Hallo Bernd,
ich muss keine Lanze für das Jenoptem brechen, ich war weder bei der Firma angestellt, noch bin ich Händler.
Ich wollte nur meine Erfahrungen zu diesem Thema einbringen.
(Außer den im Text erwähnten Zeiss-Gläsern habe ich noch in meinem Besitz: 8x30 Deltrintem, 10x40 Notarem, 8x20 Classic, 10x25 Design Selection, Feldstecher 8x24 von 1907!, Marineglas 6x30 von 1923, 2 St. 8x21 Turmon, alles Zeiss)
Außer dass ich in die Sterne schaue, betreibe ich auch noch das Hobby Ornithologie. Dazu wollte ich gern ein besseres Glas als meine klassischen CZJ-Gläser haben. Zudem wollte ich auch nicht großartig über 500,- Euro ausgeben.
Um es vorweg zu nehmen, es sind dann über 1000,- für ein Zeiss Victory 10x42 Fl geworden. Warum? Alles andere, billigere, sei es Nikon, Minolta oder Minox waren im Vergleich zum Dekarem/Jenoptem für mein Sehempfinden schlechter.
Chinesische Fabrikate, außer was bei Aldi und Lidl für einen schnellen Blick greifbar war, habe ich erst gar nicht ausprobiert.
Erst das Zeiss Fluorit-Glas brachte den ersehnten Schritt nach vorn, wobei der eigentlich nicht so gravierend ausfällt. Hauptsächlich sprechen für das Victory die bessere Farbkorrektur (Vögel im Gegenlicht haben dann den gelblichen Saum nicht mehr), etwas mehr Transparenz, der größere Augenabstand (perspektivisch gesehen, man wird schließloch älter und braucht dann mal eine Brille) das geringere Gewicht sowie die butterweiche Fokussierung, die auch bei Kälte geschmeidig läuft (es sind wohl keine Schmiermittel sondern Teflonscheiben im Einsatz). Außerdem macht es auch mehr her, wenn man mit anderen Ornis unterwegs ist.
Zum Gesichtsfeld: Beim Fernglas kann man auf Grund der festen Vergrößerung das Gesichtsfeld angeben, entweder als Bildwinkel oder als Strecke auf 1000m Entfernung.
Das kann man bei einem astronomischen Okular nicht, da es bei verschiedenen Objektivbrennweiten benutzt wird. Hier ist das Scheinbare Gesichtsfeld von Bedeutung.
Das Jenoptem bringt bei 7,3 Grad realem Sehfeld 73 Grad SGF, da kann man zum Vergleich auf ein Astrookular schon von einem guten Weitwinkelokular sprechen. Dass in dem Test nur 50% scharfes Gesichtsfeld festgestellt wurden, ist mir ein Rätsel. Wenn ich das Victory oder das Jenoptem benutze sehe ich keinen augenscheinlichen Unterschied in Bezug auf die Randunschärfe. Am Tage sowieso nicht, da wird eher blickweise das Bild dunkel, weil man außerhalb der optischen Achse kommt, um den Bildrand zu sehen. Nachts habe ich noch keinen direkten Vergleich gemacht. Aber wer weiß, vielleicht wäre das Victory bei albinos.com auch gnadenlos durchgefallen?
Den Testsieger Leica Ultravid 10x50 hatte ich leider noch nicht in den Händen. Ein 10x42 Trinovid schnitt bei meinem persönlichen Test schlechter ab.
Frank Schäfer hat einen schönen Bericht zu den alten Gläsern verfasst. Ich empfinde seine Eindrücke genau so, insbesondere was er zur Randabbildung und zum Gesichtsfeld sagt. Ein 7x50 habe ich mir nie zugelegt, da mir der Bildwinkel zu klein ist. Wenn man vergleichsweise durch das 10x50 schaut, hat das 7x50 einen Tunnelblick. Das hat Plössl-Niveau, wobei das 10x50 im Bildwinkel oberhalb Panoptic angesiedelt ist. Das bloß einmal zur Verdeutlichung.
Ich möchte Dir keinesfalls ein altes Zeiss-Glas einreden, sondern nur andere Interessenten bestärken, die ein gutes Glas für etwas mehr als 100,- Euro haben möchten.
Ich denke, Du solltest lieber zum Fujinon greifen, da macht man nichts falsch.
Viele Grüße Hans-Jürgen
PS: Es wäre interessant das Garrett Signature 10x50 HD-WP im Vergleich zum Jenoptem zu sehen.