Delyon
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Guten Morgen,
nachdem der neue ED schlechtwetterbedingt über zwei Wochen lang untätig zuhause stehen musste, verwöhnt das Wetter uns jetzt mit prognostizieren vier wolkenfreien Nächten am Stück, noch dazu in einer Neumondphase und noch dazu genau passend, da ich fünf Tage frei habe. Also kam der Refraktor in der vergangenen Nacht zum ersten mal unter richtig dunklen Landhimmel ins Weinviertel raus, nachdem ich ihn bisher erst zweimal von mäßigem Stadtrandhimmel im Wienerwald aus hatte testen können.
An Okularen verwendete ich ein 32mm Erfle, eine 9mm Goldkante, eine 6mm Goldkante und ein 5mm Baader Hyperion.
Vor Ort angekommen (Diesmal nicht in Zellerndorf, sondern schon eine Station vorher in Platt, das mir nach einem Blick auf Google Maps noch etwas günstiger erschien) machte ich mich zuerst auf den Weg weit raus in die Felder, wurde dort allerdings von lebhaftem Wildschweingegrunze in die Flucht geschlagen und beschloss, lieber unter etwas schlechteren Bedingungen am Ortsrand zu beobachten als meine Ausrüstung den Säuen zu überlassen. Geschützt zwischen zwei Reihen Weinreben war ich ganz gut gegen die paar Lampen des Dorfes (Das mit etwa 350 Einwohnern ohnehin kaum Licht abstrahlt) abgeschirmt. Direkt nach dem Aufbauen warf ich erst einen Blick auf Saturn, der allerdings nicht mehr vernünftig beobachtbar ist und tief im Horizontdunst stehend schon im 9mm-Okular bei 67-facher Vergrößerung so unruhig blubberte, dass ich höhere Vergrößerungen gar nicht ausprobierte und mich damit begnügte, wenigstens noch einmal einen Blick auf den Ring zu werfen, ehe damit für diese Saison wohl endgültig Schluss ist.
Während ich abwartete, dass sich die volle Dunkeladaption einstelle und es finster genug für Deep Sky werde, machte ich es mir im Gras liegend bequem und sah zu, wie die Dunkelheit vom Zenit auf immer tiefere Himmelsbereiche übergriff, die Milchstraße langsam hervortrat und immer deutlicher und strukturierter wurde. Schön war der Himmel allemal und die Milchstraße in Zenitnähe prächtig, aber leider zeigte sich schon am Abend, dass die Luftfeuchtigkeit heute wohl sehr hoch werden würde und die Beobachtungsbedingungen nicht an die besten Nächte heranreichen würden, die ich im Weinviertel schon hatte. Egal, nun bin ich einmal draußen und nutze eben, was heute nacht geht. Den Start machten einige leichte Standardobjekte. Zuerst M57: Schön, die Ringform schon bei 67x bei direktem Sehen gut erkennbar, bei 100x leichte Unregelmäßigkeiten am Rand wahrnehmbar, aber kein großer Unterschied zur Beobachtung am Stadtrand. Umso größer war dafür aber der Zugewinn an M13 - der war ja bei der ersten Beobachtung schon toll gewesen, aber die Beobachtung heute toppte alles! Selbst im Übersichtsokular bei 18x zeigte sich M13 nicht als diffuser, strukturloser Nebelfleck, sondern schon mit körnigem Randbereich mit etwas Struktur. Bei 67x blinzeln am Rand schon eine Menge Einzelsterne hervor, aber bei 100x wird daraus ein Meer feiner Sternchen, nicht mehr eine Handvoll, sondern etliche Dutzend, und mit ausdauerndem indirektem Sehen wurden es immer mehr. Ich probierte auch einmal 120x mit dem Baader Hyperion aus, allerdings wurde da das Bild schon etwas dunkel, gefiel mir nicht so gut, sodass ich wieder auf 100x herunterging und gut 10-20 Minuten bei M13 am Okular kleben blieb - richtig als Kugelsternhaufen erkennbar und nicht bloß als nebliges Etwas mit ein paar Randsternen hatte ich ihn nie vorher gesehen, Wahnsinn!
