Robert_Korn
Aktives Mitglied
6. November, Gailenberg/Oberallgäu 1100 müM
Instrument: C8 orange auf GP-DX mit Skysensor 2000
Nach der Rückkehr aus Italien die erste klare, frostkalte Allgäunacht. Leider hat ein Rindvieh meines Landwirt-Nachbarn den Elektrozaun um die Hütte überwunden und nicht nur ausgiebig vor die Haustüre geschissen, das ist als ortsüblich hinzunehmen, sondern sich auch an Holzstoß und Teleskopsäule gerieben – und dabei beides umgeschmissen. Jetzt rächt sich die Leichtbauweise in Ytong-Steinen... Glücklicherweise hatte ich vor meiner Abfahrt eine Eingebung und für alle Fälle das schwere Stativ samt Kopf vorsichtshalber mitgenommen – also gerettet!
Beobachtungsbeginn um 20:45, nachdem das Flutlicht auf dem dörflichen Fußballplatz im Tal endlich gelöscht wurde.
Für heute habe ich mir einige deep-sky-Objekte in Sagitta und Lacerta vorbereitet, außerdem wollte ich dem Hinweis von Matthias Juchert auf den G1-Kugelhaufen nahe bei M 31 nachgehen. Hier die Resultate:
· M 71 – ein KSH mit 8m9 in Sag. Bei 80x ein lichtes , wenig kompaktes Wölkchen in sternreichem Feld. Ein heller Punkt blitzt aus dem Haufen hervor. Bei 170x macht der KSH einen unsymmetrischen Eindruck; er erscheint etwas länglich deformiert. Bei dieser Vergrößerung kann ich etwa sechs einzelne Mitgliedsterne herauszählen. Ansonsten eine diffuse, mäßig kondensierte Wolke ohne eindeutiges Zentrum.
· IC 4997 ist ein kleiner 12m0 PN mit nur 6 Bogensekunden Durchmesser. Den kann ich erst bei 225x bestätigen: Ein kleiner verwaschener Fleck, der zusammen mit zwei nahebei stehenden Sternchen ein kleines Dreieck bildet. Bei 90x als PN völlig unauffällig, fällt er bei 170x als nicht fokussierbar auf und entpuppt sich erst bei 225x.
· NGC 6886 ist ein weiterer PN-Zwerg in Sag mit 12m0 und ebenfalls 6 Bogensekunden. Den suche ich eine ganze Weile: Schließlich finde ich einen länglichen Lichtschimmer unmittelbar neben einem Stern etwa 10m. Das ganze läßt sich nur bei 225x verifizieren: Da zeigt sich bei abgewandter Sichtweise ein zart leuchtendes schmales Stäbchen. Die Nachschau ergibt, daß mein Eindruck nicht getrogen hat: Das Ding ist tatsächlich ein schöner langgezogener bipolarer PN...
· IC 1434 ist ein mit 9m0 und 8 Bogenminuten Durchmesser angegebener OH in Lac. Eine lockere Ansammlung von Sternen unterschiedlicher Helligkeit, ich zähle bei 80x an die 20 einzelne Mitglieder. Unterlegt ist das ganze von schwachem Schimmer offenbar vorhandener zahlreicher schwacher Haufenmitglieder. Der OH macht den Eindruck, als laufe er einem Seestern gleich in mehreren sich verjüngenden Armen auseinander, wobei der Rücken jedes Arms von einer Kette hellerer Sterne gebildet wird.
· IC 5217 ist ein 13m0 PN in Lac mit 6 Bogensekunden. Der fällt in sternreicher Umgebung bald auf. Bei 170x ein Verdachtsfall, läßt er sich im 9mm Plössl bei 225x eindeutig verifizieren: Ein kleines, recht scharf begrenztes Scheibchen, auf das eine kleine Kette aus vier eng zusammenstehenden Sternchen wie mit einem Finger zeigt.
· NGC 7209 ein OH 6m in Lac. Eine recht großflächige Angelegenheit im 25 mm CZJ formatfüllend und ich zähle an die 100 Mitglieder. Die Sterne sind von weitgehend ähnlicher Helligkeit und Farbe. Sie sind locker gestreut, ohne erkennbares Zentrum.
