Der Ruck-Zuck-Refraktor

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VisuSCor

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Liebe Astrokollegen,

nachdem mir der Herr Ransburg aka Wolfi ein hochfeines APO-Objektiv, einen Helicalfokussierer und zwei Adapter überlassen hat (gegen Bezahlung natürlich), habe ich mir beim Baumarkt ein passendes HT Rohr besorgt und mit diesen Teilen einen Ruck-Zuck-Refraktor gebastelt, der als Prototyp für einige Tests und zur Ermittlung der Länge des Tubus dienen soll.

DSC03111kPI.jpg


Ich beschreibe im Folgenden die verwendeten Teile und den Zusammenbau, der mit allen Arbeiten ca 2 h gedauert hat. Das ist allerdings nichts für Feinmechaniker und Optikspezialisten mit schwachen Nerven! Für eventuelle gesundheitliche Schäden wie Herzrasen, Schlafstörungen oder Herzanfälle durch das Lesen dieses Threads übernehme ich keine Verantwortung! ;)

Allen anderen viel Spaß beim Lesen! Wer Fragen zu Bezugsquellen oder Maßen hat, kann mich gerne anschreiben. Ansonsten bin ich auf Eure Kommentare gespannt!

CS.Oli
 
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Hey, cool!
Naja, das passt doch eh! :D

Vielleicht kehrst Du dann in 2 Monaten wieder zurück zum Abwasserrohr, weil es sich als unschlagbar erwiesen hat... :cool:

lg
Niki
 
Hallo!

Für eventuelle gesundheitliche Schäden ...

Wenn Du Dein „hochfeines“ (was genau bedeutet das eigentlch?) APO Objektiv mit einem Abwasserrohr, hoffentlich noch nicht im Einsatz gewesen!, verheiratest dann fügt das meiner Gesundheit ungefähr so viel Schaden zu wie die Reiskörner, die dem Chinesen aus seinem umgefallenen Reissack rieseln :p

Im übrigen ich den angekündigten Text nirgends finden, denn neugierig bin ich doch!

Viele Grüße
Maximilian
 
Vielleicht kehrst Du dann in 2 Monaten wieder zurück zum Abwasserrohr, weil es sich als unschlagbar erwiesen hat... :cool:

Hallo Niki,

das hat mir ein Astrofreund auch schon prophezeit! Ich überlege schon, ob ich etwas von meiner Tafelfarbe investiere und ein paar Blenden aus Pappe einbaue. Mal sehen.

Jetzt kommt erstmal die angekündigte Beschreibung des Zusammenbaus.

CS.Oli
 
Materialien:

DSC03088kPI.jpg


  • Triplet APO Objektiv 80/480 von TS
  • 2" Helicalfokussierer von TS - der hat jeweils M48x0,75 mm Gewinde (2" Filtergewinde), einmal aussen, einmal innen
  • TS-Optics Adapter von M48x0,75 auf T2 - 6mm optische Baulänge
  • TS-Optics Adapter von M60 Gewinde auf M48x0,75 2" Filtergewinde
  • diverse T2-Spacer (waren vorhanden)
  • HT-Rohr ND90 mit Muffenstopfen
  • 60 mm Kreissäge aus dem Baumarkt
  • Prisemenschiene war vorhanden
  • Gaffa-Tape

Die Taukappe habe ich vorab aus einer Schaumstoffmatte (Decathlon 2,49 Eur für eine ganze Matte) und Samtfolie aus dem Baumarkt mit Heißkleber gebastelt.

Hinzu kommen einige Holzbrettchen, ein dünner Pappkarton und Werkzeug, sowie eine Gehrungsschneidlade o_O dazu gleich mehr.
 
Die umgekehrte Kreissäge

Die erste Frage war - wie kriege ich das Rohr exakt gerade abgeschnitten? Handsäge scheidet aus, denn das wird nie gerade. Kreissäge habe ich nicht, das wäre eine Möglichkeit. Also habe ich mir eine Hilfskonstruktion gebaut - ich nenne es die umgekehrte Kreissäge:

DSC03097kPI.jpg


der Reihe nach:

man nehme ein Brett ausreichender Länge, eine Gehrungsschneidlade und ein Sägeblatt einer Handeisensäge, sowie etwas stabile Pappstreifen. Am Ende des Brettes wird ein Holzklotz als Anschlag geschraubt. Nun wird das Sägeblatt mittels Pappstreifen gerade in den rechtwinkligen Sägeschlitzt geklemmt. Hier auf der rechten Seite habe ich das Loch im Sägeblatt mit einer Schraube gesperrt, damit das Ding nicht rausrutschen kann, wenn man sägt.

