Deep Sky Fackeln im Sturm

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klawipo

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Hallöle,

ich war die letzten beiden Nächte raus und möchte meine Beobachtungen zusamenfassen.

Abend des 11. Septembers:

Es war nach dem vielen Regen ungewöhnlich klar in Hürth. Da ich erst um 21 Uhr loskonnte und der Mond schon ca 22:45 aufgehen sollte fuhr ich mit leichtem Gepäck, meinem neu erworbenen 8x40 Revue Weitwinkel sowie meinem auf 25fach fest eingestellten 10-30x60 Fernglas auf ein nahegelegenes Feld. Im Zenit zeigte sich die Milchstraße recht deutlich. Sogar Pfeil und Schütze waren zu erkennen, was in meiner Gegend schon was heißen will.

Auf einer Gartenliege versuchte ich mich mit dem kleinen Glas todesmutig am schwierigen Nordamerika-Nebel. Ganz sicher war ich nicht, aber ich fand tatsächlich etwas nebeliges, ein Stück weit neben Deneb, das auch der eingezeichneten Form mancher Sternkarten entsprach. In meinen Dobsons ist mir das bisher nicht geglückt, da sehe ich dort nur Sterne über Sterne.

Im Pfeil hielt ich vergeblich nach M71 Ausschau, oder aber der Kugelsternhaufen zeigte sich sternförmig. Der Hantelnebel war gut zu sehen, seine charakteristische Form aber kaum auszumachen. Dafür zeigte sich der Kleiderbügel in dieser Himmelsregion sehr schön und zufällig.

Im Schützen war die Sagitarrius-Wolke ein Augenschmaus für die kleine Vergrößerung. Weitere Nebel zeigten sich hier, ich machte mir diesmal aber nicht die Mühe in die Karte zu gucken, um zu schauen was wo zu sehen war.

Das höher vergrößernde Fernglas war wegen des Windes auf dem nicht übermäßig stabilen Stativ leider kaum zu gebrauchen. Immerhin sah ich Saturn als oval. Gerne hätte ich gewusst ob die günstige Optik auch "Henkel" zeigt, dazu war das Bild aber zu unruhig. M13 sah ich mir noch mit 25fach an. Wie zu erwarten zwar ein schon eindrucksvoll großer, aber unaufgelöster Nebel.

Abend des 12. Septembers:

Auch gestern vertraute ich auf die Wettervorhersagen, die ein Wolkenloch für die Vor-Mondzeit prophezeiten. So kam es dann auch. Da ich etwas mehr Zeit hatte bis unser Erdtrabant die Himmelsbühne betrat, machte ich mich mit dem 12 Zoller und dem 8x40 Revue auf den Weg in die Eifel. Mein Standard-Parkplatz war von einem Pärchen im Smart belegt. Weil ich niemanden durch das Aufstellen meines großen Rohres in die Parade fahren wollte, fuhr ich ein Plätzche weiter. Dort angekommen pfiff der Wind schon heftig, die Vibraitionen des Dobsons erschwerten die Beobachtung. Mein Blick ging erneut mit dem 8x40 in den Schwan. Nordamerika war merkwürdigerweise nicht mehr auszumachen, dafür viele Sternwolken in der Gegend. Offenbar säuft der Gasnebel im Sternenmeer unser Galaxie ab, wenn die Bedingungen besser sind, kann das sein?!

Cirrus im Dobson war besser als das letzte mal, aber weiter nicht berauschend. Er wurde aber am Ende meiner Beobachtungszeit besser. Dunkeladaption und zunehmendes Herausdrehen des Schwans aus der östlichen Himmelsaufhellung erlaubten dann schon ansatzweise Filamente in der Knochenhand.

