Deimos visuell mit 12" Dobson

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Hallo Sterngucker,

in der vergangenen Nacht (23. auf 24. 8. 03) habe ich mit einem 12" f/5 Dobson den Marsmond Deimos beobachtet. Tirili!!!

Von vorne: die Marsmonde habe ich schon lange als Beobachtungsobjekte in Planung gehabt. Gestern abend sollte es dann soweit sein. Ich war zum Beobachten an meinem Standort etwa 20 km südwestlich von Augsburg und wollte ein 12" Fernrohr testen. Viel getestet habe ich nicht...
Da die Marsmonde erstens schwach und zweitens sehr nah am Planeten sind, habe ich Mars abgeblendet. In mein geliebtes, steinaltes 8,8er Meade habe in eine Rasierklinge so eingebaut, daß diese in der Brennebene liegt und daher scharf sichtbar ist. Diese Methode habe ich schonmal - allerdings erfolglos - bei der Suche nach Sirius B benutzt. Da ich im Laufe der Nacht eine höhere Vergrößerung wollte, habe ich vor Ort die gleiche Konstruktion mit einem 6mm Radian und einem Stück Papier aus einer Geschälte-Tomaten-Dosen-Banderole gebaut. Die Dose hatte ich beim Weißblechwegwerfen übersehen.

Nach Aufbau um 22:00 habe ich gegen 0:00 mit der Suche begonnen. Schon nach einigen Minuten sah ich ein sternförmiges Objekt etwas südlich vorauslaufend. Ich habe das Okular in verschiedene Orientierungen gedreht, um die beste Stellung der Klinge zu erreichen und den Dobson immer etwas so in die passende Richtung gedrückt, daß der Mars jeweils gerade so abgedeckt war. Das Objekt habe ich so von 0:30 bis ca. 3:30 sehen können. Meist blickweise, aber gelegentlich einige Sekunden dauerhaft. Um 3:30 verschwand es dann in einem der vier Spikes der Spinne.
Ich hatte KEINE Aufsuchekarte dabei und keine Ahnung, wo die Monde sein könnten. Die Methode versuche ich bei schwierigen Objekten immer, um zunächst nicht vorbelastet zu sein. Ich habe versucht, den Abstand vom Planeten (knapp zwei Marsdurchmesser) und den Positionswinkel (ca. 250 Grad) so genau wie möglich zu registrieren. Die Daten im Marsbuch von Ronald Stoyan und Guide 8 haben meine Beobachtung genau bestätigt.

Die ganze Nacht habe ich mit den zwei Okularen nach Phobos Ausschau gehalten, aber nichts gesehen. Phobos ist zwar heller als Deimos, aber noch näher am Planeten. Das gute Seeing und den besten Mars, den ich bisher gesehen habe, habe ich nur gelegentlich angeguckt. Aber das machen ja genug andere...

Das dunkel bedruckte Papier von der Tomatendose hat sich überraschend gut bewährt. Das Papier ist nicht ganz undurchsichtig und der abgedeckte Mars ist als diffuse Scheibe sichtbar, blendet aber nicht. So konnte ich immer sehen, wo der Mars relativ zur Papierkante steht, ohne daß er blendet.

Besondere Probleme hat das Scharfstellen bereitet. Einmal habe ich am halb rausguckenden Mars scharfgestellt, einmal an Deimos, einmal an Sternen in der Nähe, einmal an der Klinge selbst und sogar an den Spikes! Keine der Methoden war so recht erfolgreich, was auch daran lag, daß die Klinge eben doch nicht ganz genau in der Brennebene vom Okular lag und natürlich auch daran, daß das Auge ohne festen Anhaltspunkt hin und her akkomodiert (kennt man von OIII Beobachtungen bei hoher Vergrößerung).

Beim Beobachten habe ich noch darauf geachtet, den Mars möglichst nicht mit meinem (rechten) Beobachtungsauge zu sehen, um mich nicht zu blenden. So habe ich den Dobson jeweils mit dem linken Auge wieder neu ausgerichtet und dann mit rechts reingeguckt.

Deimos hat nach Stoyan 11,6m und nach Guide 11,4m, das ist ein Helligkeitsunterschied von 14,1 bzw 14,3 Größenklassen zum Mars oder ein Faktor von 500.000!
Der Trick mit der Blende hat gut funktioniert und ich war überrascht, daß Deimos doch verhältnismäßig einfach war.

Heute werde ich - diesmal mit Informationen ausgerüstet - nochmal losziehen und Phobos suchen gehen. Der hat 10,4m, entfernt sich aber nur maximal knapp einen Marsdurchmesser vom Planeten. Ich melde mich, falls ich fündig werde.