· NGC 7243 ein weiterer OH in Lac und von ähnlicher Beschaffenheit wie NGC 7209: Eine lockere, stark gestreute Ansammlung von Sternen. Allerdings erscheinen mir hier die Helligkeitsunterschiede ausgeprägter als bei 7209.
· NGC 7245 – ein weiterer OH in Lac. Eine der Ansammlungen, denen ich nun überhaupt keinen Geschmack abgewinnen kann. Es fällt schwer, überhaupt eine namhafte Gruppierung, die laut Katalog mit 9m figuriert, festzustellen.
Jetzt zur Abwechslung was fürs Auge:
· Saturn – der Planet zeigt sich in atemberaubender Luftruhe! Drei Monde nahebei, Cassini-Teilung wie ein Fahrradweg, umlaufend mit Planetenschatten etc. Interessant und absolut überraschend ist für mich allerdings die Planetenoberfläche: Die zeigt eindeutig Unregelmäßigkeiten, die mir zunächst im Bereich der äquatorseitigen Begrenzung des dunklen Bandes auffallen. Das zeigt zwei dunkle Verdickungen, die zipfelig in die hellere Äquatorzone hineinreichen. Bei längerem Hinsehen mit 225x erweist sich das dunkle Band in zwei Streifen ansatzweise geteilt bzw. streifig. Polseitig erhasche ich blickweise einige aufeinander folgende große helle Ovale, etwa in einer Breite von 70°. Die gesamte Planetenkalotte ist oberhalb der Bauchbinde marmoriert und zart unregelmäßig.
Ich werde das zum Anlaß nehmen, künftig bei guter Luft auch mal genauer nach Details auf Saturn zu schauen...
Bei den Bedingungen hege ich jedenfalls große Erwartungen, was dann bei Jupiter zu sehen sein wird, den ich mir für die frühen Morgenstunden vorgenommen habe.
· NGC 7296 ist ein kleiner, nicht sonderlich gut bestückter 10m- OH in Lac. Ich zähle an die 10 Einzelsterne vor einem matt schimmernden Hintergrund.
· G1 – der KSH-Begleiter von M 31. Entsprechend den Anregungen und Hinweisen von Matthias Juchert mache ich mich auf die Suche nach diesem Exoten: An Ort und Stelle finde ich tatsächlich ein schwaches diffuses Lichtfleckchen bei 170-facher Vergrößerung. Die beiden nahebei stehenden Sterne sind ebenfalls eindeutig und lassen sich im Gegensatz zu G1 fokussieren. Also Bingo!
· IC 1613 ist eine 9m3 Gx in Cet – aber die hat es bei einer Ausdehnung von 12 Bogenminuten in sich!! Eine ganz harte Nuß! Ich habe nach mehrfachem langem Absuchen des in Frage kommenden Feldes schließlich bei abgewandter Sichtweise einige körnige Lichtkrümel reproduzierbar gefunden –offenbar das Zentrum dieser ausgedehnten, kaum flächenhellen Gx. Die Sache wird dadurch nicht leichter, daß die Gx in ein Sterndreieck eingepaßt ist, wovon einer recht hell ist und damit das Auge irritiert.
Ich mache dann erst mal um 0:45 Schluß, um 5:00 will ich mich dann mit Jupiter beschäftigen, der inzwischen überm Hirschberg aufgegangen ist...
Also um 5:15 raus und ans C8 - große Enttäuschung! Von der vormitternächtlichen Luftruhe ist nichts geblieben, die Bedingungen sind unbefriedigend. Zwar herrscht keine eigentliche unruhige Luft, aber Jupiter ist schwammig und merkwürdig konturlos. Ein Vergleichsblick auf Saturn zeigt, daß auch der seine schöne Detailfülle verloren hat – kaum ist die Cassini-Teilung in den Ansen zu sehen. An der Optik kanns nicht liegen, die ist ausgekühlt, nicht beschlagen und hat gestern noch bewiesen, was sie kann. Also dann lieber zurück ins Haus, einheizen, Katzen füttern, Kaffee kochen...
