Der Planetarische Nebel Sh2-78 mit dem NCT300

DietSky

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Hallo!

Angeregt durch die Himmelsvorschau für Astrofotografen von Frank Sackenheim (@frasax), hatte ich mir den Planetarischen Nebel Sh2-78 im Sternbild Adler als nächstes Aufnahmeziel vorgenommen. Zu dem Zeitpunkt war mir allerdings noch nicht klar, dass dieses Objekt sehr lichtschwach ist, möchte man die schwachen Randzonen erfassen. Aber genau diese machen das Objekt erst richtig interessant.

Um für die Aufnahme, bezüglich der Lichtstärke, bessere Voraussetzungen zu schaffen, habe ich meinen NCT300 auf den Betrieb mit Reducer umgerüstet. So hat das System F4,5 gegenüber F6,9 mit dem ASA-Korrektor.

Erste Aufnahmen mit 3nm-Schmalbandfiltern in Ha und OIII waren ernüchternd. Eine Recherche auf Astrobin zeigte mir, das durchaus 30 Stunden Belichtungszeit vonnöten sind, um die zarten Filamente in ihrer vollen Ausdehnung zu erfassen. Das würde ich keinesfalls investieren wollen. Meine Wunschliste ist dafür viel zu lang und es warten noch andere spannende Objekte auf mich.

In den sehr kurzen Sommernächten im Juli und Anfang August, konnte ich in Summe 18 Stunden Gesamtbelichtungszeit ansammeln, zur Hälfte jeweils in Ha und OIII. Dabei wollte ich es bewenden lassen.

Die Ausarbeitung zum fertigen Bild hat sich danach jedoch etwas verzögert, da ich zwischenzeitlich eine Augen-OP hatte, die mir die Arbeit am PC unmöglich gemacht hat.
Nun, nachdem ich wieder einigermaßen sehen kann, leider noch immer mit Einschränkungen, habe ich mich daran versucht und bin gleich auf ein Problem gestoßen, was mir bis dato noch nicht aufgefallen war:

Bei einer Aufnahme mit hoher Sternendichte, wie in diesem Fall, erzeugt das Entsternen deutlich sichtbare Artefakte im Hintergrund, wenn man danach einen intensiven Stretch vornehmen möchte/muß. Egal mit welchem Tool, ob StarXTerminator (SXT) oder StarNet++, es werden bekanntermaßen anstelle der Sterne Ersatzwerte ins Bild interpretiert, und genau diese erzeugen in Summe wunderbare „Scheinwolken“, die durchaus realistisch ausschauen. Man könnte schwache Ha- oder OIII-Schwaden vermuten, die jedoch real gar nicht vorhanden sind. Um dieser Sache nachzugehen, habe ich die Ergebnisse von SXT mit denen von StarNet++ verglichen. Beide waren deutlich unterschiedlich. Reduziert man vor der Entsternung die Sternduchmesser deutlich, erhält man wiederum ein anderes Ergebnis, was glaubhafter ausschaut, aber schon zu hässlichen Artefakten führt. Ich habe z.Zt. noch keinen gangbaren Weg gefunden, das Problem zu lösen, außer man entsternt nicht und stretcht Objekt und Sterne gemeinsam, was aber in diesem Fall zu sehr stark aufgeblähten und dominanten Sternen führen würde.

Ist Jemanden dieser Effekt schon einmal aufgefallen? Wie gesagt, es sieht täuschend echt aus und hätte ich keine Vergleiche angestellt, würde ich es für reale Gasschwaden halten.
Vielleich kann Manfred (@Wasshuber) etwas dazu sagen, denn er und sein BTB-Team haben kürzlich ebenfalls diesen PN fotografiert und hier gezeigt. Deren Ergebnis ist über alle Zweifel erhaben und meiner Aufnahme, sowohl in den Details, auch in der Tiefe überlegen. Hier, an dieser Stelle, nochmals meinen Glückwunsch dazu!

Danke für euer Interesse an meiner Ausarbeitung und gern würde ich mich über Anregungen freuen.