Dann ging es hoch zu M92, der bei 100x insgesamt etwas weniger Einzelsterne zeigt als M13, bei dem sie aber dichter zusammenstehen, was mir fast noch besser gefiel als M13. Schließlich noch ein Kugelsternhaufen, M15 im Pegasus. Bei 67x erscheint er als Nebelfleck, in dem man nur hellen Kern- und dunkleren Außenbereich unterscheiden kann, der ansonsten aber keine Struktur zeigt. Bei 100x werden die Randpartien deutlich körnig, Einzelsterne kann ich allerdings nur mit indirektem Sehen momentweise ein paar wenige auflösen. Dann ging es weiter zum Hantelnebel M27, der bei 67-facher Vergrößerung am Schönsten erscheint: Sehr hell und mit deutlich ausgeprägter Sanduhrform, und bei konzentrierter Beobachtung ist auch ein bisschen Struktur erkennbar, bspw. Helligkeitsunterschiede innerhalb des Nebels und bei indirektem Sehen eine erste Andeutung der Ohren - zwar nicht als solche wirklich erkennbar, aber man sieht, dass zwischen den Ausbuchtungen des Hantelnebels noch irgendwas anderes ganz zart Nebliges im Hintergrund ist. Dann noch ein Schwenk Richtung Großer Wagen und einen Blick auf M51 geworfen, die allerdings bei ihrem ziemlich horizontnahen Stand sehr blass und unscheinbar war - aber immerhin waren M51 und NGC5195 schon im Übersichtsokular als zwei klar getrennte Nebelscheibchen erkennbar.
Als Nächstes unternahm ich einen weiteren Versuch, NGC891 zu sichten, scheiterte dabei aber auch diesmal - an der angepeilten, mehrfach mit dem Karkoschka abgeglichenen Stelle war nix zu sehen. Vielleicht klappt es ja in einer Nacht mit trockenerer Luft. Über die missglückte Galaxiensuche tröstete ich mich mit einem Blick auf die Andromedagalaxie hinweg, wunderschön wie das erste mal: Im 32mm-Erfle immer noch mit ihren Ausläufern fast das ganze Okular füllend, M32 und M110 sehr deutlich sichtbar, und momentweise konnte ich mir sogar einbilden, eine Andeutung des Staubbandes in Richtung zu M110 hin zu sehen: Hinter dem hellen Bereich über dem Galaxiekern eine längliche, dunkle Lücke und dann wieder schwacher Nebel. Allerdings so schwach, dass ich hinter die Sichtung noch ein Fragezeichen stelle. Für die Beobachtung der Begleitgalaxien erhöhte ich die Vergrößerung noch auf 67x, wo M32 und M110 ihre Form deutlich ausgeprägter zeigen und M32 nicht mehr als verwaschener Stern durchgeht.
Bis dahin hatte ich nur schon bekannte Objekte beobachtet, jetzt sollte ich Neuland betreten, und zwar im Schützen, der einladend über dem Horizont stand! Den Schützen habe ich bisher erst einmal oberflächlich mit dem 10x50 Fernglas erkundet, hatte angesichts der verwirrenden Fülle von Nebelobjekten dort aber gewisse Zuordnungsschwierigkeiten, sodass ich heute bei der Beobachtung im Teleskop jedes gesichtete Objekt mit dem Karkoschka abgleichen wollte. Zuerst suchte ich die beiden Kugelsternhaufen M22 und M28 auf, die sich dank ihrer Nähe zu einem hellen Stern auch beide rasch auffinden ließen. M22 wäre sicher ein prächtiges Objekt, wenn er von Europa aus nur etwas höher am Himmel stünde, aber auch im Horizontdunst ist er noch ansehnlich: Er scheint mir mindestens so groß wie M13 zu sein und ziemlich hell, allerdings konnte ich keine Einzelsterne auflösen, sondern auch bei 100x nur eine Körnung des Randbereichs erzielen, für mehr Details war die horizontnahe Luft einfach zu dunstig und unruhig wabernd, wegen der Luftunruhe konnte man sich kaum jemals ein paar Sekunden wirklich konzentrieren. M28 bleibt bei allen Vergrößerungen ein diffuser, strukturloser Nebelfleck, in dem nur Kern und lichtschwächerer Rand unterschieden werden können.