Instrument: C8 orange auf GP-DX mit Skysensor 2000
Nach der Rückkehr aus Italien die erste klare, frostkalte Allgäunacht. Leider hat ein Rindvieh meines Landwirt-Nachbarn den Elektrozaun um die Hütte überwunden und nicht nur ausgiebig vor die Haustüre geschissen, das ist als ortsüblich hinzunehmen, sondern sich auch an Holzstoß und Teleskopsäule gerieben – und dabei beides umgeschmissen. Jetzt rächt sich die Leichtbauweise in Ytong-Steinen... Glücklicherweise hatte ich vor meiner Abfahrt eine Eingebung und für alle Fälle das schwere Stativ samt Kopf vorsichtshalber mitgenommen – also gerettet!
Beobachtungsbeginn um 20:45, nachdem das Flutlicht auf dem dörflichen Fußballplatz im Tal endlich gelöscht wurde.
Für heute habe ich mir einige deep-sky-Objekte in Sagitta und Lacerta vorbereitet, außerdem wollte ich dem Hinweis von Matthias Juchert auf den G1-Kugelhaufen nahe bei M 31 nachgehen. Hier die Resultate:
· M 71 – ein KSH mit 8m9 in Sag. Bei 80x ein lichtes , wenig kompaktes Wölkchen in sternreichem Feld. Ein heller Punkt blitzt aus dem Haufen hervor. Bei 170x macht der KSH einen unsymmetrischen Eindruck; er erscheint etwas länglich deformiert. Bei dieser Vergrößerung kann ich etwa sechs einzelne Mitgliedsterne herauszählen. Ansonsten eine diffuse, mäßig kondensierte Wolke ohne eindeutiges Zentrum.
· IC 4997 ist ein kleiner 12m0 PN mit nur 6 Bogensekunden Durchmesser. Den kann ich erst bei 225x bestätigen: Ein kleiner verwaschener Fleck, der zusammen mit zwei nahebei stehenden Sternchen ein kleines Dreieck bildet. Bei 90x als PN völlig unauffällig, fällt er bei 170x als nicht fokussierbar auf und entpuppt sich erst bei 225x.
· NGC 6886 ist ein weiterer PN-Zwerg in Sag mit 12m0 und ebenfalls 6 Bogensekunden. Den suche ich eine ganze Weile: Schließlich finde ich einen länglichen Lichtschimmer unmittelbar neben einem Stern etwa 10m. Das ganze läßt sich nur bei 225x verifizieren: Da zeigt sich bei abgewandter Sichtweise ein zart leuchtendes schmales Stäbchen. Die Nachschau ergibt, daß mein Eindruck nicht getrogen hat: Das Ding ist tatsächlich ein schöner langgezogener bipolarer PN...
· IC 1434 ist ein mit 9m0 und 8 Bogenminuten Durchmesser angegebener OH in Lac. Eine lockere Ansammlung von Sternen unterschiedlicher Helligkeit, ich zähle bei 80x an die 20 einzelne Mitglieder. Unterlegt ist das ganze von schwachem Schimmer offenbar vorhandener zahlreicher schwacher Haufenmitglieder. Der OH macht den Eindruck, als laufe er einem Seestern gleich in mehreren sich verjüngenden Armen auseinander, wobei der Rücken jedes Arms von einer Kette hellerer Sterne gebildet wird.
· IC 5217 ist ein 13m0 PN in Lac mit 6 Bogensekunden. Der fällt in sternreicher Umgebung bald auf. Bei 170x ein Verdachtsfall, läßt er sich im 9mm Plössl bei 225x eindeutig verifizieren: Ein kleines, recht scharf begrenztes Scheibchen, auf das eine kleine Kette aus vier eng zusammenstehenden Sternchen wie mit einem Finger zeigt.
· NGC 7209 ein OH 6m in Lac. Eine recht großflächige Angelegenheit im 25 mm CZJ formatfüllend und ich zähle an die 100 Mitglieder. Die Sterne sind von weitgehend ähnlicher Helligkeit und Farbe. Sie sind locker gestreut, ohne erkennbares Zentrum.