CS Dietmar

Sh2-78_HOO_klein.jpg


größere Version

Aufnahmedaten:
Instrument: 12" Newton-Cassegrain NCT300 (Eigenkonstruktion) im Primärfokus mit Reducer bei f=1340mm
Aufnahmekamera: QHY268M @-10°C Sensortemperatur
Guiding: Lodestar Pro am OAG
Filter: Antlia Filtersatz Ha (3nm), OIII (3nm)
Belichtungszeiten:
Ha: 9h00m; OIII: 9h00m
Gesamtbelichtungszeit: 18h00m
7 Nächte vom 11.07. – 07.08.2026
 
Hallo Dietmar,

toll nach dem BTB-Team-Ergebnis jetzt ein Vergleichsbild dieses besonderen PN hier zu finden. Beide Bearbeitungen sind fein geworden und dass Du so nah an die Vorlage aus Österreich kommst nötigt Respekt ab. Die schwachen Außenflügel in 18 Stunden Belichtungszeit bei der eingesetzten Blende so gut herauszubekommen ist einen Applaus wert und von den oben geschilderten Problemen bei der Bildbearbeitung ist so gut wie nichts zu erkennen.

Gratulation und VG nach Calden

Stefan
www.capella-observatory.com
 
Hallo Dietmar,

habe dein Bild mal direkt mit dem vom BTB verglichen. Ist schon spannend die Unterschiede in der Auflösung zu sehen, aber das soll deine Leistung nicht schmälern. Wirklich tolles Bild und es freut mich natürlich, dass solche Vorschläge aus der Himmelsvorschau aufgenommen werden.
Hast du mal das Script zur Synthese der RGB Sterne von Rainer Raupach ausprobiert? Sollte hier gute Ergebnisse liefern.

Cs Frank
 
Hallo Dietmar,

eine sehr interessante Aufnahme von Sh2-78,
die schwachen Randbereiche kommen bei dir wirklich schön zur Geltung.
18 Stunden sind dafür schon eine beachtliche Ausbeute, besonders bei unseren kurzen Sommernächten.

Das von dir beschriebene Problem mit der Entsternung ist mir ebenfalls bekannt.
Ich kenne diese „Scheinstrukturen“ und finde es immer wieder erstaunlich,
wie realistisch solche Artefakte wirken können.
Gerade jetzt habe ich auch wider einen solchen Kandidaten in der Pipeline. ;)

Ich wäre aber vermutlich ganz ähnlich vorgegangen: zunächst einen etwas moderateren Stretch,
anschließend eventuell die Sterne etwas reduzieren und danach entsternen.
Dann könnte man das sternlose Bild noch einmal gezielt weiter stretchen.

Auf jeden Fall eine sehr interessante Ausarbeitung, und schön,
dass du dich nach der OP wieder an die Bildbearbeitung heranwagen kannst.

Grüße und CS
Karsten
 
Hallo Dietmar,

Den Sh2-78 kannte ich noch gar micht. Du hast ihn sehr gut aufgenommen und Ausgearbeitet.
Ich werde Deine Aufnahme als Referenz nehmen und nächstes Jahr eine Aufnahme versuchen.
Das wird sicher nicht einfach, da OIII sehr schwach vorhanden ist.
Betreffend deiner Augen OP wünsche ich Dir alles Gute und das du so schnell wie möglich wieder wie ein "Fuchs" sehen kannst.

LG & CS, Herfried
 
Hallo Dietmar,
Zuerst mal Gratulation Zu Deinem tollen Ergebnis. Und nochmals Dank für Deine Glückwünsche!
Ich wusste, dass Du hier ebenfalls ein super Ergebnis zustande bringen wirst.

Beim Sterneentfernen gehe ich ähnlich vor. Da habe ich auch kein Geheimrezept. Ich arbeite ja in PI und noch einiges in Astroart (AA). So wird in PI registriert und gestackt. Dann mache ich bei Schmalbandaufnahmen die Sterne mit BXT so klein wie möglich und strecke anschließend in AA das Bild mit einer Mischung aus Logarithmierung und einer ArcSinHyp-Formel. Entsternt wird dann erst in PS mit StarXT. Die Stellen, wo mal die Sterne waren interessieren mich nicht so sehr, da ja dort mit RGB wieder Sterne hinkommen. Die Bereiche dazwischen kann ich im PS leicht hin und herblinken und beurteilen.
Viel mehr Aufmerksamkeit widme ich dann beim Aufhellen der schwachen Bereiche. Hier suche ich immer so viele und gute Referenzen wie möglich, was oft gar nicht so leicht ist. Und nur wenn ich in unseren Daten schon etwas sehe, was mir in Referenzen betätigt wird, helfe dort etwas nach.