Eine echte Überraschung erlebte ich dann bei den großen Nebeln im Schützen, ich hatte erwartet, dass man da mit einem kleinen Teleskop visuell ohnehin nichts sehen kann, erst recht nicht ohne Nebelfilter - und dann hatte ich auf einmal den Lagunennebel im Okular! Ein wirklich heller Nebel mit deutlich konturiertem Rand, ganz besonders reizvoll durch den offenen Sternhaufen innerhalb des Nebels. Im Übersichtsokular schon ein schönes Objekt, noch eindrucksvoller bei 67x, wenn der Sternhaufen gut aufgelöst wird. Den Trifidnebel habe ich leider nicht gefunden, dafür gelang es mir aber, mich über die Sternwolke M24 als Orientierungspunkt zum Omeganebel hochzuhangeln, ein noch schönerer Nebel als der Lagunennebel, der auf den ersten Blick ein bisschen an die Form eines Hammerhais erinnert. Mit längerem indirektem Sehen werden immer mehr Details innerhalb des Nebels sichtbar - toll! Leider dachte ich nicht mehr daran, auch einmal den Adlernebel zu versuchen, vielleicht nächstes mal.
Inzwischen war die Luftfeuchtigkeit wirklich unangenehm geworden, das Teleskop und die ganze Ausrüstung klatschnass, der Himmel etwas dunstig und die Milchstraße immer blasser, keine guten Voraussetzungen also für die Suche nach dunklen, schwierigen Objekten. Stattdessen genoss ich lange h&chi erst im Übersichtsokular in herrlich weitem Raum, dann bei 67x und 100x in Unmengen feiner Sternchen aufgelöst, danach einige offene Sternhaufen in der Kassiopeia und schließlich M52 im Kepheus. M52 ist ja ein Objekt, das ich in jedem Instrument sehr gerne mag: Im Fernglas sieht es aus wie ein kunstvoll platziertes Nebelobjekt innerhalb einer Sternenraute, im ED bei niedriger Vergrößerung erscheint er wie ein Nadelkissen, aus dem viele Einzelsterne hervorblinken. Zum ersten mal vergrößerte ich M52 heute auch stärker bis 100x und war überrascht vom immensen Sternenreichtum dieses kompakten offenen Sternhaufens. Danach warf ich noch einen Blick auf das Galaxienpaar M81/82, das zur Zeit zwar nicht gerade optimal steht, aber mich trotzdem immer wieder begeistert, vielleicht das schönste Deep Sky-Objekt, das ich schon beobachtet habe. Besonders M82 ist einfach wunderschön und wurde von mir bei 67-facher Vergrößerung lange im Detail betrachtet, nachdem ich mir vorher die beiden Galaxien im Zusammenspiel bei 18x angesehen hatte.
