Hallo Willi
Das Thema Obstruktion wird hier umfänglich vorgestellt.
Central obstruction effect on image quality in telescopes.
www.telescope-optics.net
Ich versuche mich mal in einer Zusammenfassung.
Über die Obstruktion gibt es viele Missverständnisse und Halbwahrheiten zu lesen.
Die Obstruktion ist beim Spiegelteleskop nur ein Teilaspekt von vielen, welcher gegenüber der optischen Qualität, der Justage, sowie der Auskühlung eher einen geringen Einfluss auf die Bildqualität hat.
Alles was unter 20% Obstruktion geht ist quasi bedeutungslos, weil der Kontrastverlust zu gering ist um wahrgenommen werden zu können und bis ca. 33% wird sie als noch akzeptabel bzw. tolerierbar angesehen.
Im Vergleich zum Kontrastkonzept (Kontrastmodulation) geht man davon aus, das -5% weniger Kontrast gar nicht vom Auge wahrgenommen werden können und bis -20% nur einen geringen Einfluss auf die Bildqualität haben.
Die Größe bzw. das Konzept der Obstruktion, reiht sich damit in die optischen Konzepte von Beugung- Beugungsbegrenzt, Strehl, MTF und PSF ein.
Die Toleranz von Obstruktion hat den Hintergrund, dass ein Teleskop mit sagen wir 33% immer noch das gleiche Auflösungsvermögen besitzt, wie das perfekte Teleskop ohne Obstruktion, lediglich mit etwas Kontrastverlust bei bestimmten Ortsfrequenzen bzw. Auflösung.
Dabei kommt ein großer Teil des Kontrastverlustes in der linken hälfte der MTF zur Wirkung, wo man sich eher im niedrigen bis mittleren Auflösungs- und Vergrößerungsbereich befindet.
Im hohen Aulsösungs- und Vergrößerungsbereich normalisiert sich die MTF wieder und ist von einem fehlerfreien Teleskop quasi nicht zu unterscheiden.
Eigentlich verbessert die Obstruktion sogar das Auflösungs- und Kontrastvermögen im Hochvergrößerungsbereich, weil durch die Obstruktion sich das Beugung Scheibchen verkleinert.
In diesem Kontext etwas einfach ausgedrückt, dass Bild wird je nach Größe der Obstruktion etwas weich gezeichnet, die Details und die Auflösung bleiben jedoch erhalten.
Nimmt man nun die noch als visuell akzeptabel angesehene Obstruktion von 33% und trägt den Kontrastverlust in der MTF ab, so kommt man im Extremfall auf einen Kontrastverlust je nach Ortsfrequenz auf max. ca. 14%.
Daher wird in der MTF z.B. die Obstruktion immer mit einem Obstruktionslosen bzw. mit einem perfekten Teleskop gleicher Öffnung gegenübergestellt und nicht mit unterschiedlichen Öffnungen.
Das Öffnungsverhältnis hat auf die Achsabbildung keinen Einfluss sondern zeigt sich mehr im Feld evtl. in Form von Koma.
Dafür gibt es Korrektoren, wie Komakorrektoren und Komakorrigierende Barlowlinsen.
Das Öffnungsverhältnis hat Einfluss auf die Konstruktion eines Teleskops, wie Baulänge, Größe der Obstruktion usw.
Bei kleinen Newtons bis 8" kann je nach Öffnungsverhältnis konstruktiv die Obstruktion relativ groß ausfallen.
Bei größeren Newtons kann man bei f/4 die Obstruktion mit kurzen OAZ durchaus bei ca. 20% halten.
Bei kleinen Newtons kommt es dann darauf an, wie man es schwerpunktmäßig nutzen möchte, visuell, oder Fotografisch?
Wie Nik schon geschrieben hat ist der Begriff "Planetennewton" eher ein Marketingbegriff.
Früher als man noch nicht wusste, dass Justage, Thermik und Qualität, eine größere Rolle auf die Abbildungsleistung haben, schob man fälschlicher weise die schlechte Abbildungsleistung eines Newton der Obstruktion zu und man versuchte daher am "Planetennewton" die Obstruktion möglichst klein zu halten und machte das Öffnungsverhältnis unnötig lang.
Auch gab es noch nicht die Komakorrektoren, Barlows und Okulare wie heute und man versuchte mit recht einfachen Okularkonstruktionen wie Ortho und Plössl, eine bessere Abbildung mit entsprechendem Öffnungsverhältnis zu erreichen.
Heute ist das jedoch ein veraltetes Konzept, was nicht heißt, dass es schlecht sein muss.
Durch das moderne Zubehör ist das ganze vielleicht vergleichbar mit der Geschichte von Achromat und Apochromat?
Hier ging es auch immer um möglichst kürzere Baulängen, immer farbreiner und immer kontrastreicher.
Der visuelle Planetennewton von heute, wird vielleicht wie folgt definiert?
- Hohe optische und mechanische Qualität
- Geschlossener Tubus gegen Localseeing, evtl. ISO-Tubus
- Aktive saugende Belüftung gegen Tubusseeing und Grenzschicht
- Guter OAZ mit 1:10 Untersetzung für feinfühliges Fokussieren
- Nachführung auf der optischen Achse mit EQ-Platform, GOTO-AZ Montierung, Paralaktische Montierung
- Taukappe gegen Atemluft
- Obstruktion kleiner als 25%
- Zubehör (Bino, Koma-Barlow, ADC, gute Okulare)
Immer mehr "Planetenbeobachter" verwenden heute einen ADC um maximale Farbkorrekur zu erreichen, gerade bei Planetentiefstand und bei großen Öffnungen ist die Atmosphärische Dispersion leicht zu erkennen.
Entscheidet man sich für einen ADC muss man durch dessen Baulänge einen Kompromiss eingehen, dann kann man wegen dem Fokuspunkt die Obstruktion beim Newton nicht mehr so klein wie möglich wählen, weil man dann nicht mehr mit dem ADC in den Fokus kommt.
Hier ist jedoch die mögliche Farbreinheit, einer kleineren Obstruktion vorzuziehen, weil ob nun 20%, oder 17% Obstruktion wird kein Mensch sehen können, die Farbaufspaltung wird jedoch deutlicher wahrgenommen bzw. wirkt sich stärker auf die Kontrastminderung aus, als die Obstruktion.
Gruß
CS