Zwei Kugelsternhauen nahm ich noch mit. M 15 war schon im Fernglas zu sehen und hatte bei 170x schöne Ausläufer die mich an einen Seestern erinnerten. Messier 2 war kleiner und etwas langgestreckt. Es zeigten sich bei dieser Vergrößerung einzelne Sternketten nach beiden Seiten, die eher parallel als zum Zentrum zu laufen schienen. Den Saturnnebel im Aquarius nahm ich mir auch nochmal vor. Die markante türkis-grüne Farbe stach noch mehr raus als das letzte mal, die Form war in Momenten weniger Luftunruhe unscharf und Ufo-förmig. Dennoch war das Bild wieder recht unruhig, wenn auch nicht so schlimm wie letztes mal. Etwas weiter oben zeigte sich der Hantelnebel dagegen wieder in voller Pracht mit Ausälufern und mit einigen Sternen, die hindurch leuchteten oder davor standen, hier war meine noch recht neue 9mm Goldkante, die für 20 EUR den langen Weg aus China gereist ist, wirklich gold wert.

Wenig bis nix ging diesen Abend mit Galaxien. M31 ein Graus in der erwähnten Ost-Helligkeit, nur der Kern war zu sehen. Die kleine Balkenspiralgalaxie NGC 7479 im Pegasus hob sich so gerade als Oval vom Himmelshintergrund ab. Zur Launenverbesserung noch ein paar kurze Blicke auf den schön definierten Ringnebel, Messier 13 und Messier 92, dann war meine Deep Sky Zeit abgelaufen. Der nun aufgehende Mond brachte dann ohnehin Wolken mit.

CU
Klaus
 
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Hallo Klaus, zwei Nächte in Folge Wetterglück - das ist doch was :). Saturnnebel und M2 habe ich die Saison noch nicht besucht, deine schöne Beschreibung macht richtig Lust darauf, vielleicht geht noch was am Wochenende. Nordamerikanebel ohne Filter ist schon gut, beim Cirrus hattest Du einen Filter drin? Da lohnt es sich ebenfalls sehr.

Grüße Ansgar
 
Hallo Klaus,

THX für Deinen Bericht.

Zuletzt bin ich Ende August, auch nur mit Fernglas und
Liegestuhl bewaffnet, rausgefahren. Früher habe ich mir
am 7000er ewig einen abgebrochen, bis ich dunkle Stand-
orte mit strukturierter Milchstraße erreichen konnte.
Der Witz: dort sieht man ihn am besten (eigentlich nur)
mit bloßen Augen, als Milchstraßenwolke NO von Deneb.

Zur nächsten ewigen Enttäuschung aller Anfänger mit den
schönen Fotos im Kopf: Der Andromedanebel war doch blick-
weise als Riesenteil zu erahnen. Ein Stativ wäre wohl
hilfreich gewesen. Irgendwann hole ich mir beim Astroluden
so ein Supergroßfernglas, oder ich muss mir diesen Anblick
bei Recall implantieren lassen...;-)

CS Robert
 
Hallo Ansgar,

ich habe noch keine vernünftigen Filter. Einen gebrauchten Astro Professional oiii in 1,25 Zoll habe ich mir mal geholt. Bisher habe ich aber keine guten Erfahrungen damit. Könnte aber auch an mangelnden passenden Okularen mit großer Austrittspupille liegen. Die guten Filter leiste ich mir wenn meine Steuererklärung durch ist und ich von den Nachzahlungen nicht bettelarm geworden bin.

Cu
Klaus
 
Hallo Klaus,

Herzlichen Glückwunsch zum First Light mit dem Revue.
Der Nordamerika ist unter guten Bedingungen problemlos, wenn man weiß worauf man achten muss. Eine Sternkarte leistet in der Tat gute Dienste. Das Problem mit den Sternen kenne ich aber auch, manchmal hat man förmlich das Gefühl, er würde in der Sternwolke absaufen. Das liegt daran, dass im Bereich des Nebels tatsächlich mehr Sterne zu sehen sind als im Bereich der Dunkelnebel rundum. Aber man kann die Sternwolke auch zur Orientierung nutzen.