Die Nacht war inzwischen weit fortgeschritten, Jupiter und der Orion lugten schon ein gutes Stück über den Horizont. Bis sie hoch genug gestiegen waren, um vernünftig beobachtet werden zu können, legte ich mich noch - durch den ausgebreiteten Rucksack vor der Nässe des Bodens geschützt - ins Gras und schaute mir die trotz der Luftfeuchtigkeit noch schöne Milchstraße an und probierte mal aus, was ich denn eigentlich so alles mit bloßem Auge an Deep Sky sehen könne, bspw. die Andromeda-Galaxie schon ansatzweise in Kern und Halo unterteilt, sechs Einzelsterne in den Plejaden, M13 mit Mühe momentweise bei indirektem Sehen (In trockeneren Nächten ist M13 in der Gegend allerdings mit bloßem Auge einfach), in h&chi die beiden Sternhaufen als zwei getrennte Nebelfleckchen wahrnehmbar. Verrückt, dass die allermeisten Menschen selbst unter dunklem Landhimmel gar nicht wahrnehmen, was sie ohne jedes optische Hilfsmittel schon alles an hochinteressanten Dingen sehen könnten, wenn sie nur einmal aufmerksam nach oben schauen würden.
Die Dämmerung zog jetzt deutlich heran und Jupiter stand hoch genug zur Beobachtung. In der 6mm Goldkante war Jupiter bei 100x knackscharf und detailreich: Dunkle Färbung der Polregionen, die beiden Hauptwolkenbänder sehr deutlich, von kräftiger Farbe und mit Unregelmäßgikeiten am Rand, der GRF gut erkennbar und momentweise ein drittes Wolkenband. Bei 120x im dreimal so teuren Baader Hyperion war das Bild überraschenderweise viel schlechter, Jupiter ziemlich flau und außer den beiden Hauptwolkenbändern nichts erkennbar, etwas enttäuscht wechselte ich wieder auf die Goldkante. Ungefähr eine halbe Stunde später schraubte ich noch einmal das Hyperion ein, und siehe da: Plötzlich ein scharfes, detailreiches und einfach schönes Bild, vielleicht die schönste Jupiterbeobachtung, die ich bisher überhaupt hatte. Sehr merkwürdig - kann es denn sein, dass verschiedene Okulare verschieden stark seeinganfällig sind und die Goldkante mit der unruhigen horizontnahen Luft aus irgendeinem Grund besser zurechtkommt als das Hyperion?
Nach einem kurzen Blick auf die Plejaden - die mE im Fernglas schöner sind als im Teleskop - ging es, ehe es zu hell dafür wurde, zum letzten Objekt dieser ausgedehnten Beobachtungsnacht: Dem Orionnebel. Ich suchte ihn gleich mit 67-facher Vergrößerung auf und war trotz des bereits aufgehellten Himmels hin und weg, atemberaubend schön! Ein riesiger Teil des Nebel sichtbar, das Sterntrapez nadelfein getrennt und mit indirektem Sehen im hellsten Teil des Nebels eine Menge filigraner Details sichtbar. Der ganze Nebelkomplex sah aus wie eine große, geisterhaft leuchtende Wolkenfront, der hellste Teil wie ein durch den Raum schwebender Rochen aus Licht. 100-fache Vergrößerung war noch sinnvoll nutzbar und offenbarte weitere feine Details im Kernbereich des Nebels, bei 120x wurde es allerdings schon zu dunkel. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, wenn der Orionnebel einen höheren Himmelsstand einnimmt und noch eindrucksvoller werden wird.
Dann war allerdings auch Schluss, das Morgenlicht schaltete einen Stern nach dem anderen aus, bis außer Jupiter und Mars nichts mehr übrigblieb und ich mich nach intensiven neun Beobachtungsstunden auf den Rückweg zum Bahnhof machte.
