deine astronomische Laufbahn nicht, aber kennst Du vielleicht noch die richtig teuren Scopes aus den 70ern oder 80ern ? Da war fuer viel, viel Geld sehr wenig Okular dabei. Kleiner Durchmesser (24.5mm), unverguetet und Wellensittichaugen. Gesichtsfeld nicht randscharf, winzig und am Rand chromatische Aberration selbst beim Spiegelteleskop !!!

Da muss ich sagen, dass ich bei DEM (!) Anschaffungspreis von den Okularen ja fast schon begeistert bin, insbesondere vom 20er. Und das, obwohl ich fast den kompletten Vixen LVW-Handgranatensatz zuhause rumliegen habe. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />


Alles Gute und
 
Hi Manfred,


ja ... irgendwie muss der hoehere UK-Preis ja gerechtfertigt sein !


Ich hab ein verguetetes LIDL und Ihr nicht, AETSCH !!! Hehe ...


Okay, ernsthaft: Der Blauschimmer auf dem Objektiv ist sehr leicht, ich musste mehrfach schauen. Ich habe eine "gelblichweisse" Leuchtstoffroehre, die sich in der Reflexion in ein "blaeulichweiss" transformierte.

Das Kellner 20mm traegt ein gruenlich schimmerndes Multicoating. Auch das Sucherobjektiv ist deutlich erkennbar blauverguetet.


Aber ob verguetet oder nicht, solange die Optik stimmt ist das nicht so schlimm. Okay, wir kaempfen ja um jedes Photon und ca. 15% Verlust sind da schon was, aber in der Praxis sieht man nicht zu viel davon weil das Auge logarithmisch sieht. Ich meine, ob man 8 oder 9 Kerzen in einem grossen Abstand aufbaut (sodass man sie nur als einen Punkt sieht), der 9-Kerzenpunkt wird kaum als heller wahrgenommen.

Ich habe selbst ein unverguetetes 117/1750mm-Rohr (siehe Bild im Profil), und ich bin sehr zufrieden damit trotz des Lichtverlustes. Die grossen alten Refraktoren sind uebriges durch die Bank nicht verguetet, weil es zu riskant ist.

Womit ich jetzt nicht sagen will "Verguetung lohnt nicht", nur ist der Schaden einer fehlenden Verguetung bei einem so preiswerten Scope nicht auf die Goldwaage zu legen.


 
Hallo Winnie,


Du hast recht, es ist etwas merkwuerdig mit der Monti. Aber - wenn man sie umschlaegt (also Rohr auf die Westseite), ragt der Deklinationstrieb nach oben und beim Newton kommt er in eine gute Position. Wenn man einen Deklinationsmotor anschliesst, dreht man das Rohr wieder auf die Ostseite und nimmt die Welle ab - so ist der Motor oben und kollidiert nicht mit dem Rektaszensiosmotor. Vielleicht ist das ja die Grundidee der Konstruktion gewesen - fuern Newton halt.

Bei Refraktoren (und anderen "Hintendurchguckern") waere es sinnvoller, die Schnecke um 90 Grad versetzt anzubringen, sodass die Welle parallel zum Rohr zu liegen kommt. Dann koennte vorn der optionale Motor sitzen und die Welle zeigt parallel zur Fockelpinne, wie man es normalerweise so kennt. Vielleicht sollte ich dem Marktleiter von LIDL mal diesen Verbesserungsvorschlag schicken <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> .



Alles Gute und
 
Hi Roland,



ich kann Deine Bedenken nachvollziehen. Das Beste ist, ein solches Scope zu kaufen wenn man einen "alten Hasen" dabeihat, der die Gurkigkeit gleich rausfindet sodass Garantieschritte unternommen werden koennen. Die Garantie betraegt ja 5 Jahre, wobei das Geraet von allen moeglichen EU-Laendern (siehe Anleitung) nach Borken verschifft werden muss, was wahrscheinlich mehr kostet als ein neuer Tubus <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> ...

Uebrigens habe ich VOLLSTES VERSTAENDIS dafuer, dass Du am Fernrohr rumschraubst. In einem englischen Buch habe ich mal gelesen "Der typische Amateurteleskopmacher zeichnet sich dadurch aus, dass er ein Fernrohr kauft und unter Verletzung saemtlicher Garantieansprueche noch am gleichen Abend die Verbesserungen durchfuehrt ..." !