Dann schraubt man die Gehrungsschneidlade so auf das Brett, dass das Sägeblatt in passendem Abstand zum Anschlag ist. Jetzt noch alles zusammen auf dem Tisch fixieren (Schraubzwingen) und fertig ist die Basis der Säge.

DSC03093kPI.jpg


Der nächste Schritt ist eine Kurbel, die in diesem Fall an das Werkstück angebracht wird. Da der Muffenstopfen später sowieso ein Loch für den Helicalfokussierer bekommt, kann man hier getrost Löcher bohren und ein improvisierte Kurbel anschrauben. Ich hab dann den Muffenstopfen noch mit 2 Schräubchen gesichert, damit er nicht mitdrehen kann.

Nun noch ein paar Gurte um das HT-Rohr, damit das Ganze nicht wegrutscht - damit kann man auch einen gewissen Druck auf das Sägeblatt einstellen. Dann muss man nur noch drehen und dafür sorgen, dass das Rohr immer an dem Anschlag gehalten wird.

Funktioniert prima!

DSC03100kPI.jpg
 
Fokussierer und Optik anbauen

Um den Helicalfokussierer anzubauen, muss man ein 60 mm Loch zentriert in den Muffenstopfen sägen, dann kann man den Adapter M60 auf M48 einfach als Konter benutzen.

DSC03103kPI.jpg

Den Grat am besten mit einem Cutter entfernen.

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Da die Wandstärke des Muffenstopfens etwas zu gering ist, um das Ganze bündig zu klemmen, muss man noch aus einer dünnen, stabilen Pappe einen passenden Ring dazwischen setzten.

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Dann noch die Prismenschiene anschrauben und dann kommt die Optik...
 
Ooooooohhhhh ... ptik (jetzt wirds brutal - sorry)

Da ich doch eher faul bin und auch keine wirklich gute Idee für eine Hilfskonstruktion hatte, hab ichs auf Amerikanisch gemacht: einfach Gaffa drum und fertig. Da ist natürlich nix mit exakter optischer Achse und so. Immerhin hält es zuverlässig :)

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Schnell die Taukappe drüber - dann sieht es keiner :cool:

DSC03111kPI.jpg


Auf der Rückseite des Helikalfokussieres kommt jetzt der Adapter M48 auf T2, ein Spacer und meine Clicklock 1,25" mit T2i - ein Teil, das ich glücklicherweise habe und immer wieder gebrauchen kann. Dann ein Okular rein - und es passt!!!! ES PASST :)

Ich hatte lange überlegt wie lange ich denn diesen Tubus jetzt machen soll. Anfangs war ich bei 320 mm, dann dachte ich eher länger - abschneiden kann man immer noch. Dann bin ich doch wieder auf die 320 mm, weil die Adapter ja auch noch ein bissl Baulänge haben. Und es passt auf Anhieb. Und der Wetterhahn des örtlichen Kirchturms zeigt dank der guten Optik auch keinerlei Farbränder. Und der Helicalfokussierer, dem ich eigentlich nicht so recht traute, läuft auch sehr schön sauber.

Also wieder eine einfälltige Konstruktion meinerseits erfolgreich umgesetzt! Als nächstes kommt der Fokustest mit der Kamera, wenn das Wetter mitspielt und ich nachts Zeit habe.

- E N D E -

CS.Oli
 
HALT! Da war noch was:

ein Grund für den Selbstbau war, einen möglichst leichen APO zu bauen, denn der soll am Ende auf meinem CPC reiten... vielleicht erinnert sich der eine oder andere an das hier:

1592480640172.png


Der 80/400 hat nicht die optische Qualität, die ich mir vorstelle. Ein fertig gekaufter Apo ist aber zu schwer, die wiegen nämlich alle schon um die 3 kg. Nachdem ich gesehen habe, dass die Optik alleine nur 650 g wiegt, dachte ich: das muss auch leichter gehen. Und siehe da:

DSC03113kPI.jpg


Der Hartpapiertubus, der später dran soll, wird etwas gleich schwer sein, dazu kommt dann noch etwas Tafelfarbe und die Blendringe.... sollte aber noch deutlich unter 2 kg bleiben.