Fazit: Durch die hohe Luftfeuchtigkeit zwar keine ganz idealen Beobachtungsbedingungen, aber trotzdem eine klasse Beobachtungsnacht, die einen für wochenlanges Wolkenelend gebührend entschädigt und in der der kleine ED mich wieder mehrfach sehr positiv überraschte, insbesondere an M13 und bei den Gasnebeln im Schützen. Und vielleicht geht es ja heute nacht gleich wieder raus, diesmal laut Wetterbericht mit etwas trockenerer Luft
CS,
Fabian
nachdem der neue ED schlechtwetterbedingt über zwei Wochen lang untätig zuhause stehen musste, verwöhnt das Wetter uns jetzt mit prognostizieren vier wolkenfreien Nächten am Stück, noch dazu in einer Neumondphase und noch dazu genau passend, da ich fünf Tage frei habe. Also kam der Refraktor in der vergangenen Nacht zum ersten mal unter richtig dunklen Landhimmel ins Weinviertel raus, nachdem ich ihn bisher erst zweimal von mäßigem Stadtrandhimmel im Wienerwald aus hatte testen können.
An Okularen verwendete ich ein 32mm Erfle, eine 9mm Goldkante, eine 6mm Goldkante und ein 5mm Baader Hyperion.
Vor Ort angekommen (Diesmal nicht in Zellerndorf, sondern schon eine Station vorher in Platt, das mir nach einem Blick auf Google Maps noch etwas günstiger erschien) machte ich mich zuerst auf den Weg weit raus in die Felder, wurde dort allerdings von lebhaftem Wildschweingegrunze in die Flucht geschlagen und beschloss, lieber unter etwas schlechteren Bedingungen am Ortsrand zu beobachten als meine Ausrüstung den Säuen zu überlassen. Geschützt zwischen zwei Reihen Weinreben war ich ganz gut gegen die paar Lampen des Dorfes (Das mit etwa 350 Einwohnern ohnehin kaum Licht abstrahlt) abgeschirmt. Direkt nach dem Aufbauen warf ich erst einen Blick auf Saturn, der allerdings nicht mehr vernünftig beobachtbar ist und tief im Horizontdunst stehend schon im 9mm-Okular bei 67-facher Vergrößerung so unruhig blubberte, dass ich höhere Vergrößerungen gar nicht ausprobierte und mich damit begnügte, wenigstens noch einmal einen Blick auf den Ring zu werfen, ehe damit für diese Saison wohl endgültig Schluss ist.
Während ich abwartete, dass sich die volle Dunkeladaption einstelle und es finster genug für Deep Sky werde, machte ich es mir im Gras liegend bequem und sah zu, wie die Dunkelheit vom Zenit auf immer tiefere Himmelsbereiche übergriff, die Milchstraße langsam hervortrat und immer deutlicher und strukturierter wurde. Schön war der Himmel allemal und die Milchstraße in Zenitnähe prächtig, aber leider zeigte sich schon am Abend, dass die Luftfeuchtigkeit heute wohl sehr hoch werden würde und die Beobachtungsbedingungen nicht an die besten Nächte heranreichen würden, die ich im Weinviertel schon hatte. Egal, nun bin ich einmal draußen und nutze eben, was heute nacht geht. Den Start machten einige leichte Standardobjekte. Zuerst M57: Schön, die Ringform schon bei 67x bei direktem Sehen gut erkennbar, bei 100x leichte Unregelmäßigkeiten am Rand wahrnehmbar, aber kein großer Unterschied zur Beobachtung am Stadtrand. Umso größer war dafür aber der Zugewinn an M13 - der war ja bei der ersten Beobachtung schon toll gewesen, aber die Beobachtung heute toppte alles! Selbst im Übersichtsokular bei 18x zeigte sich M13 nicht als diffuser, strukturloser Nebelfleck, sondern schon mit körnigem Randbereich mit etwas Struktur. Bei 67x blinzeln am Rand schon eine Menge Einzelsterne hervor, aber bei 100x wird daraus ein Meer feiner Sternchen, nicht mehr eine Handvoll, sondern etliche Dutzend, und mit ausdauerndem indirektem Sehen wurden es immer mehr. Ich probierte auch einmal 120x mit dem Baader Hyperion aus, allerdings wurde da das Bild schon etwas dunkel, gefiel mir nicht so gut, sodass ich wieder auf 100x herunterging und gut 10-20 Minuten bei M13 am Okular kleben blieb - richtig als Kugelsternhaufen erkennbar und nicht bloß als nebliges Etwas mit ein paar Randsternen hatte ich ihn nie vorher gesehen, Wahnsinn!