Servus,
Manfred
 
Hallo Stefan, Frank, Karsten, Herfried und Manfred,

vielen herzlichen Dank für eure zustimmenden Wortmeldungen zu meiner Bildausarbeitung!

habe dein Bild mal direkt mit dem vom BTB verglichen. Ist schon spannend die Unterschiede in der Auflösung zu sehen, aber das soll deine Leistung nicht schmälern.
Ja, der Unterschied ist nicht zu übersehen. Ich habe einmal beide Bilder registriert und geblinkt, dann wird es besonders deutlich.
Manfred hat die Ha-Daten der BTB-Aufnahme deutlich stärker betont als ich und OIII eher im Hintergrund belassen.
Ich habe hingegen dem OIII-Signal etwas mehr Gewicht gegeben (es ist im Zentrum sowieso recht starkt vertreten) und von daher scheint es eher im Vordergrund, vor der Ha-Wolke zu schweben, im Gegensatz zu Manfreds Bearbeitung.

Hast du mal das Script zur Synthese der RGB Sterne von Rainer Raupach ausprobiert? Sollte hier gute Ergebnisse liefern.
Ich kenne das Script von Rainer, aber mangels PixInsight habe ich keinen Zugriff darauf. Ich habe die Sterne lediglich SPCC farbkalibriert und finde sie auch so schon recht ansprechend. Vielleicht hätte ich die Sterne etwas weniger sättigen sollen, aber das ist Geschmacksache.

Das von dir beschriebene Problem mit der Entsternung ist mir ebenfalls bekannt.
Ich kenne diese „Scheinstrukturen“ und finde es immer wieder erstaunlich,
wie realistisch solche Artefakte wirken können.
Ich habe das bisher noch nicht so gesehen, das liegt aber sicher auch daran, das ich mit der langen Brennweite selten eine derartig hohe Sternendichte im Bildfeld habe.

Ich wäre aber vermutlich ganz ähnlich vorgegangen: zunächst einen etwas moderateren Stretch,
anschließend eventuell die Sterne etwas reduzieren und danach entsternen.
Dann könnte man das sternlose Bild noch einmal gezielt weiter stretchen.
Habe ich Alles versucht. Die Ergebnisse sind immer etwas anders geartet, aber nicht unbedingt glaubwürdig.

Ich werde Deine Aufnahme als Referenz nehmen und nächstes Jahr eine Aufnahme versuchen.
Das wird sicher nicht einfach, da OIII sehr schwach vorhanden ist.
Auf dein Ergebnis bin ich schon jetzt gespannt! Es wird bestimmt die Referenz schlechthin, besonders was die Tiefe angeht. Dein aussergewöhnlich guter Standort und die enorme Lichtstärke deiner Optik sind nahezu optimal dafür, hinzu kommt dein gutes Händchen für die Bildbearbeitung.

Beim Sterneentfernen gehe ich ähnlich vor. Da habe ich auch kein Geheimrezept. Ich arbeite ja in PI und noch einiges in Astroart (AA). So wird in PI registriert und gestackt. Dann mache ich bei Schmalbandaufnahmen die Sterne mit BXT so klein wie möglich und strecke anschließend in AA das Bild mit einer Mischung aus Logarithmierung und einer ArcSinHyp-Formel. Entsternt wird dann erst in PS mit StarXT. Die Stellen, wo mal die Sterne waren interessieren mich nicht so sehr, da ja dort mit RGB wieder Sterne hinkommen. Die Bereiche dazwischen kann ich im PS leicht hin und herblinken und beurteilen.
Viel mehr Aufmerksamkeit widme ich dann beim Aufhellen der schwachen Bereiche. Hier suche ich immer so viele und gute Referenzen wie möglich, was oft gar nicht so leicht ist. Und nur wenn ich in unseren Daten schon etwas sehe, was mir in Referenzen betätigt wird, helfe dort etwas nach.
Vielen Dank für deinen Kommentar und die Glückwünsche, lieber Manfred!
So ähnlich habe ich das auch probiert. Einen leichten Prestretch und erst dann die Sterne entfernen (ich verwende u.a. auch für einige Aktionen Astroart).
Das Verkleinern der Sterne hat auf jeden Fall einen positiven Einfluss auf das Ergebnis, bleibt aber trotzallem ein Kompromiss. Zu schnell entstehen im gesamten Hintergrund dabei "Würmchen" nach der Entsternung und dem Stretch. Es ist wirklich nicht einfach Daten nahe dem Rauschlevel noch sauber herauszuarbeiten.
Eine gute Referenz ist sicher sehr hilfreich, um solche "Scheinnebelschwaden" einigermassen sicher zu erkennen.

CS Dietmar
 
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