Die Hexenhand des Cirrusnebels geht auch mit dem 8x40, wenn auch schwach. Und für noch kleinere Objekte wie Kugelsternhaufen fehlt einfach die Vergrößerung. Die Stärke dieses Glases ist die relativ große AP (5mm) bei geringem Gewicht und vor allem das gigantische Gesichtsfeld von 156/1000m. Das entspricht einem sGF von rund 71°. Das ist mehr als ein Panoptic-Okular zu bieten hat! Mein Leica 8x20 hat 110/1000, entsprechend 50°, 8x42-Gläser mit dem heutzutage üblichen Sehfeld von 130/1000m haben rund 60°.
Die Stärke dieses Glases sind also eher visuelle Spaziergänge unter dunklem Himmel. Damit einfach mal die Sommermilchstraße entlang schauen, vom Perseus über den Schwan bis zum Schützen, ist einfach ein tolles Erlebnis bei dem weiten Gesichtsfeld. Da schaut man dann auch über die Unschärfe im äußeren Feld hinweg.

Hattest Du nicht erzählt, das Glas hätte zwei kleine Muschelbrüche in einem Objektiv? Hast Du da schon was gemacht? Wenn man die Muschelbrüche mit etwas Lackfarbe abdeckt, beeinträchtigen sie weniger stark das Bild und verursachen weniger Streulicht.

Viel Spaß noch mit dem Glas:
Marcus
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Klaus,

Zitat von klawipo:
Weil ich niemanden durch das Aufstellen meines großen Rohres in die Parade fahren wollte,

Gold. Ich grinse jetzt noch, zehn Minuten nach meinem Lachanfall.

Die Objekte zwischen Schütze und grob Pfeil, also im Steinbock und so weiter waren unlängst auch mein Ziel.
Leider habe ich den Anblick des Saturnnebels vergessen, weil ich es auch manche Nacht mit der Anzahl der Objekte übertrieben habe. Nordamerikanebel, da habe ich ähnliche Dobsonerfahrungen gemacht wie Du. Die Knochenhand habe ich neulich überwältigt von den Filamenten im OIII bewundert.

Besten Dank für den tollen Bericht. Und hau schön weiter solche Kracher raus.

KN (darf man das eigentlich auch schreiben, oder ist das eine mir unbekannte, ganz böse Abkürzung?),

Henning
 
Hi Klaus,

der NGC 7000 war schon immer mein Problemobjekt, selbst im Hochgebirge auf Urlaub hab ich den damals im 4" irgendwie nicht erkennen können. Durch 30sec Belichtung mit der Kamera aber kam er wunderbar in all seinen Konturen heraus. Filter hab ich auch schon versucht, ich sehe den irgendwie nicht oder bin diesem Objekt gegenüber irgendwie blind. Ohne O-III Filter könnte ich den Cirrus niemals erkennen, an manchen Tagen erscheint er fast dreidimensional - an manchen unfassbar unscheinbar.
Dich hat´s wirklich gepackt, so oft wie Du rausfährst ist schon echte Arbeit! Ich freu ich für Dich.

Gruss von Anette
 
Hallo,

jaja, geht halt nix über Pennälerhumor.

Die Muschelbrüche am Fernglas fallen astronomisch nur am Mond auf, daher habe ich da genau nix gemacht.

Anette, versuchs doch auch mal mit geringster Vergrößerung bei großer Austrittspupille. Gesehen habe ich den Nebel so ähnlich wie es zB. hier eingezeichnet ist:

http://www.sternfreunde-muenster.de/sternbild.php?stbld=schwan

allerdings war er nach "oben" (wenn man von der Nordamerikaform ausgeht) nicht so klar abgegrenzt, der Stiefel unten war aber auffällig. Rechts davon befand sich direkt an Deneb noch ein dichtes Sternfeld.

Das fiese ist ja dass diese großen Nebel im Gegensatz zu den Sternen drumrum und innendrin von mehr Öffnung und Vergrößerung kaum profitieren.

CU
Klaus
 
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