In diesem Sinne mein Verstaendnis und
 
Hallo Toni,


ich habe nicht viel Farbe in den Beugungsringen wahrgenommen. Vielleicht lag das auch daran, dass der Stern zu schwach war und ich nicht wirklich dunkeladaptiert. Muss ich nochmal testen.

Ich sah bei mir bei Annaeherung an den Fokus eine gleichmaessig beleuchtete Scheibe, die dann einen hellen Ring so auf etwa 70 % Radius bekam (erinnert mich als Spiegelschleifer irgendwie an was, hat aber mit dem Parabelschatten nichts zu tun). Beim Fokusdurchgang waren 2-3 Beugungsmaxima nullter Ordnung erkennbar, die sich in ein einziges Maximum vereinten - umgeben von einen umvollstaendig aber rundum praesenten Beugungsring. Also kein Dezentrierkoma sondern eher eine Verspannung. Ich habe noch nicht versucht, die Optik zu entspannen. Auch muss ich sagen, dass die Nacht saukalt war und das Roehrchen wohl noch nicht ausgekuehlt ... das probliere ich ein andermal noch mal aus.


Alles Gute und
 
Hallo Larry,


ich dachte auch an Vibrationsdaempfung. Macht aber irgendwie keinen Sinn. Abgesehen davon, dass die Stativlaschen beim Transport die Alubeinflaechen nicht zerkratzen koennen, sehe ich keinen Sinn darin.

Die Ablageplatte empfand ich als besonders solide - viele andere (auch Markenhersteller!) haben hier Plastik im Einsatz.

Eine Verstaerkung der Ablageplatte bringt meines Erachtens gar nichts, da die duennen Laschenverbindungen diese Stabilitaet nicht weitergeben. Die duennen Aluprofile vibrieren schnell, und die Torsionsschwingung an der Montierungsaufnahme (Alu plus Plastik!) ist auch nicht von schlechten Eltern.

Mein Tip: Drei Baumarktlatten, Querschnitt ca. 25 x 60 mm (oder staerker je nach Belieben), jeweils lang genug um eine bequeme Beobachtung zu ermoeglichen. Die drei Latten bekommen oben eine Kerbe, sodass jeweils eine Nase der Montierungsadaption dort hineinpasst. Das ganze wird mit ordentlichen Imbus- oder Maschinenschrauben festgezogen (grosse Unterlegscheiben verhindern das Versinken der Schraube oder Mutter im Holz), und die drei Beine werden mit einem Band oder einer Kette zusammengehalten. Materialpreis sollte so zwischen 10 und 20 Euro liegen, und nach Belieben kann man sich noch eine Ablageplatte basteln und z.B. mit Einschraubhaken einhaengen. Einziger Nachteil - das Stativ ist beim Transport recht lang, da es sich nicht einschieben laesst.



Alles Gute und
 
Hallo Jürgen,

Du hast den Beruf verfehlt. Schriftsteller hättest Du werden sollen!
Deine Geschichte ist echt nett und lesenswert.
Aber bist Du auch noch Seemann? Fockelpinne hört sich so wassermäßig an, <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> oder baust Du insgeheim ein Gefährt für den Weltraum?

Aber Deine bisherige Astrolaufbahn ist ja auch nicht ohne.


CS
Dietmar
 
Hallo Juergen
Ein bzw. zwei Binos sind schon in Arbeit, allerdings nicht mit dem Lidl, der Okularauszug ist zu schlecht, ich nehme je zwei Zeiss AS 80/1200 und C 63/840 in CFK Leichtbauweise, ein Zeiss mit 63/840 wiegt gerade mal 1000g, inkl. Auszug, so kann ich den Bino auf einer T-Montierung benutzen.
Gruß Werner
 
Hallo,

die Inanspruchnahme der Garantie bei Meade/Borken lässt sich beim
Lidlkauf üblicherweise auch noch vermeiden, in dem man das recht
freundliche Umtausch- und/oder Rückgaberecht bei Lidl ausnutzt.
In der Tat konnte ich es aber nicht lassen, dem Gerätchen gleich
zu allererst das Schneckenspiel in Deklination sowie das Shifting
des Okularauszugs auszutreiben...

