Definition Planetennewton

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willybott

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Hallo zusammen,
In Zusammenhang mit dieser Bezeichnung lese ich immer von Obstruktion und Öffnungsverhältnis. Aber geht es eigentlich nur darum die Obstruktion möglichst klein zu halten oder spielt das Öffnungsverhältnis zusätzlich eine Rolle dabei?
 
Hallo Willy,
melde mich, weil ich auch bisweilen mit Newtons Planeten beobachte, und zwar visuell.
Es wurde zum Thema eigentlich schon alles geschrieben.

Mein Kommentar dazu: das ist ein Marketingbegriff.

Ja, beide Eigenschaften sind hilfreich, aber nur Teilaspekte der tatsächlichen Anforderungen und nicht die wichtigsten. Ein optisch guter, gut justierter Newton mit passenden Okularen eignet sich unabhängig vom Öffnungsverhältnis zur Beobachtung von Planeten. Ein schnelles Öffnungsverhältnis erschwert aber die Justage und setzt höhere Ansprüche an die Okulare.

Die Obstruktion spielt eine gewisse Rolle für den Bildkontrast, wird aber gerne überschätzt. Solange sie eher bei 20% als bei 30% liegt, braucht man sich darüber keine Gedanken machen, bevor folgende, wichtigere Einflüsse auf die Abbildung optimiert sind:
  1. die Justage der Optik, die auch ein hervorragendes Gerät ruinieren kann. Keine Hexerei am Newton, man kann, aber muss ihn gelegentlich justieren. Filmdose mit Loch reicht als Werkzeug aus.
  2. Thermische Beherrschung des Gerätes, denn Turbulenzen im Tubus ruinieren das Planetenbild komplett. Sowohl Auskühlen des Hauptspiegels wie auch schützen des Tubus vor nächtlicher Unterkühlung durch Abstrahlung durch isolieren und ggf saugender Lüfter. Auch der Atem oder die Hand der BeobachterIn nahe der Tubusöffnung hat einen merklichen Einfluss. All dies ist gut zu sehen im stark defokusierten Stern- oder Planetenbild.
  3. Die Qualität der Optik selbst, und hier ist die Chance eine Gurke zu ergattern bei großen (12"+) und schnellen (ab f5) und zugleich billigen (also erschwinglichen) Geräten höher als bei einem, sagen wir mal 8" f6 "Paradeplanetennewton". Große und zugleich optisch nicht so exakte Geräte sind für ohnehin verwaschene Galaxien oder Sternhaufen manchmal noch ganz ok, während das Planetenbild schlicht unbrauchbar wird. Der Punkt 2 wird mit der Größe der Optik auch immer schwieriger zu beherrschen. Wenn die Optik gut ist und 1 und 2 auch erfüllt sind, zeigt die große Optik natürlich mehr, weil das theoretische Limit der Auflösung ja besser ist. Daher ist eine zu kleine Öffnung ebenfalls weniger planetentauglich.
Wenn diese Punkte berücksichtigt sind, bleibt noch das Seeing der Atmosphäre (Turbulenzen) in Kombination mit der Höhe des Planeten über dem Horizont, was sehr oft einen Strich durch die Rechnung macht. Nie über aufgeheizte Flächen wie Dächer oder gar Schornsteine beobachten, aber oft ist es die Wetterlage und man kann nur auf bessere Zeiten warten. Auch wenn es darüber oft zu Kontroversen kommt: die kleinere Optik ist - aus welchen Gründen im Detail auch immer - resistenter gegen schlechtes Seeing der Atmosphäre. In manchen Fällen erhält man ein wellig bewegtes Bild, während die große Optik nur Matsch zeigt.

Die Obstruktion des Fangspiegels dürfte für Anfänger und mittlere fortgeschrittene Beobachter irrelevant sein, solange man nicht einen reinrassigen "Fotonewton" (der gegenteilige Marketingbegriff...) mit bewußt großem Fangspiegel benützt. Es stimmt, dass die Teleskope von der Stange meist etwas Obstruktion verschenken wegen eines unnötig hohen Okularauszugs, den sie meiner Vermutung nach haben, um Kontrastprobleme durch zu kurze Tubus- und Taukappenlänge und mäßige Schwärzung des Haupttubus zu verringern. Einen viel größeren Einfluss als die gern diskutierte Obstruktion des Fangspiegels kann die Verspannung eines vollflächig verklebten Fangspiegels durch den resultierenden Astigmatismus haben.

Last but not least: beidäugige Beobachtung mit einem Binoansatz wirkt Wunder für die Erkennbarkeit von subtilen Details an der Grenze der Wahrnehmbarkeit und ist für mich absolut unverzichtbar, um Freude an Planeten zu haben.

Ach ja, eins hätt ich fast vergessen: der ADC (Atmospheric Dispersion Corrector), ein Teil vor dem Binoansatz bzw. Okular zum Ausgleich der Farbränder in Horizontnähe ist zumindest für Planeten unter ca. 45 ° ein sichtbarer Gewinn.

Hoffe diese (nicht neuen) Hinweise helfen weiter,

Freundliche Grüße, Nik
 
Zuletzt bearbeitet:
ja ich weiß, es gibt viele Infos hier. Mir war wichtig zu wissen ob es bei der Anschaffung eines Dobson für die Beobachtung von Planeten (u.a.) bei dem Öffnungsverhältnis nur als Folge einer kleinen Obstruktion geht oder ob es eine eigene Rolle dabei spielt.
Ich habe bisher nur Refraktoren gehabt und möchte mir ein Spacewalk-Dobson 16"/F5 mit 20% Obstruktion zuzulegen.
 
... um deine eigentliche Frage auch zu beantworten: ein längeres Öffnungsverhältnis spielt neben der Tatsache, dass es eine geringere Obstruktion ermöglicht, insofern auch eine Rolle, als Justageempfindlichkeit und Anspruch an Okularqualität und Fertigung des Hauptspiegels entspannter werden.

Aber das sind eben nur indirekte Einflüsse, die mit guten Okularen, guter Spiegelqualität und einer korrekten Justage alle gelöst sind. Der Einfluß auf die Okulare läßt sich übrigens auch mit einer Barlowlinse lösen, welche hinter sich okularseitig das Öffnungsverhältnis mit dem Faktor der Vergrößerung verlängert. Für Binoeinsatz wirst du eine solche bzw. GWK ohnehin brauchen.