Dann ging es hoch zu M92, der bei 100x insgesamt etwas weniger Einzelsterne zeigt als M13, bei dem sie aber dichter zusammenstehen, was mir fast noch besser gefiel als M13. Schließlich noch ein Kugelsternhaufen, M15 im Pegasus. Bei 67x erscheint er als Nebelfleck, in dem man nur hellen Kern- und dunkleren Außenbereich unterscheiden kann, der ansonsten aber keine Struktur zeigt. Bei 100x werden die Randpartien deutlich körnig, Einzelsterne kann ich allerdings nur mit indirektem Sehen momentweise ein paar wenige auflösen. Dann ging es weiter zum Hantelnebel M27, der bei 67-facher Vergrößerung am Schönsten erscheint: Sehr hell und mit deutlich ausgeprägter Sanduhrform, und bei konzentrierter Beobachtung ist auch ein bisschen Struktur erkennbar, bspw. Helligkeitsunterschiede innerhalb des Nebels und bei indirektem Sehen eine erste Andeutung der Ohren - zwar nicht als solche wirklich erkennbar, aber man sieht, dass zwischen den Ausbuchtungen des Hantelnebels noch irgendwas anderes ganz zart Nebliges im Hintergrund ist. Dann noch ein Schwenk Richtung Großer Wagen und einen Blick auf M51 geworfen, die allerdings bei ihrem ziemlich horizontnahen Stand sehr blass und unscheinbar war - aber immerhin waren M51 und NGC5195 schon im Übersichtsokular als zwei klar getrennte Nebelscheibchen erkennbar.
Als Nächstes unternahm ich einen weiteren Versuch, NGC891 zu sichten, scheiterte dabei aber auch diesmal - an der angepeilten, mehrfach mit dem Karkoschka abgeglichenen Stelle war nix zu sehen. Vielleicht klappt es ja in einer Nacht mit trockenerer Luft. Über die missglückte Galaxiensuche tröstete ich mich mit einem Blick auf die Andromedagalaxie hinweg, wunderschön wie das erste mal: Im 32mm-Erfle immer noch mit ihren Ausläufern fast das ganze Okular füllend, M32 und M110 sehr deutlich sichtbar, und momentweise konnte ich mir sogar einbilden, eine Andeutung des Staubbandes in Richtung zu M110 hin zu sehen: Hinter dem hellen Bereich über dem Galaxiekern eine längliche, dunkle Lücke und dann wieder schwacher Nebel. Allerdings so schwach, dass ich hinter die Sichtung noch ein Fragezeichen stelle. Für die Beobachtung der Begleitgalaxien erhöhte ich die Vergrößerung noch auf 67x, wo M32 und M110 ihre Form deutlich ausgeprägter zeigen und M32 nicht mehr als verwaschener Stern durchgeht.
Bis dahin hatte ich nur schon bekannte Objekte beobachtet, jetzt sollte ich Neuland betreten, und zwar im Schützen, der einladend über dem Horizont stand! Den Schützen habe ich bisher erst einmal oberflächlich mit dem 10x50 Fernglas erkundet, hatte angesichts der verwirrenden Fülle von Nebelobjekten dort aber gewisse Zuordnungsschwierigkeiten, sodass ich heute bei der Beobachtung im Teleskop jedes gesichtete Objekt mit dem Karkoschka abgleichen wollte. Zuerst suchte ich die beiden Kugelsternhaufen M22 und M28 auf, die sich dank ihrer Nähe zu einem hellen Stern auch beide rasch auffinden ließen. M22 wäre sicher ein prächtiges Objekt, wenn er von Europa aus nur etwas höher am Himmel stünde, aber auch im Horizontdunst ist er noch ansehnlich: Er scheint mir mindestens so groß wie M13 zu sein und ziemlich hell, allerdings konnte ich keine Einzelsterne auflösen, sondern auch bei 100x nur eine Körnung des Randbereichs erzielen, für mehr Details war die horizontnahe Luft einfach zu dunstig und unruhig wabernd, wegen der Luftunruhe konnte man sich kaum jemals ein paar Sekunden wirklich konzentrieren. M28 bleibt bei allen Vergrößerungen ein diffuser, strukturloser Nebelfleck, in dem nur Kern und lichtschwächerer Rand unterschieden werden können.