· NGC 7243 ein weiterer OH in Lac und von ähnlicher Beschaffenheit wie NGC 7209: Eine lockere, stark gestreute Ansammlung von Sternen. Allerdings erscheinen mir hier die Helligkeitsunterschiede ausgeprägter als bei 7209.
· NGC 7245 – ein weiterer OH in Lac. Eine der Ansammlungen, denen ich nun überhaupt keinen Geschmack abgewinnen kann. Es fällt schwer, überhaupt eine namhafte Gruppierung, die laut Katalog mit 9m figuriert, festzustellen.
Jetzt zur Abwechslung was fürs Auge:
· Saturn – der Planet zeigt sich in atemberaubender Luftruhe! Drei Monde nahebei, Cassini-Teilung wie ein Fahrradweg, umlaufend mit Planetenschatten etc. Interessant und absolut überraschend ist für mich allerdings die Planetenoberfläche: Die zeigt eindeutig Unregelmäßigkeiten, die mir zunächst im Bereich der äquatorseitigen Begrenzung des dunklen Bandes auffallen. Das zeigt zwei dunkle Verdickungen, die zipfelig in die hellere Äquatorzone hineinreichen. Bei längerem Hinsehen mit 225x erweist sich das dunkle Band in zwei Streifen ansatzweise geteilt bzw. streifig. Polseitig erhasche ich blickweise einige aufeinander folgende große helle Ovale, etwa in einer Breite von 70°. Die gesamte Planetenkalotte ist oberhalb der Bauchbinde marmoriert und zart unregelmäßig.
Ich werde das zum Anlaß nehmen, künftig bei guter Luft auch mal genauer nach Details auf Saturn zu schauen...
Bei den Bedingungen hege ich jedenfalls große Erwartungen, was dann bei Jupiter zu sehen sein wird, den ich mir für die frühen Morgenstunden vorgenommen habe.
· NGC 7296 ist ein kleiner, nicht sonderlich gut bestückter 10m- OH in Lac. Ich zähle an die 10 Einzelsterne vor einem matt schimmernden Hintergrund.
· G1 – der KSH-Begleiter von M 31. Entsprechend den Anregungen und Hinweisen von Matthias Juchert mache ich mich auf die Suche nach diesem Exoten: An Ort und Stelle finde ich tatsächlich ein schwaches diffuses Lichtfleckchen bei 170-facher Vergrößerung. Die beiden nahebei stehenden Sterne sind ebenfalls eindeutig und lassen sich im Gegensatz zu G1 fokussieren. Also Bingo!
· IC 1613 ist eine 9m3 Gx in Cet – aber die hat es bei einer Ausdehnung von 12 Bogenminuten in sich!! Eine ganz harte Nuß! Ich habe nach mehrfachem langem Absuchen des in Frage kommenden Feldes schließlich bei abgewandter Sichtweise einige körnige Lichtkrümel reproduzierbar gefunden –offenbar das Zentrum dieser ausgedehnten, kaum flächenhellen Gx. Die Sache wird dadurch nicht leichter, daß die Gx in ein Sterndreieck eingepaßt ist, wovon einer recht hell ist und damit das Auge irritiert.
Ich mache dann erst mal um 0:45 Schluß, um 5:00 will ich mich dann mit Jupiter beschäftigen, der inzwischen überm Hirschberg aufgegangen ist...
Also um 5:15 raus und ans C8 - große Enttäuschung! Von der vormitternächtlichen Luftruhe ist nichts geblieben, die Bedingungen sind unbefriedigend. Zwar herrscht keine eigentliche unruhige Luft, aber Jupiter ist schwammig und merkwürdig konturlos. Ein Vergleichsblick auf Saturn zeigt, daß auch der seine schöne Detailfülle verloren hat – kaum ist die Cassini-Teilung in den Ansen zu sehen. An der Optik kanns nicht liegen, die ist ausgekühlt, nicht beschlagen und hat gestern noch bewiesen, was sie kann. Also dann lieber zurück ins Haus, einheizen, Katzen füttern, Kaffee kochen...