Bleibt wegen der Justageempfindlichkeit einzig eine Verkleinerung des brauchbaren Bildfelds bei schnellerem Öffnungsverhältnis gegenüber einem Gerät gleicher Öffnung zu erwähnen. Aber Achtung, ein 16" f5 ist da aber besser dran und nicht vergleichbar mit z.B. einem 4" f5. Und es kommt viel mehr auf eine geschmeidige, ruckelfreie Nachführbarkeit an, um den Planet in der Mitte zu halten.

Fazit: F5 ist für sich genommen praktisch kein Nachteil beim Planetenbeobachten, die Obstruktion von 20% gut und die Herausforderung liegt wohl in der Beherrschung der heißen Luft. Viel Spaß beim Beobachten!

PS: da ich das Gerät nicht selbst kenne, kann und darf ich keine Empfehlung aussprechen, glaube aber, dass das passt.

Gruß Nik
 
Hi Willy,

naja bei 16 Zoll (406mm) Öffnung hast du ja gar keine Wahl als einen f/5 bis f/4 Newton zu nehmen, um das Teleskop in erträglichen und praktikablen Maßen zu halten. Außerdem wird dort gar nicht viel was anderes angeboten. Zudem hast du damit dann schon eine deutliche Öffungs- und Kontrastreserve gegenüber kleineren geräten, zB 8 Zoll. Selbst 40% Obstruktion wäre da im Prinzip egal. Die Frage nach Planetennewton würde sich eher bei kleineren Öffnungen so um die 150 bis 250mm stellen, denn dort bringen Optimierungen der Obstruktion und gutmütigeres Öffnungsverhältnis etwas bzw. die Maße des Telekops wäre gerade noch praktikabel und vergleichbare, nicht optimierte Systeme schneiden schlechter ab. Ein Planetennewton hätte dann vielleicht f/8 und visuell optimierte Obstruktion, während ein Weitfeldgerät zB f/4 und viel Obstruktion hätte. Beide Geräte gehen natürlich für Planeten aber das Planetennewton schneidet im selben Öffnungsspektrum natürlich besser ab. Da man aber immer auf größere Spiegel ausweichen kann, ist ein Planetennewton eher müßig. Das größere Teleskop, egal ob mit fetter Obstruktion oder nicht, würde i.d.R eher besser abschneiden.

Gruß
Christian
 
ja, die Überlegung wäre gewesen die Öffnung zugunsten des besser definierten Bildes zu reduzieren. Bei 16"/F5 kann ich noch ohne Erhöhung im Zenit beobachten.
 
Jedes Teleskop, gleich welcher Bauart, scheidet für mich als Planetengerät aus, wenn es nicht motorisch nachgeführt ist. Ob azimuthal (motorisieeter Dobson) oder parallaktisch spielt dabei erstmal keine Rolle. Aber wenn man von Hand nachführen muss, noch dazu bei sehr hoher Vergrößerung und schlimmstenfalls in zwei Richtungen gleichzeitig wie beim Dobson, verbraucht man einen gehörigen Teil seiner Aufmerksamkeit für das Nachschubsen, was sonst für die Beobachtung selbst hätte zur Verfügung stehen können.
Den Auflösungsvorteil eines 16"ers gegen einen zB 10" spielt man wenn überhaupt 2-3mal im Jahr aus, vorrausgesetzt man ist genau zu diesen Nächten dann auch draußen.

LG
Olli
 
stimmt alles, aber 1. ist der spacewalk nachgeführt (Option) und 2. liegt der Vorteil 16" gegenüber 10" in Lichtsammelvermögen.
 
Das Lichtsammelvermögen ist für Deep Sky sicher das wichtigste Argument. Für Planeten oder Mondbeobachtungen wird man dann allerdings nicht um einen ND-Filter herum kommen, weil es einfach so hell wird, dass Details überstrahlt werden (Zumindest an Jupiter, Saturn und Mond, Venus sowieso)
 
Man kann auch einen grösseren Dob auch immer Off Axis ablenden. Dann kann man DS und Planeten machen, wenn das Seeing für mit der grösseren Öffung nicht so optimal waere.

Schöne Grüsse
Gerhard.
 
Hallo Willi

Das Thema Obstruktion wird hier umfänglich vorgestellt.

Ich versuche mich mal in einer Zusammenfassung.
Über die Obstruktion gibt es viele Missverständnisse und Halbwahrheiten zu lesen.
Die Obstruktion ist beim Spiegelteleskop nur ein Teilaspekt von vielen, welcher gegenüber der optischen Qualität, der Justage, sowie der Auskühlung eher einen geringen Einfluss auf die Bildqualität hat.
Alles was unter 20% Obstruktion geht ist quasi bedeutungslos, weil der Kontrastverlust zu gering ist um wahrgenommen werden zu können und bis ca. 33% wird sie als noch akzeptabel bzw. tolerierbar angesehen.
Im Vergleich zum Kontrastkonzept (Kontrastmodulation) geht man davon aus, das -5% weniger Kontrast gar nicht vom Auge wahrgenommen werden können und bis -20% nur einen geringen Einfluss auf die Bildqualität haben.
Die Größe bzw. das Konzept der Obstruktion, reiht sich damit in die optischen Konzepte von Beugung- Beugungsbegrenzt, Strehl, MTF und PSF ein.
Die Toleranz von Obstruktion hat den Hintergrund, dass ein Teleskop mit sagen wir 33% immer noch das gleiche Auflösungsvermögen besitzt, wie das perfekte Teleskop ohne Obstruktion, lediglich mit etwas Kontrastverlust bei bestimmten Ortsfrequenzen bzw. Auflösung.
Dabei kommt ein großer Teil des Kontrastverlustes in der linken hälfte der MTF zur Wirkung, wo man sich eher im niedrigen bis mittleren Auflösungs- und Vergrößerungsbereich befindet.
Im hohen Aulsösungs- und Vergrößerungsbereich normalisiert sich die MTF wieder und ist von einem fehlerfreien Teleskop quasi nicht zu unterscheiden.
Eigentlich verbessert die Obstruktion sogar das Auflösungs- und Kontrastvermögen im Hochvergrößerungsbereich, weil durch die Obstruktion sich das Beugung Scheibchen verkleinert.
In diesem Kontext etwas einfach ausgedrückt, dass Bild wird je nach Größe der Obstruktion etwas weich gezeichnet, die Details und die Auflösung bleiben jedoch erhalten.
Nimmt man nun die noch als visuell akzeptabel angesehene Obstruktion von 33% und trägt den Kontrastverlust in der MTF ab, so kommt man im Extremfall auf einen Kontrastverlust je nach Ortsfrequenz auf max. ca. 14%.
Daher wird in der MTF z.B. die Obstruktion immer mit einem Obstruktionslosen bzw. mit einem perfekten Teleskop gleicher Öffnung gegenübergestellt und nicht mit unterschiedlichen Öffnungen.

Das Öffnungsverhältnis hat auf die Achsabbildung keinen Einfluss sondern zeigt sich mehr im Feld evtl. in Form von Koma.
Dafür gibt es Korrektoren, wie Komakorrektoren und Komakorrigierende Barlowlinsen.
Das Öffnungsverhältnis hat Einfluss auf die Konstruktion eines Teleskops, wie Baulänge, Größe der Obstruktion usw.
Bei kleinen Newtons bis 8" kann je nach Öffnungsverhältnis konstruktiv die Obstruktion relativ groß ausfallen.
Bei größeren Newtons kann man bei f/4 die Obstruktion mit kurzen OAZ durchaus bei ca. 20% halten.
Bei kleinen Newtons kommt es dann darauf an, wie man es schwerpunktmäßig nutzen möchte, visuell, oder Fotografisch?

Wie Nik schon geschrieben hat ist der Begriff "Planetennewton" eher ein Marketingbegriff.
Früher als man noch nicht wusste, dass Justage, Thermik und Qualität, eine größere Rolle auf die Abbildungsleistung haben, schob man fälschlicher weise die schlechte Abbildungsleistung eines Newton der Obstruktion zu und man versuchte daher am "Planetennewton" die Obstruktion möglichst klein zu halten und machte das Öffnungsverhältnis unnötig lang.
Auch gab es noch nicht die Komakorrektoren, Barlows und Okulare wie heute und man versuchte mit recht einfachen Okularkonstruktionen wie Ortho und Plössl, eine bessere Abbildung mit entsprechendem Öffnungsverhältnis zu erreichen.
Heute ist das jedoch ein veraltetes Konzept, was nicht heißt, dass es schlecht sein muss.
Durch das moderne Zubehör ist das ganze vielleicht vergleichbar mit der Geschichte von Achromat und Apochromat?
Hier ging es auch immer um möglichst kürzere Baulängen, immer farbreiner und immer kontrastreicher.

Der visuelle Planetennewton von heute, wird vielleicht wie folgt definiert?
- Hohe optische und mechanische Qualität
- Geschlossener Tubus gegen Localseeing, evtl. ISO-Tubus
- Aktive saugende Belüftung gegen Tubusseeing und Grenzschicht
- Guter OAZ mit 1:10 Untersetzung für feinfühliges Fokussieren
- Nachführung auf der optischen Achse mit EQ-Platform, GOTO-AZ Montierung, Paralaktische Montierung
- Taukappe gegen Atemluft
- Obstruktion kleiner als 25%
- Zubehör (Bino, Koma-Barlow, ADC, gute Okulare)

Immer mehr "Planetenbeobachter" verwenden heute einen ADC um maximale Farbkorrekur zu erreichen, gerade bei Planetentiefstand und bei großen Öffnungen ist die Atmosphärische Dispersion leicht zu erkennen.
Entscheidet man sich für einen ADC muss man durch dessen Baulänge einen Kompromiss eingehen, dann kann man wegen dem Fokuspunkt die Obstruktion beim Newton nicht mehr so klein wie möglich wählen, weil man dann nicht mehr mit dem ADC in den Fokus kommt.
Hier ist jedoch die mögliche Farbreinheit, einer kleineren Obstruktion vorzuziehen, weil ob nun 20%, oder 17% Obstruktion wird kein Mensch sehen können, die Farbaufspaltung wird jedoch deutlicher wahrgenommen bzw. wirkt sich stärker auf die Kontrastminderung aus, als die Obstruktion.

Gruß
CS
 
Kann ich bestätigen, nutze ebenfalls die 2,7xDüring-Barlow für planetare Beobachtungen am 12"f5 und bin äußerst zufrieden :y:
Test mit Bino steht allerdings noch aus...
japp, vor allem wenn man bedenkt, dass das Beugungsbegrenzte Feld bei F5 ihne Komakorrektor echt winzig ist, der Planet müsste de Facto perfekt mittig sein und bleiben.

Was den Einfluss der Obstruktion betrifft, dass hier:
und vor allem das hier:
sagt eigentlich fast alles.

LG
Olli
 
Hallo Willi

Ich habe bisher nur Refraktoren gehabt und möchte mir ein Spacewalk-Dobson 16"/F5 mit 20% Obstruktion zuzulegen.

F/5 ist meiner Meinung nach schon zu lang, bei 16" finde ich f/4 optimal.
Bei f/4 kannst du noch gut einen 89mm Fangspiegel verbauen, dann bist du bei 22%.
Nach P. Zmek hat man dann immer noch den Kontrast eines 317mm APO mit dem Auflösungsvermögen von 406mm, dass sollte erst einmal ausrechend sein ;)
Mit f/4.3 hat Spacewalk eigentlich ein gutes Öffnungsverhältnis gewählt.
Die Spacewalk bauen zwar sehr flach, bei f/5 braucht man je nach Körpergröße schon einen Tritt, auch wenn noch eine EQ-Platform darunter soll.
Zu bedenken wäre noch, dass bei der EQ-Plattform sich durch die Rotation die Einblickposition verändert.
Der Einblick ist dort bei 45°, der Winkel wird also je nach ost/west Richtung, flacher oder steiler, bzw. höher oder niedriger werden.
In Kombination mit f/5 und der EQ-Plattform kann es also sein, dass du dich etwas über den Tubus strecken musst, oder in die Knie gehen musst, wo es evtl. dann auch um Bequemlichkeit und entspanntes Beobachten gehen soll?
F/5 wäre mir bei 16" auch deshalb zu lang, weil es dann z.B. mit der 2.7x APM/Düring Barlow, oder einem Komakorrektor schnell zu lang werden würde (Okularauswahl).

