Deklinationseinheit für Astrotrac sinnvoll?

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andreasmax

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Hallo,

ich bin mir sicher, hier gibt es auch Freunde der Astrotrac-Montierung, welche mir vielleicht helfen können.

Ich besitze die AT seit fast 2 Jahren und habe immer noch Probleme mit dem Tracking. Mehr als 2 Minuten sind einfach nicht drinnen, bei 180mm Brennweite.
Mein Setup:
Berlebach-Stativ
Manfrotto 410
Astrotrac TT320X-AG
Novoflex Magic Ball Kugelkopf

Kamera: Nikon D800
Objektiv: Sigma 180/2.8 APO (Objektiv am Kugelkopf montiert)

Der Polsucher ist perfekt kollimiert und der Arm der AT stimmt ziemlich gut, jedoch nicht 100%.
Beim Setup sind alle Libellen am Stativ und am Getriebeneiger in der Waage und ich richte den Polsucher auf beide Sterne ein, den dritten Stern bekomme ich bestenfalls 2x im Jahr zu sehen…
Belichtungszeiten jenseits der 2 Minuten bekomme ich nicht auf die Reihe. Je nach Glück vielleicht noch 3 Minuten, danach macht es keinen Sinn mehr. Selbst mit 50mm ist bei 3,5 Minuten schluss. Ich lese jedoch im Web auch von mehr als 5 Minuten ohne Nachführfehlern.
Ich will nun nicht unbedingt 5 Minuten und länger belichten, ich mache lieber mehrere Einzelbelichtungen für das Stacking, ich will nur "sichere" 3-4 Minuten ohne Drift.

Nun zur eigentlichen Frage:

Ist mein Setup zu schwer? Brauche ich die TH3010 Deklinationseinheit?
Wer hat dieses Teil auf der AT im Einsatz und kann über den Unterschied berichten?

Wäre über jede Hilfe und Tipp sehr glücklich. Hier in Österreich haben wir nur selten Nächte zum Belichten und da möchte ich nicht am Setup rumflickeln, sondern Photonen sammeln…

LG

Andreas
 
Hallo Andreas,

ich fotografiere seit rd. 3 Jahren mit der Astrotrac (phasenweise bis 420 mm) und berichte gern ein wenig von meinen Erfahrungen.
Zunächst das Wichtigste: Mit Deinem Equipment sollten 5-6 Minuten bis 200 mm drin sein.

Ich habe auch den Magicball und halte ihn für Fotoobjektive völlig ausreichend und dazu noch sehr benutzer- und schnelleinstellungsfreundlich. Auch die rd. 1,7 Kg des Objektivs sollte der große MB gut halten, Fotografieren im Zenit dürfte allerdings grenzwertig werden, weil der MB den Schwerpunkt deutlich nach außen verlagert. Da kommt es dann auf den Unterbau an.
Zum Berlebach brauche ich keinen Kommentar verlieren, da bin ich mit einem Gitzo der 5er Serie zwar auch robust dabei, aber nicht so stabil wie Du.
Der Manfrotto 410 - ich weiß nicht, wie gut so ein Getriebeneiger im Vergleich zur Astrotrac-Wedge ist. Ich habe die Wedge und würde sie uneingeschränkt weiterempfehlen. Ich halte mich am Ende auch nur an die Libelle der Wedge.

Die Deklinationseinheit - Deine eigentliche Frage - Ich habe meinem Magicball ein 1,3 Kg-Objektiv (Canon 300 mm FB) zugetraut und selbst Fotografieren im Zenit ging problemlos. Die Delinationseinheit habe ich mir für meinen Takahashi 85 gekauft. Das Gewicht des Teleskops nebst Foto-Equipment (rd. 4,5 Kg) bringt die Deklinationseinheit aber bereits an Ihre Grenzen, auch wenn ich für ausreichend Gegengewicht sorge. Dein Objektiv wäre mit Sicherheit mit entsprechend Gegengewicht etwas ausgewogener an die Astrotrac gebunden, allerdings zu Lasten der einfachen Handhabung.

Ich würde aber Folgendes zuerst prüfen:
Der 3. Stern - Den brauchst Du zwingend bei 200 mm. Ich habe ihn anfangs auch nicht gesehen, sehe ihn jetzt aber eigentlich immer. Erste Priorität sollte sein, dass Du durch Verdrehen der einzelnen Teile nachts die Sterne so scharf wie möglich stellst. Als zweites habe ich dann am Tage immer den Polsucher kollimiert. Ich habe lange gebraucht, die Sterne und die Schablone ausreichend scharf zu stellen im Polsucher.

Für weitere Fragen stehe ich gern zur Verfügung.

Beste Grüße

Rene

PS: Ich habe mir noch eine Panoramaplatte von Novoflex unter den Magicball geschraubt. Das lohnt sich bei mehreren Belichtungsreihen pro Nacht, da die Kamera dann einfach in der Deklinationsachse die 2 Stunden zurückgedreht werden braucht. Das Wiederfinden des gleichen Himmelsausschnittes mit dem MB allein kann manchmal ganz schon hakelig werden ... gerade dann, wenn Du im Osten begonnen hast mit fotografieren und das Objekt sich nach 2 h in Zenitnähe befindet.
 
Rene, vielen Dank für deine ausführliche Antwort!

Den Polsucher habe ich an einem verregneten Wochenende im Jänner kollimiert und habe dafür auch die originalen Madenschrauben durch Kopfschrauben ersetzt. Damit klappt es weitaus besser. Den Arm zu kollimieren ist mir bisher nicht ausreichend gelungen. Ich kenne die Anleitung dazu und hatte schon gute Erfahrungen mit Klebestreifen an den richtigen Stellen. Nur: Der PS hält damit dann auch nicht mehr sehr gut. Die winzigen Magneten sind einfach ein Witz. Die kleinste Erschütterung und weg ist er. Ich sichere mit einem einfachen Gummiring den PS vor dem Absturz.
Mein Gedankengang bez. der Deklinationseinheit ist jener:
Da die Kamera inkl. Objektiv doch Gewicht hat und damit auch der Schwerpunkt nicht über der Achse liegt, kommt es unweigerlich wohl zur Reibung auf der Stundenachse der AT. Ergo: die Nachführung kämpft wahrscheinlich. Mit der DE dürfte das besser klappen.
Den dritten Stern hab ich in den letzten Nächten ebenso gesehen und eingestellt. Tracking klappt bis zu 3 Minuten. Bei der Nikon D800 mit ihrer hohen Auflösung sieht man wohl die Fehler im Tracking besser als bei einer 450D.
Ein Freund hat das gleiche Setup und wir hatten mal alles gegengetauscht, bis auf die Kameras. Gleiches Ergebnis: Er brachte mit seiner 450D und 200er beinahe 5 Minuten zusammen, ich jedoch nur 2,5 Minuten.
Und: Im Zenit dürfte es einfacher werden, ebenso ist der Polsucher manchmal einfach im Weg.
Ich bin heute abend eh wieder am Berg und seh mir die Sache nochmal genau an.

Danke Dir!
Andreas
 
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