Laut Stoyan sind die Marsmonde schon mit 8" gesehen worden. In der vergangenen Nacht hätte ich dies für zu knapp gehalten. Wer 8" oder mehr hat, sollte es versuchen, wobei eine saubere Optik und eine möglichst trockene Luft wichtig sind. Der Trick mit der Blende ist zur Nachahmung empfohlen!
Beobachtungserfahrung ist natürlich genauso wichtig wie die anderen Faktoren. Obwohl ich in 18 Jahren schon viele Sachen gesehen habe und viel Erfahrung gesammelt habe, ist in der letzten Nacht wieder viel Erfahrung dazugekommen!

Nach Mond, Io, Europa, Ganymed, Callisto, Himalia, Titan, Thetys, Rhea, Dione, Mimas, Enceladus, Japetus, Titania, Oberon und Triton ist Deimos mein 17. Mond - visuell wohlgemerkt.

Happy Hunting wünscht
Stefan Schuchhardt
 
Phobos mit 12" nicht gefunden

Moin,

Oberflächendetails auf Phobos!

Nein, Spaß beiseite. In der vergangenen Nacht (24. - 25. 8. 03) habe ich mit dem 12" f/5 Dobson gezielt nach Phobos gesucht - allerdings ohne Erfolg.
Nach Guide8 hatte Phobos in der Zeit von 0:30 bis 1:00 eine westliche Elongation. Gezielte Suche mit den in der ersten Mail erwähnten 8,8 und 6mm Okularen sowie einem mit Papier versehen 4mm brachte keinen Erfolg.

Einige Schlußfolgerungen und Anmerkungen:
- Zunächst die wichtigste Schlußfolgerung: Phobos ist schwieriger als Deimos. Mittlerweile habe ich den Artikel von Ronald Stoyan in der letzten interstellarum gelesen. Er meint, daß Deimos bei Idealen Bedingungen ab 6" gehen könnte und Phobos ab 12". Solche Daten sind immer etwas heikel, aber ich stimme damit überein, daß Phobos schwieriger zu sehen ist als Deimos.
- In der Nacht vom 23. auf 24. hatte ich Glück, Deimos genau in der Elongation zu erwischen. In der letzten Nacht habe ich trotz Kenntnis der Position keine Spur von Deimos gesehen, der einfach ungünstig stand.
- Meine Bedingungen für Deimos waren in mehrerlei Hinsicht nicht ideal: ich hatte keine Kenntnis der Position, ich hatte keine parallaktische Montierung, ich hatte ein Okular mit vielen Linsen, eines mit Linsen VOR der Brennebene und auch ein ziemlich verdrecktes (bezieht sich auf mein 8,8er Meade, das schon zweimal aus einem Meter Höhe auf Beton gefallen ist, das ich in grauer Vorzeit zum letzten mal gereinigt habe und mit dem ich schon etliche Biere aufgemacht habe). Alles Dinge, die Stoyan in seinem Artikel nicht gerade als ideal einstuft.
- Wie erwähnt habe ich auch ein 4mm Okular benutzt. Es zeigte sich, daß die Probleme mit dem Scharfstellen mit zunehmender Vergrößerung immer schlimmer werden. Dies ist meiner Meinung nach ein großes Problem, das vielleicht dadurch gemindert werden kann, daß man die Blende in Okular so genau wie möglich in der Brennebene positioniert. Das Problem des hilflos akkomodierenden Auges wird aber auch dadurch wahrscheinlich nicht endgültig gelöst. Ich schließe daraus, daß eine mittlere Vergrößerung möglicherweise besser ist als eine zu hohe Vergrößerung.
- Die in Stoyans Marsbuch und in seinem Artikel in interstellarum genannten maximalen Elongationen von 35 bzw 86 Bogensekunden beziehen sich auf die MITTE vom Mars. In der Tat entfernt sich Phobos zwar 35 Bogensekunden von Marsmitte, aber nur 22 Bogensekunden vom Rand - das ist weniger als ein Marsdurchmesser.
- Mein Freund Frank Leiter (wie ich von der Astro AG Heuchelheim) hat ebenfalls Deimos gesehen - mit einem 16" f/5 Dobson, einem 3mm Radian und Mars außerhalb vom Gesichtsfeld. Auch Frank hat Phobos vergeblich gesucht.
- Ronald schreibt in seinem Artikel in interstellarum, daß leichter Hochnebel in den Herbstmonaten wegen des guten Seeings von Vorteil sein könnte. Ich halte Hochnebel für solche Beobachtungen als ungeeignet, da der helle Planet dann einen Lichthof produziert, der die Beobachtung schwacher Objekte in der der Nähe von hellen unmöglich macht. Ich habe lange nach den inneren und schwachen Saturnmonden Mimas und Enceladus gesucht und bin immer am Lichthof von Saturn gescheitert, den ich auf eine verschmutzte Optik zurückgeführt habe. Mit genau der verschmutzten Optik habe ich die beiden Monde dann leicht gesehen - auf der Edelweißspitze am Großglockner auf über 2400 m Höhe. Durch die trockene Luft in der Höhe war der Lichthof um Saturn wie weggeblasen.