So viel ich weiß haben die Spacewalk keine Lüfter für die laufende Beobachtung?
Dünne Spiegel werden zwar oft als schnell auskühlend beworben, jedoch halte ich das bei der Größe, für eine Illusion.
Zumindest ist dann kein "schneller" Blick auf die Planeten möglich, was für die Auf- und Unterganszeiten der Planeten eine Rolle spielen kann.
Die Anpassung bzw. das wegsaugen der Grenzschicht ist wirklich ein zentrales Thema!
Solange der defokussierte Stern wabert und dicke Luftschlangen darüber wandern, bildet der Spiegel eine Grenzschicht.
Ist die Grenzschicht weg, ist auch das wabern weg und der defokussierte Stern zeigt seine rundlaufenden Fresnellringe mit FS-Schatten und Poisson Punkt.
Für die Unterscheidung, dass Atmosphärische Seeing sieht dann meist wie ein Jetstream aus, welches in einer Richtung darüber föhnt.
Also lange Rede kurzer Sinn, wenn du mit 16" Mond und Planeten beobachten möchtest und einen Kontrast wie in einem APO haben willst, kommt man um das Thema Grenzschicht nicht herum und das Thema Zeit kann wie gesagt auch eine Rolle spielen.

Diese Art der Newton Konstruktion ist meiner Meinung nach auf DeepSky ausgerichtet, für Planeten braucht es aber Lüfter, Streulichtsocke und eine Taukappe.
Das wiederum kann die Balance des Newton aus dem Gleichgewicht bringen, vor allem wenn du auch einmal mit Binokular beobachten möchtest.
Ist das Teleskop noch nicht bestellt, kann man diese Punkte evtl. noch mit einbringen?

Gruß
CS
 
das mit der Tauglichkeit auch für Planeten wäre mir schon wichtig. Ich habe mal bei noctutec nachgesehen, aber auch dort ist kein Lüfter vorgesehen.
Welcher Hersteller macht das denn überhaupt? Andererseits sind die Spiegel bei spacewalk und noctutec so "luftig" verbaut das ich mich frage ob Lüfter wirklich nötig sind bzw. ob sich so eine solche Grenzschicht über den Spiegeln bilden und halten kann.
Was mir noch auffällt ist, das Herr Busch (spacewalk) für Seine Dobson ein max. Gewicht von 1,1kg für Zubehör am OKA angibt. Nun das ist wohl der Preis für Leichtbau, aber das hilft mir nicht weil für Binokularansatz + Glasweg- und Koma-Korrektor + Okulare nun einmal ca. 1,5kg - 1,7kg gebraucht werden. Selbst einzelne Okulare können schon an die Grenze kommen. Die noctutec scheinen wesentlich robuster gebaut zu werden, aber halt auch schwerer, was bei 16" aber nicht die große Rolle spielt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mir ist noch aufgefallen das bei dem 16"/F4,5 von noctutec "Maximale Ausleuchtung ca. 19mm" steht. Was muss ich mir darunter vorstellen, dass ein 1,25"-Okular überhaupt nicht ausgeleuchtet wird oder wie ist dieser Parameter zu verstehen?
 
Hallo Willy, hallo Freunde

Das Thema Obstruktion wird ja schon seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert und am häufigsten melden sich meistens immer Leute die niemals oder nur momentweise einmal durch eine größere ( über 8" ) obstruktionsfreie Optik geschaut haben und daher aus eigener Erfahrung nur wenig erhellendes dazu beitragen können wobei dann immer Argumente aus theoretisierten Werten ins Feld geführt werden.
Nun Ja, ich habe einen 250er und das schon seit über 16 Jahren wo bei es immer noch aus gutem Grund die von mir am meisten genutzte Optik ist. Nebenbei bemerkt, es ist nicht meine einzige Optik. Daneben habe ich noch ein 7" Maksutov einen 8" F6 Dobson, 2 Apos mit 105 und 152mm sowie einen 16" F4,5 Dobson und daher kenne ich die Unterschiede durch aus.
Nun was ist anders am Schiefspiegler. Da fällt als erstes der immer dunkle Himmelshintergrund auf. Man muß schon zu einem 100mm-Okular greifen ehe sich das Bild etwas aufhellt. Aber, was wichtiger ist, der Himmelshintergrund bleibt auch dunkel wenn sich ein heller Planet im Bildfeld befindet. Das heißt man hat eine hellen Planeten vor einem sehr dunklem Himmelshintergrund. Bei Optiken mit Obstruktion ist der Himmel neben den hellen Planeten schon merklich aufgehellt. Man merkt das wenn man vom Planeten weg schwenkt wird der Himmel auf einmal merklich dunkler. Steht der Planet außerhalb vom Gesichtsfeld so kann man schon aus ca. einem halben bis ein Grad Entfernung am Lichtschein erkennen in welcher Richtung man hinschwenken muß um den Planeten "einzufangen". Beim Schiefspiegler ist das anders. Da kann der Planet dicht neben dem Gesichtsfeld stehen und Du ahnst noch nicht mal wo er zu finden ist. Und dieser Lichtschein bei abgeschatteten Opiken macht nicht vor der Planetenscheibe halt sondern erfasst diese voll und das führt zu Kontrastverlusten.
Nun ja ein 16er fängt mit 129651 mm² gegenüber 49062 mm² vom 250er so viel mehr an Licht ein das er das in der Regel übertünchen kann. Manchmal ist der Unterschied zur obstrucktionsfreien Optik nur sehr subtil aber die Helligkeitsunterschiede auf der Jupiteroberfläche sind es auch. Die Spreu trennt sich dann vom Weizen spätestens dann wenn man die Jupitermonde auch vor der Planetenscheibe erkennen will. Im Schiefspiegler gelingt mir das gelegentlich wenn das Seeing passt. Bei Europa und Io gelingt mir das im Randbereich der Jupiterscheibe, wo sie etwas dunkler ist, bis etwa im ersten Viertel ( gelegentlich auch Drittel )und bei Ganymed und Kallisto durchgängig.
Die Mondschatten zeigen sich im Schiefspiegler tief Schwarz als wenn man ein Loch in Jupiter geschossen hat. Im 6" Dobson hatte ich letztens dagegen mühe den Io-Schaten als dunkelgraues Etwas überhaupt momentweise zu erfassen.
Der großes rote Fleck ist im Schiefspiegler schon bei mittelmäßigen Seeing schlicht und einfach da. Man erkennt ihn schon wenn er gerade eben erst am Rand um die Ecke guckt und im Maksutov? Ist er´s oder nicht?
Ich habe den Fleck schon schön orangefarbig gesehen wie die Möhre von Buck´s Bunny. Teilweise auch mit Umrandung als wenn er eine Brille auf hat.
Im Schiefspiegler fange ich bei mittelmäßigen Seeing in der Regel mit einem 19er Okular bei 263fach an was sich bei bestem Seeing bis zum 13er bei 385 fach steigern lässt.
Am 8" Dobson und im 7" Maksutov ist in der Regel spätestens bei 240fach schluß.
Der 6"Refraktor geht bis 343fach und der 105er F6,2 185fach.
Im vergleich zum 16er kann der Schiefspiegler kontrastmäßig locker mit dem 16er mithalten. Das bessere Auflöungsvermögen macht sich erst ab einer 300fachen Vergrößerung langsam aber sicher bemerkbar.
Wo der 16er richtig auftrumpfen kann das ist bei den lichtschwachen Planeten Uranus und Neptun. Bei wenig Licht macht sich die Obstruktion kaum bemerkbar. Hier überwiegt dann bei weitem das Lichtsammelvermögen. Uranus und Neptun sollten bei 1-1,5mm Ap. beobachtet werden und da kann der 250er bei weitem nicht mithalten. Dafür trumpft der bei den hellen Planeten auf welche man dann im 16er bisweilen mit einem Neutralfilter abdunkeln sollte.