CS.Oli
 
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Hallo Olli,

ich finde es Klasse und es erinnert mich an meinen ersten Refraktorbau. War ein Objektiv CZJ 50/540 im grauen Abwasserohr. Hat sich lange bewährt und mir die ersten unvergesslichen Eindrücke am Himmel beschert.
Zum Testen der Fokuslagen ideal und mit überschaubarem mech. und finanziellem Einsatz. Zenitprisma im Strahlengang nicht vergessen.
Für den finalen Tubus würde ich vielleicht Carbon vorsehen. Da gibt es einige Anbieter, die auch manchmal noch ein passendes Reststück für kleines Geld auf Lager haben. Sieht für mich irgendwie edel aus und ist superleicht bei hoher Stabilität, allerdings schlechter zu verarbeiten. Ist aber Geschmacksache

Gruß und CS
Thomas
 
Hallo Thomas,

danke für die Anregungen! Den Zenitspiegel brauch ich nicht. Fürs visuelle Beobachten hab ich noch ein anderes Gerät. Das mit dem Carbon werde ich mir überlegen.

CS.Oli
 
Ich habe bei Gerd Neumann ein günstiges Reststück aus Hartpapier bestellt. Bei Carbon (CFK) Rohren hört das Standardmaß wohl bei 76 x 80 mm (innen x aussen) auf. Das ist zu eng und trotzdem schon recht teuer. Für eine Sonderfertigung werden die Kosten meiner Einschätzung nach zu hoch. Wer eine günstige Quelle kennt könnte helfen

Danke
CS.Oli
 
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Carbon mechanisch zu verarbeiten ist auch nicht ganz ohne... bei uns musste immer spezieller Atemschutz getragen werden. Das waren aber auch andere Mengen. Trotzdem würde ich auch zuhause eine Atemschutzmaske aufsetzen (hat man ja jetzt genügend :).
Hartpapier ist schon ok.. ich muss mir auch noch überlegen, was ich mit meinem Sonnen-Klofraktor mache... immerhin ist der schon wieder 1 Jahr in der KG160 Röhre.

CS *entfernt*
DSC_8299_01.JPG
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
First Light

mit dem ansonsten unveränderten Refraktor mit der ZWO ASI120 mono. Der Fokus passt knapp auch für die Kamera, wobei noch 2 T2-Spacer drand sind, die ich ja entfernen könnte.

FirstLightDSC03125.jpg


Ein Snapshot vom Mond. Visuell sind keinerlei Farbränder zu sehen, die Mono zeigt natürlich sowieso keine Farbränder..

FirstLightMoon_00005.jpg


Selbst ohne Schwärzung des Tubus sind kaum Lichtreflexe zu bemerken. Hellere Sterne verstrahlt es visuell etwas. Bin mal auf die Verbesserung durch Schwärzung gespannt. Im Moment überlege ich, ob ich für diese Testversion einfach eine Veloursfolie einkleben soll. Andererseits macht es natürlich schon Sinn, auch die Blenden zu testen.

CS.Oli
 
Danke. Ist aber noch nicht fertig.

Ich habe inzwischen einen Hartpapiertubus von Gerd Neumann bekommen. Heute müsste der Adapter für diesen Hartpapiertubus angekommen sein, den ich mir JD-Astronomie hab fertigen lassen. Dann noch das Objektiv einpassen und testen ob alles funktioniert. Danach wird der Tubus noch geschwärzt.

CS.Oli
 
aus dem Ruck-Zuck-Refraktor wurde nun ein Olifraktor:

Tubus aus Hartpapier von Gerd Neumann
Adapter für den Fokussierer von JD-Astronomie gefertigt

Die Optik habe ich mit 2 Hartpapier-Ringen eingepasst und fixiert. Man kann in das Hartpapier direkt Gewinde drehen.