Zum Trost habe ich mich an den Monden von Uranus und Neptun versucht und tatsächlich die Uranusmonde Titania (13,9m) und Oberon (14,1m) gesehen (waren zufällig beide in südlicher Elongation) sowie den Neptunmond Triton (13,5m). Diese drei hatte ich bisher nur in meinem 18" Dobson gesehen.

Wie auch Ronald möchte ich nochmals dazu anregen, die Marsmonde zu versuchen. Mit besseren Bedingungen (nachgeführtes Fernrohr statt Dobson, Okular mit wenig Linsen) sollte Deimos auch mit weniger als 12" sichtbar sein.

Wenn wir schon bei Monden sind: Die Beobachtung der Monde von Uranus und Neptun bietet sich im Moment an und wer bei den Marsmonden scheitert, kann seine Mondausbeute vielleicht dort vervollständigen.

Eine ziemlich lange Mail für eine Nichtbeobachtung. Ich hoffe aber, daß meine Gedanken dem einen oder anderen bei der Suche nach den Marsmonden hilfreich sind.

Klaren Himmel
Stefan Schuchhardt
 
Hallo Stefan!

Es ist gar nicht so schwierig, Deimos zu erwischen. Hier ein kurzer Bericht dazu von mir. Etliche deiner Einschätzungen würde ich so auch unterschreiben.

Ich nehme mal an, mit dem steinalten 8,8er Meade meinst du das gleiche, das ich auch so schätze (allerdings nicht als Flaschenöffner <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ). Wie hast du die Rasierklinge angebracht? Klebeband?

Und: hat der ehemalige Doseninhalt zu besagtem Etikett irgendeinen positiven Einfluss? Auch Stefan Höhnig hat ja kein gewöhnliches Papier für seine Entdeckungsnotiz des Kometen genommen, sondern ein Sprudelflaschen-Etikett . <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/confused.gif" alt="" /> Haben Etiketten eine wahrnehmungsfördernde Aura? Rätsel über Rätsel <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/ooo.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/ooo.gif" alt="" />

Seit ich 1999 den Dobson bei euch abgeholt habe, bin ich übrigens von dem Gerät absolut begeistert! Leider merkt man nur bei seltenem sehr guten Seeing, was da wirklich drin steckt, aber unter solchen Bedingungen sieht man am Planeten derart viele Details, dass ich über die Diskussionen der Freunde teurer Apochromaten nur innerlich schmunzeln kann. Wenn die wüssten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> Bei schlechterem Seeing kann ich immer noch auf 6" abblenden und habe dann einen "Schiefspiegler". Aber natürlich mache ich vor allem Deep Sky mit dem Teil und freue mich auch da an schönen Bildern.

Die Handhabung des Teils ist auch einfach genial - sogar Beobachtungsgäste ohne irgendwelche Astro-Erfahrung kommen sehr schnell mit dem Nachführen klar.

Es freut mich übrigens sehr, dass E&T nun auch Eingang in euren Katalog gefunden hat. Ich habe von Ronald Stoyan erfahren, dass Martin einen Rechnercrash hatte, als er für eine ganz frühe Betaversion die Datenbankkomponenten installieren wollte. Und dann statt auf Microsoft sehr sauer auf mich war <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/shocked.gif" alt="" /> Das bedauere ich zutiefst, obwohl ich nichts dafür kann, wenn M$ Mist gebaut hat. Grüße Martin von mir!

Gruß,
Tom
 
Hi Schuchi,

schön mal was von dir zu lesen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> In deinen ITV Vorträgen hast du ja öfter zum Thema marsmond referiert - schön, daß du die Dinger nun im Visier hattest. Ich bin zwar kein Freund von Monden <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> aber der Bericht klingt schon nach Hardcorespechteln...

Gruß aus Ostwest, Jens

 
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