Eine echte Überraschung erlebte ich dann bei den großen Nebeln im Schützen, ich hatte erwartet, dass man da mit einem kleinen Teleskop visuell ohnehin nichts sehen kann, erst recht nicht ohne Nebelfilter - und dann hatte ich auf einmal den Lagunennebel im Okular! Ein wirklich heller Nebel mit deutlich konturiertem Rand, ganz besonders reizvoll durch den offenen Sternhaufen innerhalb des Nebels. Im Übersichtsokular schon ein schönes Objekt, noch eindrucksvoller bei 67x, wenn der Sternhaufen gut aufgelöst wird. Den Trifidnebel habe ich leider nicht gefunden, dafür gelang es mir aber, mich über die Sternwolke M24 als Orientierungspunkt zum Omeganebel hochzuhangeln, ein noch schönerer Nebel als der Lagunennebel, der auf den ersten Blick ein bisschen an die Form eines Hammerhais erinnert. Mit längerem indirektem Sehen werden immer mehr Details innerhalb des Nebels sichtbar - toll! Leider dachte ich nicht mehr daran, auch einmal den Adlernebel zu versuchen, vielleicht nächstes mal.
Inzwischen war die Luftfeuchtigkeit wirklich unangenehm geworden, das Teleskop und die ganze Ausrüstung klatschnass, der Himmel etwas dunstig und die Milchstraße immer blasser, keine guten Voraussetzungen also für die Suche nach dunklen, schwierigen Objekten. Stattdessen genoss ich lange h&chi erst im Übersichtsokular in herrlich weitem Raum, dann bei 67x und 100x in Unmengen feiner Sternchen aufgelöst, danach einige offene Sternhaufen in der Kassiopeia und schließlich M52 im Kepheus. M52 ist ja ein Objekt, das ich in jedem Instrument sehr gerne mag: Im Fernglas sieht es aus wie ein kunstvoll platziertes Nebelobjekt innerhalb einer Sternenraute, im ED bei niedriger Vergrößerung erscheint er wie ein Nadelkissen, aus dem viele Einzelsterne hervorblinken. Zum ersten mal vergrößerte ich M52 heute auch stärker bis 100x und war überrascht vom immensen Sternenreichtum dieses kompakten offenen Sternhaufens. Danach warf ich noch einen Blick auf das Galaxienpaar M81/82, das zur Zeit zwar nicht gerade optimal steht, aber mich trotzdem immer wieder begeistert, vielleicht das schönste Deep Sky-Objekt, das ich schon beobachtet habe. Besonders M82 ist einfach wunderschön und wurde von mir bei 67-facher Vergrößerung lange im Detail betrachtet, nachdem ich mir vorher die beiden Galaxien im Zusammenspiel bei 18x angesehen hatte.