Und nun ein par Worte zum 16er. Ein Öffnungsverhältnis von 4,5 würde ich auf keinen Fall unterschreiten wollen. Ich konnte mal in einem 18"-F4 mit einem 6mm Okular und 6mm Feldblende bei 300fach Neptun beobachten. Klar ,Triton war darin leicht zu erkennen aber auch der Komaschwanz der erst zur Bildmitte hin kleiner wurde und sich auf der anderen Seite nach außen hin wieder neu bildete und Neptun ist nicht gerade ein Lichtriese. Da ist dann schon doch noch ein deutlicher Unterschied zwischen F4 und F4,5.

zur maximalen Ausleuchtung:

Die 19mm Bildkreis ist der Bereich der noch zu 100% ausgeleuchtet wird. Aber....
Lege ich die Abmessungen von meinem meinen 16er zu Grunde dann darf bei einem 82er Fangspiegel die Bildebene nur noch 53mm über dem Tubus oder 297,5mm über der optischen Achse liegen. Meiner hat einen 88er Fangspiegel und die Bildebene liegt bei meinem 3"-Okularauszug 98mm über dem Tubus oder 340,5mm über der optischen Achse.
98mm über Tubus das hört sich nach sehr viel an, ist es aber nicht wenn man bedenkt das die Feldlinse vom Paracor 85mm vor der Bildebene liegen muß. Wird die Bildebene über Tubus kleiner als 85mm so fängt der Paracor langsam aber sicher an in den Tubus hinein zu ragen.
Zum Vergleich: Beim Schiefspiegler liegt der zu 100% ausgeleuchtete Bildkreis bei ca. 26 mm und am Rand vom 70 mm Bildkreis (3"-Okular) liegt er immer noch bei 92%!

Zur Beobachtung mit Bino:

Hier wird ein Glaswegkorrektor unabdingbar. Ohne Glaswegkorrektor liegt sonst der Binoeingang von 28mm 110mm vor der Primärbildebene was zu Abschattungen der Spiegelranzone führen kann. Mit anderen Worten, Du verlierst Öffnung wie mit einem zu kleinen Fangspiegel. Die einfachen Komakorrektoren 1,25, 1,7 und 2,6 sind hier wenig geeignet. Man muß schon einem großen Korrektor für Newtons verwenden aber der erreicht bei Baader auch nur einen 80mm Raumgewinn.
Ich würde eher auf den Denkmeier Optional Cell OCS-A45 for Binotron 27 Super System setzen. Das Teil hat die größte Feldlinse, erreicht einen größeren Lichtwegausgleich und läßt sich auch an das Baader Großfelbino adaptieren.

Nun wirst Du Dich noch fragen warum ich einen 3"-Okularauszug ein meinem Dobson montiert habe. Ich verwende als Übersichtsokular den 30mm / 100°-Jumbo von Es.. Der bringt mir mit einer Feldblende von 52,2 mm mit Abstand das größte Gesichtfeld!

Gruß Peter
 
wow, sehr ausführlich, vielen Dank.
Falls ich Dich richtig verstanden habe hat man mit einem etwas größeren Fangspiegel eine besser ausgeleuchtetes Feld und mehr Fokusweg.
Der Nachteil ist aber natürlich auch mehr Obstruktion.
Liege ich da richtig?
Wenn Du schon von Denkmeier sprichst, würdest Du Sein Bino auch dazu empfehlen?
 
Hallo Bei Optiken mit Obstruktion ist der Himmel neben den hellen Planeten schon merklich aufgehellt. Man merkt das wenn man vom Planeten weg schwenkt wird der Himmel auf einmal merklich dunkler. Steht der Planet außerhalb vom Gesichtsfeld so kann man schon aus ca. einem halben bis ein Grad Entfernung am Lichtschein erkennen in welcher Richtung man hinschwenken muß um den Planeten "einzufangen".
Das ist aber ein normales Streulichtproblem aufgrund von Rauhigkeit und Tubusschwärzung.
Solche Effekte haben nichts mit Obstruktion zu tun.

LG
Olli
 
Hallo Willi

Ich habe mal bei noctutec nachgesehen, aber auch dort ist kein Lüfter vorgesehen.
Welcher Hersteller macht das denn überhaupt?
Ja da gibt es echt wenige bis gar keine, mir fällt da spontan nur OrionUK ein, welche das saugende Lüfterkonzept an ihren Carbontuben anbieten?
Jedoch sind das auch nur so kleine Spielzeuglüfter mit wenig Wirkungsgrad.
Hier und da wird gelegentlich noch ein Planetennewton angeboten mit langer Brennweite und kleiner Obstruktion, jedoch dann teilweise ohne Lüfter bzw. Lüfter die den Hauptspiegel von hinten anblasen, was bei weitem nicht so effektiv ist wie das saugende Lüfter Konzept, oder das über die Spiegeloberfläche blasende Konzept.
Warum größere Newton nicht als "Planeteninstrument" angeboten werden, darüber kann ich auch nur spekulieren.
Es gab mal eine Ära, bei der Firma Intercon Spacetec in Augsburg, wo man erkannte was ein großer Newton zu leisten im Stande ist.
Jedoch ist der Markt heute aufgeteilt auf Billiganbieter und auf Sonderanfertigungen.
Das bedeutet entweder selber Hand anlegen, oder teuer bezahlen.

Andererseits sind die Spiegel bei spacewalk und noctutec so "luftig" verbaut das ich mich frage ob Lüfter wirklich nötig sind bzw. ob sich so eine solche Grenzschicht über den Spiegeln bilden und halten kann.

Ja die Spiegel im Gittertubus sind zwar luftig verbaut, aber auch diese Spiegel bilden eine Grenzschicht aus.
Im Grunde hast du immer dort eine Grenzschicht wo Temperaturunterschiede sind.
Hier mal ein Foto.


Das ankommende Bild wird einmal beim auftreffen gestört und nach der Reflexion vom Hauptspiegel, muss das Bild noch einmal durch die Grenzschicht.
Bei der Gitterkonstruktion müsste man also Glück haben, dass der Wind gerade so über den Spiegel streift das es die Grenzschicht wegpustet.
Wenn du jedoch auf der falschen Seite stehst, würde es deine Körperwärme und deine Atemluft ebenso in den Strahlengang pusten.
Und würdest du eine Socke verwenden, dann würde auch der Wind nichts bringen.
Manchmal sind die Spiegelkästen auch zu groß gebaut, so das kein Wind an den Spiegel kommen kann.
Also wäre das alles andere als eine kontrollierte Bedingung und man wäre sehr vom Zufall abhängig.
Auch hast du dann wieder das Thema mit der Zeit und dem Warten bis der Spiegel angepasst wäre und je nach Temperaturunterschied, kann das mehrere Stunden dauern und wenn es dumm läuft geht die ganze Nacht vorbei.

Was mir noch auffällt ist, das Herr Busch (spacewalk) für Seine Dobson ein max. Gewicht von 1,1kg für Zubehör am OKA angibt. Nun das ist wohl der Preis für Leichtbau, aber das hilft mir nicht weil für Binokularansatz + Glasweg- und Koma-Korrektor + Okulare nun einmal ca. 1,5kg - 1,7kg gebraucht werden. Selbst einzelne Okulare können schon an die Grenze kommen.

Immerhin gibt er sowas an, solche Angaben fehlen bei vielen Herstellern.
Evtl. kannst du da mit einem Gegengewicht arbeiten, man könnte auch gleich die Höhenräder verschieben oder anpassen?
Für das Bino nimmst du am besten die 2.7x APM/Düring Komakorrigierende Barlow die ist super als GWK geeignet und die Koma ist auch weg.

Mir ist noch aufgefallen das bei dem 16"/F4,5 von noctutec "Maximale Ausleuchtung ca. 19mm" steht. Was muss ich mir darunter vorstellen, dass ein 1,25"-Okular überhaupt nicht ausgeleuchtet wird oder wie ist dieser Parameter zu verstehen?

Für die visuelle DeepSky Beobachtung geht man von ca. 10mm Ausleuchtung aus, da der Randbereich des Auges eine 100% Ausleuchtung gar nicht mehr wahrnehmen kann.
Für Planeten würden schon 1-2mm ausreichen.
Das Programm MyNewton berechnet dir die Ausleuchtung.

Gruß
CS
 
also, Gewicht am OKA ist kein Problem, weder bei spacewalk noch bei noctutec.
Bin am Überlegen was für mich besser ist, qualitativ sind wohl beide sehr gut soweit ich das einschätzen kann durch lesen.
An Spacewalk gefällt mir das niedrige Gewicht und der niedrigere Preis.
An Noctutec gefällt mir das Konzept mit der Box, das Filterrad, die Abdeckhaube, welche als Tritt oder Ablage verwendet werden kann und auch das Flightcase.
Ich frage mich welche Unterschiede es in den Eigenschaften der Spiegel gibt, da der Spiegel bei spacewalk ja sehr dünn ist.
Ich könnte mir auch vorstellen das die Konstruktion der Spiegelbox bei noctutec vielleicht etwas besser bzgl. Luftunruhe funktioniert, weil die Box Löcher hat durch die Luft strömen/entweichen kann.
 
Hallo Peter

Das Thema Obstruktion wird ja schon seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert und am häufigsten melden sich meistens immer Leute die niemals oder nur momentweise einmal durch eine größere ( über 8" ) obstruktionsfreie Optik geschaut haben und daher aus eigener Erfahrung nur wenig erhellendes dazu beitragen können wobei dann immer Argumente aus theoretisierten Werten ins Feld geführt werden.

Also ich für meinen Teil habe viele Jahre ebenfalls mit 8" ohne Obstruktion beobachten können.
Auch konnte ich schon gelegentlich mit einem 8" TEC FL beobachten.
AOK Kutter 200_4000.jpg

Leider musste damals dieses schöne Teleskop einem 12" Newton weichen, weil der 12" mir mehr Details zeigte, einen genau so guten Kontrast hatte und mir mehr Licht bei hohen Vergrößerungen mit dem Bino geboten hat.
Zur optischen Theorie, diese ist physikalisch konsistent, was bedeutet, dass ihre Aussagen anhand physikalischer Experimente getroffen wurden.
Warum sollte man also etwas gegen diese Theorie haben?

Nun was ist anders am Schiefspiegler. Da fällt als erstes der immer dunkle Himmelshintergrund auf. Man muß schon zu einem 100mm-Okular greifen ehe sich das Bild etwas aufhellt. Aber, was wichtiger ist, der Himmelshintergrund bleibt auch dunkel wenn sich ein heller Planet im Bildfeld befindet. Das heißt man hat eine hellen Planeten vor einem sehr dunklem Himmelshintergrund. Bei Optiken mit Obstruktion ist der Himmel neben den hellen Planeten schon merklich aufgehellt. Man merkt das wenn man vom Planeten weg schwenkt wird der Himmel auf einmal merklich dunkler. Steht der Planet außerhalb vom Gesichtsfeld so kann man schon aus ca. einem halben bis ein Grad Entfernung am Lichtschein erkennen in welcher Richtung man hinschwenken muß um den Planeten "einzufangen". Beim Schiefspiegler ist das anders. Da kann der Planet dicht neben dem Gesichtsfeld stehen und Du ahnst noch nicht mal wo er zu finden ist. Und dieser Lichtschein bei abgeschatteten Opiken macht nicht vor der Planetenscheibe halt sondern erfasst diese voll und das führt zu Kontrastverlusten.

Was du hier beschreibst hat nichts mit der Obstruktion zu tun, sondern mit anderen Aberrationen, evtl. auch mit dem geänderten verlauf des Strahlengangs, internen Reflexionen, der Verblendung usw.
Obstruktion beeinflusst das Beugungsverhalten der ankommenden Wellenfront und macht nicht automatisch einen aufgehellten Himmelshintergrund.
Solche Effekte habe ich auch schon beobachtet, der Großteil macht jedoch die Lichtsammelleistung der größeren Öffnung aus.
Die Planeten sind z.T. so hell in großen Teleskopen, dass wenn man keine Lichtdämpfung betreibt dies zu solchen Aufhellungen, Reflexen und sogar zu Doppelbildern führen kann.
Hier ist ein Binokular sehr hilfreich und der Einsatz von Neutralfiltern.
Ein weiterer Punkt für die Himmelshelligkeit ist die Austrittspupille bzw. die Vergrößerung.
Je höher die Vergrößerung um so dunkler wird der Himmelshintergrund.
Da man mit kleinen Teleskopen viel schneller an die förderliche Vergrößerung von ca. AP 0,8mm herankommt, hat man dort auch nicht solche Überstrahlungseffekte bzw. keine Aufhellung des Himmelshintergrunds.
Bei großen Öffnungen erreicht man seltener solch hohe Vergrößerungen und man beobachtet öfters bei 2-1mm Austrittspupillen, dadurch ist das Planetenbild z.T. viel zu hell und Details werden überstrahlt.
Am Newton ist die Fangspiegelspinne ein guter Indikator für ein zu helles Bild, sind die Spikes deutlich zu sehen ist das Bild noch zu hell.
Am Saturn z.B. der ja etwas dunkler ist, muss ich die Spikes regelrecht suchen, hingen am knall hellen Mars 2020 hatte ich Probleme die Bildhelligkeit richtig einzustellen.
So gesehen ist im Newton durch die Fangspiegelspinne zwar etwas Beugungslicht zu erkennen, jedoch bei richtiger Helligkeitseinstellung und dünnen Spinnenarmen sind das maximal 1%.
Diesem Wehrmutstropfen muss man jedoch fairer weise der deutlich höheren Auflösung, dem höheren Kontrast und die höhere Lichtsammelleistung der größeren Öffnung gegenüberstellen.
Bzw. man muss entscheiden was man sehen, oder Beobachten will?
Will ich ein ästhetisch sehr ansprechendes Bild haben, also eine schöne Planetenkugel auf absolut schwarzem Himmelshintergrund, jedoch bei vielleicht nur bei 150-200facher Vergrößerung, oder will ich quasi Details in den Details beobachten, was nur mit größeren Öffnungen möglich ist?

Nun ja ein 16er fängt mit 129651 mm² gegenüber 49062 mm² vom 250er so viel mehr an Licht ein das er das in der Regel übertünchen kann. Manchmal ist der Unterschied zur obstrucktionsfreien Optik nur sehr subtil aber die Helligkeitsunterschiede auf der Jupiteroberfläche sind es auch. Die Spreu trennt sich dann vom Weizen spätestens dann wenn man die Jupitermonde auch vor der Planetenscheibe erkennen will. Im Schiefspiegler gelingt mir das gelegentlich wenn das Seeing passt. Bei Europa und Io gelingt mir das im Randbereich der Jupiterscheibe, wo sie etwas dunkler ist, bis etwa im ersten Viertel ( gelegentlich auch Drittel )und bei Ganymed und Kallisto durchgängig.
Die Mondschatten zeigen sich im Schiefspiegler tief Schwarz als wenn man ein Loch in Jupiter geschossen hat. Im 6" Dobson hatte ich letztens dagegen mühe den Io-Schaten als dunkelgraues Etwas überhaupt momentweise zu erfassen.

An den Jupitermonden habe ich auch schon viele Vergleiche durchgeführt und in der Tat, den Mond vor der Planetenscheibe zu erkennen, ist wirklich eine sehr anspruchsvolle Beobachtung.
Jedoch hatte ich immer den Eindruck, dass bei solchen Beobachtungen alles passen muss bzw. das solche Beobachtungen mehr von den Rahmenbedingung wie Seeing, Transparenz, Objekthöhe usw. abhängig sind, als von meinem Instrumentarium.
Die Jupiterschatten sind meiner Meinung nach im Newton bei guter Helligkeitseinstellung und der Korrektur der Atmosphärischen Dispersion genau so schwarz wie in einem APO.
Um jedoch hell/dunkel Details auf den Jupitermonden zu erkennen brauche ich größere Öffnungen.

Und nun ein par Worte zum 16er. Ein Öffnungsverhältnis von 4,5 würde ich auf keinen Fall unterschreiten wollen. Ich konnte mal in einem 18"-F4 mit einem 6mm Okular und 6mm Feldblende bei 300fach Neptun beobachten. Klar ,Triton war darin leicht zu erkennen aber auch der Komaschwanz der erst zur Bildmitte hin kleiner wurde und sich auf der anderen Seite nach außen hin wieder neu bildete und Neptun ist nicht gerade ein Lichtriese. Da ist dann schon doch noch ein deutlicher Unterschied zwischen F4 und F4,5.

Koma ist beim schnellen Newton ein Thema, ich habe diese oft an Jupitermonden als kleine Seeingausbrüche zum Gesichtsfeldrand beobachtet, oder an der zunehmenden Randunschärfe bei Mondbeobachtungen.
Mit einem Korrektor bzw. der APM/Düring Barlow und einer Nachführung auf der Achse ist das jedoch selbst bei f/4 kein Thema mehr.

Gruß
CS
 
Hallo Willi

Der Noctutec ist halt Reisetauglich ausgelegt, da stellt sich mir immer die Frage braucht man das wirklich, bzw. wo und wie beobachte ich die meiste Zeit über das Jahr hin gesehen?
Ich kenne einige Sternfreunde die haben zwar Gitterrohr Newtons, lassen diese doch die meiste Zeit zusammen gebaut und klappen den Beifahrersitz um, wenn es zum besseren Standort geht.
Dann die Flugreisetauglichkeit, wie oft wird man mit dem Teleskop wegfliegen?
Wenn man eh zu einer Astrofarm z.B. nach Namibia oder auf die Inseln fliegt, kann man sich dort auch mal ein Teleskop mieten, oft sogar ein größeres wie 16".
Ansonsten sind mM nach die Preise von 6000€ bei Noctutec, für einen GSO Spiegel und keine teilbaren Stangen schon gepfeffert.
Mit Sicherheit sind das schöne Teleskope, jedoch beobachte ich persönlich ca. 95% von zu Hause aus und bin entsprechend anders ausgerichtet, von daher bin ich vielleicht bei solchen Gitterrohr Newtons nicht die beste Beratung, vielmehr ein unsympathischer Kritiker wenn es um die Planetentauglichkeit geht.
Noctutec hat laut Homepage auch nur f/4.5 standardmäßig im Programm, wobei OrionUK eigentlich f/4 anbietet?
Von den Spiegeln in Dicke und Qualität wäre Spacewalk mit AstroReflect vergleichbar, wobei AstroReflect einen etwas höheren Strehl garantiert als Spacewalk.
Die Spiegel haben oft nicht die exakten 16" also den optischen Durchmesser von 406mm, sondern der Rohling hat 400mm und der optische Durchmesser ist dann bei ca. 398mm.
Das nur am Rande wenn man es APO genau nehmen möchte ;)

Gruß
CS
 
Zur Diskussion über Hintergrundschwärze:
Jedes erschwingliche Teleskop, insbesondere ein Newton, hat Potential für Maßnahmen zur Kontrastverbesserung durch Streulichtunterdrückung, der Erfolg ist sichtbar am dunkleren Himmelshintergrund, und weil dieser bei uns nicht gar so dunkel ist, bei der terrestrieschen Beobachtung dunkler Objekte, wie Baumstämme oder ähnliches. Jedenfalls geht es dabei um den großflächigen, gleichmäßigen Lichtschleier über das gesamte Bildfeld. Auf die meist mit einfachsten Mitteln wie Papier und Schere möglichen Maßnahmen wie Blenden und Velours gehe ich jetzt nicht ein.

Davon zu unterscheiden ist die Lichtverteilung einer punktförmigen Lichtquelle, sprich die Intensitätsverteilung in Beugungsscheibchen und Beugungsringen. Hier merkt man die Obstruktion, die Qualität der Optik sprich alle Abbildungsfehler einer Optik. Je mehr Licht in die Beugungsringe geht, desto größer und merkbarer ist der helle Schein um einen Stern oder Planeten und dieser lokal auftretende Lichtschein mindert auch den Abbildungskontrast, vor allem innerhalb einer hellen (Planeten-)Fläche. Dabei sollte man bedenken, dass berechnete Kontrasttransferfunktionen meinem Verständnis nach auf abwechselnde Streifen, also einen eindimensionalen Kontrast bezogen sind. Ein kleines Fleckchen in einer hellen Planeten fläche bekommt allerdings Störlicht aus äußeren Beugungsringen von Flächenelementen im Abstand dieses jeweiligen Beugungsrings aus allen Richtungen, daher müsste der Effekt stärker sein.
Diese Beugungsringe sind auch bei obstruktionsfreier Optik vorhanden, jede Obstruktion und jeder Abbildungsfehler vergrößert ihre Helligkeit. Kann man dem auch entgegenwirken und ihre Intensität unterdrücken? Ja, man kann, duch Apodisationsfilter und das wird im professionellen Bereich und in der sogenannten Coronographie auch gemacht. Ich habe mit den berüchtigten Fliegengittermasken selbst Erfahrungen gemacht und kann sagen, dass ihr hilfreicher Anwendungsbereich klar erkennbar, aber beschränkt ist und will auch niemandem widersprechen, der ohne sie beobachtet. Bemerkenswert ist daran, dass der Hintergrund in unmittelbarer Nähe des Planeten merkbar dünkler, und zwar auch verglichen mit dem Planetenscheibchen wird.
Einzuräumen ist, dass man sich den Kontrastgewinn durch einen Auflösungsverlust erkauft, weil das Beugundsscheibchen etwas größer wird. Aber gerade bei großen Newtons, die eine gewisse Reserve beim Auflösungsvermögen haben, kann so ein Abtausch Kontrast gegen Auflösung sinnvoll sein.
Schade, dass es keine optisch hochwertigen, kontinuierlichen Apodisationsfilter für den Amateurbereich gibt, die der (genialen) Hilfskonstruktion aus Fliegengitter ja überlegen sein müßten. Vermute mal, da hat die Rüstungstechnik die Hand drauf. Leider läßt sich das somit nicht praktisch ausprobieren. Nur so eine Idee, was noch einen "Planetennewton" ausmachen könnte.
CS Nik
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo zusammen,
meine Meinung: Ein Planetennewton ist ein Gerät, welches relativ gut seeingresistent ist, also auch noch bei recht mittelmässigem Seeing Details zeigt und einen relativ guten Kontrast zeigt.
CS Mike
 
Hallo,

aktive Optik, das wäre doch mal was. Leider ist das Thema trotz großer Fortschritte in der Mikrotechnologie auch heute noch im ATM praktisch nicht zu finden oder umsetzbar. Frage mich schon, ob nicht doch mal ein findiger ATM, sowas im kleinen umsetzt. Bleibt nur die Flucht an einen erstklassigen Standort als weiterer Punkt für einen Planetennewton.
Wenn ich mir aber die diversen Platenbilder anschauen, die mit der Videoastrofotographie entstehen, da staune ich nicht schlecht. Mir scheint, dass da tatsächlich nur noch das Auflösungsvermögen des Teleskops die Grenze ist.

Viele Grüße
Gerhard
 
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