Ob dies damit zusammenhängt dass ich zurzeit an einem kleinen
aber hoffentlich feinen Planetenspiegelchen (154/1035) schleife,
kann ich nicht sagen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Ciao,
Roland
 
Hallo Jürgen,

herzlichen Glühstrumpf zum LIDL-Scope und herzlich willkommen im Club <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
Schau mal ins Bilderforum, da siehst Du, was mit dem LIDL am Saturn fotografisch geht:

Link zur Grafik: http://mitglied.lycos.de/ntlpages/540fafa0.jpg

Viele Grüße

Markus


____________________________________________________

Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
____________________________________________________

DANUBIA - [COLOR="1070FF"]OBSERVATORIUM[/color]

Markus A. R. Langlotz
Vilsweg 2b
D-93073 Neutraubling

Die Astroseite: www.N-T-L.de
Die Starfinderseite: starfinder.N-T-L.de
Die Mailadresse: ntl.observatory@freenet.de

 
Hi Larry,

Überhaupt ist die Ablageplatte ziemlich labil ausgeführt. Sicher, sie wird nur auf Zug beansprucht und braucht deshalb nicht massiv ausgeführt zu sein.

Mich würde aber mal von den Lidl-Tunern interessieren, welche Erfahrungen sie mit einer stabileren Platte gemacht haben. Ich könnte mir z.B. ein entsprechend zugeschnittenes Alu-Blech (ca. 3 mm) gut vorstellen.

Ich habe die beiden 1" Löcher auf 1,25" aufgeschnitten und konnte keine Veränderungen in der Stabilität feststellen, obwohl ich genau das befürchtet hätte.

 
Hallo Juergen,
Die Ablageplatte empfand ich als besonders solide - viele andere (auch Markenhersteller!) haben hier Plastik im Einsatz.
Ist ja interessant. Mir fehlen da die Vergleichsmöglichkeiten.
Mein Tip: Drei Baumarktlatten, Querschnitt ca. 25 x 60 mm (oder staerker je nach Belieben), jeweils lang genug um eine bequeme
Dein Tipp hört sich wirklich sehr solide an. ;-)
Im Moment bin ich eigentlich (noch) mit der Stabilität insgesamt sehr zufrieden. Aber es kann natürlich sein, dass die Ansprüche steigen und man etwas noch Stabileres haben will.

Gruss
Larry
 
Hallo Jürgen,

willkommen im Club!

mein Lidlscope (ca 1.5 Jahre alt) ist momentan nicht viel im Einsatz, denn ich benutze es als Leitrohr... als Alltagsscope ist ein GSO 80/480 als Ersatz für meinen 60/415 von Eschenbach im Anflug...

... trotzdem auch noch mein Senf zur Lidl-Mania:

Die Montierung hat mir für den Preis sehr gut gefallen, ich habe sie allerdings aus Platzgründen verkauft. Die Stabilität der Beine ist allerdings unter aller [zensiert]...

Das 4mm Okular war bei mir nicht gerade toll (keine Chance gegen das 5mm Ortho von Vixen), und das 20mm hatte einen groben Polierfehler. Ein befreundeter Optiker hat sich des 20ers erbarmt und es nachpoliert, es fehlt jetzt zwar eine Vergütungsschicht, dafür ist es jetzt wieder scharf. Das Reversed Kellner Design funktioniert gut: angenehmer Augenabstand, relativ großes Bildfeld und gute Schärfe. Ich habe noch ein Vixen 20mm Kellner in 0.96" Bauweise herumkugeln (war bei meinem R-130S damals dabei) welches im Vergleich (insbesondere beim GF natürlich) schlechter abschneidet. Das 25mm Tal Plössl/König ist aber besser...

Beim ersten Test am Himmel war ich erstaunt darüber M57 deutlich ringförmig zu sehen, und in M13 eine granulare Struktur wahrzunehmen. Echt gut! Einige Monate später hatte ich dann mal schrecklich astigmatische Sterne... seither steckt die Taukappe wieder möglichst lose drauf :-)))

Der Sucher hat mich auch positiv überrascht. Es ist zwar ein superbilliges Plastikteil, aber im Vergleich zum Vixen 6x30 schnitt er besser ab!!!, trotz der entsetzlich spiegelnden Tubusinnenwand. Ich habe ihn jetzt mit dem Optus Zenitspiegel zu einem (recht häßlichen) Winkelsucher umgebaut, der ev. mal an meinen 6" Dob kommt... Die Okularhülse des ZS ist auch schon am 6" gelandet...

Negativ am Lidl ist mir aufgefallen, dass ich meine Vixen 2x Barlow nicht einschieben kann (obwohl die Blende im OAZ entfernt wurde...)

liebe grüße ins teuro-lose Großbrittannien!

philipp
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben