Re: unscharfer Mars
Hallo Melanie,
dann wolln wir mal ergründen, warum es nicht recht mit Mars klappen will, diesem kleinen roten Scheibchen, welches Dir offensichtlich nicht recht Details offenbaren will.
(Nebenbei: Du kannst ruhig einen neuen Thread eröffnen - Du hast ja nicht das "zu hell"-Problem, sondern Detailmangel. Da viele zum Thema "Mars ist zu hell" nicht unbedingt lesen, ist Deine zu erwartende Resonanz eher gering, die Thread-Überschrift "zu hell" dürfte für viele ein "alter Hut" sein. Eine neue Diskussion zum Thema "Schon 2x versucht, mit 280x keine Details auf Mars" mit zunächst 0 Antworten dürfte die Antwortwahrscheinlichkeit und Diskussionsbereitschaft prinzipiell durchaus erhöhen.)
Ich gehe Deinen knappen Beitrag mal der Reihe nach durch:
Du schreibst "bis jetzt erst 2mal gesehen". Nun, bist Du erst seit ein paar Tagen mit Fernrohr dabei, hast Du eventuell Schwierigkeiten mit dem Auffinden? (Bitte nicht falschverstehen - das gibt es und wir können hier helfen; ich hatte am Anfang gar keine Ahnung und Planeten im Norden gesucht...; das Wetter war ja in den letzten Tagen/Wochen eher gut für uns.)
Miserables (= oft genug durchschnittliches mitteleuropäisches) Seeing ist leider die Normalität. Zu Ungunsten unseres normalen Biorhythmusses ist das Seeing in aller Regel in den spätesten Nachtstunden (früheste Morgenstunden) am Besten. Desweiteren braucht insbesondere die Planetenbeobachtung Geduld. Wirklich Geduld. Da schaust Du alle fünf Minuten mal und wartest locker mal 2 Stunden (24 Blickepisoden mit je vielleicht 30 Sekunden Dauer) vergeblich, bis das Seeing mal besser ist. Da sind dann schon Details zu erkennen. Aber um den Augenblick der "absoluten Luftruhe", diese sagenhaften vielleicht 5-30 Sekunden, die sich längst nicht jede Nacht überhaupt einstellen, zu erleben, braucht es eben dieses Vorgehen. Dann, in diesen Offenbarungs-Augenblicken "gehen einem die Augen auf", und das Instrument leistet, was es kann. Deswegen eben Geduld, Geduld und nochmals Geduld.
Geschickt ist es meines Erachtens, nach Gusto Objekte rumzubeobachten und nebenbei immer auf das Seeing (Qualität der Sternabbildungen im Okular) zu achten. In Phasen guten Seeings lohnt vielleicht der Schwenk zu Mars. Oft genug leider noch nicht wirklich. Aber man wird mit Langmut und Hartnäckigkeit seine Momente haben. Und dann wird man auch mit Details belohnt, wie er da steht im schwarzen All, man die Polkappe sieht, seine dunkeleren Gebiete, getupft abgegrenzt mit Ausbuchtungen, vielleicht sogar seinen bläulichen Dunst als Grenze der Polkappe. Da geht einem das Astro-Herz auf. Ich wünsche mir dann immer ein Gerät, daß aus meinem Auge/Gehirn das Wahrgenommene bildlich abzeichnet... Ich überlege, in den folgenden, oppositionsnahen Nächten mal Papier mit Zirkelkreisen und Stift mitzunehmen. Mittels Planetariumsprogrammen kann ich dann über eine Simulation sogar bei folgendem Regenwetter meine Skizzen abgleichen.
Ganz wichtig ist, daß Mars möglichst hoch steht. In diesen Tagen erreicht er den Südpunkt (Kulmination, größter Horizontabstand, am nächsten dem Zenit) noch recht spät, erst gegen halb drei (noch Sommerzeit, die ja erst gegen Monatsende endet). Vor eins, halb zwei würde ich nicht ernsthaft Top-Ergebnisse erwarten. (Es sei denn die sehr seltene Ausnahme athmosphärischer Besonderheiten, das würde man dann an kaum vorhandenen Funkeln der hellsten Sterne sehen, am besten am Instrument mit Höchstvergrößerung, um das bestens zu beurteilen.)
Scharf stellen am besten an Stenen, so daß diese so punktförmig (klein) wie möglich sind. Dann nicht mehr verstellen und auf Mars schwenken.
Mit 280x kann man durchaus was anfangen, oft genug gibt die Luftunruhe das aber auch nicht her. Möglichst am Stern fokussieren.
1. Mit welchem Gerät beobachtest Du? (Bautyp, Öffnung, Brennweite)
2. Mit welchem/n Okular(en)?
(Das ist wichtig, um noch perfekt zugeschnittene Tips zu geben.)
Auf jeden Fall sollte das Gerät vollständig ausgekühlt sein, justiert (=kollimiert) und die Vergrößerung den Bedingungen angepaßt.
Klare Himmel, Top-Bedingungen und detailreiche, erfolgreiche Marsbeobachtung wünscht Dir
Matthias.