Die Nacht war inzwischen weit fortgeschritten, Jupiter und der Orion lugten schon ein gutes Stück über den Horizont. Bis sie hoch genug gestiegen waren, um vernünftig beobachtet werden zu können, legte ich mich noch - durch den ausgebreiteten Rucksack vor der Nässe des Bodens geschützt - ins Gras und schaute mir die trotz der Luftfeuchtigkeit noch schöne Milchstraße an und probierte mal aus, was ich denn eigentlich so alles mit bloßem Auge an Deep Sky sehen könne, bspw. die Andromeda-Galaxie schon ansatzweise in Kern und Halo unterteilt, sechs Einzelsterne in den Plejaden, M13 mit Mühe momentweise bei indirektem Sehen (In trockeneren Nächten ist M13 in der Gegend allerdings mit bloßem Auge einfach), in h&chi die beiden Sternhaufen als zwei getrennte Nebelfleckchen wahrnehmbar. Verrückt, dass die allermeisten Menschen selbst unter dunklem Landhimmel gar nicht wahrnehmen, was sie ohne jedes optische Hilfsmittel schon alles an hochinteressanten Dingen sehen könnten, wenn sie nur einmal aufmerksam nach oben schauen würden.
Die Dämmerung zog jetzt deutlich heran und Jupiter stand hoch genug zur Beobachtung. In der 6mm Goldkante war Jupiter bei 100x knackscharf und detailreich: Dunkle Färbung der Polregionen, die beiden Hauptwolkenbänder sehr deutlich, von kräftiger Farbe und mit Unregelmäßgikeiten am Rand, der GRF gut erkennbar und momentweise ein drittes Wolkenband. Bei 120x im dreimal so teuren Baader Hyperion war das Bild überraschenderweise viel schlechter, Jupiter ziemlich flau und außer den beiden Hauptwolkenbändern nichts erkennbar, etwas enttäuscht wechselte ich wieder auf die Goldkante. Ungefähr eine halbe Stunde später schraubte ich noch einmal das Hyperion ein, und siehe da: Plötzlich ein scharfes, detailreiches und einfach schönes Bild, vielleicht die schönste Jupiterbeobachtung, die ich bisher überhaupt hatte. Sehr merkwürdig - kann es denn sein, dass verschiedene Okulare verschieden stark seeinganfällig sind und die Goldkante mit der unruhigen horizontnahen Luft aus irgendeinem Grund besser zurechtkommt als das Hyperion?
Nach einem kurzen Blick auf die Plejaden - die mE im Fernglas schöner sind als im Teleskop - ging es, ehe es zu hell dafür wurde, zum letzten Objekt dieser ausgedehnten Beobachtungsnacht: Dem Orionnebel. Ich suchte ihn gleich mit 67-facher Vergrößerung auf und war trotz des bereits aufgehellten Himmels hin und weg, atemberaubend schön! Ein riesiger Teil des Nebel sichtbar, das Sterntrapez nadelfein getrennt und mit indirektem Sehen im hellsten Teil des Nebels eine Menge filigraner Details sichtbar. Der ganze Nebelkomplex sah aus wie eine große, geisterhaft leuchtende Wolkenfront, der hellste Teil wie ein durch den Raum schwebender Rochen aus Licht. 100-fache Vergrößerung war noch sinnvoll nutzbar und offenbarte weitere feine Details im Kernbereich des Nebels, bei 120x wurde es allerdings schon zu dunkel. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, wenn der Orionnebel einen höheren Himmelsstand einnimmt und noch eindrucksvoller werden wird.
Dann war allerdings auch Schluss, das Morgenlicht schaltete einen Stern nach dem anderen aus, bis außer Jupiter und Mars nichts mehr übrigblieb und ich mich nach intensiven neun Beobachtungsstunden auf den Rückweg zum Bahnhof machte.
Fazit: Durch die hohe Luftfeuchtigkeit zwar keine ganz idealen Beobachtungsbedingungen, aber trotzdem eine klasse Beobachtungsnacht, die einen für wochenlanges Wolkenelend gebührend entschädigt und in der der kleine ED mich wieder mehrfach sehr positiv überraschte, insbesondere an M13 und bei den Gasnebeln im Schützen. Und vielleicht geht es ja heute nacht gleich wieder raus, diesmal laut Wetterbericht mit etwas trockenerer Luft
CS,
Fabian