20200725_193011klein.jpg


Der Gummiring vorne ist eine Dichtung vom Abwasserrohr und sorgt dafür, dass der Refraktor nicht durchrutschen kann, wenn es Richtung Zenit geht.

Innen hab ich ihn mit mattem Autolack geschwärzt, ob ich ihn aussen noch lackiere muss ich sehen.

CS.Oli
 
hier noch das endgültige Gewicht
1569 g ohne Taukappe
1609 g mit Taukappe aus Isomatte mit Velourfolie
ohne Kamera
 
Innen hab ich ihn mit mattem Autolack geschwärzt, ob ich ihn aussen noch lackiere muss ich sehen.


Du könntest ihn schwarz machen und dir aus nachleuchtenden Stickern einen kleinen Schriftzug schneiden. Das wär doch cool. :cool:
Oder du machst ihn einfach in deiner Lieblingsfarbe, sowas find ich auch immer schön. Hat dann neben dem Aspekt des Eigenbaus noch mehr was Persönliches.
 
danke für die Ideen. Per PN hat mir jemand zu Folienbeklebung geraten. Das wäre auch ne Möglichkeit.
Ich muss aber gestehen, dass ich ihn so ganz schön finde und man darf auch sehen, das er selbst gebaut ist.

Das Gewicht oben ist übrigens komplett so wie auf dem Foto mit Leitrohrschellen!
Hatte ich ober vergessen zu erwähnen. Damit ist diese Version leichter als der Prototyp mit Abwasserrohr!

CS.Oli
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Olli,

der Olifraktor ist schön geworden! War auch eine gute Wahl mit dem Hartpaier, das wussten die ja beim Trabbi auch schon. Ich habe bei mir die Tuben nur noch mit Hartwachs von Osmo behandelt und somit wetterfest gemacht. Mir gefällts, hat was puristisches. Ich denke aber, egal wie der Olifraktor letztendlich aussehen wird, an der farbreinen Optik wirst du deine Freunde haben.

CS Thomas
 
Hallo Thomas,

danke für den Tipp mit dem Hartwachs. Das ist sicher ein gute Idee.

Jetzt brauche ich nur noch einen wolkenfreien Himmel für das Firstlight :)

CS.Oli
 
Die ersten EAA Sessions liegen hinter mir. Gestern zum ersten Mal mit Darkframe und zur meiner großen Überraschung hat mir das LiveStacking von SharpCap mit der ASI120 am Olifraktor M51 folgendermaßen präsentiert, obwohl ich das Galaxien-Doppel im C8 visuell überhaupt nicht ausmachen konnte:

M51_20200730ASI120.jpg



M51_20200730ASI120settings.jpg


Das ist natürlich keine Astrofotografie und auch für EAA dürfte noch Luft nach oben sein. Aber für meine Verhältnisse schon garnicht so schlecht. Mond und Flughafenbeleuchtung inklusive.

CS.Oli
 
Hallo Oli, das ist eine coole Sache... kann man sicher bei Führungen auf der Sternwarte einsetzen, muss ich mal probieren. :y:

lg
Niki
 
Hallo Niki,

das ist wohl eine Anwendung. Darüber wird zumindest in CN immer wieder berichtet. Ich hab jetzt noch ne ASI224 bestellt. Bin mal gespannt wie die funktioniert und was die Farbe bringt.

Leider finde ich im Protokoll keine Angabe über die Anzahl der gestackten Frames aber ich meine es waren 9 und die beiden Hübschen sind eigentlich ab dem ersten Frame gut zu erkennen.

CS.Oli
 
Ich hab jetzt noch ne ASI224 bestellt. Bin mal gespannt wie die funktioniert und was die Farbe bringt.

Ich bitte um Entschuldigung, dass ich immer dasselbe Bild als Beispiel bringe, aber das ist die 224er am kleinen Mak mit 2,5x Telezentrik. (Aus dem Wohnzimmer in der Stadt, 2018, Temperaturen waren allerdings innen und außen halbwegs gleich).

lg
Niki

Jupiter und Io Bedeckung.jpg
 
Das wäre dann also der Beginn meiner Karriere als Astrofotigraf ;)

CS.Oli
 
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